Rest

[147] Als uns'rer Seelen Aeolsharfensaiten

Vom Gotteshauch der Liebe laut erklangen,

Als uns're Geister glühend sich durchdrangen,

Nicht wahr, mein Freund! Das waren schöne Zeiten?


Das ist vorbei, und jene Seligkeiten,

Zu süß in ird'schem Gefild' zu prangen,

Sie sind in Nacht und Tod dahingegangen

Als ich dein schwankend Herz sah von mir gleiten.


Doch, ob auch liebeleer nun deine Brust;

Ein starkes Band wird ewig uns vermählen,

Im Innersten ist's trostvoll mir bewußt:
[148]

Denn ewig werden uns're düstern Seelen,

Gefall'nen Engeln ähnlich, von der Lust

Verlornen Edens trauernd sich erzählen.

Quelle:
Betty Paoli: Neue Gedichte. Pest 21856, S. 147-149.
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