VIII. Von Haußmännern / [359] Laribus, Penatibus, Geniis, Kobolden / Stepgen / Ungethümen / Larven / Haußgötzen / Gütgen.

Weil hievon allerhand Wunder-Historien erzehlet worden; als wollen wir nicht minder eines und das ander davon anführen. Und solte 1. also wohl hierzu nicht gehörig seyn nachfolgendes / so müste es wunder seyn?[359] Nehmlich Gottfried Schultze saget in seiner continuirten Chronicke pag. 638. In diesem 1646. Jahre kam ein Maurmeister in Kempten / ward wohl empfangen / wie sie einander speiseten / und ein halb Brodt auff dem Tische lag / sahe der von Immenstadt das Brodt eben an / der ander fragte warumb? Er sagte / er solte das Brodt auch da es auffgeschnitten were / anzuschauen / da sahen sie alle beyde ein offen Gesicht darauff / offene Augen / lange schwartze Haar / den Kinn auff den Tisch haltend: dieses Gesicht verwandelte sich hernach in eines Löwen Haupt / hernach wieder in voriges Menschen Gesicht / solche Verenderung wehrete eine hälbe Stunde / hernach war es wieder recht Brodt. Was mehres hat hievon Hildebrand vom Hexenwercke p. 310. also: Man sagt daß in Ißland dienstbahre Geister seyn / welche der Leute Knechte sind in ihren Häusern / tragen Holtz und Wasser in die Küchen / und wenn in einem andern Lande was grosses geschicht / es stirbet ein grosser Herr / es geschiehet eine grosse Schlacht / so wissens dieselbe Geister oder Teuffelichen / und verkündigen es den Leuten. In Deutschland hat man sie geheissen Gutichen / Wichtlichen / Erdmännrichen / Hellekeplein / und man hat sie gefunden / daß sie Schüssel in der Küchen gewaschen haben / sie haben die Pferde gewartet / und ist ein Wahn dabey gewesen / daß wo ein solch Güttichen sey / da sey viel Glück und Gedeyen. Hactenus [360] ille: Bey dessen Worte Güttichen zu erwähnen ist solcher Zöpffe / welche viel Leute aufm Koffe unter ihren andern Haaren haben / die sonsten Plica Polonica, oder Wichtelzöpffe genannt werden vom Barthol. in Observ. Anatom. Sonsten heisset man sie Jüdenzöpffe; zweiffelsohne / soll es heissen Güttichen Zöpffe; als wenn sie von denen Kobolden geflochten würden. Mercke bald / daß Anno 1500. zum Könige Jacobo IV. in Schottland in der Kirchen / ein grosser Mann gekommen sey / welcher einen langen rothen Zopff / und gantz in einander geflochten / gehabt / welcher ihm den gantzen Rücken hinunter hieng: Im übrigen aber einen kahlen Kopff sonder Hut hatte / angethan mit einem langen blauen Rocke: der war bald drauff verschwunden / wie er den König vom Kriege abgemahnet hatte. etc. Vide Christian Minsichts Schauplatz Denck: Geschicht p. 8. Solte dieses auch nicht ein Hütichen gewesen seyn; als dafür er sich hat wollen zuerkennen geben / so ferne er keinen Hut auffgehabt hat? etc.

