I. Von Alpmännrigen.

Wenn mir nicht das gestellete Alphabet darzu gehülffig gewesen were; So hätte ich wancken mögen / von welchem Ungethüme ich den Anfang dieses Wercks machen sollen. Aber so hat den Zweiffelsknoten [besser als der Degen des Alexandri den Nodum Gordium] nunmehr allbereit auffgelöset / das schlichtende Loß des ABC. Solches ist der unfehlbahre Richtscheid / und der richtige Faden der Ariadnes; Vermitelst welches; nebenst Göttlicher Hülffe / ich verhoffe durch dieses verwirrete Labyrinth zu kommen. Wohl! wie derentwegen das Alpha ist der fürnehmste Buchstabe; Und zwar daher / weil er von allen Kindern zu erst außgesprochen wird / so bald Sie auff die Welt kommen. Heidfeld. in Sphing. Philos. D. Gerhard. in Genes. pag. 120. 121. M. Sam. Pomarius in Dissert. de antiqv. Scrib. gen. §. 6. & D. Dan. Heinr. P. P. Lipsiæ in Comment. ad Apoc. 1. v. 8. th. 2. ex Arist. Plin. & Scal. l. 1. de caus. Lat. Ling. c. 38. Also muß ich auch denn billich forne annehmen. O HErr JESU / der du bist das A und O / der Anfang und das Ende / hilff / hochgelobet in Ewigkeit! Gieb das mir solches Element vielmehr möge heilsam seyn (nach dem nehmlich A litera salutaris genannt wird vom Cic. Vide D. Linden. in Carm. de Restaur. Petrin. Colleg. Lips. weil die Alten damit absolviret haben. Vide Ernstium in observ. ad. cap. 13. Valer. Prob. p.m. 141. und weil Edmundus Dickinson in Delph. Phœnicizant. forne an in der Zueignungs-Schrifft vermeinet / daß das Pentalphon auß denen Buchstaben υγεια bestehe:) als daß es mir zum Schaden und Verdacht gereichen möge: Nachdem nehmlich D. Schuppius Seel. spricht in Volum. Orat. de Opin. p.m. 13. die Sau hat mit jhrem Rüssel den Buchstaben A in die Erde gewühlet: Wenn einer hierauß wolte folgern / daß die Sau des Ennii Andromachen zubeschreiben vorhabe / der wūrde sich in seiner Meinung betrogen finden. Nun ich habe mir zwar vorgenommen / die Andromachen zubeschreiben: Das ist / mit denen Leuten und Männern einen Kampff und Philologischen Streit zubeginnen / welche diese vorbezeichnete Compagnie der Bastarten legitimiren oder vor rechte Menschen halten:) aber nicht des Ennii: Als welcher singen darff: Volito [2] vivu' per ora virûm etc. das ist / Er hat in seinen SWchrifften Famæ ich fami consulirt und gratificiret. Kan ich nun ein Demonicus drüber und darneben werden; so will ich es an seinen guten Ort gestellet seyn lassen: Aber vor kein Dæmonicus begehre ich gehalten zu seyn / ungeachtet ob es gleich meistentheils auff Dæmonum ludibria wird ablauffen / was verhanden ist / darzu denn dieses erste Capittel keinen geringen Anspruch hat; welches sich von Alpha anhebet / und denn Alp oder das Nacht-Männlein von der Gemeinschafft der rechten Menschen auffhebet. Und wer weiß / ob das letztere Wort / nicht vom ersten den Nahmen führe / wie wir weiter hienunterwerts hören wollen? Es seynd aber zu anfangs /von diesem nahmhafftig gemachten Ungethüme die häuffigen Neben-Nennungen zu beobachten; welche fürnehmlich folgende seynd:


1. A lp: Zeidlero thes. 1. Corvin. p. 184. Alb. Faber in Lex. p. 277. Alpe Gedicco f. 170. Alph.

2. Β αβουττυκάριος. Zeidler. d.l.

3. C upido. Vide Voss. Couche vieille.

4. D æmon nocturnus, Dusius.

5. E lve, Ephialtes, Epialtes, Epilepsia parva, seu nocturna. Holler. de morb. intern. l. 1. c. 14. & Aristot. l. de Som. & Vigil. c. 3. apud D. Zeidler. th. 35.

6. F aunus.[3]

7. G animedes oder der Liebsten Gespenst. Gigas.

8. H orror febrilis seu ῥιγοπύρετον, oder Fieberhafftiges Schauren.

9. I ncubus, Inuus, Incubans Vetula apud Rolfinc. in disp. de Ephialt.

10. K indermörder / oder Popantz.

11. L amia, Lilith. Ludibrium noctis.

12. M are. Mazapedum.

13. N achtmännlein. Nachtmäre. Nachthängst. Nacht- Gespenst. D. Gvern. Rolfinc. in disp. de Ephial.

14. O ppressio nocturna, ein nächtliche Bedrückung.

15. P nigmon. Panita seu Pan. Pilosus, ein Zotthammel.

16. R ätzel / Zeilero.

17. S chröttlein. D. Fried. das Schrättle Fab. fol. 277. Pet. Dasypod. in Dict. tit. Cubo. der Schröttel.

18. T rutte. D. Fried. cap. 1. § 2. oder Frau Trutta Melanch. ad Artemidorum.

19. W ittfrue / Wittwif. vide Kempium in Frisiâ.


1. Wie Alp der gewöhnlichste und allgemeinste Nahme ist bey uns Teutschen / Martin. in Lex. Philol. Also schicket sichs nachm A. B. C. daß er auch zu öberst zu stehen kömmt. Aber es fraget sich / woher er rühre? Martinus d.l. vermeynet / daß Alpe so viel sey / als Alb quasi alba: Denen Niederländern Alven / als weren sie weisse Weiber / Nymphen /[4] Teuffelische Sagæ, welche im weissen Habit / als die Trauer-Weiber zu erscheinen pflegen / und davon auch die Unverständigen im Schlafe vermeynen gedrücket zu werden. Idem vom Worte Saga vermeynet / daß beym Tac. de mor. Germ. da Aurinia gelesen wird / (wofür Christoph. Cölerus will schreiben Alteruna, Lipsius Fames. lib. 4. Flurinia) vielmehr zu schreiben sey Alvinna, nachm Kiliano in Dict. hinzu thuende / daß dem Becano Alven seynd Witvrovven / das ist / weisse Weiber / nehmlich die weisse Berg-Nymphen: Und Alvinne sey so viel als Lamia, Larva, Empusa, Strix. ein Gespenst / welches im weissen Kittel auff dem Felde herumb schwebet: Ingemein Elva, Angl. Elfe. dergestalt / daß das andere Wort Elve auch von Alba sol entspringen. Aber dran zweiffele ich sehr / weil es ein uhralt Teutsches Wort ist / ich wolte vielmehr glauben / daß es herkomme vom Griechischen Alpha, als davon so viel redet Commentator in Hortum Mylii: Die Druyden haben sonderliche Holtz-Schuhe getragen mit. 5 Ecken oder Spitzen: Welches Zeichen man hoch gehalten: Sonderlich wenn der Oberste Druyd (der gleichsam ihr Pabst war und fornen auff der Brust einen hellen Stein trug / darein solches Zeichen seines Schuchs mit 5. in einander geschränckten Linien war) einem den rechten Schuch darbot etc. daher solcher Aberglaube noch bey etlichen Weibern / daß sie solch Heydnisches Zeichen des Druyden-Fusses / oben und unten an die[5] Wiegen mit eingelegten Holtz oder Farben machen / wieder die Hexerey / die aber für halbe Christen wollen geachtet seyn / die machen zun Häupten I.H.S. unten aber einen Stern von fünff Zacken: Wollen also Christum mit Belial vergleichen. Nehmlich das Alpfuß siehet also auß / wie es auch den Knaben so bekant ist / angesehen sie nicht selten (nach dem: Narren Hände bemahlen anderer Leute Wände /) es an alle Wände und Oerter auß Vorwitz schreiben; umb einen Versuch zu thun / ob sie es in einem Zuge mahlen können: Drumb sie unterweilen mit einander wetten. Nun wird solche Figur beym Theodoro Beza in Tract. de pronun. Ling. Græc. geheissen / Pentalpha, quasi quintuplum alpha, oder ein fünfffaches A. Weil nun die Druyden einen dergleichen Schuch getragen / nehmlich ein fünffaches Alpa über ihren Fuß: Und man ein solches Zeichen auch an denen Wiegen gebildet hat / wieder die Beschwernüß des anderwert genannten Mares: Wer wolte daran zweifflen / daß nicht unsere Vorfahren / den Mar auch daher genennet haben mit dem andern Worte Alp / per Meton. Sign. pro signat.? Sonderlich weil ich niemahlen gehöret habe / fürnehmlich in Nieder- und Ober-Sachsen / daß der Maar dem Wahne nach / solt weiß seyn: Er wird vielmehr für schwartz auß gegeben. Im übrigen / weil wir ja vom Alpfusse oder [6] Pentagono seynd zu reden gekommen; so ist zu wissen / daß über gedachte Geometrische Kurtzweile / die Leute auch damit eine Arithmetische also haben:


