XV. Von Phantastischen Menschen.

[357] Martinus Zeilerus part. 3. des Exempel-Büchleins / p. m. 284. zu Winßheim war einer / welcher vor vielen Jahren etliche Todtschläge begangen / auch etliche schwangere Weiber auffgeschnitten. Endlich begab es sich / daß er zur Osterlichen Zeit / drey Kalbsköpffe kauffte / und solche in einen Sack / der wie ein Netz gestrickt war / thate. Als er nun damit durch die Gassen gieng / bedüncket jederman / so ihn gesehen / daß er blutige Menschen Köpffe tragen thue: und wird daher solches E. E. Rath daselbst angezeigt / so ihn stracks / durch die Satt Diener / gefangen nehmen / auffs Rathaus führen / und woher er diese Köpffe habe? befragen lassen; welcher geantwortet / daß er sie in den Fleischbäncken / oder in der Metzig erkaufft habe. Der Fleischhacker wird beschicket / welcher sagt: Er habe ihme Kalbs- und nit Menschen Köpffe zukauffen gegebē. Der Rath erschrickt hierüber / u. gedencket /[357] daß dieses nichts gutes bedeuten müsse; und läst ihn deßwegen in die Gefängniß führen / und auf die strenge Frag bringen / da er denn alle begangene Todtschläg bekennet hat. Wie man hernach den Sack auffgethan / haben die Köpffe wieder den Kalbsköpffen gleich gesehen. 2.) Joh. Petrus Langius part. 2. Delic. Acad. pag. 40. vom Käyser Theodorico wird gelesen / daß / nach deme er den Symmachum enthaupten lassen / und zwar unschuldiger Weise / und ihme einsmahls ein grosser zubereiteter Fisch vorgesetzt wordē / aufn Tische / davon zu essen / er ihme hat bedüncken lassen / als wehre des hingerichteten Symmachi Haupt dran: drauff ist er unsinnig geworden / und hat sein Leben nicht lange hernachgeendiget. Confer Richter inspectat. Hist. centur. 3. p. 389. Auto. acerr. Philol. centur. 4. cap. 51. p. 705.

Zeilerus in centur. Epistol. Posthumar. cap. 60. p. m. 495. etc. Theils Menschen bilden ihnen ein seltzame Sachen. Von einem Weib lieset man / die vermeynt / sie hätte mit dem Brode eine Nadel verschlucket / biß daß man ihr etwas zu erbrechen gegeben / und heimlich eine Nadel ins Geschirr geworffen / die sie geglaubet vō ihr kommen zu seyn; und also wieder gesund worden ist. Als ein Edellman / nach seiner angestellten Gastung am 3. oder 4. Tage / Schertzweise sich rühmete / er hätte seinen Gästen eine Katze in einer Pastete zu essen gegeben / so hat eine Jungfrau so dabey gewesen / ein solches Granen bekommen / daß sie davon gestorben. So auch einer andern Jungfraun begegnet /[358] als einer gesagt / man hätte ihnen in der Gasterey / an statt einer Rehe Keule / ein wohl bereites Hundts Vierthel vorgesetzt. Einer beförchete sich / er möchte ein Guckkuck werden; darumb er sich selbst erhenckte. Ein junger von Adel / in obern Lymosin / bildete ihm ein / er were auff der Jagt / von einem wilden Schweine umb den einen Fuß gebracht worden / und hette nur einen Fuß.

Ein anderer vermeynte / seine Füße währen gläsern / unn wolte deßwegen nit fort gehen / aus Furcht / er möchte sie zerstossen. Einer hatte die Einbildung / daß er von Ziegelsteinen wehre / und deßwegen nicht trincken wolte / weil er sich beförchtete / er möchte weich werden / und zergehen. Ein Beck bildete ihm ein / er were von Butter; und deßwegen kunte mann ihn nicht zum Feuer / oder vor seinen Ofenbringen /weiler sich so sehr besorgte / er möchte zerschmeltzen. Ein Edelwohner zu Siena / in Italia / hat ihme vorgenommen sein Wasser gantz und gar nicht zu lassen / sondern viel eher zu sterben / weil er ihme einbildete / so bald er sein Wasser von sich liesse / daß die gantze Stad ersauffen würde.

Und dieweil die Artzt nichts mit ihm außrichten kunten / so liessen sie / auß Vergünstigung / im nächsten Hause Feuer anlegen / und mit allen Glocken sturm leuten: bestelleten auch Knechte die Feuer / Feuer schreyen thäten / und schickten die vornehmsten Männer der Stadt zu Ihm / und liessen Ihm sagen /[359] daß kein ander Mittel wehre / ihre Stadt zu erretten / alß daß er eilend sein Wasser abschlagen / und also das Feuer leschen thäte. Dieweil nun der arme Melancholicus geglaubt / seine Stadt währe in solcher Gefahr / deßwegen pissete er / und leeret alles aus / was er in der Blasen hatte: und ist also durch dieses Mittel errettet worden. Thisabo von Redtschorn in seiner neu-Allmodischen Sitten-Schule / p. 254. etc. Etliche Melancholische bilden sich ein / sie wehren gestorben / sampt derer Chur. Ein Pommerischer von Adel / auß dem Geschlechte derer von Zuhnen / ist Anno 1314. in eine solche tieffe Melancholey gerathen / also daß er sich nicht anders eingebildet / er sey gantz todt; und hat auch dannenhero weder essen noch trincken wollen. Die Freunde aber erdencken solches Mittel: kleiden etliche frömbde Leuthe / als wie Todte an / tragen denen selben Essen und Trincken auff / daß sie essen / trincken / und stattlich lustig seyn müssen. Als dieses der Melancholische Edelman gesehen / hat er gefraget; wer sie denn wehren? Worauff sie ihm wieder geantwortet: sie wehren todte Leuthe: über welchen Todten der Melancholicus sich nicht allein höchlich verwundert / sondern sich auch bald zu ihnen gesellet / mitgessen / gedruncken und lustig erzeiget / sprechend: Er habe in Warheit nicht gewust / daß die Todten auch essen / trincken und sich lustig machen dürften / sonsten wolte er es schon vorlängst also gethan haben. Ist auch darauff / durch dieses Mittel wiederumb erlediget worden. Micraelius im 5. Buche der Pommerischen Chronica / am 536. Blat.[360]

Ein ebenmässiges Exempel erzehlet auch Lemnius /(lib. 2. complex. morbor.) von einem andern / der auch durch die Melancholey solche Todes-Gedancken gehabt / und mit obgedachtem Mittel / endlich wiederumb zu seinem rechten Verstande gebracht worden.

Zeilerus im Handbuche / part. 2. pag. 547. des Jahrs 1449. belägerte Herr Georg Podiebradsky / hernach König in Boheim / Nahod dafür einer / Namens Gastolar / geblieben / dessen Pferd / als er in das Treffen ritte / nicht mit ihme fort wolte: so ihrer viel vor ein Zeichen eines bald künfftigen Todes gehalten haben. Hist. Bohem. (3.) Zeilerus Tom. 2. Epist. 499. p. m. 670. zu Schwartzenstein / eine halbe Meyl von Rastenburg in Preussen / seynd zwo grosse Huffeisen in der Kirche auffgehengt / und ist die gemeine Sage daß eine Bier-Wirthin allda gewesen / so das Bier sehr übel den Leuthen zu gemessen / die hab der Teuffel des Nachts für die Schmidtin geritten / und den Schmidt mit Ungestüm auffgeweckt / ihm sein Pferdt zu beschlagen: die Krügerin oder Wirthin / aber den Schmidt / als ihre Gevattern / gebeten / nicht so geschinde mit ihr fort zu fahren / welche der Schmidt für ein Pferd angesehen / und deß erschrocken / und lang gezittert / denn er die Stimme gekant; unter deß habe der Hahn gekrehet / da sey der Teuffel verschwunden; die Krügerin aber sey hernach lange krank gelegen. Solte aber der Teuffel itzunder alle Bierschencken / so da übel das Bier messen / beschlagen lassen / würde das Eysen gar theur werden / schreibet Henneberger / am 429. Blat.[361]

