92. Der tapfere Bauer.

[83] Zu der Zeit, als bald die Schweden, dann die Polacken und Tatern im Lande waren, lebte in Aarsleben bei Apenrade ein Bauer Behrendsen, der das Herz auf dem rechten Fleck hatte.

Einmal kommen eine Menge Tatern in sein Haus und drohen es nieder zu brennen und rein auszuplündern, wenn er ihnen nicht Essen und Geld brächte. Behrendsen bat sie, sich einstweilen ein wenig niederzusetzen, ging hinaus und legte eine große Stange von der Dicke einer Deichsel ins Feuer und, nachdem das dicke Ende gehörig angebrannt war, erschien er wieder in der Stube und teilte damit rechts und links solche[83] Schläge aus, daß die Plünderer diesmal das Haus verlaufen mußten. Er dachte aber gleich, daß sie wohl wieder kommen würden, um sich zu rächen, und er sann daher auf eine Verteidigung. Darum schichtete er eine Menge schwerer Baumstämme, die er auf dem Hofe liegen hatte, so übereinander, daß in der Mitte ein Raum zu einem sichern Versteck blieb. Am andern Tage kamen auch richtig zwölf Mann und als Behrendsen ihre Absicht merkte, war er gleich auf seinem Posten, bewaffnet mit seinem mit mehreren Kugeln geladenen Muskedonner. Die Kerle wagten nicht ins Haus zu gehn, wollten es daher in Brand stecken und traten auf einen Haufen, um sich über die Art und Weise zu besprechen. Diesen Augenblick nahm der Bauer wahr und streckte mit einem Schuß elfe nieder; der zwölfte entfloh.

Behrendsen setzte noch lange den kleinen Krieg fort. Auf Feinde lauernd, lag er eines Morgens im Walde an der Landstraße, als ein junger schwedischer Offizier, andächtig seinen Morgengesang singend, daher geritten kam. Behrendsen legte an und schoß ihn nieder; aber noch auf dem Todbette gereute ihn diese Tat, daß er einen Menschen getötet habe, der ihm nichts zu Leide getan. – Seine Nachkommen wohnen noch auf seiner Hufe.


Durch H. Petersen in Soes.

Quelle:
Karl Müllenhoff: Sagen, Märchen und Lieder der Herzogthümer Schleswig, Holstein und Lauenburg. Kiel 1845, S. 83-84.
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