1. Von Alpmännrigen

Hie wird gefraget / wie man könne IX. Steine oder Calculos hieneinbringen; Doch auff diese Masse; daß man immer in lineâ rectâ drey zehle / und da man anfange zu zehlen oder terminum à quo nimmet / leer sey / und denn auch der dritte Ort leer[7] sey / dahin er gesetzet wird etc. Scil fac terminum à quo numerationis num. 1. sagt eins / zwo / drey / pone jam calculum primum ad num. 3. NB. Weil du nun bey num. 1. hast angefangen zu zehlen / so muß fast nothwendig (wenn es anders angehen und gelingen sol) der ander Calculus da zu stehen kommen: Und weil du dieses mahl / terminum à quo numerationis secundi calculi genommen hast bey 3. so muß auch daselbst der tertius calculus hingesetzet werden: Weil aber der terminus numerationis dieses dritten Steins genommen ist bey 4. so muß daselbst calculus quartus hinkommen: Und weil ferner principium supputationis genommen ist dieses vierdten Steines bey 5. so wird hie calculus quintus hin collociret. Dieser aber weil er angezehlet muste werden bey 6. so wird daselbst calculus sextus hingeleget. Dieser nun aber / weil er angezehlet worden bey 7. so wird calculus septimus hieher geleget. Weiter weil dieser angezehlet wird bey 8. so kömpt octavus calculus daselbst hin: Dieser nun schließlich / weil er angezehlet worden bey 9. so kömpt nonus calculus dahin.

Schließlich nennet man es in der Marck einen Fief- Ort; Und wie ich nicht anders weiß / so bezeuget Schickardus irgendwo / daß die Rabbinen auch solches Zeichen auff ihr Brodt haben drucken lassen. Dergleichen bey uns noch häuffig geschiehet / so auff den Dörffern so in den Städten bey den Beckern; damit sie theils das Brodt (wenn unterschiedliche[8] mit einander backen) von einander erkennen mögen: Theils daß sie auch dem alten Aberglauben noch beypflichten: dafür andere religiosiores ein Creutze theils mit dem Stempel oder Merck-Eisen / und darzu geschnitzten Holtzen einpregen: Theils wenn sie solches Brodt auffschneiden wollen / unten am Boden oder Bauche mit dem Messer vorher Zwerg über einkritzeln. Vide meine Weiber Philosophie. Und wer weiß / ob die Creutze / so das Weiber-volck am Walpurgis-Abend hin und wieder an Thüren / Gemächern / Kisten und Kasten / anmahlen / nicht auch ein Fünff-Ort seyn soll. Als / weil ihnen solches zu machen schwer fällt / dafür sie ein leichters hinschreiben? Vide meinen Blocks-Berg. Im übrigen redet von dem gedachten Pentalpha also Ursinus in Acerr. Philol. in Append. §. 14. pag. 509. etc. Der Antiochus Soter / wie er mit den Galatern eine Schlacht thun wolte / hat im Traum den Alexander bey sich stehen gesehen / mit diesem Befehle; daß er zur Losung seinen Soldaten vor dem Streite das Wort ὑγιαίνειν geben solte. Als er dem gefolget und dieses gethan / hat er eine wackere victori davon gebracht. Bey den Pythagoræern ist das Pentagrammum, welches auß einem dreyfachen triangulo parallelo bestehet / salus oder Heil genannt worden; welches sie unter sich gebraucheten / als ein Kennzeichen ihrer Profession. Lucianus de lapsu inter Salut. Tom. 3. Pentalpha wirds genannt; weil die fünff anguli dran / so viel alpha præsentiren; welche die 5. Wunden unsers[9] Heylandes vermelden / theils mit ihrer Zahl / theils auch mit ihrer gelegenen positur: Nehmlich wenn zwo Ecken herunterwerts gelassen werden / an statt der Füsse: Und zwo in die höhe gekehrt werden / an statt der Hände: Und bey der mittelsten Ecke ihme einer die Wunde in die Seite einbildet. Pier. Valerian. Hieroglyph. Lignarid. in Oblectament. Acad. adde Kircherum p. 217. de Arithmantiâ. Gleich also hat auch außgesehen der Druyden Schuch / in gemein Truttenfuß genannt: Welches auß einem alten abergläubischen Wesen an denen höltzernen Kinder-Wiegen eingeschnitten wird / die Nacht-Gespänster damit abzuwehren. Ich solte gläuben / daß der Pythagoras und die Druyden ein solches / auß einer uhralten Tradition behalten haben / aber ohne Verstande. Idem gedencket auß Pancirollo in notit. Imper. etc. daß die Promachi unter dem Constantinopolitanischen Kayser vorzeiten fechtende / ein Pentagrammum, mitten in ihrem Schilde gemahlt gehabt haben.

2. Das Wort βαβουζυκάιος soll herkommen von βαβάζειν, das ist Babbeln oder unvernehmlich und stammernd reden: Weil nehmlich solche Leute / wenn sie mit demselben Paroxysmo behafftet seyn / und sie laut schreyen wollen / kaum eine dunckele und ungewisse Stimme hervor bringen. Vide Rollfinck apud. D. Joh. Arnold. Friderici in Disp. de Incubo unn D. Zeid. d.l. th. 1. Dahin auch Buchnerus in Lex. Fab. fol. m. 345. a. Die Verse Virgilii l. 11. Æneid. schier zu letzt vers. 913. ziehen will. Vide: Oder wie[10] der Poet singet lib. 6. Æne. v. 493. Inceptus clamor frustratur hiantes. Nehmlich / wie ich mich selber zu entsinnen weiß / so ist mir in der Kindheit dergleichen wiederfahren / daß ich geschworen hette / es wäri mir etwas über dem Leibe gewesen / und hätte mir die Kehle verstricket / daß ich nicht hätte mögen schreyen: Wie man ein solches auch lieset vom Hieronymo, daß er dessen Dings nicht quitt gehen können. / Sonsten will Suidas dafür halten / daß der Nahme sey / βαβουτζικάριος, welches aber Meursius verändert in καβουτζικάριος von καβούττιον, das ist / caput, oder Haupt / welches damit angefochten wird. Vide Martin. in Lex. Philol. Ephialtes.

5. Gerard. Joann. Vos.s spricht in Etymol. Ling. Latin. Voce Jucubus; daß etliche gewesen seyn / welche dafür gehalten haben / wie solcher affectus der Cupido oder ein Semideus were: welche Meynung aber schon vorweilen lange der Soranus in ἀπολογουμένων libris verworffen hat. Confer Cæl. Aurelian. lib. 1. χρονίων cap. 3. da er viel Dings von dieser Kranckheit soll haben. Ich wills wohl glauben / daß etliche den Cupidinem dabey verdacht haben; Fürnehmlich wenn man nicht alleine die Fabel von der Psyche damit conferiret: Da er auch des Nachts gekommen und bey sie geschlaffen hat. Vide Apul. l. 4. & 5. und darauß D. Laurenb. in Acerr. Philol. Centur. 3. cap. 63. pag. 149. sondern auch den Wahn unserer Leute hinzu thut / welche gedencken / daß der Alp des gedrückten Menschen Liebster sey: Dessen Seele (als vor Zeiten des [11] Guntrami. Vide mein Historisches Traumbuch tit. Glücks-Träume /) nicht ruhe habe; sondern sein Correlatum suche / sich auß seinem Leibe verthue / und des Amassi Leib drücke / daß ers fühle. Hier mag wohl wahr werden / daß Lieb per anagr. heisset Leib / und Bley: weil sie so schwer drauff ist. Vide Harßdörffern in den Lehr-Gedichten. D. Friderici spricht d.l. daß es bey denen Frantzosen heisse Le couche mare, und couche vieille. Hierzu gehöret Bodinus in Magor. Dæmonum. cap. 7. f.m. 134. b. In dem Land Balois / und der Piccardey / findet man eine Art von Zäuberinnen und Hexen / so die Schlaffenden reiten / die sie Cauchemares oder Gauckemares nennen. Und zu Bewährung sagt mir Nicolaus Noblet / ein reicher Bauersmann / wohnhafft zu Haute Fontaine in Balois / daß / als er noch ein Knabe gewesen / offt Nachts solche Incubische Hoekemärren oder Ephialtes gefühlet / und sie nach Landes brauch die Kauchemärren genennet habe: Und wenn ihm solches zu Nacht wiederfahren / habe des folgenden Tages die alte Zauberin / die er gescheucht / nicht mehr ins Hauß gedurfft / Feuer oder anders bey ihnen zu hohlen: Und gleichwohl war er so gesund /wacker und frisch / als möglich einer seyn mag. Auch hats nicht alleine er / sondern vielmehr andere für gewiß und wahrhafft gehalten und erzehlet. Auch lesen wir gleichmässige Geschicht im achten Buch der Schottischen History / daß einer alle Nächte von einer Zauberin ist dermassn gedruckt und geritten worden /[12] daß er weder schreyn noch sich wehren können: Zu letzt ist er durch Gebet und ruffen zu GOtt derselbigen abkommen. Ich wolte unzehlich andere Exempel hie einführen / aber mich bedünckt / es sey genug an bereit angebrachten / so viel zur Bewährung unsers Vorhabens dienet etc.