(4.) Zeilerus in seinen sonderbahren Episteln / 48. p. m. 422. 423. Eines Wirthes Hauß Knecht so frömbd / und arm gewesen / aber in seinem Dienst sich wohl verhalten / hält ümb seines Herrn Tochter an / die ihm aber versagt wird. Der Wirth ziehet / mit seinem Weib und der Tochter / in ein Bad / und befiehlet dem Knechte nichts desto weniger / unter dessen das Haußwesen. Wärender solcher Zeit kompt ein Kauffmann in die Herberge / den der Knecht bey der Nacht ümbbringt / und in den Stall vergräbt; hernach sein Pferd / und was er bey sich gehabt / verkaufft. Als der Wirth wieder heim kompt / ist er mit des Knechtes Haußhaltung wol zu frieden: der aber falsche Brieff machet / als ob ihme die Freunde seine Vatern Todt zu wissen machten / und daß er wieder nach Hauß kommen solte / rathen thäten. Er weiset solche seinem Herrn / neben 80. Cronen / und sagt / ob woln seine Freunde / daß er ein Pferde kauffen solte / vermeynten / so wolle er sich doch zu Fuß auffmachen. / Der Wirth verwilliget / wie wohl ungern / in die Raiß. Uber etliche Wochen / kömpt der Knecht wieder / und giebt / über das üorige / seinem Herrn noch mehr Geld auffzuheben / mit Berichte / daß das Väterliche Erb hoch komme. Damit er dann so viel zu wege bringt / daß ihm der Herr die Tochter zum Weibe gibt: Er auch / nach dieses seines Schwähern Todt / wegen seines Wohlverhaltens / zu einem Rathsherrn erwehlet wird. Als aber ihm einsmahls in dem Rath angesaget wird /[362] daß er über einen Mörder solte helffen ein Urtheil fällen / ist er Morgens früe auffgestanden / hat sein Weib / daß sie ihm was guts zu essen machete / gebeten / gieng darauff in die Meß / und da er heim kam / fande er einen zubereiten Kalbskopff zum Frühestück / davon er sonst gern gessen; gleich wohl aber dißmahl ihme derselbe / wie ein Menschen-Kopff / fürkam: so ihm aber sein Weib / mit Freundligkeit / außredete. Er aß zwar davon in der Eyl / und gieng darauff in die Raths-Stube. Wie nun die Umbfrag an ihn kam / sagte er / daß der Mörder solte enthäuptet werden; und meldete darbey daß er eben diese Lebens-Straff selber auch verdienet hätte. Und erzhlete hierauff / nach der Läng / alle Umbstände: mit Bitt / daß man ihm auch nicht härter / als mit der Enthäuptung / abstraffen wolte. Man läst graben / und da man die Gebeine des Kauffmans findet / wird der Thäter / so gar willig zum sterben / mit dem andern Mörder enthäuptet: Auß Johann Jac. Grinaei Commentar. in Jonam. Biß hieher von Phantastischen Menschen: Deme ich nunmehr allerhand Phantasien von des Türckisches Reiches Untergange zuordene.

Adam Olear. am Pers. Rosenthale: Eine Prophezeyung / so unter den Mahumedisten hoch gehalten wird / ist genommen aus den Saracenischen Historen / die unter des Bibliandri Schrifften zu sinden / da es Bartholomäus und Georgivitz / d' lange Zeit unter den Türcken gelebet / vor 100. Jahrē beschrieben /[363] und dem Cardinal Otto von Waltburg Bischhoff zu Augspurg zu geschrieben. Es gehet aber solche Propheceyung erstlich auff das grosse Elend der Christen / so sie unter dem Türcken außstehen müssen / und dann auff den Untergang des Mahumetischen Reichs. Und setzet gedachter Georgiwitz dabey / daß / ob zwar unter den Türcken / als einem abergläubischen Volcke / vielerley Propheceyungen geglaubet werden / doch diese die fürnehmste sey / und gefürchtet wird / bevorab weil der erste Theil Weissagung mit Uberwältigung der Christē eingetroffen / so meinen sie / das andere / nehmlich vor ihrem Untergange werde auch unfehlbar folgen. Und sollen / wie er schreibet / wenn sie die letzten Worte hören / bitterlich zu weinen anfangen / nicht anders / als wenn das gedreuete Unglück ihnen allbereit über dem Halse hinge. Es ist einer an I. Fürstl. Durchl. meines Gnädigsten Herrn / Hoff / ein Einspenniger / Nahmens Christoff Richter von Dessau / aus dem Fürstenthumb Anhalt bürtig /welcher in seiner Jugend vom Türcken gefangen / und mit Gewalt beschnitten worden / hat etliche Jahr unter den Türcken gelebet (verstehet sowohl die Türckische / als seine Muttersprache) dieser ist mit uns aus Persien kommen / und berichtet; daß selbige Propheceyung noch heutiges Tages bey den Türcken im Schwange gehe / und von alten Leuten mit Furcht geglaubet wird. Und sollen sie darnebē sagen: Es werde der Türcke die Christen biß nach Cölln am Rhein verfolgen. Denn wird er mit grosser Macht zurücke getrieben / geschlagen / und ihr Haupt / zu Damasco woselbst[364] auch das Jüngste Gerichte / (ihrer Meynung nach) erst anfangen soll / umbgebracht werden.


(Die Propheceyung suche in meiner Türckischen Nativität.)


Henricus Ernstius in Variar. Observat. l. 2. cap. 24. pag. 130. etc. Als ich zu Verona herbergirte / und nebenst einem Italiener allda zur Nacht verbliebe in einem Hause: da bekam ich vom gedachten Italiener / als einem seinen aufrichtigen und gelahrten Manne / nachfolgende Propheceyung ab zu schreiben / so daselbst in einem sehr alten Buche gefunden worden. Carolus / ein Sohn des Philippi / aus dem Durchläuchtigsten Geschlechte / des Julii / eine lange Stirne habend / nebenst hohen Augen-brahnen / grossen Augen / einer Adlers Nasen / solcher wird in seinem 17. Jahre gekröhnet werden: hernach wirb er ein sehr grosses Krieges Heer versamlen / und wird alle Tyrannen seines Reichs verwüsten. Denn wie ein Bräutigam und Braut / also wird auch die Gerechtigkeit mit ihme seyn / biß zum 24. Jahre hin seines Reichs. Er wird grosse Kriege führen / und wird überwinden die Engländer und Spanniger / die Arraganier / die Frantzosen / die Lombarder. Er wird Rom und Florentz verstöhren / und mit Feuer verbrennen. Er wird eine zweyfache Krohne erhalten / und darnach wird er übers Meer gehen / und wird mit einem noch grössern Krieges Heere in Griechenland kommen / und wird in dem Lande der Griechen gekröhnet werden / Er wird die Chaldeer / die Türcken / die Barbern / die Palestiner[365] und Gregorianer bezwingen / und wird ein Geboth außgehen lassen: daß wer das Zeichen des Creutzes nicht wird aubethen / sterben muß / und es wird keiner seyn / der ihm wird Wiederstand thun. Ja er wird schier über die gantze Welt regieren. Dieser wird Sanctus sanctorum genant werden: Er wird gen Jerusalem kommen / und wird auff den Oelberg steigen / und wird seine Crohne vom Haupte nieder legen / und wird Gott dafür dancken / und wird mit vielen Zeichen und Wundern seinen Geist auffgeben / im 35. Jahre seines Reiches. Dieser wird vom Engel gekröhnet werden / und wird der erste gekröhnte Käyser seyn nach Fridricum den Dritten. Wunder genung / wenn es also solte erfüllet werden. In übrigen muß ich allhier / wegen der Zeit noch etwas anders doch gleichmässiges hin zu fügen / ans einem Tractat vom Türcken Krige / ob solcher rathsam sey fort zu setzen. Litt. D. III. Unlängst habe ich in Zeitung gelegen / daß zu Pariß Zeit wärender Belägerung / ein grosser Thurm abgehoben worden / und eine Marmelsteinerne Tafel darin gefunden / worauff in Griechischer und Lateinischer Sprache mit güldenen Littern / viel zukünfftige Begebenheiten verzeichnet gewest. Unter andern dieses auch / daß Anno 1663. die Länder gegen Auffgang mit Feuer in der Aschen geleget / und die Wasser mit Christen Bluth gefärbet werden solten. Was für andere seltzame Sachen mehr darinnen enthalten: mag ich itzt nicht melden.

