Rübezahl verführet die Reisenden.

[286] Hie von kan vernommen werden was der Autor der wunderbarlichen Historien von Gespensten / part. 1. pag. 45. 8.

Man sagt daß auffm Böhmischen Gebirge zum öffternmahl den Leuten ein Mönch erschiene / welchen den Rübezahl nennen / der dann auch offtmals in warmen Bade gesehen wird. Und wenn die Leute über den Wald reisen wöllen / undaber den Weg nicht wohl wissen / gesellet er sich zu ihnen / als wolte er mit ihnen wandern / und spricht zu ihnen: Sie sollen unbekümmert seyn / der Weg sey ihm gar wohl bekandt / er wolle sie einen gar richtigen Fußsteig durch den Waldt führen. Wann er sie dann nun im Walde auff Irrwege geführt / also daß sie nicht wissen / wo sie zu sollen / so springet er alsbalde auff einen Baum / und hebt dermassen mit heller Stimm anzulachen / daß es in dem gantzen weiten Walde erschallet. Dieser Mönch oder Rübezahl ist niemands anders als der Teuffel selbst / welcher sich in eines Münchs Gestalt verkleidet / und solche Sachen fürnimpt und treibet.

Biß hieher der unbekandte / und also unbenandte / Autor. Zu solchen gehöret auch gleichsam ferner hin / was man sonsten hin und wieder in den Scriptoribus liesset. Daß nemlich etlicher Geister Manier ist die Leute auff den Wege zu verführen / und sie wohl gar ins Verderben stürtzen: Wie denn dergleichen Exempel / leider Gottes! nicht wenig seyn / da sich die Menschen aus Vorwitz alleine auff den Wegen gemacht / und hernachmals von solchen verführischen Gespenste sind in die euserste Noth versetzet worden. Weil / sage ich solcher Historien eben viel seyn / halte ich nit für groß nöthig ein mehres zum Beweißthumb an zuführen. Doch kan ich gleichwohl nicht unterlassen / folgende Geschichte mit bey zufügen; welche sich so verhält / nach dē Andr. Hondorffium in part. 1. prompt. Exemplor. ad. 2. præcept. p.m. 286. Es hatte mir / spricht Johannes Wierûs, ein Mönch / mit Nahmen Bruder Thomas, ein einfältiger Mensch / dessen[298] Trew und Frömmigkeit ich in vielen Dingen gespüret habe / gläublich angezeiget / als er auff eine Zeit in einem Kloster / so auff Lucanischen Bergen gelegen / mit ihrer etlichen gezancket / und nach vielen Scheltworten / so auff beyden Theilen vorgelauffen mit entrüstetem Gemüth gar allein durch einen Wald gespatzieret / sey ihm eines Menschen Gestalt mit traurigem scheußlichen und grimmigen Angesicht begegnet / und als er ihm gefraget / warümb er allein also in dem ungebähnten Gestrüpp ümher gienge / hat er geantworet: Er habe sein Pferd / auff welchem er pflege zu reiten / verlohren / und nach seinem bedüncken sey es ihm auff die nechsten Felder hienaus gelauffen. Als sie nun beyde mit einander durch unwegsahme Oerter das Pferd zu suchen giengen / sind sie zu letzt zu einem Bächlein / in welchem[299] grausame Würbel wahren / kommen. Und da der Mönch / damit er desto bequemer unn füglicher da durch wadē möchte / seine Schuch aus ziehen wolte / hat der ander gesaget / er solte es bleyben lassen / und nur allein ihm auff die Achsel sitzen / so sey er der Gröse und Stärcke / daß er ihn wohl wölle durch das Wasser hinüber tragen / dessen ist der Mönch sehr wohl zu frieden gewesen / hat derhalben auff ihn gehockt / die Arme umb seinen Halß geschlagen und sich also dahin tragen lassen. Im tragen aber / als er eben auff den Boden und Grund des Wassers die Augen richtet / wird er der Füsse seines Trägers gewar / und siehet / daß sie gar nicht eine Form haben / wie andere Menschen Füsse / erschrickt derhalben bey sich selbst hefftig / und sehet an GOTT den Herrn umb Hülffe an zuruffen / welches / alsbald es der Teüffel gehöret /[300] hat er angefangen zu murren und zu brummen / und mit einem ungestümmen starcken Windsbrauß so balde die Flucht genommen also / daß er den nechsten Eichbaum zerspalten / die Aeste zerbrochen / und ihm aus der Wurtzel heraus gerissen hat. Er aber / der gute Bruder / ist in seiner Kutten eine gute Weile / als ob er todt were / gelegen / gentzlich vermeinet / da er die Sachen nicht bey Zeiten vermerckt / würde ihn das Gespenst in den Wirbeln gar erseufft haben.

