(4)[371] 80

Aber genugsam von den Orten / darauff folget (4.) die Gehülffe oder Mittel / womit der Teuffel solche Hurerey ins Werck setze. Dann dieweil der Teuffel ein Geist / und ohne Leib / Arm und Gebein ist (dahero wir ihn den Armsten nennen) so fraget es sich / wie auf diese Weiß er generiren und zeugen könne? Darauff antwortet gar weitläufftig Iodokus Hokerius in folgenden Worten. Ob und wie die Teuffel Corpora oder Leiber an sich nehmen?81 Resp. Weil die Teuffel Geister oder Geistliches Wesens sind / Geister aber einen grossen Unterscheid haben / von der Natur eines Leibes / so ist dann leicht zu vernehmen / daß den Teuffeln (eigentlich zu reden) keine Corpora oder Leiber / sie seyn so subtil als sie immer wollen / mögen zugeschrieben werden. Vielweniger ist zu behalten / daß die Geistliche Natur in eine Leibliche solte können verwandelt werden / wie dann der alte Pater Caudius[371] Mamertes de statu animæ beweiset. Demnach ist gewiß / und bezeugens die Exempel nit allein von den Engeln 1. B. Mos. 18 / 32. sondern auch von den Teuffeln / daß sie bißweilen durch GOttes Verhängnüß leibliche Gestalt / oder Leiber an sich genommen haben / und darzu nicht phantastische oder erdichte / wie etliche meinen / sondern sichtliche und ergreiffliche / und die zu leiblichen Wercken sind bequem gewesen; Davon wird in der Kirchen-Histori (Historia Tripart.) im 12. Buch / 9. Capittel gehandelt. Und Nicephorus im 14. Buch Capit 40. gedencket eines Teuffels / welcher im Land Creta schier ein Jahr herum gewandelt / und die Jüden überredet / er were Moses / der für Zeiten die Hebreer durch das rothe Meer auß Egypten geführet hette / und wolle nun deßgleichen thun / und sie auß Creta mitten durch das Meer in das gelobte Land wieder bringen / hat sie also an das Meer geführet / unn viel im Wasser ersäufft / und weren schier alle ersoffen / so sie nicht durch Christen errettet worden / etc.82 Und ist darnach der Prediger nit mehr erfunden. Eben also ist es auch in unser benachbarten Stadt Hamelen83 vor Zeiten ergangen / wie ihre Chronica mitbringet / daß auff eine Zeit ein fremder Pfeiffer in die Stadt kommen / und mit seiner Pfeiffe einen grossen Hauffen vieler Kinder auß der Stadt geführet / und in ein Loch gebracht / daß folgends noch[372] der Pfeiffer noch die Kinder mehr nicht gesehen worden. Und mag der Pfeiffer billich ein Teuffel ernennet werden. Es meinet Chrysostomus, daß der / so dem Job die Zeitung brachte von seinem Vnfal und Vnglück / kein Mensch sondern ein Teuffel gewesen / dann er spricht: si homo eras, quomodo sciebas, ventum subortum à deserto. Man besehe hie von dieser Frage weiter M. Cyriaci Spangenbergs Außlegung über die 2. Epistel an die Corinthier fol. 192. und Iohann. Manlium in den Collectaneis Philippi. Luther. von der Winckel-Messe / Tom. 2. Ienens. fol. 105 a. Wie dann der Teuffel sich verendern und verstellen kan zum Engel / ja zum Engel deß Liechts / schreibet Paulus 2. Cor. 11. Vnd wie daß der Teuffel bißweilen so eines Menschen / so eines Thiers Gestalt annehmen kan / und sich ihnen gleich verstellen / findet man in vielen Historien / und bringets die Erfahrung mit. Es meinet auch D. Luth. in seinen Tischreden / Loco vom Teuffel / wie daß der Teuffel sich könne in Christus Person verstellē; Daß er bißweilē sich in eine Schlang zu schrecken und zu tödten verkleiden und vermummen kan / bißweilen auch in einē Schafs-Beltz zu lügen und zu trügen / so kan er auch wol in Katzen / Schweine / Hasen / und Hunden Gestalt / auch in Wassers unn Feuers Form verkleiden.84 So haben sich einmahl auff eine Zeit der Gestalt Schweine85 in der Arianischen[373] Kirchen sehen lassen. Solche außwendige Gespenster haben sich sichtbarlich und viel erzeiget bey den Heyden / die auch wol gewust von dieser transformation deß Teuffels / wie dann Virgilius sagt lib. 4. Georg.