Isth. Selbiges Prognosticon ist mir zwar auch[366] zu Gesichte kommen: halre es aber meines theils für ein an aufftichriges Mährlein. Mann muß nicht alles glauben / was müßige Leure richten etc. Biß hieher jenes Anonymi judicium vō solcher Propheceyung / welches aber mir mehr mißfält / als wohlgefält. Was sonsten die Propheceyung anlanget / so ist solch folgende: Es berichtet ein Glaübiger / daß in der Stadt Pariß ein grosser gewaltiger Thurm lange Jahr gestanden: in der Belagerung ist derselbe abgebrochen / darinnen ist eine / von weissen Marmol / Tafel gefunden / 8. Ehlen lang und 4. Ehlen in die breit: darauff ist mit gülden Buchstaben geschrieben gestanden / in Hebreischer und Lateinischer Sprach: daß wenn man zehlen wird / nach der Jahr Zahl /

1. 1591. Da werden sich die Länder Navarra / Englia / Tasceria / Isrila / Germania / Flandria / scheiden von ihren Glauben.

2. 1597. Wird das Land Aschiren gantz verbrand / und die Bäche Blut fliessen.

3. 1612. Wird dz Römische Reich eine Seule verlieren.

4. 1614. Wird sich Europa in grosse Unruhe außspinnen / und am allermeisten Teutschland betreffen.

5. 1619. Wird ein grosses Blut-Bad angehen / im Römischen Reiche / und eine Zeitlang mit Krieg und Hunger belegt seyn.

6. 1624. Werden sehr viel frömbder Gäste im Reich eingemischet / und grosse Unruhe anrichten.

7. 1626. Wird unter den Christen groß Blut-vergießen seyn.

8. 1627. Wird d' Zorn Gottes an vielē Orten angeben.[367]

9. 1629. Wird ein grosser Mann in der Welt / sonderlich dem Römischen Reiche / eine grosse Hülffe / den Bedrengten thun. 10. 1631. Wird der grosse Mann dem Haupt im Reiche eine Haar außrauffen mit Verwunderung vieler Potentaten.

11. 1632. Wird der grosse Mann von vielen bedrenget / beklaget werden / und das Blutbad erst recht angehen.

12. 1644. Wird grosse Unruhe an allen Orten seyn.

13. 1648. Wird sich GOtt über die Seinen erbarmen / und seinen Zorn in Gütigkeit verwandeln.

14. 1654. Wird sich grosse Empöhrung in Anglia erheben / und viel Blut kosten / und über das Hauß ausgehen / dieses geschahe 1649.)

15. 1655. Wird das Römische Reich fallen / und die Schaffe ohne Hirten seyn.

16. 1656. Wird sich groß Blutvergiessen gegen Nieder- und Auffgang in vielen Königreichen erheben.

17. 1658. Wird das Haupt fallē im Römischē Reiche.

18. 1662. Wird der arme Noth leiden / ein grosser Hunger unter den Menschen seyn / und die Gerechtigkeit bey grossen Herren verleschen / die Hoffarth und Pracht sehr überhand nehmen.

19. 1663. Werden die Länder gegen Auffgang mit Feur in die Aschen geleget / unn die Wasser mit Christen Blut gefärbet.

20. 1664. Werden viel Leute verschmachten vor Hunger und Pestilentz.

21. 1665. Wird das Vieh ohne Haut seyn.[368]

22. 1666. Wird der Pabst ümgebracht werden / keinē mehr erwehlen: und wird Krieg in aller Welt seyn.

23. 1667. Werden viel Leuthe und Länder den rechten Glauben erkennen. 24. 1668. Wird der Allerhöchste seinen Weinberg fliessen lassen. 25. 1669. Wird in der Welt ein Hirte und ein Herde seyn. 26. 1670. Werden große Wunderzeichen geschehen. 27. 1672. Gehet die die Welt nicht unter / wird seyn ein grosses Wunder. Biß hieher die communicirte Weissagunge: welche traun verwunderlich gnung kömpt / und mir nicht allerdings verdächtig will vorkommen / daß sie neulich etwa möchte erdacht seyn: Wie so dergleichen Grillen von denen Jesuiten und Mönchen wohl ehe durch Lügen-wege auff die Bahn sind gebracht worden; theils zu andern Zeiten / theils in vorigen Polnischen Kriege. Vid. Mein groß und künstlich Handt-Buch. It. die neue Pabst-Post / und Türcken-Trost. It. die Türck. Nativ. und Gogs-Wohlstand. Ist nun gleich einer unn der ander Aphorismus drinnen / als: 1. 2. nicht deutlich / wegen Benennunge der wunderlichen und vielleichte unrecht gelesenen oder falsch abgeschriebenen Landtschafften; So habe ich dennoch dem Leser keine bessere Richtigkeit liessern können / außn Defect eines correctioris manuscripti: Weiter hat dennoch auch niemand hierauß Ursache zufassen / die angeführte Wahrsagung deßwegen zuverwerffen; weil die Warheit aus andern Sätzen augenscheinlich hervor hellet: als was könte wohl: warhafftiger / nach Aph. 18. gesaget seyn / von Anno 1662. wegen der eingerissenen Hoffart; als was[369] der alte Vates vorgebracht hat? Ich habe darvon gehandelt in Arcan. Reip. Turc. im Türck. Stab. im Jungfer-Mägde-Tröst. in Türck. Nat. da einer alten andern Propheceyunge gedacht werden: wie der Türcke dermahleins in Teutschland kommen würde; wenn unsere Landes Leuthe anfingen Hosen zu tragen / als die Weiber-Röcke seyn. Hierzu tritt noch eine andere Weissagunge der XIII. Sibyllen / Nichanlae der Königin von Saba / welche von den letzten und ietzt-passirenden Zeiten also prognosticiret unter andern: Ihre Kleider werden sie so mannigfaltig und üppiglich verändern und erdencken Eins kurtz / das ander lang / eins enge / eins weit etc. daß sie sich selbst darob verwūdern werden / so mit seltzamen Falten und zertheileten Farben / daß es nicht gnugsam zu sagen ist. It. Der Weibliche / Jungfräuliche und Wittben Stand / Geistliche und Weltlich wird so gar in Unordnung / Eigenwilligkeit / Fürwitz / Unkeuschheit / und Hoffart wachsen / und mit Kleidung / Geberden / und Wercken / sich so schändlich halten / daß keines vor dem andern erkennet noch geehret wird. etc. It. Sie werden / je länger / je ärger / auß dem angebohrnen Luciferischen Stoltze zu aller Hoffart und Uppigkeit geneiget / in unkeuscher Unstätigkeit ertrincken / in Geistligkeit / Zorn / Neid / und Haß also erflammen / daß sie sich selbsten verbrennen in ihren Hertzen / allen gemeinen Nutzen zerstören / unn eigen Nutzen wieder ihr Gewissen unverschämbt suchen / It. der gehe Todt wird schnell unter ihnen regieren /[370] grosse Feldtschlachten werden unter ihnen geschehen. It. Das Römische Reich und Keyserthumb wird von Jahr zu Jahre so gar versetzt / zertrent / geschändt / und geschwächt / so gar unwerth und verarmet / daß sein niemand begehren / noch zu regieren annehmen wird. Und wird in der gantzen Christenheit grosse Noth / und Untrew auffwachsen. Also / daß sich ein jeder / der das mit frommen Hertzen bedencket / selbst erbarmen wird. Die Christen werden martern ihren GOtt mit üppigem Schweren / bey seinen Leib / Marter / Wunden und allen Gliedern / daß es zu hören erschrecklich und erbärmlich seyn wird / und ihnen wird / umb ihre Laster / Gott viel Warnungen / Straffen / und Plagen senden / durch ungehörte Schmertzen an ihren Leibern / mit Kürtzerung ihres Lebens. Durch die vier Clement mit ungestümen Winden / Ungewitter / Hagel / überlauffung der Wasser / Zerstörung und Versenckung Land und Leute / und dem Viehe / ihren Früchten und Nahrungen grossen und tödlichen Schaden zufügen etc. Bißher der Sibyllen klare Warheit / wegen der heutigen Zeit: ungeachtet ob sie gleich durch den Gog und Magog was anders verstehet / als wir: wie etwa zu ersehen ist auß der Beschreibung des Anti-Christs / also:

Demnach wird bald eine Aenderung / und neu Regiment / Fried und Einigkeit in der gantzen Christenheit erstehen / und das Römische Käyserthum (als vor das Griechische) ein Ende nehmen / und wird sich als denn[371] der Ende-Christ nahen / gebohren zu werden / nemlich wenn ein frömbder Käyser Gewalt über Rom gewinnet / der sich nicht einen Römischen Käyser schreibet / und dennoch ein Christe ist. Unter demselbigen wird der Ende-Christ zu Babylonien gebohren /voller Teuffel / und wird sich heimlich halten / biß in das 30. Jahr. Er wird geboren von dem Jüdischen Geschlechte / Vater und Mutter / als an der Jüden / von dem Geschlechte Dan / der einer der 12. Patriarchen ist gewesen / als Judas auch von den Jüngern JEsu war. Er wird bald Vernunfft empfahen / grosse Weißheit üben / reden und handeln / daß sich die Menschen darob verwundern; auff daß man mercke / daß es aus Krafft des Teuffels geschehe / denn Lucifer wird erfüllen seinen Leib / und umbgeben seine Seele im Mutterleibe. Er wird sich außwendig gantz heilig erzeigen; Aber inwendig ist er voller Teuffelischen Liste. Er wird auffwachsen in aller Boßheit und Uppigkeit / und wird sich schicken / und unterstehen des Weltlichen Gewalts / und in grosser Teuffelischen List / die Menschen gewaltiglich leidigen unn peinigē. Er wird offenbahren / daß er durch dem H. Geist verstehe / und wisse mehr denn alle Gelehrten / Priester und Geistlichen / und das aller Welt verborgen / sey ihm offenbahr / ihm seyn auch nicht verborgen alle Gedancken der Menschen Hertzen / und wird sich lassen anbeten; und der Teuffel wird die Hertzen der Menschen / die ihn anbeten / besitzen / und gegen ihm andächtig machen / daß sie befinden innerliche Freude und Wollust in ihrem Gebeth. Mit falschen Außlegungen[372] der Geschrifft wird er verborgenlich und heimlich anzeigen / das er der wahre Messias sey / und zu erkennen geben / wie Christus die Welt betrogen habe. Die Jüden werden an in gleuben / ihn anbeten / opffern / und aus allen Landen grossen Schatz und Gaben schicken. Er wird auch haben einen Vorläuffer / als Christus gehabt hat Johannem. Enoch und Helias werden als denn auß dem Paradiß kommen / und wieder ihn predigen / Wunder Zeichen thun / und die Welt von ihm bekehren / und wieder sprechen. Und so der Ende-Christ den Schaden / d' ihm vō Enoch und Helia geschicht / vernimt / wird er die Jüden gen Jerusalem beruffen / daselbst ihnen zu erkennen geben / daß er der wahre Messias / und ohn ihm kein ander GOtt sey / damit er durch seine falsche Außlegung der Schrifft / das Volck wieder an sich bringe / Jüden / und Christen an ihn / alß ein Gott / gläuben / und anbeten. Sein Bild wird gesetzt in alle Ende des Erdreichs / und der Teuffel wird aus ihm reden / ihm zu Hülff und Zeugniß seiner falschen List werden auch erstehen und kommen die zween verfluchten Jüden Gog und Magog / die der grosse Alexander in das Gebirg Caspie verschlossen hat. Sie werden die Gewalt der Christen vertilgen / und grossen Mord und Blutvergiessen schaffen / denen die nicht abfallen wollen von dem wahrem Christen Glauben / und anhangen der Teuffelischen Listigkeit / und glauben des Ende- Christs. Aber Henoch unn Elias die werden bleiben biß auff das Ziel / daß ihnen GOtt zu leiden und zu sterben auffgesetzet hat / alle verborgene Schätze werden[373] von dem Ende-Christ offenbahret / damit wird er die Christen und ander Volck an sich reißen. Die Liebe des Geldes wird so groß auff Erdreich seyn / daß die bösen Christen / Leib und Seel darümb geben werden. Die Andächtigen wird er betriegen durch seine geistlichen Wercke / und die bösen Menschē wird er betriegen durch Gaben. Die guten wird er zwingen durch Pein / die Gelährten durch Disputierung / und die Ungelahrten durch seine Teuffelischen Wunderzeichen / und wird nit mehr gestatten das Wort GOttes / die heiligen Evangeilsten / und Christlichen Glauben zu predigen. Zu Jerusalem wird er tödten die heiligen Männer / Enoch und Heliam / und der heiligen Propheten Leichnamb werden schmählich auff den Gaßen vierdthalben Tage unbegraben liegen / durch Furcht des Ende-Christs / aber am 4. Tage werden sie vor aller Menschen Angesicht wiederumb aufferstehen / und lebendig werden / und wird eine Stimme vom Himmel gehör / zu ihn also schreyende / Enoch / und Helia steigt auff / steigt auff! Alsdenn werden sie auff zu Himmel in einer Wolcken fahren. So werden denn alle Christen / die an den Ende-Christ gegläubet haben: in groß Rew und Leid kommen / daß sie ihme gefolget / und ihres Christlichen Glaubens / vergessen haben: Auff daß wird der Ende-Christ durch List des Teuffels sich tödlich erzeigen / und drey Tage also todt erscheinen / und am dritten Tage durch Lucifers Arglistigkeit wiederumb vom Todte erwecket und auffersthen werden. Denn wird die letzte Irrunge viel grösser / denn die erste ie gewesen ist / er wird zeichenen[374] lassen alle / die an ihn gläuben / welcher das Zeichen nie an seiner Stirn und rechten Hand hat / wird sich nicht dürffen offenbahren / weder kauffen oder verkauffen / er wird predigen und verkündigen / daß er auff 15. Tage nach der Auffarth der Propheten Enoch und Helias / als wahrer Gott und Messias / zu Himmel fahren / daß hinnach biß zu Ende der Welt / an seiner Gottheit niemand zweiffeln dürffte / und wird ihme auff das bereiten lassen zu Jerusalem auff dem Berge Oliveti / einen köstlichen Stuel / unn sich in grosser Majestät darein setzē und sehen lassen. So wird zu ihme lauffen alles Volck und warten unn sehen wollen seine Auffarth gen Himmel / und so er sich beweget unn auffährt / und durch seine teuffelische Gesellschafft biß in die Wolcken geführet wird / mit grosser Teuffelischer Hoffart / so wird der heilige Engel Michael mit gantzer Schaar der Engel / den Teuffelischen Ende-Christ wieder herab schlagen / und als er dem Lucifer gethan hat / in den Abgrund d' Höllen versencken / da wird fein falscher Glaub / Lehr und Leben schändlich geendet. Daß auch nicht länger währen sol gewaltiglich zu regieren / denn vierdthalb Jahr. Demnach wird Gott der Welt 45. Tage Zeit geben / Buße zu wircken / und Rew und Leid umb ihre begangene Sünde zu haben / und den Jüngsten Tag durch 15. Wunderzeichen / in den letzten 15. Tagen zu erkennen geben / und offenbahren / und darnach zu dem strengen Gericht in dem Thal Josaphat sitzen / zu urtheilen die Lebendigen und die Todten. Welches erschrecklich Urtheil also lauten wird zu denen Ungerechten / auff der lincken Seiten / gehet hin / ihr Verfluchten ins etc.[375] darinnen ewiglich zu weinen / und grieß grammen / denn ich bin hungrig gewesen / und ihr etc. Auff daß werden dann alle Gerechten ruffen mit lauter Stimme: gerecht bistu Herr und dein Urtheil ist gerecht / gelobet und gebenedeyet sey deine Allmächtigkeit! Nach dem Urtheil wird keine Appellation statt haben / sondern die Vollstreckunge des höllischen ewigen Fewers wird sie verschlingen. Und werden die Verdampten hören den Spruch der Seligen / den Christus Jesus unser Seligmacher also sprechen wird: Kompt her ihr Gebenedeyten meines Vater / etc. Frolocket und frewet euch ewiglich / mit allem Himmlischen Heer / denn mich hat gehungert / und ihr habt mich gespeiset / Mich hat gedürstet / und ihr habt mich geträncket.