Bißher Handorff confer autorem der wunderbarlich Histor. von Gespenst; welcher eben diese Historie vorbringet ( aus dem Alexandrô ab Alexand.) part. 1. p.m. 33. 6. 34. a. und pag. m. 32. 6. hat er folgende / der vorigen materi nicht unehnliche Erzehlung.

Eben dieser Alexander ab Alexandri meldet / und beschreibet eben[301] an denselbigen Orte / (nemlich lib. 2. Genial. dier. Cap. 9.) ein ander dergleichen Histori / mit diesen Worten 4. Es hat mir Gordianus mein guter Freund / und ein wolgeglaubter Mann gesagt / als er mit einen seiner guten Freunde / nach Aretium / oder wie es die Itali nennen / nach Arezo / welches eine Stadt ist in Thuscia gelegen / gereiset / und sie sich verirret / und wie es denn offtmals geschicht / weit von der rechten Strassen kommen / waren / und aber eitel unbendige und unweglahme Oerter gehen müssen / da sie nichts als eitel Berge / Holtz und Heide mit Schnee dermassen bedeckt / daß sie nirgends wohl fortkommen können / für sich gesehn / darzu auch die wüste und weite Einöde ihnen ein grausam und entsetzen brachte / und nun die Sonne sich auch zum Untergang geneigt / haben sie sich für grosser Müdigkeit an ein Ort zusammen niedergesatzt.[302]

Endlich aber hat sie gedaucht / als höreten sie von ferne eines Menschen Stimme / derwegen seynd sie auff gestanden / und seynd der Stimme nach gegangen. Als sie aber ein wenig auff die Höhe des Berges kommen / haben sie drey Männer gesehen / welche erschrecklich und abscheulich / und viel grösser als andere Menschen an zusehen gewesen / in langen schwartzen Mänteln als wenn sie Leide trügen / mit langen Haaren und Bärten / mit grausamen heßlichen Gesichte / die haben sie mit schreyen und wincken zu sich geruffen / sie hatten sie auch beredt / daß sie gar nahe zu ihnen kommen waren / dieweil sie ihn aber viel grösser als sonsten andere Menschen zu seyn pflegen / für kommen / und sonderlich auch noch einer welcher diesen dreyen nicht gar ungleich / allein daß er nacket gewesen / herfür wischt / und mit ungewöhnlichen springen / gumpen[303] und dantzen / und anderer unflätiger / und leichtfertiger Geberligkeit seiner seltzam Begunt / seynd sie durch solch Spectakel erschreckt worden / daß sie wiederumb zurückgelauffen / und seynd auff ihren unbedingten und unwegsahmē Wege fortgegangen / da sie denn mit Mühe und Noth kümmerlich eine gar geringe Herberge bey einen Bawren angetroffen / bey demselbigen seynd sie eingekehret / und die Nacht geblieben.

Biß hieher aus vorgem eldeten Anonymo; zu welchen sich ietzt weiter und gar wacker findet Sigismundus Scheretius in lib. Consolat. de spectris lit. G. seu part. 3. adm. 2. da er abermahl so wohl in genere von Verführung der Gespenster redet / und die schüchtern Leute von einsahmen wandern abmahnet: Als in specie von unsern Rübezahl gedencket / beydes auff folgenden Schlag.[304]


Timidi, & qui sciunt se, spectris turbari, solitudinem fugiant.