Verum ubi correptum manibus, vinclisque tenebris

Tunc variæ illudent species atque ora ferarum.

Fiet enim subitò sus horridus atraque Tigris,

Squamosusque Draco, & fulvâ cervice Leæna

Aut acrem flammis sonitum dabit, atque ita vinclis

Excidet, aut in aquas tenues dilapsus abibit, etc.


Et Mox: Omnia transformat sese in miracula rerum,

Ignemque, horribilemque feram, fluviumq; liquentem etc.


Solche mancherley delusiones Veränderung und Blendwerck kan der Teuffel erzeigen und wol machen.

Nun ist aber diese Frag noch nicht absolviret / ob er rechte Leiber oder Corpora an sich nehme? Aber auff solche Frag mögen wir also antworten. Augustinus schreibet von den H. Engeln in Enchir. ad Laurent. c. 59. Quis explicet nobis, cum quibus corporibus angeli apparuerunt hominibus, ut non solum cernerentur,[374] sed & tangerentur. Wer kan uns sagē / mit was für Leibern die Engel den Menschen erschienen sind / dann sie von ihnen nicht allein gesehen / sondern auch begriffen und gefühlet werden. Besiehe Henric. Bullinger. Decad. 4. Serm. 9. Eben dasselbe mögen wir hier auch sagen von den bösen Geistern. Es disputiret Petrus Martyr in seiner Außlegung deß ersten Buchs Samuelis über das 78. Cap. fol. 167. a. Ob es sind Corpora aeria Himmlische Leiber / oder ob es schlecht solten außwendige Gespenst und imagination seyn? Und schleust / daß es nicht Gespenst sondern Himmlische zarte Leiber seyn; Dann gleich wie die Strahlen und Glantz der Sonnen durchscheinet das Glas / Wasser und Wolcken / eben also kan durch alle durchdringen ein Geist / oder ein Geistlich Wesen. Dann gleich wie das dünne fliessende Wasser durch Kälte zu grossen Eyse kan werden / also kann auch ein Geistlich Wesen der Lufft und der untern Elementen gebrauchen zu einem außwendigen groben ansehenlichen Leib. Es besehe der Christliche Leser deß Martyris Meinung selbst. Und darnach auch in seiner Außlegung deß Buchs der Richter /über das 13. Cap. beweiset er auß dem Augustino gnugsam wider die Scholæ Doctores, daß dē Geistern / oder Engeln (beyde gutē unn bösen) Corpora können zugeeignet werden / und schleust daß solche Corpora, darinne die Engel gesehē / und vom Abraham gewaschen worden /[375] seyn recht / doch Himmlische und zarte Leiber. So beweiset auch das Buch Tobiæ /wie daß die Engel in Gestalt eines Menschen mit dem jungen Tobia gangen. Also ist auch der Mutter Simsons erschienen der Engel GOttes / Iudic. 13. Es disputiret August. lib. 3. de Trin. c. 1. Ob die Engel in ihren Erscheinungen über ihre eigene Leiber noch an dere an sich nehmen / und setzet endlich / fateor ista excedere vites meas; Ich gestehe es / daß solches über meinen Verstand ist. Vnd dabey mag man es bleiben lassen. Wie sich dann ferner noch eine andere Frag erhebet; Ob nemlich die Engel an sich selbst Leiber haben? So schreibet davon Ludov. Vives,86 dessen Wort in das Teutsche übersetzet also lauten: Daß Augustinus in den Gedancken gestanden sey / es haben die Engel Leiber / ist denen / welche seine Schrifften fleissig / lesen / und sonderlich de Civitate Dei, de natura Dæmonum, und de Genesi ad literam, überflüssig bekant / daß es nicht nöthig / weitleufftig zu beweisen: Vnd kan nicht wol seyn / daß er an so viel Orten auß einer fremden Meinung geredet und geschrieben habe / wie etliche nach dem Petro Lombardo dafür halten: Sondern er hat auß seiner eigenen Meinung geredet / unn ist darinne gefolget solchen Leuten / die nicht zu verachten sind / als nemlich alle Platonicos, den Originem, Lactantium, Basilium, und der einhelligen[376] Meinung fast aller so zu seiner Zeit geschrieben haben. Michael Psellus in seinem Buch de Dæmonibus, welches Ficinus übersetzet hat / schreibet daß die Engel / welche Paulus nennet dienstbahre Geister / so da auß gesendet werden / Leiber haben müssen / damit sie sich bewegen unn sichtbarlich erscheinen können. Dann sie wissen auff keine andere Weiß / als wie ein Leib / wie solcher Dienst könne verrichtet werden. Vnd so man in der H. Schrifft lieset / daß sie genennet werden Geister / die keinen Leib haben / so antworte ich / daß man ins gemein nur die groben und dicken Corpora eigentlich Leiber zu nennen pflege: Solche zarte und subtile Corpora aber / die man kaum sehen und fühlen kan / pfleget man offte zu nennen incorporea, als wann sie keine Leiber hetten. Augustinus schreibet den Engeln solche zarte Leiber zu / die allerdings nicht mögen gesehen werden / und die da nur tüchtig sind etwas zu thun / aber nicht zu leiden: Nachdem sie aber gefallen sind / sind ihre Leiber etwas dicker und gröber worden / daß sie nun auch etwas leiden können. Vnd in diesem ist Psellus mit dem Augustino eines. Solches beweiset auch mit vielen Gründen unn Zeugnüssen der Vätter Heinricus Bullingerus in seinen Decadibus, Decade 4. Serm. 9. fol. 248. und 249. und setzet diese Wort Augustini ex libro de Spiritu & litera cap. 18. Creatura omnis corporea est: Alle Creatur[377] hat einen Leib. Aber die Leiber / in welchen die Engel den Altvättern erschienen sind / und sich haben sehen lassen / sind nicht ihre eigene und natürliche Leiber gewesen / sondern sie haben selbige nur auff eine gewisse Zeit / so lange sie derselben zu ihrer Verrichtung benötiget / angenommen. Man besehe auch hiervon D. Andreæ Hyperii Methodum, Loco de Angelis, classe de Angelis malis & lapsis, § 6.

