D. Stellen am Harze, welche von Venedigern besucht sein sollen.

[198] Schon in den Harzsagen, S. 49, 128, 223, auch daselbst Vorwort S. XXIX-XXXI, ferner in der vorliegenden Sammlung unter No. 157, No. 323, No. 327, No. 328-330 und besonders in der vorhergehenden Abhandlung ist von den Venedigern und von dem Glauben, daß an bestimmten Stellen des Harzes Gold etc. zu holen sei, die Rede gewesen. Es scheint uns zweckmäßig, den Leser in den Stand zu setzen, diese Stellen möglichst zu überschauen. Wir folgen dabei einem in unserm Besitz befindlichen Büchlein in lang Duodez-Format mit ausgerissenem Titel1, worin sich S. 87 bis 137 folgendes findet: »DOCUMENTA oder Alte Urkunden und Nachrichtungen, wo hin und wieder im Römischen Reiche Gold- und Silber-Ertze, Gold-Körner, Wäschwerck, Seiffenwerck etc. zu finden seyn sollen. Von einem der Orten wohlkundigen und erfahrnen Metallurgo im Anfang vorigen Seculi aufgezeichnet, und nach seinem Tode also hinterlassen, jetzo aber allen Liebhabern der Metallurgie und des Löbl. Bergk-Baues zu Liebe und Dienste, so gut als sie empfangen, und aus der undeutlichen Schrifft herausbringen können, zum öffentlichen Druck befördert durch J.A.L.G.J.S.H.«

In diesem Büchlein stehen S. 118-136 die betreffenden Mittheilungen über den Harz. Jedoch da S. 127-134 aus unserm Exemplare ausgerissen sind, so sehen wir uns genöthigt, auch einige Ergänzungen nach einer gleichfalls in unsern Händen befindlichen Abschrift wahrscheinlich eines Theils des Manuscripts, dem auch jener Abdruck folgt, vorzunehmen. Auf diese Art lautet der Bericht: »Nun hette von Böhmen, Schlesien und Hessen unterschiedliche Nachrichtungen, wo Silber, Amethisten, Saphir, Smaragde, Topasen etc. zu finden, weil es aber weit entlegen, an theils Orten auch sehr gefährlich, solches zu bekommen, als habe selbige vor dießmal beiseite gesetzet und ausgeschlossen; sollte aber einer oder der andere solches zu wissen verlangen, kann er sich bei mir, dem Autore dieses Büchleins nur melden, alsdenn soll ihm mit schrifftlicher Nachricht an die Hand gegangen werden. Inzwischen[199] aber ist vor's dritte der weltberühmte und von Gott mit allerhand Ertz und Metall gesegnete Hartz, und die alldort herumliegende Städte und Oerter hiebei zu fügen, vor nöthig zu achten, denn durch diese Wissenschafft und Nachricht wohl noch mancher ehrlicher dürfftiger Mann zu einem Stück Brod und guten Mitteln kommen dürffte, daferne er sich keinen Fleiß dauren lässet. Setze demnach zum Anfang desselben die Stadt Elbingeroda, so am Hartz lieget, da frage nach einem Berg, der Morgenland heisset, und gehe im tieffen Grund das Wasser hinaufwärts, so findest du zwei Steinklippen, an derer einem ist ein Mönch gehauen,2 daselbst ist ein Stollen, da ist gediegen Goldertz inne, ein Pfund gilt gerne 112 Gülben, davon einsten ein Italiener Noth und Zehrung wegen 1 Pfd. zu Nürnberg um 106 Gülden verkaufft. Der Stollen ist mit Hürden bedeckt und vermacht, darum mußt du mit Fleiß suchen und aufräumen, so du ihn finden wilst.

Darnach gehe weiter am Wasser hinaufwärts, so findest du abermahls zwei Steinklippen und zwei Mönche daran gehauen, deren einer weiset dir mit dem Finger einen Platz an, da du gediegene Goldkörner finden wirst. Noch besser hinaufwärts ist ein gestümpelter Baum, dabei ist ein Steinhauffen, den räume hinweg, so wirst du einen Stein mit einem Ring finden, den hebe auf und suche, du wirst einen Fürsten-Schatz daselbst finden.