Consultum etiam est, eos, qui his Satanæ telis præ aliis peti solent, aut naturâ timidiores existunt, solitudinem singulari studio devitare, ne noctu soli in tenebris aut in locis angulisvè ædium hoc nomine suspectis obambulent. Quapropter antiqui Monachos semper binos incedere jubebant in monasteriis, aliam etiam ob cussam, quia experiebantur, spectra uni & soli maximè infidias struere. Sic tales ubi itinera susceperint, si poterunt ab ignotorum ac inusitatorum hospitiorum conclavibus caveant, ne soli pernoctent non taurùm propter hoc, sed & propter alia pericula, quæ ex historiis nota sunt. Ita Satan Christum redemptorem nostrū accedebat in eremo, cum solus esset Matth. 4. Sic cum Evâ, primâ[305] matre nostrà, solus loquebatur, & eam seducebat Gen. 2. Unde & Christus in agone secum sumebat quos dam ex Apostolis Matth. 26. Si verò soli cogentur esse Deus est à dextris ipsorum huic sidant, & non commovebuntur Multi prætere èspectris sunt seducti aut variis modistentati, qui soli insilvis, aut aliis solititudinibus crebriùs fuerunt, & cum ante aliquod annos in Marchiâ quædam incantatrices cremarentur fassæ sunt ex iis plurimæ, quod solæ in silvis à Diabolo apparente ad ejusmodi impietatem essent seductæ, quotiés ligna collegissent. Ac ex historiis constat, quædam loca deferta spectris Dæmonum semper inquietari, cujus exemplum habemus in nostrâ bohemia in montibus Gigantum ad fines Silesiæ, ubi Albis fluvius oritur (incolæ nominant Rübezal) isti[306] montes sunt valdè horridi peregrinantibus, propter spectrorum copiā & turbas, quas pentolanter movent, quin & miranda de aliis vulgò recensentur. Rationem itaque nostri habeamus, præsertim tentati, & aliquoties hâc Dæmonum petulantiâ probati. Novi quendam ministrum verbi in Domino, qui cum aliquando Musæo uteretur, quod hoc in casu suspectum admodum esset, & nocte imminente crebriùs illusionibus his peteretur, dolum Satanæ advertens ad familiam se conferre solitus est, & canticis piis Deo sacrificium obtulit.


Das ist auff deutsch so viel


Die furchtsamen / welche vorher wissen daß sie von Gespenstern angefochten werden; sollen die Einöden meiden.

Es ist auch rathsam / daß die jenigen / welche mit dergleichen Satans Pfeilen[307] angefochten werden / oder von Natur zag und blöde seyn; die Einsamkeit und Wüsteneyen mit sonderbahren Fleiße fliehen sollen: Damit sie nicht alleine in finstern / oder sonst in geheimen Winckeln des Hauses / so von Betragnüsse berüchtiget seyn / gehen. Vnd aus dieser Vrsach ist es vor Alters geschehen / daß allezeit zwey Mönche zugleich in den Klöstern haben gehen müssen: Nemlich darumb; Weil die Alten ans Erfahrung gelernet hatten; Daß die Gespenster sich fürnemlich an einsahme Menschen machen. Solche blöde Leute nun / wenn sie irgends eine Reise vorgenommen haben / und in unbekanten Herbergen oder Zimmern eingelogiret werden; Sollen mit allen Fleiß sich hüten / damit sie nicht gantz alleine schlaffen gehen: Nicht allein üm diese / sondern auch wegen andere Gefahren; So aus den Historien bekand[308] seyn. Also machte sich der Satan an unsern Herrn und Heyland Jesum Christum in der Wüsten / wie er eintzeln war / Matth 4. Ja also redete er auch betrüglich mit Eva / die aller erste Mutter und verführte sie auch. Gen. 3. derenthalben nahm Christus in seinem todes Kampffe etliche von den Aposteln zu sich Matth. 26. Solte es aber geschehen / daß einer allein aus Nothwendigkeit seyn müste; so kan er zwar gedencken / daß Gott zu seiner rechten stehe: Dem solle er als denn vertrauen: so wird er wohl unangefochten bleyben.

Sonsten ist zugedencken / daß viel Leute von Gespensten auf Irrwege seynd gebracht worden / oder an unterschiedlichen Orten versuchet / nemlich solche / so für allen andern zur Einsamkeit oder Gebüsche öfftermahl Beliebung getragen. Vnd wie vor etlichen Jahren / in der[309] Marck / etliche Zauberhexen verbrand worden; haben die meisten von ihnen bekand / daß sie vom bösen Feinde / wie sie alleine in Wäldern gewesen / zu solcher Gottlosigkeit weren verleidet worden / so offte sie hetten wollen Holtz lesen.

