Sechzigstes Kapitel.

[193] Wie an magern Speck-Festtagen die Gastrolater ihrem Gott opfern.


Dieß Opfrer-Pack mit seinen unzähligen Opfern verdroß Pantagruelen; und wär davon gefahren, wenn ihn nicht Epistemon ersucht hätt das End der Poß mit anzusehen. – Und was, frug er, opfern wohl die Lümmels ihrem Bauchlauchtigen Gott an magern Speck-Festtagen? – Ich will's euch sagen, antwort der Steuermann. Zur Vorkost bringen sie ihm:


Caviar,Gesalzne Salmen,

Botargen,Salz-Aletten,

Anschoven,Austern in Schaalen,

Thunfleisch,Sallat, hundert Varietäten,

Frische Butter, von Kreß, Hopfkeimen,

Erbsbrey, Bischofshödlein, Rapunzeln,

Spinnat, Judasohren (welches

Weisse Vollhering, eine Art von Schwämmen

Pickling, ist, die an alten Fliederbäumen

Sardellen, wächst) Spargel,

Oehl-Kohl, Geißblatt, und was noch

Bohnen-Potag, mehr war.


Da muß er wohl trinken, sonst hohlt ihn der Teufel. Auch wissen sie guten Rath dafür; das geht nie aus. Dann bringen sie ihm Lampreten mit Hippokras- Brüh,


Röthelein,Dinten-Fisch,

Foren,Schwert-Fisch,

Barben,Säge-Fisch,

Bärbli,Meerengel,

Geißbrassen,Bricken,

Geißbräßling,Brachsen,

Rochen,Grashecht,

Karper,Bremen,

Kärpel,Bräsem,

Stör,Schollen, Quallen,

Wälinen,Mießmuscheln,[194]

Makrelen,Hummer,

Aeschen, Platteissen,Gariner,

Brat-Austern,Felchen,

Kammmuscheln,Sprotten,

Langusten,Schleyen, Umber,

Stint, Spiering,Frischen Kabliau,

Meernesseln,Blackfisch,

Kroppen,Felklin,

Kressen,Ael,

Flundern,Aalraupen,

Krabben,Schlammbyßker,

Karpfen,Huechen,

Hecht,Meeräl,

Pelamiden,Gesseln,

Rosetten,Seewölf,

Meerigel,Alsen,

Ruethen, Thunen,Muränen,

Koben,Umbreten,

Döbel,Weiling,

Krebs,Dornbütten,

Gienmuscheln,Schildkrotten,

Salmen,Schlangen, id est,

Sälmling, Busch-Ael,

Delfinen,Goldforen,

Bleyhen,Karauschen,

Pomucheln,Bärsch, Wels,

Sepien,Schmerlen,

Zungen,Garneelen,

Steinbütten,Blindschleicher,

Bartumber,Frösch.


Wenn er auf solches Futter nicht trank, so stund ihm der Tod zween Finger breit am Kragen. Es war auch bestens schon dafür gesorgt. Dann brachten sie ihm:


Gesalznen StockfischLaberdan,

schmierig und theerig,Rüdling,[195]

Kabliau,Ropelen,

Eyer, weich, gerührt,Salzhecht,

gedämpft, verloren, durch

die Asch gezogen, durch

den Ofen gejagt,


zu deren leichterer Digestion und Verarbeitung das Rebensäftl von frischem floß. Zu guter Letzt noch opferten sie:


Reis,Mandelbutter,

Hirsen,Zuckerwurzeln,

Grütze,Polenta,

Graupenschleim,Rosinen,

Prunellen,Datteln,

Butter-Schnee,Nüß,

Pistazien,Haselnüß,

Pimpernüß,Pastinaken,

Feigen,Artischocken.


Dazwischen unablässige Kehl-Schwemm.


Glaubt nur, an ihnen lag es nicht, wenn dieser ihr Gott Gaster nicht mit Opfern würdiger, herrlicher und überschwenglicher bedacht wird als wahrlich das Eidolon Heliogabali, ja reichlicher als Bel der Götz in Babylon unter dem König Balthasar.

Nichts desto minder gestand Herr Gaster, daß er noch lang kein Gott wär, sondern ein arm, elend erbärmlichs Gemächt. Und, wie Antigonus, der erste König dieses Namens, einst einem gewissen Hermodoto, der ihn in seinen Gedichten Gott, und Sohn der Sonnen geheissen hätt, zur Antwort gab: das leugnet dir mein Lasanophorus, (Lasanon war nämlich ein zu Ablegung der Leibesnothdurft dienendes Gefäß und Becken) eben so schickt' auch Gaster diese Mucker und Pagoden zu seinem Nachtstuhl, daß sie da lugen, forschen, grübeln, und spintisiren möchten was für Gottheit in seinem Scheißdreck wär.

Quelle:
Rabelais, Franz: Gargantua und Pantagruel. 2 Bände, München, Leipzig 1911, Band 2, S. 193-196.
Lizenz:
Kategorien:
Ausgewählte Ausgaben von
Gargantua und Pantagruel
Gargantua. Pantagruel
Gargantua und Pantagruel, 2 Bände
Gargantua und Pantagruel
Gargantua und Pantagruel, in 2 Bdn.
Gargantua und Pantagruel

Buchempfehlung

Diderot, Denis

Die Nonne. Sittenroman aus dem 18. Jahrhundert

Die Nonne. Sittenroman aus dem 18. Jahrhundert

Im Jahre 1758 kämpft die Nonne Marguerite Delamarre in einem aufsehenerregenden Prozeß um die Aufhebung ihres Gelübdes. Diderot und sein Freund Friedrich Melchior Grimm sind von dem Vorgang fasziniert und fingieren einen Brief der vermeintlich geflohenen Nonne an ihren gemeinsamen Freund, den Marquis de Croismare, in dem sie ihn um Hilfe bittet. Aus dem makaberen Scherz entsteht 1760 Diderots Roman "La religieuse", den er zu Lebzeiten allerdings nicht veröffentlicht. Erst nach einer 1792 anonym erschienenen Übersetzung ins Deutsche erscheint 1796 der Text im französischen Original, zwölf Jahre nach Diderots Tod. Die zeitgenössische Rezeption war erwartungsgemäß turbulent. Noch in Meyers Konversations-Lexikon von 1906 wird der "Naturalismus" des Romans als "empörend" empfunden. Die Aufführung der weitgehend werkgetreuen Verfilmung von 1966 wurde zunächst verboten.

106 Seiten, 6.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Geschichten aus dem Biedermeier. Neun Erzählungen

Geschichten aus dem Biedermeier. Neun Erzählungen

Biedermeier - das klingt in heutigen Ohren nach langweiligem Spießertum, nach geschmacklosen rosa Teetässchen in Wohnzimmern, die aussehen wie Puppenstuben und in denen es irgendwie nach »Omma« riecht. Zu Recht. Aber nicht nur. Biedermeier ist auch die Zeit einer zarten Literatur der Flucht ins Idyll, des Rückzuges ins private Glück und der Tugenden. Die Menschen im Europa nach Napoleon hatten die Nase voll von großen neuen Ideen, das aufstrebende Bürgertum forderte und entwickelte eine eigene Kunst und Kultur für sich, die unabhängig von feudaler Großmannssucht bestehen sollte. Dass das gelungen ist, zeigt Michael Holzingers Auswahl von neun Meistererzählungen aus der sogenannten Biedermeierzeit.

434 Seiten, 19.80 Euro

Ansehen bei Amazon