Im übrigen redet von denen Haußmännern folgender Gestalt Raue in memorab. c. 94. p. 71. etc. wiewohl dem Menschlichen Geschlechte ohne unterscheid von allen Geistern der Elementen grosses Unglück zugefüget wird / ist doch unter allen diese Art der irrdischen Geister den Menschē vornehmlich auffsetzig / und schaden zu thun befliessen.[361] Sie haben unter ihnen grossen Unterscheid / und sind mancherley Art / iedoch sämptlich gesinnet / den Nahmen GOttes zu lästern / und den Menschen in das ewige Berderben zu stürtzen / etliche werden Genii, Haußgeister / etliche Spectra, Gespenst / und Geister die im Mittag herrschen / genennet / etliche Fauni, Satyri, Waldgötter: die Spiritus Familiares, oder dienstbahre Hauß-Geister / Genii, wurden beym Athenæo und andern Platonicis geheissen / die Seelen der Verstorbenen / welche wenn sie in diesem Leben frömlich gelebet / nach dem Tod die Vorsorg ihrer Nachkommenen auff sich nehmen / und die Häuser und Wohnungen derselben einnehmen / und wurden alsdenn Lares familiares, Hauß- oder Geschlecht-Geister genennet: wenn sie aber im Gegentheil ihr Leben allhier in allerley Lastern zugebracht / können sie / der alten Meynung nach / von keinem frommen in Behausung auffgenommen werden / und müssen alsdenn zur Straff in langwierigen Exilio und Elend herumb schweiffen / doch den Frommen können sie kein Leid zufügen / und würden alsdenn genennet Larvæ, Lemures, Poltergeister. Die Haußgeister sind böß und dem Menschen feindselige mißgünstige Geister / welche / ob sie gleich zu verstehen geben / als trügen sie grosse Vorsorge vor des Menschen Wohlfahrt / richten sie doch alles ihr Vermögen dahin / ihnen Schaden zuzufügen.[362] Sie lassen sich auch unterweilen von den Menschen sehen. Unter diese Zahl gehören die Fauni, Satyri und Sylvani, Waldgötter / welche / wie Macrobius schreibet / jede zwey Jahr eine Zusammenkunfft / Fest und Tantz / auff dem Berg Parnasso halten / sind den jungen Knaben / und schönen Jungfrauen sehr auffsetzig / und befleissigen sich dieselbige auff mancherley weiß zu fällen. Deßgleichen gehören hieher die Erdmännlein / Kobold genannt / sind kaum dreyer Spannen hoch / und eines hohen grauen Alters anzusehen / verhalten sich mehrentheils in den Ertzgruben / und Bergwercken / erzeigen sich darzu sehr geschäftig / sonderlich in denen Gruben / welche vor andern an Metallen sehr reich sind. Sind sehr furchtsam / haben die verborgene Schätze der Erden an Metall / Perlen und Edelgestein in ihrer Verwahrung / dessen Exempel bey Stummpffio in der Schweitzerischen Chronick / unter dem Jahr Christi 1520. von den Jungfrauen in der Höll zu Basel / zu sehen. Im übrigen begehrestu ein Bildnüß oder Contrafey von den Laribus, so suche meine antiquitätische Karte hervor: Da du ein recht Menschen-Bildnüß antreffen wirst: Nehmlich die Alten haben nicht anders von den Poltergeistern halten können / als daß es rechte Menschen seyn müsten / in der Gestalt wie kleine Kinder / mit einem bundten Röcklein oder Kleidgen: Darzu etliche setzen / daß sie theils Messer in[363] den Rücken haben sollen / theils noch anders und greulich gestalt weren. Nach dem sie so und so / mit diesem oder jenem Instrument vorzeiten umbgebracht seyn. Denn die Aberglaubischen halten davor / daß es derer vorweilen im Hause ermordeten Leute Seelen seyn sollen. Und schwatzen sie von vielen Historien / daß / wenn die Kobolde denen Mägden und Köchinnen eine weile im Hause gute Dienste gethan / und sich ihnen beliebt gemacht haben; daß manches Mensch daher gegen denen Kobolden eine solche affection bekommen / daß sie solche Knechtgen auch zu sehen / inbrünstig gewüntschet und von ihnen begehret haben: worinn aber die Poltergeister niemahl gerne willigen wollen / mit der Außrede / daß man sie nicht sehen könte / oder sich doch drüber entsetzen würde. Doch wenn dennoch die lüsterne Mägde nicht haben ablassen können / so sollen die Kobolde jenen einen Ort im Hause beniemet haben / da sie sich leibhafft præsentiren wollen; Aber man müste zugleich einen Eymer kaltes Wasser mitbringen. Da habe es sich denn begeben / daß ein dergleichen Kobold etwan auffn Boden in ein Küßgen nackigt gelegen / unn ein grosses Schlacht-Messer im Rücken steckend gehabt habe. Drüber manche Magd so sehr erschrecken wär / daß sie eine Ohnmacht bekommen hat: Drauff hernach das Ding alsobald auffgesprungen ist / das Wasser genommen / und das Mensch damit über und[364] über begossen hat / damit sie wieder zu sich selbst kommen können: worauff die Mägde hernach ihre Lust verlohren / und Court Chimgen niemahln weiter zu schauen begehrt haben. Nehmlich sie sollen auch alle besondere Nahmen führen / in gemein aber Chim heissen: So sollen sie auch für die Knechte und Mägde / welchen sie sich etwa ergeben / alle Haußarbeit thun: die Pferde striegeln / futtern / den Stall außmisten etc. alles auffscheuern / die Küche sauber halten / und was sonsten im Hause zu thun ist / sehr wohl in acht nehmen / und das Vieh auch von ihnen wohl zunehmen und gedeyen soll: dafür die Kobolde hingegen von dem Gesinde wohl müssen charisiret werden; daß sie ihnen im geringsten nichts zu leide thun / weder mit außlachen noch versprechen oder verseumung in speisen: Nehmlich hat eine Köchin das Ding zu ihrem heimlichen Gehülffen einmahl im Hause angenommen; so muß sie täglich umb eine gewisse Zeit / und an einem besondern Ort im Hause / sein bereitetes Schüsselgen voll gutes essen hinsetzen / und ihren Weg wieder gehen; so kan sie hernach immer faulentzen / auffn Abend zeitig schlaffen gehen: und wird dennoch ihre Arbeit früe morgens beschickt gefunden. Vergift sie aber ihre Pflicht einmahl / wiewohl ungefähr / mit der unterlaßnen Speise; so hat sie hinwieder ihre Arbeit für sich zuverrichten zum besten gehabt / nebenst allerhand[365] unglücklichen Handgriffen: daß sie sich entweder im heissen Wasser verbrandt / die Töpffe und das Geschirr zu brochen / das Essen umbgeschüttet oder gefallen ist etc. daß sie also nothwendig von der Frauen oder dem Herrn zur Straffe müssen außgemachet werden: drüber man auch zum öfftern den Kobold soll kichern oder lachen gehört haben. Nehmlich so macht es der Schadenfroh / der Teufel / allezeit / wenn die Seinigen ihn ein