Hinter der Hartzburg in dem langen Thale stehen drei Tannen bei dem Wege, darunter ist ein Loch, in welchem eine Goldwäsche ist, die sehr gut und reich ist.

Wernigeroda. Wenn man von Wernigeroda den Bährenberg gehet, so kommt man vor zwei Sägemühlen, daselbst stehet eine Buche, die ist abgestümmelt, lehne dich mit dem Rücken daran, und siehe gegen Abend, so wirst du vier oder fünf Schritte von dem Baume ein Loch finden, darinnen schwartz Koblenertz, welches Gold und Silber hält, enthalten ist. Es soll auch ein gelber Leimen darinnen sein, der Gold halten mag. Desgl. gehe von Wernigeroda nach dem grossen Brocken, nach dem Klosterberge, nach Triebenack [Drübeck] und halte dich auf die rechte Hand des Brockens gegen das Thal, so wirst du einen Baum finden, an welchem diese Zeichen B. 7. eingeschnitten stehen, drei Schritt davon findest du das Guth mit[200] Bohlen bedeckt, siehet aus wie Weitzen-Kleyen und ist Gold und Silber.

Brockenberg. Gehe hinter den Brocken auf die alte Straffe nach dem Morgenbrodsthale zu, in demselben Thale gehe hin, bis du wieder an zwei andere Thäler kommest, deren eines zur Rechten, das andere zur Linken lieget, bleibe du aber im mittelsten so lange, bis du an einen grossen Stein kommest. Zu demselben gehe und siehe dich um, so wirst du daran eingehauen sinden einen Mönch, der eine Keilhaue auf dem Rücken hat, derselben Spitzen nach gehe den Berg hinauf, so wirst du eine Saalweide und nahe dabei ein Loch finden, mit Wellen oder Reissig und Rasen beleget, die hebe auf und suche darinnen, so findest du Körner, die sich pletzen oder schlagen lassen und sehr gut sind, die andern aber taugen nichts. An eben selbigem Orte findet man auch einen Mönch am Wasser in Stein gehauen, gehe an dem Wasser hinan und siehe dich um, so wirst du einen Ahornbaum, der einer Kertzen gleich ist, finden, drei aus einem Stamm. Daselbst sind in einem Wiesenplatz drei Löcher, die so aussehen, als hätten sie die Schweine gewühlet, darinnen findet man Körner, die sich breit schlagen lassen. Das Pfund soll 20 Gülden kosten.

Vom Kahlen-Königsberge, wenn du nach dem Bährenberge gehen willst, an der Mittagsseite nahe an dem Bährenberge ist eine Grube, da halte du dich links, so wirst du eine Buche finden, die ist so dick, daß man sie mit zwei Armen umgreifen kann, darinnen sind Zeichen wie Sternenkelche, da gehen ihrer viele zu und haben ihre Nahrung davon. Zum ersten ist eine Ansicht, das weiset mit der Nase darauf, in der Krümme hat sie 23 Wurzeln, eine nach dem Abend, die andre nach Morgen. Zwischen den Wurzeln ist die beste Urkunde, da findest du gediegen Gold, die Grube ist mit Dornen zugedeckt. Bei dem Königsberge rechts gegen Mittag ist ein Morast, da ist Zeug inne, das wie Lerchendreck aussiehet und ist eine Horde darüber geleget, daß man es nicht merket, das Pfund hält 6 Loth, man muß sich aber vom Königsberge herabmachen, wenn die Sonne am höchsten stehet.

Bei dem neuen Schloß stehet ein Mahlstein, an welchem das Regen- und Hohensteinische Wappen gehauen ist. Zwischen diesem Mahlsteine und dem Schlosse liegt ein unterhohlter[201] Hügel, darin ist himmelblaues Ertz, das gut Silber hält.