4. Martin. d.l. saget / daß Hesiodus und die Attici dieses Thun Dæmonem heissen / nehmlich incubum Dæmonem. Confer Zeidler. d.l. th. 2. der dafür hält daß dieser Nahme entlehnet sey / auß D. Augustin. l. 15. de. Civ. De. nachm Ludov. Mercat. l. 1. de intern. morb. cur. c. 10. Beym Fabr. f. 277. stehet Dæmon insultor: Als solte es der böse Feind seyn. Becmann. pag. 298. außm Augustin. lib. 15. de Civ. D. cap. 23. daß solche Geister / welche des Nachts mit den geilen Weibern zu thun haben / von den Frantzosen genannt werden Dusii: Als welche immer denen Fleischlichen Wollüsten obliegen. Wiewohl Bodinus l. 2. Dæmonom. c. 7. dafür hält / daß es verschrieben sey / und müsse Drusius heissen / welche sollen Waldgeister seyn.

5. Von dem Worte Elve ist oben gewesen: Hier ist zu mercken / daß alle Nacht-Geister und Polter-Werck so genannt werde bey denen Nord-Polern. Vide Olaum Magnum lib. 3. de gent. Sept. p.m. 106. 107. de Elvarum i.e. Spectrorum nocturnâ choreâ, wie das Hengers-Gespenst des Nachts herum hüpfen sol. Mercke weiter / daß auch die Teuffelsbrut von denen Hexen also geheissen werde. Vide tit. Drachen-Kinder. Und wer weiß ob nicht[13] die Elve, oder Elbstrohm davon heisse / oder umbgekehrt diese von ihm: Weil man vor Zeiten die Kinder drinnen probiret hat / ob sie ehrlich seyn oder nicht: Daher heutiges Tages die Hexenprob auff dem Wasser noch rühren soll. Vide mein Lexic. Geogr. 2. Weiter ist das gemeinste Wort Ephialtes: (Davon auch ein ander den Nahmen Alp könnte her leiten / wenn wir oben nicht was richtigers oder glaubwürdigers ergrübelt hetten) welches entweder genommen ist von einem also geheissenen Trunckenbolde / der daher diesen affect zum öfftern gekriegt / jemehr er gesoffen gehabt: Wie Pet. Forest. Observ. Med.l. 10. in Schol. ad Observ. 50. Bericht bekommen von seinem Præceptore Benedicto Faventino. Oder es kömpt von ἐφάλλεϑαι (also corrigire es beym Reiner. Neuhus. in Exam. Philol. p. 177.) insilire / daß ist auffhucken / oder überher hüpffen: Weil nehmlich denen afficirten nicht anders vorkömpt / als wenn was schweres über ihre Brust lege. D. Frid. Faber. p. 345. a. Becm. p. 298. ex Servio in 6. Æne. & Isidor. l. 8. Orig. cap. 11. Daher Ephialtes qvasi assultor ist Becmanno in Orig. Lat. Ling. p. 298. ex J. C. Scalig. de Insomniis. Martinus d.l. will es besser geheissen haben / ἐπιάλτης von ἐπιὰλλομαι auffhüpffen: So spreche auch Suidas, daß es beym Homero also heisse: Wiewohl D. Fridr. es herleitet von ἰάλλω, extendo, ich dähne auß: weil es einem so vorkömt / wie sich etwas über uns außstrecke. Noch ferner heisset es beym Aurelian. etlichen alten / ἐπιβολὴ, [14] injectio ein Uberwurff: Welches Forestus also erkläret; weil / die damit behafftet seyn / sich bedüncken lassen / als wolten sie die grosse über sich liegende Last von sich weltzen. Ferner wil Bauhinus lib. de Hermophrodit. & Holler. de morb. intern. es heissen epilepsiā nocturnam oder epilepsiam parvam, die kleine schwere Noth. Beym Fabro in Lex. Philol. Buchner. f. 345. a. wird gelesen ἐπίαλος.

6. Plin. l. 25. cap. 4. spricht von der Pœoniâ, daß sie Faunorum ludibriis medire / das ist / wieder die Maare Hülffe thue. So gedencket auch Neuhus. d.l. p. 244. wie die Alten dafür gehalten / daß die Fauni, Sylvani oder Dæmones der Menschen Insultores weren. Confer Becmann. d.l. pag. 298. daß die Römer ihn Faunum ficarium geheissen. Davon Horat. Faune, Nympharum fugientium amator etc. Conf. Gregor. 7. Moral. c. 15. (L. Rappoltum in disput: de somnô: theot. 7.)

7. Beym Zeilero Centur. Posthum. Miscel. Epist. 26. p.m. 510. Es gibt auch schwermütige und erschreckliche Träume von Leichen / Todsfällen / Gespänstern. Dahin gehöret auch das Kätzel oder Schrättel; welches den Menschen mit übrigen schwartzen ungesunden / Geblüt drücket / quälet; als hätte er mit einem Gespänste zu thun; wolte gerne schreyen / kan es aber nicht. etc. Becmanm. p. 298. d.l. daß die Alten solches auch Gigantem genannt haben. Vide Plutarch. in libr. de fugâ: weil es nehmlich so schwer als ein Riese zu seyn[15] deuchtet / welcher von solcher Kranckheit gedrücket wird.

8. Martin. d.l. außm Suida saget / daß der affectus auch ῥιγοπύρετον heisse / quasi horror febrilis, das ist / ein Friebriches schauern. Vide Isaac. Casaub. ad lib. 1. Strab.

9. Das bekanteste Wort ist Incubus ab incubendo: weil es denen geängsteten bedaucht / wie über sie ein schwer Klotz euserlich liege / welches die Brust dermassen ängstige / und klemme den Weg des Athems / daß sie kaum schnieben können: Ja versperre den Halß / daß sie nicht auffschreyen könmen. D. Frid. c. 1. Neuhus. pag. 244. Voss. pag. 264. b. ab incubando ex Cœl. Aurel. l. 1. χρον. c. 3. hinzuthuende / daß das Glossarium vet. habe / incubo, onis, und Onomast. incubones, ἐπικεκυφότες. Confer Corvin. pag. 184. Font. Latinit. und Becm. p. 298. Diesem d.l. will es auch Inus heissen / oder Inivus, ab ineundo, weil es hin und wider mit den Thieren zu thun hat. Johann Bodin. lib. 2. Dæmon. c. 7. lieset Innuus, welches aber dem Becmanno analogum zu seyn scheinet: Und lieber will innuus haben ab inneo, als assiduus von assiduo. Und Jos. Scalig. saget: Innui, κακοὶ, ὁ ἐφιάλτης Servio. Confer Dickinson. d.l. pag. 26. allegiret über das Wort inuus den Artemidor. und Sextum Aurel. Victor. de Orig. Gent. Rom. und Servium in l. 6. Æne.

10. D. Zeidler th. 2. spricht: daß es von dem gemeinen Manne auch geheissen werde / Puerorum [16] interfector oder Kinder-Mörder: Weil es die jenigen am meisten presset. Dahin auch etwan dieses zubringen ist auß Bartholino Cent. 1. Observ. Anatom. cap. 9. p.m. 23. etc. von dem Geißmelcker. Drey Kinder des Priesters zu Lyckisholm in Fünen / (welches ein Adelicher Sitz ist / des Hoch-Wohlgebohrnen Herrn / Herrn Christiani Thomæi Sehsteds / Ritters / Königlichen Cantzlers / und hochweisen Reichs-Raths in Dennemarck / unsers mächtigen Beförderers) in Ihrem gewöhnlichen Schlaffkämmerlein ruhend / weineten neulich wieder ihre Gewohnheit / hefftig / und waren sehr unruhig / dessen Ursache war / weil Sie fühleten / als würden Sie von jemand gesäuget. Der Kinder argwohnen bekräfftigten ihre Wartzen / welche als Sie von den Eltern fleißig besichtiget wurden / befand sichs / daß sie gleich wie die Wartzen einer säugenden Frauen herfür rageten. Diese Zauberey zuvertreiben / beschmieren sie die Wärtzlein mit darwieder dienenden Artzneyen / und andern bittern Dingen. Hierauff ward der Nabel also hefftig gesäuget / daß er nicht allein hoch herfür stund / sondern man kunte auch auß den hinterlassenen Mahlzeichen die grösse des saugenden Mundes abnehmen. Wenn die Kinder auß dieser Schlaffkammer heraußgebracht wurden /waren sie von fernerem Saugen befreyet / insonderheit so man Sie auff den Armen trug. Sie gaben für / daß dieses unsichere Gemach auff die Stelle sey gebauet worden / da zuvor Hollunder gestanden / welches der gemeine Mann[17] bey uns für ein böses Zeichen hält. In unser Dänischen Sprache werden solche böse Säuglinge Wetter genannt / welchen die unsrigen die jenigen Flecken / so an denen mit dem Scharbock behaffteten Leuten herauß brechen / zuschreiben. Es sind ihnen fast gleich die Nacht-Raben bey den Alten / von welchen Ovidius lib. 16. also redet:


Nocte volant, puerosque petunt nutricis egentes,

Et vitiant cunis corpora rapta suis.