wenig hindan setzen / so soll er die Hexen braun und blau prügeln. Vide Bodin. in Dæmonom. Und so ein dergleichen Kobold / soll stets in seinem Hause verblieben seyn / wenn sich das Gefinde gleich verendert hat: Ja es hat eine abziehende Magd ihrer Nachfolgerin den Kobold recommendiren und auffs beste anbefehlen müssen / daß jene seiner auch also wartete: Hat sie nun nicht gewolt / so hat es ihr auch an continuirlichem Unglücke nicht ermangelt / und zeitig gnug das Hauß wieder räumen müssen. Mercke hierbey ein Geheimnüß / wie sich der böse in den Häusern / unwissend der Herren habe können viel Jahr auffhalten (denn sonst würden sie ja des Gesindes nicht bedurfft haben /) damit es die einfältigen Dienstboten desto besser berücken und ins Verderben stürtzen möchte; weil die Ober-Herren zweiffels ohne immer gescheuter / und der bösen Sache kundiger zu seyn scheinen. Und dieses gottlose Thun mag im Pabstthume trefflich[366] starck fortgegangen seyn: welches sich aber bey der Ankunfft des reinen Evangelii ziemlich verlohren / wiewohl dennoch nicht gäntzlich allenthalben abgethan hat: Denn man soll annoch Häuser haben / darinnen so wohl der Drache als Kobold hausiret / und seine Höllische Handreichung thut: Ja er weichet dennoch an etlichen Orten mit nichten weg / ob sie ihn gleich gar nicht dulden wollen / und schon eine ziemliche Zeit seiner müssig gegangen: auch in den Pfarrhäusern. Denn wer hat noch nicht in frischem Gedächtnüß / was vor wenig Jahren im Braunschweigischen zu Celle vorgieng / im Hause des Herren D. Waltheri daselbst Superindent Seel. war das nicht ein greulich Spiel / daß der gute Mann sein Leben ziemlich dabey zugesetzet hat? Ein dergleichen Exempel erzehlet Bodin. in Dæmonom. f. 193. von Anno 1557. von einem solchen bösen Geiste zu Tholosen / in eines Schumachers Hause / da es auch greulich mit Steinen herumb gehagelt / und man doch niemanden gesehen hat. etc. Es will zwar Bodin. d.l. rathen / man solle solche Häuser / nebenst anruffung GOttes / bemahlen inwendig mit einem Rade unn Schwerdte / oder Diamanten Ringe drinnen tragen / so soll man sicher seyn; Aber das beste Rad ist GOttes Rath / daß man sich solchem ergebe. etc. Weiter ist in meiner Heymath von Zetling ein ander Dorff / mit Nahmen Güssefeld eine halbe Meile[367] abgelegen / drinnen auch ein alter Gottsfürchtiger Priester wohnet. Deme ist noch vor 3. Jahren / wiederfahren / daß ein alter Poltergeist in seiner Pfarre ihm etliche mahl bedreuet hat / das Hauß übern Kopffe anzustecken / und hat es auch zu zwey unterschiedlichen mahlen begonnen / welches aber der liebe Mann mit seinem Gebet und Behütsamkeit noch immer gedämpffet hat. Biß ihme einmahl drauff ein anders zu Sinnen gekommen / daß nehmlich der Teuffel ein Schelm were / und möchte ihn wohl gar umb sein Haab und Gut bringen / wenn er ihme nicht in etwas wiche / und das alte Losament hingebe. Was geschicht? Er reumet alle seine Bücher unn das übrige Haußgeräth in die Kirche / treibet Vieh und alles auß: Und wie solches geschehen / siehe! da kömpt plötzlich zum dritten mahl unverhofft ein groß Feuer auß / und brennet den gantzen Hoff glatt an der Erden weg mit allen Gebäuden: welches denen Bauern neue Mühe und Unkosten gemacht / bald eine andere Pfarre wieder an vorigen Ort hinzubauen; Drinnen nunmehr eben derselbe Priester gute Ruhe hat / nach dem er dem Poltergeiste seine alte Behausung abgestattet hat. Sehet also will der Teuffel sein Spiel / wie die Narren ihren Tag / haben. Dahin denn auch dieses gehöret / daß manche Oerter hin und wieder in den Häusern seyn / da der böse Feind keine Fenster leiden kan / wo er sich etwa vorher auffgehalten hat.[368] Also seynd mir allhier in Leipzig ein paar Oerter bekannt / da etwan in einem Fensterfache / eine und die andere gewisse Scheibe nothwendig fehlen muß / in dem sie allezeit von sich selbst wiederumb herauß kommen / wie offt sie auch von neuen wiederumb seynd hinein gesetzet worden. Das muß ja des Satans sein Spiel seyn; Ungeachtet ob die Leute sonst gleich nichts von einem Ungethüme weiters hören oder sehen. etc. Ich muß zu das vorige auch noch dieses setzen / was ich in etwas berühret habe in einem besondern Bogen von den hiesigen Blutzeichen: Nehmlich von Lützen einem Städtlein unweit von Leipzig gelegen: da soll in diesem 1665. Jahr ein kleines Männlein außm Keller hervor gelauffen seyn / und vor desselben Hauß / auß einer Kelte / Wasser gesprenget oder gegossen haben; drauff es wieder stillschweigends in den Keller hinein gelauffen ist. Und wie die gegenwertige Magd sich drüber gefürchtet / und auff ihre Knie gefallen / auch einen Psalm gebetet hat / so soll es nicht minder zugleich mit nieder gefallen seyn / und so lange gebetet haben / als die Magd etc. Drauff ist hernach eine Feuersbrunst im selbigen Städtlein außgekommen / und seynd etliche schöne neugebaute Häuser in die Asche geleget worden: Aber selbiges Hauß ist unverletzt übrig geblieben. Item es soll nach solcher Zeit eben dasselbe Männlein wieder noch ein mahl gesprenget haben: Aber es[369] ist dennoch drauff am selbigen Orte weiter nichts erfolget. Und dergleichen Historien möchten wohl auß der massen viel zu wege können gebracht werden / wenn es höchst nöthig were. Im übrigen will ich nur hier erinnern / daß zu solchen Haußmännern / auch die übrige stätigen Gespenster gehören / welche sich in gewissen Häusern vermercken lassen: Als habe ich / GOtt sey Lob und Danck dafür gesaget / sonsten mein Lebe nichts gehört noch gesehen / ausserhalb / daß ich / Anno 1641. zu Saltzwedel in der Reichs-Strasse / bey einem Schuster / mit Nahmen Rothen / bey welchem ich domahln zu Tische gieng / etwas vor der Haußthüre habe ein mahl oder drey starck anklopfen gehört: Drüber ich hinauß gehen und auffmachen wolte / wenn es mir die Frau nicht gewehret hette / als welche sich flugs / auß den vorigen Begebnüssen / drauff zu entsinnen wuste / daß es unrichtig möchte zugehen: wie denn andre / im Hause sich auff haltende / von vielen vermerckten Spückereyen zu reden wusten; dafür mich GOtt aber jederzeit behütet hat / welchem ich allhier Lob und Ehre dafür sage / bittend / daß er mich weiter für dergleichen Gesichter und Schreckbilder verwahren wolle.

