|
[4] Mit grausem Getümmel
Verschwunden vom Himmel
Sind Wolken voll Nacht;
Den Seen und den Flüssen
In strömenden Güssen
Zum Opfer gebracht!
O Jubel! o Wonne!
Nun kehren der Sonne
Verherrlichtem Blick
Erwachen und Leben,
Verjüngen und Streben
Und Liebe zurück!
Nun keimen und sprossen,
Von Glanz übergossen,
Die Blätter hervor;
Nun rauschen der Quellen
Entwinterte Wellen
Durch wankendes Rohr.
O seht nur, wie Flore
Dem summenden Chore
Der Bienen schon winkt!
O seht nur, aus welchen
Berauschenden Kelchen
Der Schmetterling trinkt!
Die Freude flog wieder
Auf buntem Gefieder
Den Sterblichen zu;
Ihr himmlisches Walten
Verwischte die Falten
Der Stirnen im Nu!
[5]
Vom einsamen Rädchen
Entführt sie die Mädchen
Des Dorfes zum Hain,
Und wirbelt in grünen
Gebüschen mit ihnen
Den ländlichen Reihn!
Begeistert den Zecher,
Beim funkelnden Becher,
Zu Liedern und Scherz;
Haucht Liebe den Blöden,
Haucht Liebe den Spröden
Allmächtig ins Herz!
Da taumeln die Stunden,
Mit Rosen umwunden,
Bacchantisch vorbei!
Und Jubel ertönen:
Es leben die Schönen!
Es lebe der Mai!
Buchempfehlung
Diese Ausgabe gibt das lyrische Werk der Autorin wieder, die 1868 auf Vermittlung ihres guten Freundes Ferdinand v. Saar ihren ersten Gedichtband »Lieder einer Verlorenen« bei Hoffmann & Campe unterbringen konnte. Über den letzten der vier Bände, »Aus der Tiefe« schrieb Theodor Storm: »Es ist ein sehr ernstes, auch oft bittres Buch; aber es ist kein faselicher Weltschmerz, man fühlt, es steht ein Lebendiges dahinter.«
142 Seiten, 8.80 Euro