Carpere dicuntur lactantia viscera rostris,

Et plenum potô sangvine guttur habent.

Est illis strigibus nomen: Sed nominis hujus

Causa, quod horrendâ stridere nocte solent.


Sie fliegen bey der Nacht / und dencken sich zu laben

Bey denen Kinderlein / die keine Ammen haben;

Denn auff die fallen sie / und schwächen insgemein

Mit ihrem Grimme-wüst die armen Cörperlein.

Man sagt / wie sie so wohl mit ihren Schnabeln wüsten

Die Wärtzlein anzuziehn / und auß den zarten Brüsten

Zu saugen das Geblüt / das auß dem Hertzlein quillt /

Biß ihr verfluchter Halß ist oben angefüllt /

Und sie gesättigt seyn. Sie haben ihren Nahmen

Vom knarren im Latein / dieweil sie sehr nachahmen

Mit ihrer rauchen Stimm / den knarrenden Gethön /

Wenn sie bey dunckler Nacht auff frische Leute gehn.[18]


Es gleichet ihnen auch der Geißmelcker / von welchen Bellonius lib. 1. Obs. c. 10. schreibet / daß er in der Insul Candia anzutreffen sey / so groß als ein Guckuck / und den Ziegen sehr nachstelle / auff daß er ihnen des Nachts die Milch außsauge. Und daher kompt es / daß diese Nahmen auch den Gespänstern gegeben werden. Von den Coptis wird der Geißmelcker / der den schlaffenden Kindern nachtrachtet / βερσέλια, das ist / eine Mutter der Kinder / genennet /wie solches Kircherus part. 3. Lex. Copt. bezeuget. Die Hebreer nennen ihn תיליל Lilith, welches Pagninus Es. am 34. im 35. verss einen Nacht-Raben außleget. Die Dänische Dolmetschung hat wätte / und übertrifft hierinnen den Hieronymum, der hierdurch verstehet einen See-Hund / der doch mit den Nächtlichen Unholden nicht gantz übereinkommen. Die Rabbinen sagen / es sey ein Hauß-Gott oder Nacht-Gespenst damit angedeutet. Nach des I. Laur. Ananiæ l. de Dæmon. Meynung ist es ein Geist Weibliches Geschlechtes / welcher den Kindern also zusetzet. Man findet anjtzo bey etlichen Jüden folgende an die Wand geschriebene Wort: Adam, Chava, Chuz, Lilith, das ist / bleib von hinnen Lilith. Unsere Abergläubischen Weiber pflegen / ehe sie noch das jüngstgebohrne Kindlein in die Wiege legen / diesem Geißmelcker vorzukommen / in dem sie Knoblauch / Saltz / Brodt und Sthal oder schneidenden stählern Werck-Zeug / entweder in die Wiege / oder über die Thür legen. Und zwar was den Knoblauch betrifft / so berichtet [19] Q. Ser. Sammonicus, daß er wieder die Nacht-Raben gutt sey. Aber von der Bezauberung der Kinder haben wir außführlich in unserm Buch / genannt Antiquitates Natalitiæ, gehandelt. Biß hieher Bartholinus: Dessen vorgebrachtes in dem übereinkömpt mit unserm Alp / weil es auch die Kinder beschweret: Doch ists hierinnen unterschieden / daß die Kinder da schreyen können / hier nicht: Und da nur wehe an den Wartzen gehabt haben etc.

11. Ludibria noctis, oder Nacht-Gespenste heisset es Plinius l. 25. c. 4. oder wie Neuhus. pag. 244. redet: Morbus noctu quiescentes infestans, eine Kranckheit und Unpäßligkeit / welche des Nachts denen ruhenden zusetzet. Von den Wörtern Lamia und Lilith höre noch was mehrers auß des Bodin. Mag. Dæm. f. 263. 264. Lieber wer kan die Hebräische Sprache und das Gesetz GOttes besser verstehen / denn die Hebreer und die Propheten? Nun hat Elias der Levit / damit er alle Zweifelhaftigkeit oder Homonomy aufhebe / das Wort Macasphat / gegeben Lamiam / welches Wort Horatius in arte Poëticâ gebraucht hat / da er schreibet:


Neu pransæ Lamiæ vivum puerum extrahat alvo.


Hesychius nennet sie λαμυιώδεις γυναικὰς wiewohl Eustachius über den Homerum in lib. Odyss. 13. num: 33. vide Dion Chrysostomum in Lybica fabulâ, invitâ Apollonii schreibt / Lamia heisse ein Weiblich gestalten Geist. Und eben in diesem Verstand hats Philostratus gebraucht / da er erzehlt /[20] wie Apollonius Thyaneus ein Lamiam, welches die Kinderfraß /von Corinth vertrieben habe. Weier sagt / in H. Schrifft werde der Lamiarum nicht gedacht: Diß versteht sich für sich selber / denn diß Wort ist Griechisch / und das alte Testament ist Hebräisch beschrieben. Esaias aber / als er die Stadt Babylon ihrer Zauberey halben verfluchet / spricht er / es muß kein Stern auff dem andern bleiben: (welches auch geschehen ist; Denn nun eine merckliche lange Zeit kein Mensch gefunden / der einen Stein von dieser verfluchten Stadt hätte mögen weisen / unangesehen / daß sie auffs wenigste dreyssig Meilen rings umbher im Bezirck gewesen / oder / wie Herodotus gedenckt / drey Tage-Reisen im Umbkreyß begriffen:) sondern daß die Geißmännlein und Geister daselbst ihre Täntze halten / und die Mörfinnen oder Lamiæ daselbst wohnen sollen. In Hebraischen stehet das Wörtlein Lilith welches die LXXII. Dolmetscher der Bibel hat ἐμποῦσα, und die Lateiner für Lamia außgelegt / welche einerley Verstand haben. Und weil sich dieser Geist an einödigen Orten findet / wie denn in Africa das mehrer Theil ist / darum hat Dion in der Affricanischen History ihn wie ein wild Thier beschrieben /welcher von Angesicht wie ein schön Weib gestalt / die vorgehenden mit lieblichen anblicken / und entblössung der Brust zu sich locke / und hindenzu eine schüpichte Schlange sey / und an statt der Füsse Schlangen-Köpffe habe / und so bald man herzu nähere / die Leute gantz grimmiglich fresse. Welches sich auff diß[21] ziehen macht / das Jeremias sagt Thren. 4. Lamiæ nudarunt ubera. Daher heissen diese Geister-Fresser und Lamiæ, von dem λέλαμμαι, oder von λαμὸς, welches ingluviem (wie Porphyrius in illud Horatii. Neu pransæ Lamiæ schreibt) das ist / Fressigkeit heisset (daher der Teutschen Schlemmer und Schlamp / deßgleichen die Schlang von dem verschlingen kommt /) und auß eben dem Grunde wird der Fisch / der alles verzehret / und den Menschen gantz verschlinget / Lamia genannt / inmassen Nicander Colophonius apud Eustachium in Odyss. l. 13. davon Meldung thut. Demnach denn die bösen Weiber oder Unholden das Menschen-Blut gieriglich saugen und sauffen / darumb nennet sie Apulejus, Lamias. Gleich wie deren eine war / die des Apuleji Gesellen Socrati, so bey ihm in einem Bette lag / in die Kähl stach / und das Blut in ein Gefäß aufffasset / und darnach die Wunde verstriche: Welches doch Socrates, als er erwacht / nichts geachtet / sondern da man ihn dessen erinnert / gesagt / er habs nicht empfunden / und seine Gespött darmit getrieben / und nichts desto weniger den folgenden Tag gestorben. Hieher gehöret auch des Salomonis Gleichnüß / daß ein Adler seine Jungen mit Blut nehre / daß ist / daß der Satan seine Zugethanen und Verwanndten mit solcher Nahrung ätze und speise. Auch meldet Porphyrius, daß den bösen Geistern die Opfer sehr belieben / damit sie sich nur vom Dampff des Bluts mögen erlaben. Und solches schreibet er im Buch πεεί ἀποχῆς τῶν ἐμψύχων,[22] welches wohl werth / daß man es auß Griechischem in gemeine Sprache versetzte. Derowegen / weil GOtt sein Volck von den Opfern / so den bösen Geistern geschahen / wolte abziehen / so gebot er / daß man das Blut auff den Altar / und zur rechten Seiten desselbigen schütten solte. Ja damit man nur eigentlich wüste / daß es darumb geschehe / auff daß er sein Volck von dergleichen Gottlosigkeit abhalte / so wird im Gesetz also gesagt: Forthin sol euch kurtzumb nimmermehr zu Sinn kommen / noch wiederfahren / daß ihr hingehet / und opfert den Teuffeln / Wald-Göttern und Geißmännlein / mit welchem ihr / als ihr ihnen nachhencket / gehuret und Abgötterey getrieben habt. Denn (wie Rabbi Moses Maymon. lib. 3. More Nebocim sagt) hatten sie im Brauch den Geistern unter den Bäumen / Bergen und Hügeln zu opfern / und etwas Bluts in eine Grub zu werffen / umb welche sie alsdenn sich herumb setzten. etc.