Sonsten haben die Samoiter etc. in ihren Häusern die Schlangen geheget / sie verehret / als Hauß-Götzen. vide Hammer: in Viridar: Histor. p.m. 78. 79.

[370] Zeilerus Tom. 2. Epist. 553. p. 879. auß Seidelii bericht von Geistern / daß die Kobold / Item die jenigen so die Teutschen Gütchen nennen / und die sich in den Häusern gütig erzeigen / (errant, qui putant, illos Spiritus esse bonos, qui bona consulunt. Frequenter obsunt, quæ prodesse putamos. D. Tobias Wagener von Visionistenstreidt p. 93. seq.) theils der Pferde und ander Viehe warten / theils das Hauß kehren / lachen / offt in sichtbahrer Gestalt erscheinen / und niemand groß beleidigen; So wohl als die Poltergeister / welche Schaden thun / rumpeln / poltern / nach den Leuten werffen / sie schlagen / etc. und die Bergschwaden / so offtmahls die Menschen mit Gifft anhauchen / sie umbbringen / verjagen / und gantz Tyrannisch sich erzeigen / Höllische Geister oder Teuffel seyen. Vide G. Phil. Harsdörf. 7. Theil Gesp. Spiel / p. 362. seqq. von Gespenstern / und Poltergeistern. Item Voëtium in Disputatt. pag. 752.