Nun ist auch die Frag / ob solch angenommen Corpus durch den Teuffel auch lebendig gemacht werde?87 Und ist die Antwort / weil Christus in H. Schrifft das Leben / der Fürst und Urheber deß Lebens genennet wird / so mag wol der Teuffel als ein Fürst der Lufft / an sich nehmē ein Corpus aëreum, einen Leib auß der Lufft gemacht / doch kan er es nicht lebendig machen / gleich unsern Leibern. Aptat sibi Corpus Diabolus tanquam vestem, saget Augustinus. Es were auch nicht nötig gewesen von dieser gantzen Frag viel Wort zu machen / weil der hochgelehrte Doctor Iohannes VVierus in seinem ersten Buch de præstigiis Dęmon. cap. 13. das mit vielen Exempeln auß Heydnischen / und auch Kirchen- und Päpstlichen Historien gnugsam erkläret und außgeführet / und haben unsere Eltern viel gewust zu sagen / von Witeschen Weibern / guten Holden / Unholden /welche doch Teuffel sind gewesen. Besiehe auch VVierum d.l. im 15. Capit.[378]

Ferner fragt sich es auch / ob sie Buhlschafft mögen treiben oder wie man sagt / Incubi und Succubi werden? Daß es mit den Dæmonibus Succubis und Incubis88 eitel Betrug / Præstigiæ und Phantasey sey / oder daß sie solten generiren und Kinder zeugen oder gebähren / beweiset D. Iohann. VVierus im 2. Buch de præstig. Dæmon. cap. 36. 37. 38. 39. und cap. 42. So hat auch davon Ludovicus VVillichius in seinem Zauber-Teuffel cap. 22. da er disputiret in utramque partem von diesem Handel / und von dē Wechsel-Kindern / und von den verlohrnen Kindern. So kan man auch weitleufftig davon lesen in den Tischreden D. Luthers / Loco von Teuffeln / der dieses gar weitleufftig handelt / als nemlich / daß die Incubi und Succubi seyn und auch Teuffel selbst / und wie man die geheissen. Item, daß die Teuffel in Frauen Gestalt bey Männern gewohnet haben. Auch wiederum / daß solche gestohlene Kinder oder Wechselbälge und Kielkröpffe Teuffel selbst gewesen sind. Aber wir wollen aller Gelehrten Meinung in seinem Werth bleiben lassen / und ein freywillig Iudicium dem gütigen Leser zu fällen vergönnen. Doch nichts destoweniger wollen wir nach angeführten Scribenten / so von diesen Dingen geschrieben / auch unsere Meynung herbey setzē.