12. Dominic. Leo lib. 2. Art. Med. cap. 13. nennet es Mazapedum. Sonsten wirds ingemein in der Marck genant die Mare. D. Frid. c. 1. §. 1. oder wie es Jac. Martin. P. P. in Dissert. de Magic. act. in auct. 2. schreibet / Mahr. Etwan von reiten: weil man spricht: die Mare hat mich geritten. Und ist es hier nicht minder verkahrt / wie am Himmel; da beyde Wagen hinter sich fahren / und der Wagen die Pferde zeucht. Vide ex Schickard. Astroscop. Tom. I. meæ Astrol. Comet. Denn hier reitet die die Mare oder Pferd seinen Reuter. Von der Etymologiâ[23] des Worts Mare / besiehe mein Lex. Geogr. Weiter wird es auch genannt / Nacht-Maere. D. Frid. d.l. Vielleicht gereichet auch hieher das Wort Mörfinne des Bodini: Aber es scheinet vielmehr vom Meere genommen zu seyn. Vide tit. Nixen.

13. Das Nachtmännlein. D. Zeid. th. 1. Corvin p. 184. a. D. Frid. d.l. ibid. Nachthengst Belgis. Drauß man augenscheinlich siehet / daß das Wort Mar eben so viel sey / als ein Pferd.

14. Dem Sertin. lib. 12. de morb. & Sympt. part intern. cap. 3. heisset es oppresio nocturna: Nach Fab. in Lex. Buchner. f. 345. a. und Schvvenckfeld. in Stirp. Siles. l. 2. p.m. 316. da er die Pæonienkörner gut darwieder declariret.

15. Vom Mercat. lib. 1. de curat. morb. intern. cap. 10. wird es tituliret pravum insomniū, ein garstiger Traum. Vom Platear. part. 2. cap. 24. phantasma. Vom Rhas. ad Almans. l. 9. c. 12. pondero sum incumbens. Becmann. d.l. p. 298. nennet solche Ungethüme / pilosos, panitas (alii legunt. πανίσκους,) Latinè incubus, ex Isidor. l. 8. Orig. c. 11. Weiter heisset Hieronymus Es. 13. die incubones auch pilosos etc. item Gregor. 7. Moral. c. 15. spricht: wer wolte anders pilosi geheissen werden / als die jenigen / welche die Griechen nennen panas, und die Lateiner incubos. Wegen des Pans besiehe zugleich Dickinson. d.l. pag. 26. Was pilosum belanget / so gehöret dieses dahin / daß ingemein vorgegeben wird / wie die Maren sollen Rauch anzugreiffen[24] seyn. Von Themisone lib. 2. Epist. teste Paulô Æginetâ lib. 3. c. 16. wirds geannt / πνιγαλίων, πνιγάμων von πνίγω, suffoco, strangulo, ich würge. Weil denen / dran herhaltenden / so vorkömpt / als solten sie erwürget werden von einem über sie liegenden Dinge. Und beym Dioscor. πνιγμὸς ἐνυπγιος. Confer Ludov. Lavat. l. de spectris part. 1. c. 2. Daher es auch vom Avicennâ in seiner Sprache gegeben wird / strangulator. lib. 3. fen. 1. tract. 5. c. 5. vide Sennert. Ja es wird auch Lateinisch gebrauchet pnigmon.

16. Rätzel wird es beym Zeiler genannt d.l. vielleicht depravate von Schrätzel / davon bald.

17. Nehmlich beym Philippo Melancht. in Præfat. ad Artemid. p.m. 21. lieset man folgendes: Denen das hinderst Theil des Hirns im Haupt / mit einer zähen / schleimerigen Feuchte verletzet / oder gar verstopffet ist / [welchen Zufall und Kranckheit man das Schrättele / Schrätzel / an etlichen Orten auch Fraw Trutten nennet] die vermeynen / sie werden von einem andern gedruckt / und gleichsam erstickt / gehalten oder erwürget. Das Wort Succubus ist dem Corvino pag. 184 / à supercubando. Dem Fabro pag. 277. b. seynd Succubi, Dæmones ludificatores, Buhl-Teuffel oder Trachen. Petr. Paul. Pereda lib. 1. de curat. morb. c. 10. wil es zwar à subcubando; weil die bösen Geister denen Weibern incubiren / und denen Männern unterliegen sollen im Traum. Aber dieses ist dem affectui nicht gemeß; in deme es allen so vorkömpt / wie ihnen eine[25] schwere Last über dem Bauche liege / in dem die Leute auff dem Rücken liegen. Ja was mehr ist / so sol es davon herrühren / wenn einer auffn Rücken lieget; Darauff es sich begiebt / daß der Rückgrad / und was drunter ist / das Hertze am nechsten fassen und drücken: auß welcher Anhaltung der motus in etwas verhindert wird. Wo nun aber die Bewegung gehemmet wird / da samlen sich um solches Hertze viel Dünste und grobe Qualme / welche hernach ins Gehirn steigen / und allerhand abendtheurliche Schreck-Bilder zeugen / gleichsam als wenn ein Gespenst da were / welches auff der Brust lege. Ja wenn das Hertze also gepresset wird / so wer den auch die Lungen zugleich mit gedrückt / und der Stimmen der Paß versetzet: Also / daß welche mit diesem affectu beladen seynd / und anderer Leute Hülffe mit schreyen begehren wollen / doch die Lungen nicht bewegen / noch einige Stimme von sich geben können: Wie also redet Martini in Disp. d.l. auß Lemnio de Mir. Nat. lib. 2. c. 3. & 5. item mit eben den Wörtern Buchnerus ad Fabrum fol. 345. a. Voss. l. 3. Idolol. c. 35. Extr. Adde Serv. & Macrob. in Somn. Scip. Sonsten redet von denen Succubis also Gediccus in Gen. Tom. 2. f. 170. ad c. 6. Lactant. l. a. cap. 15. erklärets von den bösen Engeln / gleich als hetten dieselbige / in angenommener sichtbahrlicher Gestalt mit denen Weibesbildern zu thun gehabt: Daher die Incubi und Succubi von den Alten genennet worden / Alpe etc. Nehmlich ich kans wohl zugeben / daß sich der böse Feind auch dieses[26] Dings gebrauche zu seinem Vortheil: Daher der Wahn unter den Leuten entstanden / als wenn es der Liebste were / der nicht von sie lassen könte: Und solchen Wahn mag der Cacodæmon so weit verstärcken / daß er sich substituire / und die Leute zu fleischlichen Wollüsten verführe. Vide Vid. lib. 2. c. 19. de curat. memb. Item D. Fried. d.l. c. 1. § 3. der davor hält / daß diese Meynung auß dem Pabsthum komme. Und kan wohl seyn / daß auch das auffm Bock holen hierauß entsprungen sey. Davon in meinem Blocks-Berge.

