Sechzehnter Auftritt


[402] Mehlwurm; die Vorigen.

Mehlwurm tritt zur Mitte ein, in einer Hand einen Weinkrug, in der andern das Licht haltend, und bleibt, wie er den Lärm hört, an der Tür voll Erstaunen stehen.


EULENSPIEGEL zu Lenchen, schreiend. Bin ich Euch endlich auf die Spur gekommen, Herr Jäger? Er zieht Lenchen an der Hand zur Türe und stößt absichtlich an Mehlwurm an, so daß er ihm mit dem Rücken das Licht auslöscht. Mein' Meister, den Ehrenmann, wollt's ös betrügen? – Hinaus, oder ich werf' Euch über die Stiegen! Tut, als ob er mit Gewalt Lenchen zur Türe hinausstieße.

MEHLWURM etwas vortretend. Ich bin als wie versteinert.[402]

EULENSPIEGEL kommt zurück und stößt an Mehlwurm, als ob er ihn im Dunkeln nicht kennte, und packt ihn. Da is noch einer – hinaus mit ihm!

MEHLWURM. Das bin ja ich!

EULENSPIEGEL ihn loslassend. Ah, der Meister is's! Ich bin so in der Rage, ich hab' 'glaubt, es is ein Helfershelfer vom Jäger. In der Finster sieht ein Halunk' dem andern gleich. Ich hab'n grad hinausg'worfen, den saubern Mussi Heinrich.

MEHLWURM. Ich hab's g'sehn. Umarmt Eulenspiegel. Ulrich! Du bist ein Goldmensch! Du bist der Schutzgeist meines Hauses. Wenn wir nur ein Licht hätten! Geh, Ulrich, hilf mir den G'vattern aufwecken.

EULENSPIEGEL. Das wird schwer gehn.

MEHLWURM rüttelt Heinrich, der in Spechts Hut und Mantel dasitzt. G'vatter! G'vatter! Der Wein is da!

EULENSPIEGEL. Mit dem is heut' nichts mehr anzufangen; das beste is, ich trag'n nach Haus.

MEHLWURM. Du bist ein wahrer Freund! Weißt überall Rat.


Quelle:
Johann Nestroy: Gesammelte Werke. Ausgabe in sechs Bänden, Band 2, Wien 1962, S. 402-403.
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