Scena Secunda.

[32] Resatha. Susanna. Ichaboth.


RESATHA.

Wolauff es ist itzunder zeyt

Das glück hat uns den weg bereit

Ich hoff wir wolln ytzt werdn gewert

Was unser hertz hat lang begehrt

SUSANNA.

Hülff got / was da? wo kumt yhr her?

Wie habt yhr mich erschreckt so sehr

ICHABOTH.

Endsetzt euch nicht fraw tugentreich

Das wir ytzt kumen her zu euch

Die ursach die uns einher treyb

Das ist eur edler zarter leib

In welches lieb wir seind endzündt

Das unser hertz on auffhörn brindt

Und gar nicht kan geleschet werdn

Yhr thut dann was wyr ytzt begehrn.

Drumb ist das unser bith gemein

Die weyl yhr ytzund seit alein

Wolt euch ergebn zu unserm willn

Der liebe brunst durch euch zu stilln

SUSANNA.

Behut uns got was saget yhr

Eur bitten / das sey weyt von mir

Wolt yhr mich heissen lieben hern

Was yhr eim andern selbs solt wehrn?

RESATHA.

Ein mal geht hin / es schadet nicht

Es kan so gleich nicht sein gericht

Eur lieb die hat uns so endzündt

Das wir keins synns nicht mechtig sind

All unser gmut sehnt sich nach euch[33]

Drumb bitten wir fraw tugentreich

Die weil eur lieb das hat gethan

Wolt uns der selben gniessen lahn

Yhr solt es auch nicht thun umb sunst

Stets solt yhr haben unser gunst

Die weil wir leben hie auff erdn

Es soll auch wol verlohnet werdn

Ein edel gschenck wir euch wolln gebn

Des gleichen yhr bey eurem lebn

Nie gsehen habt / das glaubet mir

So yhr ytz thut nach unser gihr

SUSANNA.

Sölch gunst von euch ich nicht begehr

Ist gnug / das mich mein lieber herr

Mit sölcher gunst umbfahen thut

Dazu begehr ich nicht eur gut

Dann mir von euch kein gschenck kan werdn

Das mir möcht lieber sein auff erdn

Dann das ich halt meim lieben herrn

Den ehestandt reyn / und bleib bey ehrn

ICHABOTH.

Eur ehr und auch eur gut gerücht

Wirdt euch damit genuhmen nicht

So yhr ytzt thut nach unserm wil

Dann sölches bleibt wol in der still

Die weil es niemand hört noch siecht

Und unser keiner saget nicht

Dann wer wolt euch das sehen an

Das yhr het unsern willn gethan?

So yhr euch aber bschweren werdt

Zu thun was unser hertz begehrt

So sol euch recht das unglück bstehn

Welchs yhr ytzunder wolt umbgehn

Dann erstlich solt yhr eurer ehrn

Durch uns erst recht beraubet werdn

Dann alßo wolln wir offentlich

Bezeugen / das wir sichtigklich

Gesehen habn an diser stell[34]

Das sey bey euch ein junger gsell

Gelegen / und der Unzucht braucht

Biß das wir yhn habn weck geschaucht

Und das yhr drumb von euch habt gsandt

Eur meid / das sölchs blib unbekandt

Vors ander / weyl wir habn gewalt

Zu richten über jungk und alt

So solt ihrs auch nicht haben gut

Es muß euch kosten leyb und blut

Dann wir das urteyl fellen wolln

Das euch die sträffer handeln solln

Wie man mit andern hat gethan

Die yhre ehe zurissen han

So solt yhr dann zu gleich der ehrn

Und auch des lebns beraubet werdn

Des werd ihr euch nicht mügn erwehrn

Dann wie ihr wist / wir seind die herrn

Die yetzund habn die gröste macht

Und sind vor yederman geacht

Alls was wir redn / das glaubet man

Und darff uns niemand wider stahn

Drumb last euch euren syn nicht sein

So lieb / das er euch bring in pein

Und volget unserm willen drat

Das yhr vermeydet sölche not

RESATHA.

Besinnt euch bessers liebe fraw

Das rhat ich euch in guter traw

Verschont eurs lebns / und eurer ehrn

Und thut was wir von euch begehrn

SUSANNA.

Die angst hat mich beyder seit

Verstrickt mit kumer und mit leydt

Ich greiff zu welchem ort ich woll

So steckts mit gfärlickeit gantz voll

Dann so ich thue nach eurm gepot

So werde ich zu theil dem todt

So abr ich euch thue widerstandt[35]

So fall ich euch in eure handt

Und werd eur straff endpfliehen nicht

Dann ungerecht seind eur gericht

Die Unschuld hat bey euch kein Stadt

Wenn euch der grym besessen hat

Vil besser aber ist mir das

Das ich mein leben fahren laß

Und leid von euch den todt mit gwalt

Dann das ich mich verßündign sah

Vor got meins herren angesicht

Der aller menschen werck ansieht

Unnd die wirt all zu seiner zeyt

Auch richten mit gerechtigkeit

Darümb o got und herre mein

Laß dir mein not bevolen sein

Errette mich von dieser handt

Yhr frevel ist dir wol bekandt

Wo seit yhr ytzt yhr knecht und meid

Kumt kumt und helfft mir aus dem leidt

ICHABOTH.

Ja / wolt yhr daran? hart ein weil

Eur lohn der sol euch werdn zu teil

Lauff t yhr behendt / die thür macht auff

Und rüfft dem gsynde allm zu hauff

Ich wil die weil sie halten wol

Das sie mir nicht endwerden sol

RESATHA.

Wo seit yhr knecht und meid ym haus?

Wo seit yhr? Laufft behend heraus


Quelle:
Paul Rebhun: Ein Geistlich Spiel von der Gotfürchtigen und keuschen Frauen Susannen. Stuttgart 1967, S. 32-36.
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