Biß hieher von denen mannigfaltigen Nahmen /welche uns die Sache ziemlicher massen selbst beygebracht haben: Nehmlich wir seynd auß dem erzehleten innen geworden; wie von dem gedachten Alpen ein Theil hingereicht zur medicin: ein Theil zur Magie: und noch ein ander Theil zum Aberglauben. Dieser letzter / weil er einmahl in den Schwang gekommen / helt bey dem gemeinen Manne die Oberhand: Als darnach nichts anders wil beglaubet werden / denn es seyn die Maren rechte Menschen / welche verflucht weren / und sonsten keine Ruhe hetten / sie würden denn omnium cubiculorum pellices, wie Cic. von Catalinâ, das ist / sie schwebten und kröchen in der Nacht in den Schlaff-Kämmern herumb / und drückten die Leute. Ja sie wollen von solchen Leuten euserliche Kennzeichen vorbringen; als daß ihre Augen-Brahnen in gleicher Linie sollen zusammen gehen. Weiter sollen dergleichen Leute von weiten / von etliche viel Meilen[27] herkommen / und in der Frembde die Unbekanten hudeln. So wollen sie auch sagen / wie sie nicht selten welche ertappet und auffgefangen haben / ehe und bevor die Patientes davon übereilet worden. Nehmlich man spricht / daß wenn gleich alle Fenster und Löcher zugemacht weren / sie dennoch wol durch ein gebohrtes Löchlein kriechen können; als dazu sie auch sonderlich Lust hetten und dieselbe suchten. Ferner sollen sie dadurch an der Wand mercklich hinschurren oder hütschen / daß mans wohl hören könne: Nehme man sich alsdenn in acht / und stünde geschwinde auff / und stopffte das Loch zu / so müste es verbleiben / und könte nicht wieder von dannen kommen / wenn auch gleich Thür und Thore auffgethan würden. Und hierzu wil man Beyspiele geben / daß man dergleichen Maren bekommen und etliche Tage bey sich in rechter Menschen-Gestalt behalten habe: die auch nicht wieder weren weggelassen worden / wenn sie nicht theils zugesaget hetten / daß sie hinfort wegbleiben / und den Ort nicht mehr unruhigen wollen. Theils sich auch erbärmlich beklagt hätten / wie sie zu Hause ihre Kindergen etc. hetten / die sonsten umbkommen müsten / so sie nicht wieder weggelassen würden etc. Drauff habe man denn des Nachts solchen Alpleuten ihren Abzug gestattet / und den Pflock auß selbigen Loche weggezogen. So weren sie auch hernachnie wieder gekommen. Ja was mehr ist / man wil Historien haben / daß mitten in der Nacht / Hirten im Felde sollen gewesen seyn / die nicht weit vom Wasser ihrer Heerde gewartet[28] haben; Solche sollen einen dergleichen Alp gesehen haben / der sich in einen Kahn begeben / selbigen vom Ufer abgelöset / und sich mit seiner Schwinge / so er mit gebracht / übers Wasser gerudert habe; da er denn herauß gestiegen / den Kahn wieder feste gemacht / und weiter zu Fusse ich weiß nicht in was vor ein Hauß hingegangen sey / umb einen Menschen daselbst zu drücken. Umb eine Weile sol das Ding wieder gekommen seyn / seinen Kahn genommen / und sich wieder herüber gefahren haben. Solches sollen die Hirten etliche Nacht nacheinander haben gesehen und auch geschehen lassen: biß sie sich einmahl beredet / umb selbigen Kan heimlich wieder herüber zu holen / mit einem andern Schifflein und darnach acht zu geben / wie sich der Alp alsdenn gebehrden / oder herüber kommen würde. Ey! da sol sich drauff ein kläglich winseln erhoben haben / etliche thun hinzu eine Bedreuung: daß die Hirten also nothwendig den entführten Kahn wieder hienüber schaffen müssen; haben sie Friede haben wollen. Noch ferner bringet man diese Schnacke hervor / daß ein Vorwitziger einmahls seinen Alp durch dieses ersonnene Mittel von sich habe wegbringen wollen. Nehmlich er hat eine Hechel genommen und dieselbe auff seinen Bauch geleget; damit es solche scharffe Spitzen unversehens in sich stossen möchte / wenn es wieder über ihn käme: aber der Alp war klüger gewesen / und hatte die Hechel umbgewendet / und solche seinem subjecto in den Bauch gedrücket. (Wenn es nur wahr ist / denn wer hat es gesehen?[29] Ein Zettelchen solte sich wol nicht uneben darzu schicken.) Andere wollen noch weiser thun / wenn sie ihre außgezogene Schuch vorm Bette umbkehren / also daß die Hacken das Spanbette am nechsten bey sich haben: Da sol ihnen auch geholffen / und die Mahre verwiesen seyn. Ein seltzames Mittel: wiewohl es mit geringern Possen abgehet / als folgende Fratze. Nehmlich andere geben vor / die Mare stecke ihre Zunge denen Leuten ins Maul / wenn sie sich über die jenigen außbreite / und sie also einnehme: Daher es denn auch komme / daß die Leute Sprachloß werden / und sich ihres schreyens nicht bedienen können. Solchem Unheil zuvor zu kommen /wollen sie für rathsam halten / wenn man sich im Bette verkehrt erzeige; Und primo allda die Füsse hinlege / wo vorher der Kopff gewesen. 2. Daß man darbey nicht mehr auffm Rücken / sondern auffm Bauche liegen gehe: Damit die heranschleichende Mahre / wenn sie den Kopff / oder nach Plauto gutturem superiorem suche / die Postprædicamenta finde / und allda ihre Zunge hienein schiebe: So sol sie sich beschimpfet darnach nie wieder anfinden. Nehmlich sie wird eine zeitlang zu thun haben / daß sie / wie das Sprichwort lautet ihre Zunge wieder schabe. Fürwar eine lächerliche Schwencke; solte man sichs doch wohl nicht kurtzweiliger träumen lassen / als wie es der gemeine Mann so hiemit so darmit beginnet. Es wil damit übereinstimmen was andere klügeln: Nehmlich wenn ein paar Eheleute keine Kinder zeugen können / so sollen sie ihre Bette fortrücken an einen[30] andern Ort. Sonsten spricht man / daß alles an der Zeit gelegen sey / und sie auch Rosen bringe: Hier sol es der Ort thun. Im übrigen hielt ich von der Wendung des Leibes in dem Fall mehr / wenn man das auffm Rücken und Bauch liegen / gar mit einander nachliesse / und sich auff die faule Seite begebe / nach dem: Dormiture latus dextrum pete, manè sinistrum: Wiewohl es andere / so der hinfälligen Kranckheit gemässer und ersprießlicher reden wollen / uns den Proceß umbkehren. Wer nun von den vorigen Narrentheidungen so eine quantität eingenommen hat; solte der hierauß nicht schliessen / daß die Maren rechte Menschen weren? Traun / wie ich in meiner Kindheit solche Beschwernüß etliche mahl gehabt hatte: da wuste ich von nichts anders / als daß mich in genere was drückte und ängstete / daß ich nicht schreyen konte. Ich war aber auffm Rücken gelegen. Und 2. war mir die Brust vom zurücke gefallenen Oberbette entblösset worden / daß die euserliche starcke Kälte also mich wacker umbgeben und durchdringen gekunt hat; Sonderlich weil ich 3. das Maul stets pflegte offen zu halten. Darüber ich denn auch alsobald in ein anders Unglücke hätte gerathen können / wenn nicht der grundgütige GOtt meinen Pflege-Vater zur rechten Minute / als einen Schutz-Engel / zu mich gesandt hette. Nehmlich wie ich etwan 6. oder 7. Jahr alt war / und die 30. Jährige Kriegs-Unruhe in meinem Vaterlande trefflich hausete / also daß die Land-Leute mit Ihrem bißgen Haußrathe in die Wälder[31] wichen / und sich allda eine zeitlang auffhielten; da waren meine Betten auch in den Büschen und auff der Erde gewesen: drüber sich eine Eydexe in das Geräthe mit hienein geparthiret hatte / die hernach unwissend und verwickelt mit nach Hause genommen ward / wie man ein wenig Friedens-Lufft vermerckete. Und also schlieff ich hernach im neuen also genanten Gebäude / auff den jenigen Betten / sperrete das Maul nach Kindlicher Gewohnheit und Unverstand / ziemlich auff / drauß denn ein warmes Hauchen über das Bette gieng: Solches mochte das Ungeziefer rege machen: dergestalt / daß es der Bahne folgete / und über die Bettzieche zu mich schlaffenden / immer allgemächlich mehr und mehr hienanschliche / und nach dem Munde trachtete / davon sie kaum über eine quere Hand-breit war /wie mein lieber Vater in der Morgen-Stunde / ohngefehr / oder vielmehr auff GOttes schickung für mich vorbey gieng / den Unrath sahe / und mir das Bette vom Leibe geschwind risse. Mercke / daß es kein seltzames sey / daß die Eydexen denen Leuten in den Leib kriechen sollen / wenn sie auff den Wiesen etc. liegen / schlaffen / und die Mäuler auffsperren: Also daß mancher sein lebenlang darmit zu thun hat. Wie sie dann auch wohl / in den Gedärmen / jungen hecken sollen / und man sie schwerlich wiederumb herauß bringen kan / es sey denn mit einer süssen und gekochten Milch / drüber sich der Mensch legen muß / daß der Geruch durch den auffgethanen Mund zum Halse hienein gehe / und das Ungeziefer provocire:[32] Da sollen sie der Süssigkeit nachgehen / hervor kriechen / und sich in die Milch stürtzen etc. GOtt sey danck / daß es damahln mit mir so weit nicht hat kommen lassen! In übrigen grauet mir noch für den Eydexen / von der Zeit an / wenn ich von sie höre / ich geschweige sehe. confer Jacob. Fincelium part. 1. der Wunder-Zeich: apud Minsicht in Hist. Schaupl. p.m. 728. Wie anno 1549. in Ungarn über 3000 Leute dran gestorben seyn / daß sie Eydexen im Leibe gehabt haben. confer p. 29. Mich Babsten. part. 1. seines Wunder-Buches. Ich komme zum vorigen und spreche / daß meine gedachte Beschwernüß damahlen wahrhafftig natürlich war / auß den unumbstößlichen Gründen; Aber / wie ich meine passiones in der Kindheit andern Leuten zu hören gegeben habe / da haben sie mich überredet / es were die Mare / die hutzschte an der Wand hin / fiele mir plötzlich über den Leib / were gantz rauch / und drückte mich; drauff machte sie sich hernach wiederum fort / nach der Art wie sie angekommen were. Das Geschwätze gieng mir Unverständigen ein / der Glaube bestätigte den Wahn; und wenn ich drauff abermahl solchen Zufall bekam; so bedünckte mir traun nicht anders / als wenn es so zugienge: Ich hätte einmahl geschworen / daß ich das Ding beym rauchen Leibe gehabt hätte / daß ichs hätte hören rauschen / und wie einen Klotz über mich fallen: und was der eingebildeten Phantaseien mehr gewesen / die so lange bey mir statt gefunden / biß ich eines bessern bin verständiget / und versichert[33] worden / durch die freyen Künste / und Welt-Weißheit: Aber wer nun zu solcher Zucht nicht geräth / daß er derselben kan geraume Ohren geben / der bleibet wol verdüstert / und läst sich das nicht außm Sinne schwatzen / daß der Alp kein recht Mensch seyn soll. Er indulgiret seinen affecten / und mache den affectum zum vollkommenen Menschen / da er doch selber ein unvollkommener ist. Nehmlich wir haben oben gehöret / daß die Ungelahrten für halbe Menschen gescholten werden. Aristoteles nennet die Menschen Ἀλφηςας᾽, das ist / kluge und nachsinnliche Leute / weil sie viel Dinges erfunden: Pontan. lib. 3. part. prior. progymn: Dial. 9. Aber ich nenne solche Albere / welche den Alp unter die klugen Menschen zehlen / ja gar halte ich sie für Ochsen-Köpfe / nach dehme nehmlich Alpha beym Hesych: so viel heisset als caput bovis. Ey! merckt das ihr Abergläubischen Weiber / Knechte / Mägde / Bauern und andere Layen / damit ihr die Menschheit so ihr der Mare cōcediret / euch überlasset oder gönnet / und also auß unvollkommenen / vollkommene Menschen werdet. Im übrigen was wil es viel Verwunderns bedürffen / daß ihr halbe Menschen bleibet / will ihr die andere Helffte der Mare übergebet / nach eurem unbehöfelten Fürwitz? Denn wie kan einer gantz seyn / der ein ziemlich Stücke seines Wesens Frembden gestattet und in die Rappuse giebt? O ihr albern / Alpgläubige und Maren-Knechte / gehet allhier in die Schule / damit ihr