In übrigen wil man jo Hauß-Leute haben / so seynd es die Türmer / so in der Alten-Marck Haußmänner genennet werden. (2) Die Weiber / welche vom Hesiodo geheissen werden Domi-portæ, ὀικο φόροι, daß sie / wie eine Schnecke / ihrer Häuser immer umb und bey sich haben sollen / sie sollen sich nicht verlauffen / anderswo vergaffen / wie die Haußlose Dina, und jagerinne Diana; sondern daheime das ihrige[371] schaffen / doch auch nicht eben in Kammern und Unzucht / noch daß sie das Stuben-Fenster oder den Giebel / wie der Atlaß Cœli porta, ümb den Halß oder auff ihren Kopffe haben; sondern daß sie / wie die Heimigen / Häußlich leben / den Herr in acht nehmen / pro focis arisque streiten / hie mit dem Gebeth-Buche / da mit der Ofengabel und Roste. Sie sollen Haußuncken seyn / für ihrer Thüre kehren / Aululariam auß studieren / die Kühe beschnüffeln. (3) Weiter mag man auch die Bauleute Haußmanner titulirn / als welche rechte C. saudri seyn / die Häuser ümbs Geld bauen / und ihrn principalen die Oeconomiam drinnen gestatten. (4) Auch werden die nicht uneben Haußmänner gescholten / welche dermassen adscriptitij glebæ patriæ seyn / unn in angelô agelli senescirn, ex dulcedine naturalis soli, daß sie auch kaum glauben solten; ob mehr Stäte in der Welt seyn / als ihre ergene; Welche prave Helde hinter dem Ofen / und nicht im Felde seyn; Die in der Wahrme Ofenröhre immer ihre äpffel braten / und sich wenig grune Haare drümb wachsen lassen / ob gleich Ulysses und Æneas einen unsterblichen Ruhm dacher erlanger haben / daß sie viel außländische Oerter besuchet haben.