Biß hieher der gedackten Sibyllen ihre Wörter; darinnen Sie / was den Anti-Christ betrifft / zimlich übereinstimmet / mit jenen närrischen Autoribus / deren Meldunge geschiehet deym Danæo in Tractt. Anti-Christ: cap. 15. in fine. p. m. 63. Quòd verò Vigvierus ex suæ scholę commentis addit nasciturum esse Anti-Christum Babylone, & versaturum in Judæâ, in Urbibus Bethsaida & Corazin, planè insulsum est, & nullo scripturæ fundamento nititur: Sed hôc modô verum hujus loci intellectum & sensum scripturæ, nequis de Romano Anti-Christo cogitaret, corrumpere vafer homo conatus est. Idem pag. 62. Ex quo primum omnium apparet illud; quod sæpe jam diximus, Mahumetanos non esse eos, de quibus locutus & vaticinatus est hoc [376] loco Paulus, etsi enim penè iisdem temporibus Mahumetana doctrina & Papistica cæpit (:Mahumet enim posterior sub Heraclio, Papistica tyrannis prior sub Phocâ nata est, & origine illa duo regna Christo contraria plus minus decem annorum spatio distant:) tamen, quando apertè Mahumetani se nomine Ecclesiæ Christi abdicant, neque illum titulum volunt, vel præ se ferunti Papistæ contrà mordicus nomen hoc & titulum Ecclesiæ, & templi Dei, & Catholicorum retinent, sibique vendicant; de quibus sit accipiendus hic locus, nemo qui rectè judicare volet ampliùs dubitabit. Juvat autem nostrā sententiam & interpretationem, quòd scholastici ipsi Mahumetum esse verum Antichristum, vel cum de quô hic agit Paulus constanter negant. Biß hieher Danaeus. Und die gedachte Sybilla / wegen der irrigen Meynunge des Anti Christs. Ich komme aber noch ferner auf etliche angezogene Propheceyungen solcher Sibyllen; als da sie unter andern ein Zeichen der letzten Zeit setzete / die üppige Kleidunge: Lieber GOtt / was ist doch wohl veränderlicher / närrischer und übermüthigers / als eben zu dieser Frist die vielfachen Muster / und unterschiedlichen Habite bey unsern Landes-Leuten? Mann sehe nur die Abwechßelunge der Hüte an: das wird einer einen hohen / und spitzigen / dir andere einen stumpffen tragen: Viel und allgemählich die meisten legen gantz niedrige unn runde Hütgen zu, welche sich zimlich vergleichen / theils mit der Grösse und Form / etwan einem zimlichen Vogel-Neste /[377] und dz sol die neweste Frantzösische Manier feyn; davon unlängsten ein poßierlicher doch guter Mann kurtzweilete, daß viel Schälcke drunter verborgen stecken: ich that hinzu: O! es werden noch mehr drunter zustecken kommen / die Unruhe ist noch nicht abgelauffen / und der Circkel ist bey allen noch nicht herumb / es sind noch ihrer viel übrig / die ietzo kein Geldt drauff zu spendiren haben: wird ihnen aber das Glücke über einen halben Thaler zu schantzen / so werden auch die ärmen ebenmäßig dergleichen Hütgen zulegen / oder ihr Capitolium drinnen einnisteln. Nun es dürffte itzo leider bald drumb geschehen / und dahin gerathen seyn: dann da trägt fast iederman solche vöglische Contubernia; die geringsten mit einem gemeinem Hutschnur / andere mit einem bundt-doch runtgeflochtenē Stricke; die Vornehmsten mit unzehlig viel Ellen vom schmalsten Frantzösischen Bande / welches in Ründe schier die Helffte des Hutes einnimbt / und drunter die meisten etwas breites vom Bande mit eingemischet haben: an Farben ist die Hudeley / bey denen Gravitätischern / schwartz; bey andern roth / bey andern kunterbunt: wie sie sich denn auch unten an den Hosen und anderswo dergleichen Atlaß-Bändergen gebrauchen. Kömpt man auff die Hosen: Lieber Gott! was giebt es da für Mannigfaltigkeit? sie seynd bey allen zwar ohne Unterscheid weit: aber bey etlichen haben sie trefflich viel Falten rundherumb / bey etlichen nur hinten Drey und vornen drey; bey wenigen hinden und vorne eine Falte: denn schlechter dings ohne Falten wollen sie sich vorne[378] nicht wohl schliessen oder in einander fallē / vernünften die Schneider. etc. Mercke weiter daß etliche solche Hosen unten mit Candalien tragen / etliche lassen sie unten bloß die Knie offen seyn / etliche binden sie schlechter dings auff alt Fränckische Manier zu: und gerathē also über diese Mutation auch alle Bauren in derogleichen neue Manier / ungeachtet ob sie gleich solche unveränderlich immer getragen haben: oder sol ich lieber also reden / es gerathen nimmehro die Frantzösischen jungen Deutsche / jetzo wieder in die Spieß-Bürgerische und Alt-Väterische Tracht: wie sie zweiffelsohne vor einem Seculo und weiter hinauß gewesen: Nach dem nemlich der Hoffarts- und Hosen Teuffel alle Sorten durchgangen / und keine besondere Manier in Gegenwart auffzubringen gehabt hat / da hat ietzo nothwendig der Zeiger auff eines wiederumb weisen / und die Uhr nothwendig von vorne an müssen anfangen zu schlagen. Also gehets; Orbis ut in gyrúm / sie nos gyramur in orbe: wenn die Sonne rumb ist / fangt sie von neuen wiederumb an. Dahero die Welt bey uns veränderlichen Deutschen vielleicht ihren Nahmen hat / von Welten (:auf Nieder-Sächsisch für Wältzen) weil sie sich in alle Form / wie die Materia prima / herumb wältzet / item wie der Gonsalus und andere Neoterici ex Orco veterum repetiren /weil sie sich Motu primo / rund in Universo herumb wältzet. Nun / weil wir uns der Welt gleich stellen /was ist es Wunder / daß wir uns auch in alle Uppigkeiten mit ihr herumb wältzen? [379] Sus amat volutabrum, & Germani (:secundum Bodinum in Meth. Hist. etc) volumina magna, pro correspondente magnitudine corporū: imò quoque involucra magna & ampla, imò varia pro varietate & diversitate animorum & temporum Kurtz / wie Microcosmus Macrocosmum exprimiret; so will sich auch der Deutsche Weldtmann nicht überwältigen lassen / so wohl was Fustem / als was Vestem betrifft. Er hält sich wunderlich in streiten / und kleiden / in Sago und Toga / in Galeis und Caligis. Und solches nicht allein im gedachten 1662. Jahr / nach der praemittirten Weissagunge: sondern es hat sich unser Deutschland auch schon wie ein Versi-pellis und Vertumnus erzeiget / Anno Christi 1659. Qui annus / si invertitur / er retrolegitur / a mundo creato est 6591. Ja es wird auch solche Uppigkeit unsere Revier nicht nachlassen / noch sich in der angenommenen Arth verkehren Anno Christi 1665. Welches ist das Jahr nach Erschaffung der Welt 5991. in Unterschiedligkeit der Computantium und Chronologorum. Mercke aber hier / wie sich die Jahrs Zahlen und Zeiten an den Ziphern verkehrē / unn reciprocirn / also halten wirs auch richtig in unserm Leben. Warumb? Nos numerus sumus / fruges consumere nati. Horat. Hier mag man wol recht sprechen; O tempora / o mores! item. Tempera tempore tempora: Henge den Mantel nach dem Winde schicke dich in die Zeit. Traun ich halte / daß die vorigen Zeiten nicht besser mögen gewesen seyn / als die ietzt-nachgefolgeten: Welches vielleichte Aequipollens numerus[380] mundi und inversus annus a Nato Christo zuverstehen geben wil. Eine Zahl ist so gut / als die ander / denn Tempora mutantur / et nos mutamur in illis: kehre es umb / so wird ein Schuh drauß: schreib 1665. wende das unterste zu öberst / und liß es alsdenn / so heist es 5991. da ist eines so schlimm und verkehret als das andere und wird auch wohl so währen / biß ans Ende der Welt: Welches Ende nach etlicher Meynung zu hoffen soll seyn: wenn man schreibet 6000. von Anfange der Welt. Betrachtet man also die 5991. so gehören noch 9. darzu / biß drauß so viel würde. Und möchte der Computus per consequens auffs Jahr Christi 1674. gerathen: angesehen / wenn auch 9. zu 1665. gesetzt werden / so viel herauß kommen: und dürffte das Ding dem Vorgeben des D. Nicolai gemäß gerathen /welcher die Welt mit 1670. beschließen wil. Und derentwegen vielleicht nur 4. Jahr weniger nimbt / oder Numerum rotundum erwehlet hat / damit er den bekanten Spruch nicht Lügen straffe / der da wil / daß umb der Außerwehlten willen die Tage sollen verkürtzet werden. etc. Ich aber komme wieder uff die verkehrte Welt und Hoffarts Greuel / welcher sich etlichen Ziphern gleich stellet: in deme eine und die andere umbgewand / sich zurücke lesen lässet: anzudeuten / was vorgegolten hat / daß solches nunmehr der mahl einsten wieder gelten kan. Nihil enim dictum aut factum est / quod non dictum aut factū sit prius. Und aus diesem Grunde sind nunmehro auch die unten zugebundene Hosen wirder auffkommen / oder zu uns gekommen: davon neulich ein[381] Handwercksman sagte: Ey wacker! daß wir mit unser alten Mode / nun auch unverhofft Allmodisch und hoffärtig worden seyn: Wenn nur der Kuckug die Schneider nit reissen solte / daß sie uns das Macherlohn theurer anschlügen; weil es was neues heissen soll / wenn sie uns künfftig dergleichen Kleider für neue venditirten. Sonsten sprach ein ander Stats-Mann: Ey / wenn doch diese Manier lange bleibē solte feynd einem doch die Knie vorher so kalt geworden / die man ietzund gar wacker damit erwärmen kan! Und also wissen wier wohl / mit der Medaca / was gutes: aber Media legitima zu erwehlē / umb das gute zuerhalten / seynd wir unbedachtsam: video meliora proboque / deteriora sequor: doch will ihme solches / Idolum Rationis oder Status Superbiae: daß ein Deutscher nemblich mit denen Musicis nicht solle eadem chorda oberriren / sondern variiren / u. dē Polypo sich assimiliren. Aber thuen das die Pohlen / welche vor andern Nationen die Music lieben; aber sich dennoch an einerley Kleidung laben / dieselbe loben unn drinnen leben? Aber wir kehren uns daran nicht: wir sind Teutsche und müssen wacker täuschen: wie nach dē Tacit. Die alte Manier cum mutandis mercibus in defectu pecuniæ gewesen: also cotinuiret anietzo beym Uberfluß des Geldes die mutatiovestis sed amanu alterna Camœnæ, und solches vielleicht von der Zeit an / da sie zu uns über die Alpes geflogē seyn: da sind aus dē gelehrtē rechte verkehrten geworden: da ein jeder Summa imis verwechselt / wie anitzo richtig nebst andern[382] Stücken an den gedachten Hüten zu ersehen: Dieselben waren anhero ziemlich hoch und spitzig / jetzo sind sie gātz niedrig und runde. O hütet euch aber in solchen Hüten / sprach vergangen einer. Wenn schon euer gantzes Capital damit nicht auffgehet (denn sie sind was wolfeiler als andere) daß nur eure Capita nicht drinnen drauf gehen / und leichtlich versetzet werden. Denn man kan ja ductu eines solchen niedrigen Pilei / einen gewissen Hieb aufs Haupt thun / der sonsten viel ungewisser gerieth / und den Kopff noch offte salvierete /wie die Hüte hoch und lang waren. Aber Vulpes quidem pilos mutat, sed non mores: na & Nos Germani Pileos mutamus, sed non mores.