lernet / was ihr nicht könnet. Fürwar wer die[34] so genannte Mare zum Menschen machet / der ist nicht würdig / daß er selber inter mares versiren solle. Der Wahn und närrische Irrthum hat das Ding auff die Bahne gebracht / daß es ein Nachtmännlein seyn sol. Und warumb wollen es die thörichten Leute für Männlein auffnehmen / die sie es auch mit einem andern Nahmen / Mare oder Nachthengst heissen? Ey / das bedeutet ja ein Pferd / dem Wort-verstande nach; warum gewinnet es denn nicht auch einen solchen Concept bey dem wahnsinnigen Volcke / in ihrem superklugen Gehirn? Traun sie seynd hiermit alleine geschlagen / lügen gestraffet / und überwiesen / daß ihre Philosophie nichts sey / die sie per traditionem anilem ohne eigene experientz herlallen. / Ihr lieben Dorffleute / es hatte vergangen einer eine schöne Schrifft herauß gegeben außm Parnasso, von denen Pferden / wie sie sich beym Apolline beklaget / daß sie von den Schüfften nunmehr hindan gesetzet / und an statt ihrer die Pachtbauern gebrauchet würden / für Beyfuß. Werdet ihr unglückselige Leute da nicht gnug von der Mare gedrucket / daß ihr euch noch von einer andern träumen lasset? Ich meyne ja / daß euch die Caballiere dermassen tummeln / daß euch die Seele außm Marse / (Marsupio wolte ich sagen: Denn pecunia ist anima und nervus rerum gerendarum,) gehet. Weiter / habt ihr das foultesiren nicht recht gelernet / und stürtzet mit euren Hengsten / daß ihr ein Subjectum Grammaticum, und das Roß ein Objectum wird: Sehet / da werdet ihr abermahl[35] unläugbahr von der Mare geritten und geducket. Ihr Sie-Männer und Hauß-Scepter-beraubete / wenn ihr euch von eure unleidliche und unerträgliche marita, der marjella über die Schnautze fahren / mit den Schlüsselen / Schüsseln / oder Pantoffeln übern Kopff und Schedel kommen / und mit einer andert halbe Ellen ungebrandter Asche / übern Leib gerathen lasset: Da werdet ihr verkehrte Succubi recht von der Mare oder Mehre gedruckt / daß ihrs ja nit anders mehr begehren sollet. Ihr Säuffer unn Fresser / es hat unlängst einer ein hübsch Buch geschrieben / genannt / der Teutsche Vielfraß / oder des Teuffels Leib-Pferd: drinnen ihr Handgreifflich gelehret werdet / was eure beschwerliche Mare sey / die euch zum öfftern reitet / nehmlich der Magen / wenn ihr gar zu viel moveatur mare gesprochen habt: Und daß solcher Affect zum öfftern von der Magen-Beschwerung herkomme / weiset Neuhus. pag. 244. und Fabr. in Lex. f. 277. b. Galen. Holler l. 1. de morb. intr. c. 14. Confer mein Hist. Traumbuch tit. von Teuffelischen und Speise-Träumen. Wollet ihr nun des Bauchdrückers und seiner Presse loß seyn / so befleißiget euch des vacui, der Nüchternkeit und der Mäßigkeit: denn gula ist ein schlimmer Gaul / wenn er über die Päntzsche kommt. Ferner ihr Leichtfertigen / gedencket euch zwar von der gravität (ja wohl recht von der Politischen zur Physischen) zu purgiren. Wie denn jener Pursch an vielen Orten in seinem Calender geschrieben gehabt P.R. das ist: Purgavi Renes. Nehmlich wenn ihn[36] seine Nieren des Nachts gezüchtiget haben / daß er andere faule Mären genothzüchtiget hat: Welches sein Vater unrecht verstanden / da er ohngefähr über die unschuldigen Ephemerides gerathen: In dem er drauß mit erfreueten / doch bethörten Gemüthe geschlossen hat; daß sein Sohn denen Freyen Künsten / fleißig obgelegen / und öffters disputiret habe / P.R. Publicè Respondendo. Nicht gedenckende / daß er sich auff ein ander lebendig Corpus juris privatum fleischlich geleget / und den Alp in Kammern und Unzüchten geagiret habe. Nein / ihr beschweret euer Gewissen und Seele: daß euch zu seiner Zeit mehr als zu viel drücken wird / ihr mögets gleich eine weile an den Nagel so hoch hangen als ihr immer wollet. Ihr molestiret weiter den Leib durch unflätige Träume / darbey sich der schadenfrohische Asmodi geschäfftig machet / wenn er euch im Schlaffe eine Geilheit einbildet / und darzu zum Gaulo wird. Wie es ihme denn nicht selten ist / daß er die Venerem rege machet / den Kutzel erwecket / und einen süssen Gifft den Gliedern eingeust / daß die Schlaffenden nicht anders meynen / sie haben eine Buhlschafft gehabt. Pet. Paul. Pereda lib. 1. de curat. morb. c. 10. D. Fried. d.l. cap. 4. §. 3. O lasset euch den Teuffel nicht retten / nach dem bekanten Sprichworte / das hieher sonderlich gehöret. Befleißiget euch der rechten gravität, so werdet ihr der unrechten Quitt gehen / nehmlich des Teuffels / der da herumb gehet wie ein brüllender Löwe / zu suchen welchen er verschlinge / oder schwermüthige Gedancken[37] beybringe. Glaber Rudolphus, ein Mönch und Historicus in Franckreich / schreibet im 5. Buch Historiæ Francorum, daß ihme einsmahls bey Nachts / der Teuffel in eines sehr häßlichen Männleins Gestalt / vorm Bette unten bey den Füssen erschienen. Er war einer mittelmässigen Grösse / hatte einen dürren Hals / eingefallenes und mager Gesicht / kohlschwartze Augen / eine runtzelte Stirn / eine trumpfe Nasen / eine Warffal oder Trollmaul / grosse auffgeschwollene Leffzen / eingebogen Kinn / einen Geißbart / und spitzigte / harige / starrende Ohren: Die Haar waren wie Sauborsten durcheinander zerstrielt: er hatte bleckende Zähne / einen Spitz-Kopf / eine hohe Brust und puckelten oder höckerichten Rücken: die Hüffte schlotterten / die Kleider waren häßlich und garstig / und in deme er von Begierd erhitzt und entzündet / hat er die Decke des Betts / in welchem der Rudolphus lage / erhascht / und das gantze Bett grausam erschüttelt / und darnach zum andern mahl kirrend und zornig gesagt: Du hast an diesem Ort nicht länger zu bleiben. Deßwegen Rudolphus auch im Schrecken auß dem Bette gesprungen / und davon gelauffen ist. Solte dieses nicht ein Alp gewesen seyn? Im übrigen dürfftet ihr euch keiner andern Nachtmännlein besorgen / die euch beschwerlich weren / ausserhalb euern Einbildungen. Denn also hat Forestus in seiner Kindheit gemeynet / daß er von einem schwartzen Hunde gedrücket würde / das er nicht zu Athem kommen können / wie er von sich selber zeuget lib. 20. Observ. [38] Med. de Cereb. morb. Observ. 51. Item andre lassen sich bedüncken / das es ein Gespänste sey / welches von den Füssen hinan krieche / und den gantzen Leib einnehme / ja die Leute sich also verpflichtet halte / daß sie umb keine Hülffe schreyen können / ob sie gleich wollen. Bernhard. Gordon. de Pass. cap. part. 2. c. 24. wie denn beym Johann Schenck. in Observ. Med. lib. 1. de Incubo eine Histori stehet / daß ein Münch sich beklaget habe / wie alle Nacht ein bekantes Weib zu ihm käme / das ihm über die Brust fiele / und so zwünge / dasz er weder Arm noch Bein regen / oder mit der Stimme was zu thun vermöchte / dasz sie wegkäme. Nehmlich es sind Einbildungen / und hat seine natürliche Ursachen /wie auszdrücklich Jacob. Martin. P. P. Witt: saget in Auctar. 2. ad Disp. de Mag. act. und Hollerius in Schol. ad cap. 14. l. 1. de morb. intern. Confer Rolfinck. und unter die alten Aetium / welche die Weiberfabeln gnugsam verworffen / und die intricate Sache vorm natürlichen Richterstule geschlichtet haben. Wiewohl es sich so weit nicht läugnen lässet / dasz nicht auch der böse Feind sich freylich dabey practicabel erzeiget / die Leute zum Aberglauben verführet / und vollends drinnen verstärcket / nach des Foresti Auszsage. Ist nicht auch der Irrwisch ein natürliches Thun / und doch dennoch miszbrauchets der Voland zu seinem besten. D. Frid. d.l. Und solches Unwesen sol bey den Kindern des Unglaubens / bey unsern Vorfahren im Pabstthume / häuffig vorgegangen seyn: Welches sich nunmehr[39] aber meistentheils verlohren hat / beym hellen Lichte des Evangelij / da die Gnade GOttes erschienen ist allen glaubigen Menschen / daß Er des Teuffels Werck zerstöre. Im übrigen bleibet es dennoch darbey / das was man ingemein von dem Alp schwatzet / natürlich sey: Nochmahl ungeachet / ob gleichandere so viel Umbstände anzuführen wissen / daß sie gleichsam einen übertauben solten / es were umb die Mahre ein Menschliches Thun: Also hat jener Apothecker beym Hollerio so eigentlich und wunderlich zu reden gewust / von des Alps Gestalt und Geberden / die er ihm abgemercket / wenn er davon gedrucket worden / und hatte davon nicht können abstehen / biß ihn die Doctores dahin vermocht haben / daß er doch ihre Cur möchte annehmen: Er solte innen werden wie sichs verliehren würde / welches auch geschehen ist: Komme hier noch einer / und behaupte seinen Wahn / den jener Apothecker hat einbüssen müssen. Aber du sprichst (welches alles bey D. Frid. zu lesen ist /) daß man gleichwol so viel Nachricht habe / daß der Alp ein Mensch seyn müsse: Weil / wie jenem München bey Foresto, ist gerathen worden von einem alten Weibe / daß er solle in der Morgendemmerung / seinen Pinckel-scherbel mit dem rechten Strumpfe dichte verstopfen und zumachen; daß gleichwohl geschehen ist / daß das verdächtige Weib am flugs folgenden Tage zu ihn gekommen / und sich beklaget habe wegen der Blasenwehe. So spricht man auch / daß wenn die Kerle auffn Abend von ihren Liebsten geredet haben / solche des Nachts[40] ingemein für ihr Bette gekommen / und sie ferner zu ihrer Liebe durchs drücken zwingen sollen. etc. Resp. Das seynd Einbildungen: Denn wo einer des Tages mit umbgehet / davon träumet einem ingemein des Nachts. 2. Ist auff jenes närrische Mittel eben so viel zu geben / als auff das oben gedachte / mit der Umwendung des Schuhs: Damit die Unverständigen dem Alpe vielleicht so viel wollen zuverstehen geben / als wenn kein Mensch im Bette were: Weil dessen Zeichen vielmehr seynd die Pantoffeln oder Schuhe / wenn sie ihre Zähe oder Hörner zum Bette kehren: Als die man auff solche Art außziehet und stehen lässet / wenn man ins Spansbette hienein steiget / und sich zur Ruhe begiebet. Der Glaube bestätiget alle Ding / also auch hier: Es ist gnug / daß mans dabey müsse verbleiben lassen / wie der Alp ingemein eine natürliche Kranckheit sey: weil die medicinische Facultät darwieder mit Nutzen ihre Artzney vorschreibet und appliciret: Die in grosser Menge und Tüchtigkeit bey den citirten autoribus nachzuschlagen seynd. Darauß wir nur dieses berühren wollen / daß dergleichen Leute welche mit solchem Ubel behafftet seyn / nicht leichtlich oder sicher alleine schlaffen / sondern andere bey sich im Bette haben sollen. D. Zeidl. d.l. th. 47. welche sie rütteln und schütteln / bey den Haaren Zopfen / beym Tauffnahmen nennen / und die rückliegenden auff einer Seite hinwenden können / [41] D. Frid. d.l. c. 9. Mercke auch / daß andere mehr Nutzen darfür Feuersteine / Corallen und Pæonien-Wurtzeln an den Halß hengen. Mercat. l. 1. de intern. morb. cur. c. 10. Der Galenus l. 3. de medic: facilè parabil. & lib. de incant. will rathen / daß man einem / der nichts davon weiß / Rauten-Samen in die Hosen thun sol. Andere recommendiren den Edelgestein Sardam: Etliche daß man Aniß unter den Kopf legen / oder ins Hauptküssen hienein thun solle: Andere rathen / daß man eine Wolffshaut müsse unter sich legen. Petr. Forest. lib. 10. Observ. de morb. Ca. in Schol. ad Observ. 50. Schvvenckfeldius lib. 1. de Stirb. Siles. p. 6. saget / daß der Böhmische Wermuth denen Kindern gut sey wieder den Alp / Ja er sol daher auch bey den Schlesiern heissen Albkraut / Albraute. Idem lib. 2. d.l. pag. 223. spricht daß der Stabwurtz Männlein wegen seines Nutzens auch heisse / rothe Albraute.