Es ist von diesen Dingen ein grosser Streit[379] unter den Gelehrten / ob Incubi und Succubi der Teuffel warhafftig seyn / darauff etliche ja zu sagen / etliche aber nein. Welche ja darzu sagen / understehen sich solche ihre Meinung nit alleine auß der Vätter Bücher und andern Historien / oder auß der Erfahrung solches zu beweisen / sondern auch auß der H. Göttlichen Schrifft / und ziehen hieher den Spruch Gen. 6. da sahen die Kinder GOttes nach den Töchtern der Menschen / wie sie schön waren / und namen zu Weibern welche sie wolten. Davon mag einer besehen den Methodum Andr. Hyperii, Loco de Angelis, classe de Dæmon. § 6. So ist Tertullian. in libr. de habitu Mulier. & in lib, de velandis virgin. mit andern mehr der Meinung gewesen / wie aber die sind gewesen / und daß ihre Meinung unrecht sey / beweiset D. Iohann. VVier. lib. 2. cap. 39. der einen gelehrten Papistischen Scribenten gegen solche Meinung / als Augustinum Steuchum Eugubinum dabey bringt / mit vielen rationibus. So meinen auch etliche / die Teuffel sind dieser Ursachen halber gefallen / daß sie sich mit den Weibern vermenget haben / und sagen / daher sind die bösen Geister kommen / die auff Erden jetzt so greulich toben und wüten. Als Lactantius lib. 2. cap. 15. de divinis Institut. p. 135. in exemplari Lugdunensi. Eusebius Cæsariensis lib. 5. de præparat. Evangel. Iustinus in una quapiam ex utraque Apologia. Clemens lib.[380] 3. & 5. Stromat. Doch halte ich es für eine alt Weibische und Heidnische Fabel / die nicht werth ist / daß man darauff antworte. So viel aber den Spruch auß dem Genes. 6. betrifft / ist deß lieben Mosis Meinung lange nicht / daß er durch die Kinder GOttes89 / die bösen Geister oder Teuffel wil verstanden haben / sondern Kinder GOttes heisset er der H. Vätter Kinder / welche sich mit dē Gottlosen Cainiten eingelassen / befreundet / vermenget und vergleichet haben / und also adiaphorisieret / und von dem rechten Gottesdienst sind abgewichen / darüber dann fürnemlich die Sündfluht über sie kommen. Vnd daß dieses die rechte Meinung Mosis sey / zeugen neben der Folge deß Texts / welcher solches klärlich zwinget / die allerbesten und gelehrtesten Theologi zu allen Zeiten / sonderlich Augustin. lib. 15. cap. 23. de Civit. Dei. Chrysostomus in Genes. Homil. 21. Procopius Sophista in suis comment. in Genes. Item so zu unserer Zeit über das erste Buch Mosis commentaria geschrieben haben / als Lutherus, Chytræus, Paulus ab Eizen, Palladius, Lunckius, Borrhaus, VVolffgangus Musculus, Calvinus, Pelicanus. Darzu stimmet überein mit demselbigen Petrus Martyr in 1. cap. Iudic. fol. 11. und über das 2. Capit. 1. an die Corinth. fol. 287. Darumb achten wir / es werde auß der Schrifft nicht können bewiesen werden / daß die Teuffel sollen Incubi und Succubi[381] seyn können. Was sollen wir aber dazu sagen / daß gleichwol Augustinus und Lutherus samt andern nachgeben / daß sie Incubi und Succubi seyn können / dann sie beruffen sich neben der Erfahrung / auff vieler glaubwürdiger Leute Zeugniß / wie oben gehöret / darzu lieset man auch Exempel davon in der Historien / als das insonderheit von dem Merlino, der in Engeland umb das Jahr 440. nach Christi Geburt von einer eingeschlossenen Kloster-Jungfrau / und einem Incubo ohne Manns zuthun sol gebohren seyn / wie in dem Vincentio lib. 21. Histor. cap. 30. und Hartm. Schedel æt. 6. in vita ejus; Nauclero volum. 