Ja es ist noch ferner aus den Geschichten bekand / daß etliche wüste Oerter immerdar von Gespenstern verunruhiget oder besessen seyn; dessen merckliches Exempel wir in unsern Böhmen haben / an den Riesen-Gebirge / gegen die Schlesischen Gräntzen wo die Elbe entspringet. Da lest sich ein Gespenst ohn unterlaß verspüren / welches die Einwohner Rubenzahl nennen. Diese Berge seynd den Reisenden sehr grausam / wegen grosser Menge der Poltergeister / welche allerhand Unheil und Lerm erregen pflegen / ja etliche schwatzen gar verwunderliche[310] Sachen darvon. Ein iedweder soll sich also billich in acht nehmen / fürnemlich ein solcher / der schon etliche mal von dem muthwilligen böse Geiste ist gezwacket oder geängstiget worden. Ich kenne einen Priester / welcher / wie er einsmals solche studier Stube ein hatte / welche auf diese Art berüchtiget war / und auch offtermahln gegen die heran brechende Nacht vom Gespenste genarret ward; sich nachdem er des Satans bolsen vermercket / zum Haußgesinde bald hin gemacht und Gott dem Herrn ein wohlgefälliges Lied gesungen hat. Biß hieher Schererz. Hieher gehöret auch letzlich der Unterricht vom Irrwische / worhinter der Teuffel auch mannichmahl stecket / und die Reysenden auff Unwege führet. Doch kan vollständig davon angehöret werden der fürnehme Naturkündiger M. Albertus Linemannus in Deliciis Calendariograph.[311] Lit. Uui. Es wird gefraget / was es doch für eine richtige Beschaffenheit mit den Irrwisch oder Kobelt habe.