Schließlich muß ich noch eines und des andern von den Haußmännergen gedencken / auß Herrn Casp Posner Disp. de Virunculis Metalicis c. 10. die Cobali oder Covali, sollen heissen [372] ἀπὸ τῆς κοβαλέιας, das ist / Nachahmung und Schmeichelung / weil sie wie Affen die Menschlichen Verrichtungen nachahmen. Denn sie sollen zur Mitternacht sonderlich / wie der fürtreflliche Medicus, Wierus redet / l. 1. de Præstig. Dœm. c. 22. §. 5. herümb gehen / der Haußbedienten ihre Geschäffte verwalten: Als da man sie hören soll / die Treppe herunter und herauff steigen / die Thür auffthun / Fewer machen / Wasser schöpffen / Speise zubereiten / Da sie doch in der Warheit nichts ins Werck setzen. Georg. Agric. lib. de Animant. Subterr. spricht / daß man die Koboldte selten sehe / da sie doch gleichwol täglich viel Arbeit verrichten / und das Vieh beschicken / und die man / weil sie sich dem Menschlichen Geschlechte gütig erzeigē / oder auffs wenigste dienstfreundlich erscheinen / zu Deutsch Gütel heisset: Andere nennen sie Trullos, so sich wie Weiblein und Männergen bey vielen Völckern gebrauchen lassen / und sonderlich bey den Schweden in Diensten seynd. Und hierzu gehören vielleichte auch die Coltri, wie sie auff Reusisch also genandt werden / und von den Sarmaten mit Gottesdienst verehret werden / wie Ioh. Meletinus vorgiebt beym Martin Delr. l. 2. Disqv. Mag. qvæst. 27. Sect. 2. Da er spricht / daß sie in den Winckeln der Häuser oder Holtzhauffen wohnen / und welche die Leute mit dem köstlichen essen speisen / darümb / weil sie ihren Ernehrern Getreyde zuführen /[373] daß sie auß andern Scheünen gestohlen haben / wenn aber solche Geister an einem Orte wollen wohnen und sich speisen lassen / so geben sie ihren geneigten Willen gegen dem Hauß-Vatter also zu erkennen: Sie tragen des Nachts Späne ins Hauß / und legen in die Milcheymer / wenn sie sie voll Milch gemacht haben / allerhand Mist der Thiere. Wenn dieses der Hauß Vater vermercket hat / und die Späne mit Fleiß nicht verwirft / noch den Dreck auß den Eymern wegschüttet / sondern von der Verunreinigten Milch mit seinem Gesinde isset / so sollen sie allda erscheinen und gerne bleiben. Im übrigen erzehlet der Wierus d.l. von den Koboldten folgende Histori. Ein Mann / der weit weg verreisen wollen / und ein unzüchtig Weib gehabt / hat solches im Schertze dem Hütgen anbefohlen / sprechende: Mein guter Gesell / ich befehle dir mein Weib an biß ich wiederkomme / schaue zu daß du sie wohl verwahrest. Was geschicht? Wie der Mann weg gewesen / und das Weib einen Buhler nach den andern zu sich hinein gehen lassen / hat sich der Geist in unsichtbahrer Gestalt / allezeit in der mitten darbey gefunden / und wenn ein Kerl das Weib nur anrühren wollen / so hat er sie gleich bey der Carthause erhaschet / und wieder die Erde geworffen: So ware es alle Nacht zugegangen / wenn die Wirthin immer neue Gäste zu sich gesellet gehabt / biß der Mann endlich wiedergekommen; da Hütgen ihme[374] mit frölichen Muthe von ferne entgegen gelauffen / schreyende: Sey willkommen zu Hause / ich freue mich von Hertzē über deiner Ankunft / damit ich einmahl von meiner unruhigen Arbeit erlöset werde / die du mir auffgegeben hattest. Drauff dann der Mann geantwortet: Wer bistu? Resp. ich bin hütgen / deme du bey deiner Abreise dein Eheweib anvertrauet hast: und siehe / ich habe sie dir wohl verwahret / aber mit unglaublicher grosser Bemühung / damit sie keine Ehebrecherin werden möchte. Aber ich bitte dich hinfüro / verschone mich weiter mit solcher Arbeit / denn ich will lieber alle Schweine in gantz Sachsen wartē / als noch einmahl dein einiges Weib. Denn sie hat mich auff so vielerley Art und Weise betriegen wollen / damit sie ihren Leib denen Buhlern übergebe.