2. Gen. 15. beschrieben ist. Vnd über alles zeugen täglich die Vnholden und Hexen / wann sie in Peinen verhöret und vorgenommen werden / daß sie ungebührliche Gemeinschafft mit diesem oder jenem Teuffel gehabt haben. So beschreiben auch solches die Autores Mallei maleficarum, als Heinricus Institoris, und Iacobus Sprenger / ingleichen auch Thomas Aquinas, Martinus de Arles, Petrus de Palude. Besiehe auch Ioh. VVieri lib. 2. cap. 42. Hie wil ich nun nicht sonderlich von sagen / oder schreiben / sondern auf ernante Scribenten und vieler Gelehrter Meinung mich referiren und beruffen / welche von diesem Handel also halten / daß ob dē Teuffeln möglich ist / wann es GOtt ihnen verhengt / daß sie sichtliche greiffliche Leiber an sich nehmen / und auch andere Menschliche Werck[382] thun / so haben sie doch keine natürliche Leiber / wie auch in vorigen Capittel erwiesen worden / können derhalben keine natürliche Spermata, das ist / Saamē von ihnē werffen / oder Macht zu gebähren haben / dann es ist unmöglich / und gar wider die Natur / daß ein solcher Leib / darinnen kein lebendiger Athem ist (in quo non est spiritus vitalis) solte Macht haben Kinder zu zeugen / davon die Physici und Medici viel geschrieben. Nun haben solche angenommene Leiber keinen Spiritum vitalem, darum können sie auch nicht gebähren. Jedoch haben etliche hie drey exceptiones und Behelff / nemlich daß etliche sagen / wie daß sie sollen anders wohin den Saamen stehlen / und eilends nach ihrer Behendigkeit an seinen Ort bringen. Aber umb solcher unzeitigen und unflätigen Frag willen / wil ich mich nicht bekümmern / sondern lassen davon die Medicos und Physicos urtheilen. Es wil mir / unangesehen die Behendigkeit der Teuffel / in mein credo nicht / daß mit gestohlen Saamen solten solches in Matrice suarum incantatricum wircken können / oder daß er alsbald solte also bereit haben können im Augenblick semen virile, Item daß auch solchen / anders dann darzu es verordnet ist / gebrauchen / und sonst von einem Ort zum andern getragenen Saamen solte vim generandi haben. Wie es dann klärlich erwiesen wird von Doctore Iohann. VViero lib. 2. cap. 42. de præstig Dæm. Vnd Hyperius am gedachten Ort[383] gedencket dieses auch. Vide etiam VVierum lib. 2. cap. 42. 43. 44. 44. & 46. in quo postremo capite fabulam de Merlino aperte refutat. Es scheinet aber / als solten dennoch / daß von solchen gestohlen unn durch die Teuffel weggeführten Spermate, und desselben Macht / vi oder potentia zu gebähren / eine sonderliche Meinung haben etliche Doctoren der Kirchen / dann also schreibet Epiphanius lib. 2. Tom. 1. hæres. 63, Postquam disseruisset de turpitudine quorundam Origenicorum, quod turpiter more Onanitico agerent cum fæminis, tandem etiā ait sic: Alii vero hoc detestabile opus perficere student, non per fæminas, sed aliis modis, propriis manibus se polluentes. Et similiter imitantur prædictum filium Iudæ, terram nefandis suis operationibus & abominabilibus guttis polluentes, & pedibus suis fluxiones suas conterentes in terra, ut ne rapiantur ipsorum semina ab immundis spiritibus, etc. Videantur quoque Autores Mallei maleficarum & Doctor Iacobus Baro de Lichtenberg & Martinus de Arles. Ich wil es dabey bleiben lassen / jedoch kan auß dem (so es also seyn könte) gewaltig beweiset werden / daß derhalben die Teuffel selbst von sich nicht können generiren oder sperma geben. So aber solches geschehen könte von gestohlenen Saamen / hat das gewaltig im Papstthum im schwang gangen / dieweil dort so viel tausent Pfaffen und[384] Münche Onanitische Schelmen sind gewesen / der noch viel in Italia gefunden werden.