Ellrich. Wenn du von Ellrich auf die alte Eisenhütte gehest, da liegt unter der Glashütte eine Brücke, darüber kommst du in den Hartz; gehe allda fort, so wirst du ein alt Mauerwerck, das verwachsen ist, finden. Davon halte dich zur linken Hand etwa zwei Acker breit, so wirst du zu einer Steinklippen kommen, an derselben gehe hin und so fortan, bis du für neun der Steinklippen hin bist, dann lehne dich an die letztere und siehe zur linken Hand, so wirst du etwa drei Acker breit davon wieder eine Steinklippen sehen, da gehe hinein, so wirst du eine Fichten finden, die mit Reisig zugedeckt ist, darunter ist ein Loch, in welchem gediegen Gold zu finden ist.

Von Ellrich aus gehe man nach dem kleinen Brocken, ehe man aber dahin kommt, muß man durch ein Thal, das Suppenthal genannt, da wird man finden ein Brustbild an einem Stein gehauen, einem Mönch gleich, der weiset mit zwei Fingern, und wo er hinweiset, da lehne dich mit dem Rücken daran, so siehest du einen Stamm, daran stehet ein Schlüssel, lehne dich mit dem Rücken an den Stamm, so wirst du zwei Saalweidenbüsche sehn, daselbst schlage ein und suche, so wirst du gediegene Silberkörner finden, so sich schlagen lassen. – Gehe ferner von dem Brustbilde gleich aufwärts nach der schwarzen Schluft, halte dich nach der linken Hand und habe gut Acht, so findest du ein Brünnlein, das lässet zwei Ströme von sich, schöpfe es aus, und du findest gediegene Körner, man muß sie aber durch ein Sieb waschen, ihre Größe sind wie Erbsen. Von dannen gehe wieder aufwärts in der schwarzen Schluft hinauf, du kommst dann zu drei Eichen, dazwischen sind Löcher wie von Schweinen gewühlt, darinnen ist Wasser, das mußt du ausgießen, und du findest gediegene Silberkörner. Nicht weit von diesen Eichen findest du einen Platz und in demselben ist ein Loch mit einer Hort bedeckt, welche wieder mit Moos und Laub bedeckt ist, das nimm ab und öffne das Loch, so findest du einen Silbergang und daneben einen Schlägel und Setzeisen; da kannst du abschlagen soviel du willst, hast du genug, so lege das Zeug wieder hinein wie du es gefunden, du mußt aber ohne Betrug damit handeln, sonst hast du kein Glück damit. – Gehe aus der[202] schwarzen Schluft über den kleinen Brocken, so kommst du an einen breiten Sumpf, der ist ganz wässerig, da findest du auch gediegene Goldkörner, du mußt sie aber mit einem Siebe von dem Schlamme reinigen.

Von der Neustadt aus ohnweit der Hartzeburg [vergl. oben] nach dem Schieferberge kommt man erstlich an ein Wasser, das die Kalbe heißt, davon gehe über die Ecker ein wenig unter das alte Mauerwerk, dann ferner über das weiße Wasser und gleich aufwärts nach dem Schieferberge, daselbst findest du schwarze Körner, die auswendig aber schön weiß und gediegen Silber und Gold sind, es ist da groß Gut vorhanden.

Von der Neustadt nach dem Nebelthale, welches bald auf voriges folgt, ist die Nürnberger Goldgrube, welche sie lange Jahre im Gebrauch gehabt, und soll 1 Pfund Ertz 100 Thlr. gelten. Ein wenig von selbigem Orte zur Rechten aufwärts ist ein guter Silbergang, bei diesen beiden Oertchen fließt ein Wässerlein, das heißt das kalte Wasser und ist nicht groß; zur linken Hand der beiden Gänge ist der Silbergang oben am Berge und der Goldgang unten am Thale.

An dem Haselbache steht auch ein Ertz, der Taubenkopff genannt, dessen Pfund 1 Thlr. gelten soll, ist nahe bei der Hartzeburg gelegen. Nicht weit davon ist auch ein Ertz, der schwartze Talck genannt, so auch gut Silber hält, stehet nicht weit vom neuen Schlosse.