(2.) Als Burcardus, / ein Graffe von Lucka / von Graffen Hermanno zu Wiesenburg war umbgebracht worden / und die Wiesenburburgische Graffschafft / nunmehr frey und ledig stund einzunehmen / da hat Hütgen den Bernhardum, einen Hildesheimischen Bischoff auß in Schlaffe gewecket / sprechende; Kahlkopff / stehe auff / fodere dein Kriegsvolck zusammen / weil die Graffschafft Wiesenburg / wegen des getödteten Herrn / verlassen ist: Du wirst sie leicht gewinnen / welches auch geschehen ist; von dannen der Kayser dieselbige Graffschafft zum Bischoffthum /[375] als ewig / hinzu gefüget hat: So soll auch selbiger Geist dem Bischoffe von vielen Gefahren zeitig was angedeutet haben.

3. Eben derselbe Geist hat sich an des Bischoffs Hoffe heuffig finden lassen / hat denen Köchinnen dienstreiche Hand geleistet / und gar offte mit ihnen in der Küche geredet: also daß sie seiner gar gewohnt worden / und sich niemand für ihm mehr gefürchtet hat: Ohne ein Knabe oder Küchenjunge / hat ihn angefangen zu spotten / mit Lästerworten zu hndeln / und so offte er nur vermogt mit Dreck auß der Küchen auff ihn loß zu werffen. Drauff sol das Hütgen den Küchenmeister gebeten haben / daß er doch seinen jungen solches verböte / oder er müste die Schmach an ihm rechnen: Deme jener geantwortet: Ey! du bist ein Geist / und fürchtest dich für das Bübgen? deme das Hütgen geantwortet; weil du den Jungen wegen meiner Bitte verachtest / so sollstu nach wenig Tagen innen werden / wie viel ich mich für ihm fürchte: drauff ist der Geist gantz unmuths davon gegangen. Aber nach einer kurtzen frist / als der Knabe auffn Abend in der Küche allein eingeschlaffen gewesen / nach vielen außgestandenen Bemühungen / ist der Geist widergekommen / hat ihn erwürget / in Stücken zerschnitten / und im Topff zum Feuer gesetzet. Drauff der Küchenmeister / wie ers erfahren / hefftig auff ihn zu schmälen angefangen: welcher[376] abermahl erbittert worden / und sich am nachfolgenden Tage also gerechet hat: Nehmlich / wie etliche Gebratens am Spiesse beym Feuer gewesen / für dem Bischoff und seine Hoffleute / da ist der Geist gekommen / hat etliche greuliche Kröten mit sich gebracht / und hat deren vergifftiges Blut mit den Fäusten wacker über das Gebratens außgedrücket und sie damit betreuffelt. Und wie er noch ein mahl mit läster-Worten von dem Küchenmeister angegriffen worden / hat er ihn von einer hohen Brücke in einen tieffen Graben gestürtzet. Sonsten hat er alle Wächter der Stadt fleißig in acht genommen / daß sie nicht schlaffen / sondern nur hurtig wachen müssen. Im übrigen soll derselbige Geist daselbst eine langezeit in sichtbahrer Gestalt vielen erschienen seyn / wie ein Bauer bekleidet und einen Hut auff seinen Kopff habend; daher sie ihn Pileatum geheissen / das ist in der Sächsischen Sprache / Hödekin. etc. Mercke noch weiter daß auch Petrus Tyræus l. 3. de Appar. Spir. c. 2. die Kobolde / für keine Teuffel / sondern kleine Menschlein helt / die das Mittel gleichsam zwischen den Thieren und uns Menschen halten / doch in einer Menschlichen Gestalt / wiewohl nach ihrer eigenen Seele / die an dunckeln Oertern verborgen liegen / und bißweilen denen Menschen erscheinen: welches auch im vergangenen Seculo also dafür gehalten hat Paracelsus, der sich allen Philosophis und Theologis [377] opponiret hat. In übrigen wegen der Kröten so übers Gebratens getröffelt worden / suche ein dergleichens im Rübezahl.