Das ander aber welches sie für geben ist / daß die Teuffel auß der Lufft oder Elementen der Luft nehmen Leiber oder corpora, darum könne auch wol solche commixtion natürlicher Weise geschehen. Jedoch so folget nicht alsobald / daß auß Vermischung eines aerischen Leibes mit einem Menschlichem Leibe / der von vier Elementen zusammen gesetzt ist / in dieser Sache etwas könne außgerichtet werdē. Besiehe hievō weitläuffig VVierum an offt angezogenen Orten. Vnd ist eben so wenig wahr / als gleich vom Teuffel kan Actus generans geschehen / daß sie auch nicht können Succubi seyn und von Männern Samen empfangen / gleichwol auff andere Zeit Incubi seyn / und also ein permixtion machen. Wenn aber gleich nach etlicher Meynung die Teuffel den Samen eines Mannes stehlen / und dadurch generationem anders wo schöpffen köntē / so kan es doch nit in einē Incubo geschehen / daß der empfange und ziele / wiewol es wol gläublich / daß in solcher Phantasey die Samen viri excitiret / und weil von solchen Männern nit anders gemeynet / als sie es in vus muliebre brächten / so könte es durch die Teuffel eilends an andere Orter geführet / unn damit etliche armselige Weiber betrogen und schwanger werden. Aber ich wil davon nichts gründliches handeln.[385]

Was die 3. excusation betrifft / daß offtmals etliche sagen / daß sie die Incantatrices mit ihren præstigiis dementiren und auch darum können ihnen den Bauch also spannen unn auffblasē (denn er regieret in dē Seinē nach seinē Gefallen unn Willē) / dz sie meynē sie sind also geschwächt und geschwängert / unn doch ein gestohlen Kind zu der Zeit bringen unn hinlegen. Aber ob wol solches gegen Ahrt der Zielung geschicht / und auch ümb Gegēwart der Hebammen unn anderer Frauen (unter welchen oft viel gläubig sind) nit wol geschehen kan / (doch wenns bereit also were / wil darauß folgē / daß es nit anders sey und bleibe denn præstigiæ dementatio unn fascinat. dęmonū) und daß unsere Rede wahr sey wie sie selbst nit generiren können. Der Teufel kan sich selbst wol bißweilen in eines Kinds Gestalt dahin stellē / als were er ein natürlicher Mensch in Kindes Gestalt. Von solchen Kielkröpffen schreibt Lutherus in seinen Tischreden / und im 3. c. Galat. Es ist aber erbärmlich / daß der Teuffel also äffet und polirt die armen Weiber / nach ihrem Unglauben und seinen gewaltigen listigen practikē / daß sie sehē etwas / das doch nichts ist / unn horen was / das doch nit lautet / sie fühlen was / und fühlen doch nichts / also kan er die armen Weiber bethörē / dz sie wol 1000. Eyd geschworen / sie hetten mit ihrem Freunde / doch nit anders als mit einem Manne zuschaffē gehabt / sonderlich / aber si verū esset, quod interdū afferre semen furtivum & aliunde ablatum posset[386] tunc n. interdū vel experirētur vel sentirēt hujusmodi materiam. Es ist gar unflätig hievon zu reden / ich geschweige davon zu schreiben / bitte darumb der Leser wolle mirs zu guth halten.