Da einsten in conversatione musicali bey pausirung oder Ruhe der Singer ein Donnerwetter entstand / und bey solcher Gelegenheit / nach dem von Donner und Blitzen unterrede gefallen / von andern meteoris gefragt ward / begehret einer von meinen guten Freunden zuwissen / was man den von Irrwisch oder Kobolt / welches er in seinen reifen / zum öfftern gesehen machen oder halten solte / denn er hette befunden / daß es wie ein starckes Liecht geschienen / da ers aber verfolget / sey es hüpffend gesehen / und were dardurch in ein Morrast nicht ohne Lebens- Gefahr gerathen: Könt dahero nicht absehen / wie solcher Irrwisch ein meteorum oder natürliches Feuer seyn solte / sondern hielt den Irrwisch[312] für ein Gespenst oder Teuffel / welcher ihm hette den Hals brechen wollen. Was nun auff solches eigentlich zuantworten sey / habe ich andern und insonderheit meinen obgedachten guten Freunde zugefallen durchgegenwertige Calender Frage erörtern sollen. Anfänglich ist anzudeuten / daß der Irrwisch oder wie es etliche nennen / der Kobolt / sey ein warhafftiges feuriges meteorum oder in der Lufft schwermentes Feuer / so bey den feuchten und subtiel aus dünstigen Schweffel-hafftigen Oertern / zur Zeit des Sommers und Herbstes erhaben wird / welches / so es in der Höhe gesehen wird / ists in vielerley hüpffender Bewegung / da es dann bißweilen fürwarts bißweilen rückwarts getrieben wird / bey welchē man zu Zeiten einen Thon oder Schall mag hören. Dieses were eine gemeine Historische[313] Beschreibung / wordurch die Natur oder Eigenschafft des Irrwischs od' Kobolts mag verstanden wordē: Wenn aber ein natürlicher Dinge genauer Liebhaber solches höret / so ists ihm mit gnug gesaget / denn ein solches etwas bejahet / welches bey etliche hoch nasenden Magisteriis mehr als gnug thut; sonder physische Liebhaber begehren über voriges die Ursachen woraus sie wissen mögen / ob auch das jenige was geredet oder asseriret worden / wahr sey. Welches in folgenden angezeigt wird werden. Erstlich daß es ein Feuer sey / gibt die experientz / in dem der Irrwisch nicht mag gemercket werden es sey denn ein Feuer oder in Gestalt eines starcken brennenden Liechts; daß es aber ein meteorum sey / zeiget theils die Erhabenheit des Irrwisches in der Lufft / theils weil es nicht allezeit oder beständig dauret. Es fraget sich aber allhier[314] benebenst / was denn brennet / und woher es brenne / denn wenn ein Feuer der Irrwisch seyn soll / so wird er auch eine feuerfassende Materie bey sich haben / und welche muß angestecket werden? darauff wird geantwortet / daß die Materie des Irrwisches seye in subtieler / dünner und schwefelhaffter Dunst: Dieses wird bewiesen aus dem Orte worinnen die Irrwisch angetroffen werden / bey ihrer ersten Entstehung; solche Oerter aber sind ingemein sumpffige und morastige Plätze / Kirchhöffe / Schingruben oder wie unser Preussen es nennen / Schinkauden / Galgenplätze / Plätze da vormahln grosse Schlachten gehalten / welche pflegen genennet werden / der Grabenfüller / und Waghälse Kirchhöffe / denn da steigen die jenigen Dünste durch der Sonnen Wärme in die[315] Höhe / welche gar einen subtielen Schweffel bey sich haben / und dannenhero gar leicht mögen angestecket werden / und wird solche Schwefelhaffte Materie bey allen feurigen meteoris gefunden. Solche ausgedünste und erhabene Materie kan hernach gar behende auff folgende Manier angestecket werden; Es kan geschehen durch die Bewegung des schweffelichten Dunstes in der Lufft / in welcher Bewegung eine Reibung oder attrition entstehet / wodurch die feurige Atomi sich einiget und dardurch bekräfftiget werden zur Ansteckung / wie ein solches bey dem Stern schiessen geschicht; und daß durch solches reiben ein Feuersbrunst entstehen mag ist offenbahr / wann bey dem Noth-feuer-ziehen / durch vielen reiben die Pulver- und Schweffel-Materie angestecket wird.[316] Daß aber das Lufftreiben es auch thue / zeiget die Experientz / welche etliche Physici anbringen / daß das Bley am Boltzen in sehr schneller Bewegung durch das Lufftreiben geschmoltzen sey. Nicht anders gehets zu mit den feuer schlagen / so da nichts anders ist / als nur eine Reibung des Stahls und des Feuersteins: Was aber hie in grober Materie durch starckes reiben geschicht / das kan in subtiler Feuer-Materie mit kleinen reiben verrichtet werden. Daß aber ein reiben des Schweffel-Dunstes und der Lufft verhanden sey / wird an gezeiget / weil nemblich bey den entstandenen Irrwischen ein hüpffen ober springen gemercket wird / wovon hernacher. Darnach kan auch wol ein Irrwisch-Materie bey Tage von der Sonnen-Wärme angestecket seyn / welches Liecht nicht ehe als nur[317] bey seyn / welches Liecht nicht ehe als nur bey finsterer Zeit mag gewahr werden. Aber die beste Ursach ist die folgende: der schwefflichte Dunst / nach dem er in die höhe gezogen / ist anfangs ansgedöhnet / welcher hernacher mehr und mehr von der ümbstehenden Nacht-Kälte zusammen gepresset wird / biß die Wärme sehr starck concentriret und geeigniget wird / welche endlich die schwefelichte materie ansteckt / wie solches vor diesen in der Frage von entstehung des Donner Knals / zur gnüge ist dargethan worden. Das hüpffen und springen / und andere Bewegung des Irrwisches rühret her aus der unterschiedlichen Bewegung der Lufft / worinnen theils der Irrwisch / vorhanden / oder welche durch andere bewegende Dinge mit continuirung biß zum irrwisch kan erreget werden /[318] also tantzet ein Irrwisch / wenn die Lufft durch entstandenen Wind beweget wird. Daß dann ein Irrwisch weicht / wenn man sich nähert / ist selbige Ursach / denn man stösset die Lufft zum Irrwisch / weßhalben er weiter fleücht. Gehet man aber rückwerts so wird die hintegelassene Lufft nachn Rücken gezogen / wannenhero der Irrwisch auch mit nachn rücken gelanget und herzu nahet oder folget.