Ich fahre weiter fort / und gerathe auff dieser vorigenen Sybillen ihr anderes Kennzeichen / wegen Heran-Nahung des weltlichen Termins: daß nemlich alsdenn sich allerley Seuchen ereignen / und die Leute plötzlich dahin sterben werden. Man sehe / wie schön solches correspondiret / mit der vorher gesetzten alten Propheceyung: Drinnen solches auffs 1664. Jahr accommodiret wird. Hilff GOtt was beginnen da für Unpässlichkeiten im Schwange zu gehen! Mann schlage itzt die Histor. Relation nach / wegen Holland und Amsterdamb / sondern man gedencke auch ein wenig zurücke / und gehe unsere Oerther mit der Reminiscenzs ein wenig durch: Ey, wie ist es theils schon daher gangen und wie wird es theils noch in künfftigen werden?[383]

Es seynd nicht wenige Prodromi der vorhandenen Pestilentz zu gegen: denn man siehet ja / daß so viel iunge und starcke Leute (:Wie die lieben Jungen Kinder meistentheils mit der Schwere Noth und Pocken / also sie) durch den jähligen Todt vonhinnen abgefordert werden. Also daß man zu dieser Zeit nicht uneben täglich ja stündlich zu dem liebe Gott seufftzen möchte / Psalm. 26. v. 9. Raffe meine Seele nicht hin mit den Sündern / noch mein Leben mit den Blutdürstigen etc. Doch wollen wir der guten zuversicht leben / daß der grundgütige GOtt solches vornehmen vielmehr zum guten werde gedeyen lassen: Als das Er mit einem dergleichen fato die bösen Leute / oder lauter übele Christen bezeichne / nach Hiob am 9. vers. 22. 23. Er bringet umb beyde den Frommen und Gottlosen: Wenn er anhebet (:diesen:) zu geisseln dringet Er fort bald zum Todt: und spottet der Anfechtunge der Vnschuldigen. Ach nein: ich weiß / daß jenes Göttliche Oraculum an vielen wahr werde / daß nemlich Gott mit den Frommen eile / und Sie / mit Fleiß und Väterlichem Wohlmeinen / aus diesem übeln Leben reiße. etc.

Nach Jesai. c. 57. v. 12. Aber der Gerechte kompt umb / und niemand ist / der es zu Hertzen neme / und heilige Leute werden aufgerafft / und niemand achtet drauff. Denn die Gerechten werden weggerafft / für dem Unglück / und die richtig für sich gewandelt haben / kommen zum Friede / und ruhen in ihren Kammern etc. Nun solches hoffe ich auch / daß es soll meiner Sel. Mutter wiederfahren seyn: item nicht minder[384] meinen Sel. Kindlein: darzu ich noch etwan jenen Spruch setze Jer. 9. v. 21. Der Todt ist zu unsern Fenstern hinein gefallen / und in unser Pallast kommen / die Kinder zu würgen auff den Gassen / und die Jünglinge auff den Straßen. Was noch ferner die alte Propheceyunge saget von Anno 1663. wegen denen Fewersbrünsten: Davon suche die Warheit in meinem Türck-Staab-Wehe. Ein verwunderliches ist es etlichen vorkommen / daß d. l. von Anno 1665. stehet; wie als denn das Viehe solle ohne Haut seyn. Aber höret man nicht schon hin und wieder / so umb Wittenberg herumb / so in der Alten-Marck / daß das Wild unn Hauß-Viehe häuffig anfange hin zu sterben? Vide Joel. 1. v. 18. Welchen als denn der Schinder freylich die Haut nimbt / und sie bloß liegen lässet. Was von Anno Sextili 1666. gesprochen wird / das ist auch bejahet von Meyern in Calend. Ad Ann. Christi 1664. De signis, Harmonicu configurationibus stellarum, Prodigiis multis ac aliis portencis. Von wunderlichen ominosischen veränderlichen Dingen / böser Zeit und gefährlicher neidischer Welt-Sicherheit.