Es ist auch diesē leichtlich zu urtheilē / was von den Wechsel-Kindern zuhalten sey / weil auch glaubwürdige Scribenten und Historienschreiber samt dē Hr. Luth. davon melden / so hat ma gnugsā erfahren /wie daß den Sechswochnerin die Kindlein im Pabstthum etwan gestohlen / etwan verwechselt worden sind / wie auch solches bey den Heyden also gespüret. Denn es dem Teufel gar nit unmöglich dē Kindern des Unglaubens (die ihm übergeben / und nach seinem Willen zu regieren vergönnet) ihre Kinder hinweg führen / und anderswo hinzubringen / oder bey Andern auff seine Weise gebähren / wie jetzt davon gesaget. Darum meynen etliche Gelehrte / daß die Teufel grosse Gewalt habē / über die ungetaufften Kindlein / dieweil Paulus uns alle nennet / und sonderlich die erste Gebuhrt in uns intituliret Kinder des Zorns / die dem Fürstē der Finsterniß zugethan sind Eph. 2. Davon auch noch der Gebrauch in der H. Kirche angenommen / dz man die Kind' vor der Taufe erstlich exorciret / davon August. lib. de Symb. unn Greg. Homil. 29. welcher Doctoren Wort angezogen werdē in Decret. dist. 4. de consec. c. Sicut nostis. etc. sacerdotes. Aber von dem Exorcis. wird anderswo gemeldet. Es meynē aber viel / dz der[387] Teuffel solte Gewalt haben gäntzlich über die Kinder / doch können wir solches über die Vngläubigē wol nachgebē; aber der gläubigē Kind' sind nit des Teuffels / weil die Eltern jre Kinder stets auch noch ungebohren dē Herrn befehlen / sonst bey den Ungläubigē kan er das außrichtē / daß den Müttern / Vättern / Ammen / Pflegerinnen der Kind' / die Augen dermassen verblendet werdē / daß sie offte wol ihre eigene Kind nit kennen können / unn derohalben meynen / sie sind ihnen verwechselt worden: welches auch die Heydē wol verstanden / weil sie eine Göttin erdacht und geehret mit Namen Cumna, die ihnen die junge Kindlein in der Wiegen verwahren / und die zauberischen Verblendung von ihnē abwendē solte / davō Lactantius auch saget lib. 1. c. 20. Es ist aber kein Wunder / daß solche Kind' verwechselung unn Stehlung nit allein unter den Heydē sondern auch im Pabstthum gar gemein gewesen ist / und etwan noch ist / da man gegläubet hat / die Kindbetterin sey ümb des Kindbettes willen in der Gewalt und Macht des Satans / und hat sich derhalben unterstanden / denselben mit vielen zauberischen Mitteln zu wehren und zu vertreiben / als mit Stahl / gesegneten Palmen und Liechtern (liese davon Brentium hom. 15. in Lucam) mit Räucherung der geweiheten Kräuter / oder abergläubischen Dingen. Darümb hat GOtt der HErr auß seinem gerechten Gerichte dem Teuffel solche grosse Gewalt über[388] sie verhenget / und ist der Teufel auch fertig darzu gewesen /weil er nicht allein solch abergläubische Zauberey dadurch bestetiget hat / sondern hat auch die Leute noch in einen andern falschen Wahn gebracht / als nemlich da sie gemeynet und gehalten / welche Kinder also gestohlen unn nicht wiedergebracht würden / weren von den Lamiis, das ist / von den Vnholden und Nachthexen gefressen / welches eine solche greifliche Lügen ist / daß es auch die Heyden für eine Fabel gehalten / unter welchen einer mit Nahmen Horatius also saget:


Nec quocunq; volet poscat sibi fabula credi,

Neu pransæ lamiæ vivum puerum extrahat alvo etc.


Sind wir demnach nicht arme elende und blinde Leute unter dem Pabstthum gewesen / daß wir das auß Gottes Wort nit haben sehen können / was die Heyden auß dem Liecht der Natur gewust haben. GOtt dem Vatter unsers HErrn Jesu Christi / sey ewig Lob / Preiß / Ehr und Danck / daß er uns arme Teutschen so gnädiglich von solcher Finsterniß gerettet hat / Amen. Bißhieher Hockerius.

Quelle:
Praetorius, Johannes: Blockes-Berges Verrichtung. Leipzig, Frankfurt 1669, S. 371-389.
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