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[23] 1760.
Wie lange schwingt die rasende Megäre
Die Fackel? Götter dieser Welt,
Warum verfolgt ihr ihn, zu seiner eignen Ehre,
Den unbezwungnen Held?
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Ists möglich? machen euch so viel Gefahren,
Mit welchen ihr ihn ringen saht,
So viele Kronen, die mit Blut zu kaufen waren,
So manche Götterthat,
So manch von ihm zertretnes Ungeheuer
Nicht wieder zur Versöhnung Lust?
So lange loderte der Rache schwarzes Feuer
In keines Gottes Brust.
Als Herkuls Arm den Löwen erst erdrückte,
Der in Nemäens Felsen lag,
Und, mit der Panzerhaut bedeckt, sein Rachschwerdt zückte,
Und schnell, und Schlag auf Schlag,
[25]
Der Hydra, die ihn zu ermüden wagte,
Ihr immerwachsend Leben nahm,
Obgleich die Fersen ihm ein kriechend Seethier nagte,
Das gieng und wiederkam;
Und dann die falsche Brut der Stymphaliden,
Die wild aus ehrnen Schnäbeln schrien,
Mit ehrnen Klauen raubten, und den Kampf vermieden,
Aus Sumpf und Busch zu ziehn
Ein Mittel traf; (denn diese zu erlegen,
War nur ein Spiel für Herkuls Hand;)
Und drauf aus Thrazien die Rosse, die den Segen
Der Felder weggebrannt,
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Und flammenathmend in die Hütten drangen,
Und ihren Schlund, das offne Grab,
Mit Menschen fülleten, lebendig aufgefangen
Dem wilde Viche gab:
Da sank der Zorn der reuerfüllten Götter;
Und Juno, frey von Rachbegier,
Brach aus: Sohn Jupiters, der Sterblichen Erretter,
O! mehr ein Gott, als wir!
Geneuss, geneuss der Ruh, die dir entzogen,
Seit ich diess Feuer angefacht,
Und alle Himmlischen, durch meine Wut betrogen,
Auf dich entbrannt gemacht!
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Geneuss der Opfer, die von beiden Enden
Der Erde, künftig jedermann
Dir bringen wird, nicht uns! und nimm von meinen Händen
Den ersten Nektar an.
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Im Jahre 1758 kämpft die Nonne Marguerite Delamarre in einem aufsehenerregenden Prozeß um die Aufhebung ihres Gelübdes. Diderot und sein Freund Friedrich Melchior Grimm sind von dem Vorgang fasziniert und fingieren einen Brief der vermeintlich geflohenen Nonne an ihren gemeinsamen Freund, den Marquis de Croismare, in dem sie ihn um Hilfe bittet. Aus dem makaberen Scherz entsteht 1760 Diderots Roman "La religieuse", den er zu Lebzeiten allerdings nicht veröffentlicht. Erst nach einer 1792 anonym erschienenen Übersetzung ins Deutsche erscheint 1796 der Text im französischen Original, zwölf Jahre nach Diderots Tod. Die zeitgenössische Rezeption war erwartungsgemäß turbulent. Noch in Meyers Konversations-Lexikon von 1906 wird der "Naturalismus" des Romans als "empörend" empfunden. Die Aufführung der weitgehend werkgetreuen Verfilmung von 1966 wurde zunächst verboten.
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