Wenn was grosses in der Welt fürgehen soll / lässet GOTT auch was grosses und seltzames sehen / ie grössere Sache / ie grösser Wunder / wie wir dann spüren / fast die gantze Natur verkehret / non annis anni, non menses mensibus usque conveniunt. Es gehet itzo alles anders / dann für Alters: nach Verwandelung der Zeit / verwandelt sich auch die Natur und Stand des Menschen / und nach derselben Verwandelung / verwandelt[385] sich auch die Ordnung der Natur: Es schweben zwar die Sterne noch am Firmament herumb / wie die Fische im Wasser / allein es machen dieselbe immer seltzame Configurationes Harmoniaras nach Ordnung der Zeiten / die ihnen von ihrem Schöpffer an zuzeigen und aus zu theilen / über geben: und wie nun GOtt der HErr von Anfang her alle Dinge / wie sie nach einander folgen sollen / vorher gesehen / also werde Er auch in der ersten Schöpffung das Himmlische Uhr-Werck also gestellet haben / daß die grossen Aspecten u. wunderliche Harmonische Configurationes eben zu denen Zeiten / da er solche Händel wil erfolgen lassen / einfallen / und gleich wie ein himmlischer Wecker allemahl ein Zeichen / daß abermahl die Stunde neuer Händel vorhanden /von sich geben müssen. Nun der Himmlische Wecker schon. E.


Qui meteora videt; cernit miracula rerum

Cunctarum autoris magnaque facta DEI.


Daß aber die Sachen / so auff dergleichen und selben Exempel sich begeben / nicht eben in ipso puncto / oder desselben Monats sich anheben / sondern spinnen sich etwas langsamer an / haben auch ihre principia bißweilen für der Zeit / können wir nicht läugnen. Es ist aber am Ende / GOtt helffe uns allen / nō est spes melioris status, böse Zeiten seynd vorhanden / und du / o liebe / und doch betriegliche Zeit / bist der treueste Eckhard / du warnest iederman / wenn sich nur iederman wolte warnen lassen. Meinet man denn wohl / daß solches ohngefehr geschehen sey / und fürgestellet / der unlängst verwichene erscheinende Comet / die ungewöhnliche / unnatürliche / erschreckliche / schädliche Winde / u.[386] verderbliche grosse Gewässere. A Domino hoc factum est, & est mirabile in oculis nostris, 118. Psalm. Die Cometen / verderbliche Gewässer / schad-thuende Winde / werden Zeichen genennet / wann wir gleich nicht allwege wissen / was es zeichne und bedeute / aber was Gott gemeinet / wird sich schon ereignen. Mit wenigem ist noch nicht fürbey zugehen / sond'n zu berühren die Harmonica configuratio stellarum seu planetarum omnium im Monat Dec. 1662. mit den angehenden u. aus werenden neuen Monde / da alle Planeten / septem gubernatores mundi in dē feurigen Schützen zusammen gekommen / als in einen Reichs u. Versamlungs-Tage / so in 700. Jahren nicht geschehen / daß sie so alle umb den Mohnd herumb gestanden / in dem hitzigen Triangulo des Zeichens des feurigen Schützens / so Vorläuffer gewesen der grossen Conjunction / so itzo zū achten mahl mit der grossen Umbweltzung des Himmels herumb sich gewaltzet in dem Trigono igneo / davon so viel grübelens von undencklichen Jahren her gewesen / so sich auch mit der lauffenden Trigonal-Zahl 666. mählig werde heran machē / und ihrer viele davon die Gedancken: Totam naturam sun absolvisse cursum, & nihil aliud nisi extremum judiciū instare: Weiln diese grosse Cōjunctio / die letzte Busi-Glocke an die alte Welt seyn solte. Ego a. cōjicio magnos motus & singulares mutationes in regibus Anstralibus & locis orient. futuras. Dz in grossen wichtigen Dingen / Regimenten und Ständen grosse Veränderunge verhāden seyn / u. giebet auch diese Trigonal Zahl 666. nicht weig Anzeigungen zukünfftiger Zufälle in d' niedern Welt /[387] in Religion und Welt-Sachen / Spaltung Christlicher Religion / viel Reformieres und also / wie davon Apocalyps. Joh. c. 13. und zur letzten Zeit werdet ihr grossen Verstand darinnen finden. Der Sinnreiche Theologus D. Hunnius hat gesaget / daß es sey eine Computatio / in quo Anno Papa declamabitur / es geschiht aber denen / saget er ferner / die da warten auff einen andern Messiam / Aber / spricht er darauff / wenn des Antichristes Reich ein Ende haben wird / werden wir erst erkennen / wer der Antichrist gewesen ist. Das wird dann seyn / wie es die Erfüllung außleget. Irenaens ein allter Kirchen-Lehrer lib. 5. advers. haeres. pag. 615. hat das Wort λατεινος, id est Papa, qui Latinus est Gente, Imperio, nomine, & in cultu divino: weil alles Lateinisch / was am Pabste ist / und was von ihm gestifftet / über daß so begreiffet auch das Hebraische Wort נרמריה solche Zahl in sich / denn der Radir רמה Rama vel רום Rom. Andere schreiben das Wort μαομέτις eben gleich mit 666. überleget. Bandinus in not. überleget das Wort ἐκκλησία λατεινα oder geschrieben ἐκκλησια ιταλικά. Starckius pag. 47. brauchet sich des Wortes παπές. Heldwig in dis: schreibet Paawest / andere schreiben es Teutsch Römischer Pabst / und übersetzen es mit Lateinischer Buchstaben-Zahl / diese dann zusammen addiret / oder mit 100. abgeleget kommen auch heraußer drey Sechs. Etzliche Päbstler künstlen und probiren / als Guilhelm. Lindarus 3. dubitant. und setzen den Nahmen DoCtor MartIn Vs LVther Vs. Guilbert, Gimbardus l. ult, Chronolog:[388] commendiret solchen Nahmen Hebraice auß dieser Zahl מימחי. Bellarmin. lib. 3. d. Rom. Pontif. cap. 10. ergreiffet den Nahmen σαξονειος und bringet auch dar heraußer 666. Hyppolit. Mart. in Orat. de consummatione mundi / annotavit verbum ἁρνοῦμαι, worauß auch die Trigonal-Zahl 666. Haymo homil. de tempore f. 48. Item Beda und andere Patres / überlegen das Wort JESUS / darin die Zahl 888. mystice begriffen wird. Augustinus tr. 9. et 20. in Joh. tom. 9. f. 14. et. 15. überleget das Wort Adam / und findet grossen Verstand. Ist also auch nit allein nach d' Zahl-Ordnung / sondern nach ihrer Wirckung / Würde und Krafft / ein grosses Geheimniß /wie wohl noch vielen verborgen / iedoch solche Würde den Zahlen von Gott eingeleget biß zur letzten Zeit Wer nun weiter von dem Zustande dieser letzten Zeiten der Welt zu wissen begehret / der lese die H. Schrifft des Hn. Christi / der heiligen Propheten / die Offenbahrung Johannis / Daniel. Esorae lib. IV. und suche was sie von der letztē Zeit reden und schreiben /was sich in derselben werde zutragen / so wird er finden / wie die Stüle der gewaltigen Königreiche sollen umbgekehret werden. Capiat & sapiat, qui capere & sapere potest, qui non, vel taceat, vel discat, aut abeat, aut talis qualis est, maneat, nam habent dona Dei in hominibus suos gradus, es kochet immer ein Koch eine bessere Suppe dann der andere / non quis / sed quid. Wenn aber nun dieses alles anhebet zu geschehen / ein Volck über das andere sich zu empören / daß auch alle ihre Berge und Hügel (verstehe es recht) auß ihren Orten beweget werden von Juden[389] und Heyden / und der Berg Zion heiliger werden wird / dann andere Berge / so hebet eure Häupter auff und sehet / es wird dann nicht lange mehr werden / so werdet ihr sehen die grossen Wunderthaten Gottes versiegelt / und doch verheissen / herfür gehen / so der HErr Himmels und der Erden / in die Zeit und Zahl geleget. Die Zeit ist da / daß die Jüden ihres so langwirigen Elendes und vergeblichen Hoffens und Harrens auff einen andern noch künfftigen Meßiam müde werden / nun auch mehr durch Gottes Gnade erkennen / daß die Zeit des versprochenen Meßiae längst verflossen / und alle Weißagung an niemand anders / dann an JEsu von Nazareth sey erfüllet / d' für den Meßiam öffentlich in der gantzen Welt außgeruffen / und von denselben angenommen worden.