(Homonymicè mercke / daß sonsten Kobald eine species Bergwercks heisset / davon D. August: Hauptmann im Wolckensteinischen Bade pag: 70. 132. 210. 155. 156. Item ex Matthesio Petrus Albinus in seiner Berg-Chronica / p. 14. daß er eine Schale von Kobold gemacht soll gehabt haben / darvon alles / was darauß getruncken / gestorben; und dannenhero wohl recht ein poculum mortis oder Mors in ollâ hat genennet werden können. confer hîc de proverb: pag: 56.)

Quelle:
Praetorius, Johannes: Anthropodemus plutonicus. Das ist eine neue Welt-beschreibung [...] 1–2, Magdeburg 1666/67, S. 359-378.
Lizenz:
Kategorien:

Buchempfehlung

Mickiewicz, Adam

Pan Tadeusz oder Die letzte Fehde in Litauen

Pan Tadeusz oder Die letzte Fehde in Litauen

Pan Tadeusz erzählt die Geschichte des Dorfes Soplicowo im 1811 zwischen Russland, Preußen und Österreich geteilten Polen. Im Streit um ein Schloß verfeinden sich zwei Adelsgeschlechter und Pan Tadeusz verliebt sich in Zosia. Das Nationalepos von Pan Tadeusz ist Pflichtlektüre in Polens Schulen und gilt nach der Bibel noch heute als meistgelesenes Buch.

266 Seiten, 14.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Geschichten aus dem Biedermeier. Neun Erzählungen

Geschichten aus dem Biedermeier. Neun Erzählungen

Biedermeier - das klingt in heutigen Ohren nach langweiligem Spießertum, nach geschmacklosen rosa Teetässchen in Wohnzimmern, die aussehen wie Puppenstuben und in denen es irgendwie nach »Omma« riecht. Zu Recht. Aber nicht nur. Biedermeier ist auch die Zeit einer zarten Literatur der Flucht ins Idyll, des Rückzuges ins private Glück und der Tugenden. Die Menschen im Europa nach Napoleon hatten die Nase voll von großen neuen Ideen, das aufstrebende Bürgertum forderte und entwickelte eine eigene Kunst und Kultur für sich, die unabhängig von feudaler Großmannssucht bestehen sollte. Dass das gelungen ist, zeigt Michael Holzingers Auswahl von neun Meistererzählungen aus der sogenannten Biedermeierzeit.

434 Seiten, 19.80 Euro

Ansehen bei Amazon