Mercke weiter daß man dem Alpe auch schuld gebe / wie er die Kinder außtausche / wenn die Weiber ihre Kielkröpfe hinlegen und sprechen: Komme Alp / hole dein Kalb! Doch davon hie anderswo.

Schlüßlich von denen gedachten Mahren-Flechten / oder Jüden-Zöpfen / Gozdrice auff Polnisch / implicationibus Cirrorum, Kolten apud Roxolanos, Zopffen / Löcken / Flechten / Schrötlings Zöpfen / Cirragrâ, etc. Besiehe D. [42] Zachar: Brendelium, P.P. Med. Jen. in Disput: explicâ Polonicâ, Jen. 1630. und D. Gverner: Rolfinckii P.P. Med. Disp: von eben deroselben materie. Jen. 1658.

In meinem Historischen Traumbuche habe ich erzehlet / tit. von Glücks-Träumen / wie einem Könige auß seinem Munde die Seele in gestalt eines Mäuselein herauß und hernach wieder hienein gekrochen sey: Darzu muß ich nothwendig noch dieses setzen / daß sich in Thüringen / bey Salfeld / auff einem vornehmen Edelsitze zu Wirbach begeben im Anfange dieses seculi, daß nehmlich das Gesinde des Herren Obst einmahls geschälet habe / darbey in derselben Stuben eine andere Magd gewesen / welcher der Schlaff angekommen / daß sie sich von denen übrigen absondern müssen / und nicht weit davon auff der Banck etwas zu ruhn nieder geleget hat. Was geschicht? wie sie ein wenig stille gelegen / siehe / da kreucht ihr zum offnen Maule herauß ein rothes Mäuselein / daß die Leute meistentheils gesehen / und eine der andern es bald gezeiget hat. Solches eilet zum Fenster zu / welches damahlen ein wenig nur offen gestanden / und bleibet ein weilgen auß. Drüber stehet eine vorwitzige Zooffe auff / ungeachtet / ob es gleich die andern ihr starck verboten / und rüttelt nicht allein die entseelte Magd / sondern beweget sie auch auff eine andere Stelle etwas fürder / und gehet davon: Darnach kömt das Mäusein wieder /[43] und laufft auff der vorigen bekanten Stelle hin und her / das auß der Magd Maul gekrochen gewesen / und wie es nicht recht ankömt / noch sich zu rechte findet / so verschwindet es / und die Magd war darauff Mause todt gewesen und verblieben. Welches jene vorwitzige sehr bedauret gehabt. In übrigen sol auff selbigem Hofe ein Knecht gewesen seyn / der vorher vielmahln von der Truht gedruckt geworden / und kein Frieden vorher haben können / als nach absterben jener Magd. Dieses hat mit ihren eigenen Augen gesehen Catharina Bittorffin / meines Eheweibes ihrer Mutter Schwester Sel. welche es sehr offte zuerzehlen pflegen vor 20. Jahren.

Quelle:
Praetorius, Johannes: Anthropodemus plutonicus. Das ist eine neue Welt-beschreibung [...] 1–2, Magdeburg 1666/67, S. 2-44.
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