Vom Kriege / Auffruhr und Empörung / auch dessen Gefährligkeiten.


Besser were Friede und Einigkeit / alß Zwietracht / Krieg und Auffruhr / allein ein ungewaschenes Haupt wird voller Unflats / und ein ungenützetes Schwerde wird rüstig / also mus das Haupt gezwagget / und das Schwerdt außgeputzet werden / und das destomehr zu diesen sicheren ruchlosen Zeiten / da ohne das des Prognostici Deutung oder effect / über uns schwebet / Türcken und Jüden Feindschafft wieder die Christen wird unauffhörlich verbleiben / weil keine Gemeinschafft des Lichtsmit der Finsterniß / die Wölffe werden nit nachlassen die Schaaff zu verfolgen / man haue dann den Waldumb / wie Mithridates soll gesagt haben. Die Otter / Lutra / wird nicht nachlassen / die Fische zu verfolgen /[390] es trockenen denn die Teiche auß. Der Geyer werde nicht nachlassen / die Hühner zu verfolgen / es mangle ihm dann die Lufft / in welcher er schwebe / und also der Türcken Feindtschafft. Latius de magna calamitate in decrepita ætate mundi, ante finem, & de imminente Germaniæ infortunio schreibet: Nihil certè certius, ad finem festinanter accellerat Gog & Magog und die Zeit ist uns auch näher / denn das wirs glauben / man kan aber zu keiner Zeit niemand bereden / daß der Türck daher ziehen werde / biß er zu letzt also nahe ist / daß alle Kriegs-Rustung ihm zuwieder stehē / entweder zu spar oder gar umbsonst. In der Apocal. Johan. cap. 20. Wird uns gesaget / und wenn 100. Jahr vollendet /wird der Satanas loß werden auß seinem Gefängnis / und wird außgehen zu verführen die Heyden / in den vier Orten der Erden / den Gog und Magog / sie zu versamlen in einen Streit / welcher Zahl ist / wie Sand am Meer.


Darumb O lieben Christen /


Des Türcken haben gute acht / Er dürffte kommen mit grosser Macht / Sich auch schon reget mit gantzer Gewalt / Und rüsten thut ohn Aufenthalt / damit er mög der Christen Nahm / außrotten / welchem er ist gram.

Die Türcken selber haben unter sich ein Vaticinium oder Prophecey / und sagen / ihr Reich werde 1000. Jahr wären / darnach fallen und untergehen. Sibylla hat von dem Türcken geweissaget / der Türcke wird in seinen letzten Jahren seines Regiments in Occident innen haben die anstoßende Länder / und wird nicht ferne, von der güldenen Agrippina todt geschlagen[391] werden / und wird das Reich durchs Creutz wieder zum väterlichen Erben des gecreutzigten JEsu Christi kommen / worüber Casparus Fugger also glossiret:

Der Türck soll tausend Jahr regieren / darnach ein grosses Heer ausführen: wieder die gantze Christēheit / alles zu verwüsten weit und breit / Das wird er thun in wenig Jahren Teutschland zerbrechen / und erfahren Gleich wie Judaea öde und leer / ist worden durch das Römische Heer / Also wird Teutschland werden wüst durch des Türcken Gewalt und List. Bald wird er hierauff werden gestürtzt von GOTT / durchs Feur / Schwerdt / zum ewigen Todt / wie Josaphat / des Königs / Feind Umbkommen und verdorben seynd. Wie Senaherib mit seinem Heer / auch andere Feinde der Christen mehr / also der Türck umbkommen wird / wann er Krieg in Teutschland führt / doch wird der N. u. seine Rott / zuvor auch geistlich seyn geschlagen todt. JEsu nimb das Häufflein klein in den Schutz der Fittigen Dein / Hoffe also / es soll ihm gerathen nicht / weils am Wiederstand nicht gebricht.

Zweiffele auch nicht / die Edle teutsche Christen werden sich finden lassen collectis viribus & viris. u. mit sampt gewapneter Hand dem Feind den Kopff bieten / ihre iros & vires Geld / Mann / Gut und Blut dran setzen. Principiis obsta, bey dem Ursprung eines Flusses lässet sich mit wenig Erden das Wasser auffhalten / aber wenn solches zunimbt / und sich weit übergiesset / mag man mit einem Elephanten nicht wohl hin durch kommen.[392]

Ach GOtt / wie würde die Christenheit so weit und ferne ausgebreit / zu Land und Wasser nehmen zu /wenn nur wir Christen hetten Ruh / und selbst einand' nit ohne Roth / verfolgeten und schlügen todt / verwüsteten eigens Land und Leut / und nehmen der Armen Geld zur Außbeuth. Kein Feind uns wiederstehen könt / so fern uns GOtt seinen Segen gönnt. Weil wir aber thun das Wiederspiel / gehts uns auch wie der liebe GOtt will / das ist nun unser billicher Lohn / daß wir denn tragen Schand und Spott darvon.

Nun wir kommen / Gottlob dem Ende der Welt und unser Erlösung immer näher / dessen wir denn aus Gottes Wort und der Natur gnugsam Anzeigung haben / ie näher dem Ende / ie ärger es wird / wir müssen aber doch das Bad vollends austragen / und die Hefen mit austrincken helffen.

Quelle:
Praetorius, Johannes: Anthropodemus plutonicus. Das ist eine neue Welt-beschreibung [...] 1–2, Magdeburg 1666/67, S. 357-393.
Lizenz:
Kategorien:

Buchempfehlung

Mickiewicz, Adam

Pan Tadeusz oder Die letzte Fehde in Litauen

Pan Tadeusz oder Die letzte Fehde in Litauen

Pan Tadeusz erzählt die Geschichte des Dorfes Soplicowo im 1811 zwischen Russland, Preußen und Österreich geteilten Polen. Im Streit um ein Schloß verfeinden sich zwei Adelsgeschlechter und Pan Tadeusz verliebt sich in Zosia. Das Nationalepos von Pan Tadeusz ist Pflichtlektüre in Polens Schulen und gilt nach der Bibel noch heute als meistgelesenes Buch.

266 Seiten, 14.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Geschichten aus dem Biedermeier. Neun Erzählungen

Geschichten aus dem Biedermeier. Neun Erzählungen

Biedermeier - das klingt in heutigen Ohren nach langweiligem Spießertum, nach geschmacklosen rosa Teetässchen in Wohnzimmern, die aussehen wie Puppenstuben und in denen es irgendwie nach »Omma« riecht. Zu Recht. Aber nicht nur. Biedermeier ist auch die Zeit einer zarten Literatur der Flucht ins Idyll, des Rückzuges ins private Glück und der Tugenden. Die Menschen im Europa nach Napoleon hatten die Nase voll von großen neuen Ideen, das aufstrebende Bürgertum forderte und entwickelte eine eigene Kunst und Kultur für sich, die unabhängig von feudaler Großmannssucht bestehen sollte. Dass das gelungen ist, zeigt Michael Holzingers Auswahl von neun Meistererzählungen aus der sogenannten Biedermeierzeit.

434 Seiten, 19.80 Euro

Ansehen bei Amazon