Scena Prima.

[21] Hæc scæna cum sequenti extra argumentum admixta est, ad depingendam iudicum iniquitatem.


BALDAM.

Hab itz abermal besehen

Wie mein korn im feld thut stehen

Wil mir noch nicht wol behagen

Dann die andern ackher tragen

Neben meim vil schöner treide

Welchs mir ist ein grosses leide

Sonderlich so hat mein nackber

Nechst bey mir den besten ackher

Das ich zwar im gantzen felde

Keinen lieber haben wölde

Drumb ichs auch offt furgenuhmen

Wie ich möcht darhinder kumen

Mannich practick auch ertichtet

Aber noch nichts ausgerichtet

Noch den acker kund erheben

Weil mein nackber war im leben

Nu er aber ist verschiden

Wil ich noch nicht sein zufriden

Bisz ich yhn zu mir müg bringen

Und darab die widwe dringen

Das ichs aber enden müge[21]

Wil ich brauchen dise lüge

Wie ich hab zur zeit meim nackber

Geld gelihen auff den acker

Weiland er noch war im leben

Welchs er mir nicht widergeben

Drumb ich sie wil ytz verklagen

Das sie muss die schuld abtragen

Wenn sies dann nu nicht am gelde

Haben wirt / so wirts yhr felde

Mussen an der schuld mir geben

So hoff ich / wöll ichs erheben

Wann sie schon wirt vil wolln klagen

Und zu diser schuld nein sagen

Wil ich wol so viel verschaffen

Bey den richtern / das yhr klaffen

Nicht sol werden angenumen

Dann ich ytz zuvor wil kumen

Und mit einem gschenckh sie schmieren

Das sie mir mein sach aussfüren

Dann sie mir auch sonst gewegen

Drumb ichs leichtlich wil erregen

Das sie es nicht lassen feilen

Und mir zu den ackher teylen

Zwar / wenn ich nur ytzund wuste

Wo ichs ettwo suchen muste

Wolt ich bald zu yhn mich machen

Und verkleren yhn mein sachen

Sonst ich zwar hab offt vernuhmen

Das in Jochems haus sie kumen

Und gericht zu halten pflegen

Weils yhn ist daselbs gelegen

Drumb ich ytzt auch hin wil gehen

Und mich bald nach yhn umbsehen

Ob ichs da antreffen kunde

Und sie beyd beynander funde

Zwar ßo ich ytz recht thue sehen

Dunckht mich / wie die Stadtknecht stehen

Beyd beysamen vpr der thure

Dran ich wol hab nu zu spuren

Das die richter nicht seind weyte[22]

Harr / ich kum zu rechter zeite

Dann ich siechs beym tische stehen

Hoff mein sach soll ytzt fort gehen


Quelle:
Paul Rebhun: Ein Geistlich Spiel von der Gotfürchtigen und keuschen Frauen Susannen. Stuttgart 1967, S. 21-23.
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