Bei Braunlage ist ein Brunnen, darin ist gut Ertz. Man muß ihn aber ausgießen, so man es haben will. Gehe von demselben Ort etwa einen Musketen-Schuß weit vom Wege ab zur rechten Hand, so wirst du eine alte Kohlstätte antreffen, daselbst schlage ein, so findest du ein Eisen, das kostbare Eisen genannt, das hält Gold in allen Proben und ist leicht zu gewinnen.«

Noch liegt uns in der oben bezeichneten Abschrift, wir wissen nicht woher entnommen, Folgendes vor, was sich auf das Weingartenloch (vergl. Harzsagen S. 203-207, und die Anm. S. 296-298) beziehen mag: »Wende dich gleich anfangs zur linken Hand, so wirst du eine Fünfe oder V finden, da steige in die Tiefe und gehe 12 Schritte fort, alsdann krieche zur rechten Hand hinein, so wirst du hinunterfahren in die Tiefe und wirst daselbst einen Stein antreffen, daran zwei Finger stehen; es ist auch ein Wässerlein daselbst, da[203] krieche auf dem Wässerlein fort, kannst du aber nicht fort kommen, so steige den Stein hinauf und gehe gleich auf die linke Hand, da wirst du in einen schmalen Gang kommen, gehe fort, und du wirst graue Felsen antreffen, oben an denselben wird eine 5 stehen, daselbst wirst du gleich ein Loch vor dir sehen, da steig hinab und wenn du hinein bist, so krieche gleich zur linken Hand auf dem Bauche hinein über ein paar Häuser lang, gefällt dir der Gang nicht und stoßen die Mauern zusammen, so lehne dich mit dem Rücken daran und die 5 wird aufwärts weisen; dann gehe gleich fort und du wirst noch in einen schmalen Gang kommen und wird gleich am Ende daselbst ein Loch hinein gehen mit Steinen verworfen, da räume auf und wenn du solches gethan hast, so krieche hinein von ohngefähr 3 Klaftern, da steht ein Bergmann, der mit der Bicke unter sich weist, gehe dann fort ungefähr 5 Klafter, da begegnen dir 2 Bergmänner mit Grubenlichtern; fahre vorbei, sie weisen dich an die Seite, und gehe weiter fort und du wirst in einen weißen Felsen kommen, worin ein rundes Loch sein wird, da mußt du durch und kommst dann wieder in die Weite; gehe darinnen fort und du wirst dort an der Ecke einen Mönch stehen sehen, eine Bicke in der Hand habend und nach einem Wasser zeigend, und wenn du hinüberkommst nach dem Wasser ohngefähr ein gut Klafter breit, da werden Hölzer darinnen liegen; gehe hinüber, es wird zur linken Hand ein schwarzer Felsen stehn, der gemeiniglich – [hier hat die Abschrift eine Lücke]..... machst du daran was los, so wird es hell glänzen, machst du es mit dem Lichte schwarz, so wird es einen Schall von sich geben: ich fresse dich! Kehre dich aber nicht daran, sondern gehe wieder auf die linke Hand und kratze ein wenig mit der Bicke, so wird ein Stein los fallen und ein eckiges Loch durchgehen, da mußt du durch und wenn du durch kommst, so wird dort ein Mönch stehen, mit der Bicke unter sich weisend auf ein Erz, das Pfund für 30 Thlr.; wenn dir aber das nicht gut genug ist, so gehe hinunter, schreite fort und du wirst in eine Weite kommen, wo es wird so helle sein als am Tage, da wirst du einen güldenen Altar erblicken und die Felsen gediegenes Gold sein; nimm nach deinem Gefallen und vergiß die Armen nicht.«

Fußnoten

1 Nach der typographischen Einrichtung wohl aus dem Ende des 17., vielleicht auch aus dem Anfange des 18. Jahrhunderts.


2 Vergleiche Harzsagen S. 71.


Quelle:
Heinrich Pröhle: Unterharzische Sagen. Aschersleben 1856, S. 198-204.
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