Warumb aber die Irrwische nicht in Winter / sondern bey sommerlichen oder anderen Jahres-Zeiten Bequemigkeiten entstehen / geschicht daher / weil die subtile Schweffelmaterie eine grosse Wärme bedarff / so sie soll heuffig aus der Erden oder andern schweffelichten Dingen gezogen werden / welches bey der Kälte des Winters nicht geschehen mag:[319] Daß auch bißweilen ein kleiner Thon / entstehen mag bey einem Irrwisch / ist nicht frembd / den wenn die Kälte gar zu starck zusammen treibet / kan der Irrwisch zerspringen / woraus ein Schall gehöret werden kan; daß auch ein Irrwisch / so er in der Ferne gesehen wird / gar stehet / ist die Ursach / weil unser Auge in die Ferne die kleine Bewegung nicht erkennen oder mercken kan. Daß aber endlich wohl ein Irrwisch könne ein bequem Mittel seyn / durch welches der böse Geist den Menschen zu Schaden bringen könne / gestehe ist gern; Da man aber nicht meinen soll / als wenn bey allen Irrwischen der Teuffel verhanden sey / welche den Menschen zu Fall bringen wolte / denn ihr natürlicher Ort ist zum meistentheil sumpfficht und morasticht / da ein Mensch[320] wenn er solches Liecht verfolget / in gefehrliche gequebbe und Morast gerathen kan / da der Teuffel wenig oder keine Schuld daran hat: Daß dann ein Irrwisch ein Mittel des bösen Geistes seyn könne / kan aus folgender Historien erwiesen und dargethan werden / Fromondus ein statlicher Physicus erzehlet / daß einsten sein Schwager bey Mastricht in Niederland in der Nacht reisete / siehe da entstehen umb ihn drey Irrwische / gar sehr nahe / der gute Mensch ist erschrocken und fället zur Erden / betet zu GOTT und ruffet ihn umb Hülffe und Rettung aus der Gefahr an / bald weichen die Irrwische von ihm über eine halbe Weilweges und kan eigentlich sehen / daß sie jenseit der Mosa /[321] so ein grösser Fluß in Niederland / gewichen sind: Darauff stehet er auff und gehet fort / als aus aller Gefahr entrissen; Aber im nun und Huy / oder wie Fromondus sagt / daß sein Schwager nicht mehr als 2. oder 3. Schritt gethan / sind die Irrwische abermal ümb ihn verhanden: Worauf er wieder gekniet und gebetet etc. solange biß die Irrwische nicht mehr vorhanden gewesen. Wenn der gute Schwager aus der Furcht im abmessenter distantz durchs Augenmaaß nicht geirret und die Gefahr durch einen Auffschnid nicht vergrössert / müste man traun nachgeben / daß die Irrwische bey sich Geister gehabt haben: Aber hievon vor diesesmahl gnug gesaget.

Quelle:
Praetorius, Johannes: DaeMonoLogia RVbInzaLII sILesII. Leipzig, Arnstadt 1662, S. 286-287,289-290,298-322.
Lizenz:
Kategorien:
Ausgewählte Ausgaben von
DaeMonoLogia RVbInzaLII sILesII
DaeMonoLogia RVbInzaLII sILesII

Buchempfehlung

Wieland, Christoph Martin

Geschichte der Abderiten

Geschichte der Abderiten

Der satirische Roman von Christoph Martin Wieland erscheint 1774 in Fortsetzung in der Zeitschrift »Der Teutsche Merkur«. Wielands Spott zielt auf die kleinbürgerliche Einfalt seiner Zeit. Den Text habe er in einer Stunde des Unmuts geschrieben »wie ich von meinem Mansardenfenster herab die ganze Welt voll Koth und Unrath erblickte und mich an ihr zu rächen entschloß.«

270 Seiten, 9.60 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Geschichten aus dem Biedermeier. Neun Erzählungen

Geschichten aus dem Biedermeier. Neun Erzählungen

Biedermeier - das klingt in heutigen Ohren nach langweiligem Spießertum, nach geschmacklosen rosa Teetässchen in Wohnzimmern, die aussehen wie Puppenstuben und in denen es irgendwie nach »Omma« riecht. Zu Recht. Aber nicht nur. Biedermeier ist auch die Zeit einer zarten Literatur der Flucht ins Idyll, des Rückzuges ins private Glück und der Tugenden. Die Menschen im Europa nach Napoleon hatten die Nase voll von großen neuen Ideen, das aufstrebende Bürgertum forderte und entwickelte eine eigene Kunst und Kultur für sich, die unabhängig von feudaler Großmannssucht bestehen sollte. Dass das gelungen ist, zeigt Michael Holzingers Auswahl von neun Meistererzählungen aus der sogenannten Biedermeierzeit.

434 Seiten, 19.80 Euro

Ansehen bei Amazon