Scena Tertia.

[36] Gorgias. Samri. Dabira. Resatha. Sara. Ichaboth. Susanna. Benjamin. Jahel.


GORGIAS.

Horch lieber horch / was hebt sich do?

Ich hör ein gschrey / ich weis nicht wo

SAMRI.

Ich halt es werd im garten sein

DABIRA.

O kumt und last uns sehen drein

Der frawn wird was sein widerfahrn

GEORGIAS.

Wie? ist sie drinn?

DABIRA.

Da ist keins harrn

RESATHA.

Yhr meint / yhr habt ein frawen fein

Die gantz und gar sey keüsch und rein

So ists ein außgeschütter sack

Yhr schalckeit kumt ytzund ann tag

GORGIAS.

Bhut got /

SARA.

Hülff got / was sagt yhr hie?

DABIRA.

Wir habens trawn gespuret nie

SARA.

Ey hertzne fraw / wie steht die sach

Wie kumt yhr in sölch ungemach?


Illa lacrimans tacet.[37]


ICHABOTH.

Wie kumt ein ander balck darein

Dem wol mit buberey thut sein

DABIRA.

Bhut lieber herr /

SAMRI.

Was hats dann than?

Zeygt uns doch bald und klerlich an

ICHABOTH.

Einn jungen gselln wir gfunden han

Bey yhr alhie / der hat gethan

Das ich mich schäme außzusagn

Das wollen wir den hern furtragn

Auff das man einst yhr tuck erfahr

Die sie verborgn hat etlich jahr

Im schein der ehrn und züchtigkeit

Als wer sie selbs die reynigkeit

Dann wir auch selber hetten nicht

Geglaubt / wo wir mit unserm gsicht

Das selber hetten nicht erfarn

Wir wollen aber heint verharrn

Biß morgn / so wolln wir weiter schawn

Was sey zu thun mit eurer frawn

GORGIAS.

Wo hin ist dann der jung gesell

Der gwest soll sein an diser stel?

RESATHA.

Der bößwicht ist zu starck gewest

Ich kundt yhn nicht erhalten fest

Er sprang zur thür hinaus so schwindt

Als wers ein hirsche oder hindt

Künn wir yhn ettwo treffen an

So soll er auch erkriegn seinn lohn


His dictis discedunt iudices.


DABIRA.

Ach liebe fraw weint nicht so sehr[38]

Wir glauben nicht / das wider ehr

Yhr habt gehandelt groß noch klein

SARA.

Kumpt fraw mit uns ins haus hinein

Ich hoff es soll nicht haben not

Der sach wirt aller noch wol rhat

SUSANNA.

Ach das mein herr schir wider kern

Und disen jahmer auch vernehm

Lauff eine hin / und thue es kundt

Meinr muter / das sie kum von stundt

Den vater auch zu mir her bitt

Und heiß die Schwester kumen mit

BENJAMIN.

Was ist euch liebe muter mein

Das yhr so weinend kumpt herein?

JAHEL.

We hat euch than lieb memmelein?

SUSANNA.

Ich weiß nicht lieben kinderlein

Ich kan euch ytzt davon nicht sagn

Ich muß es got meim herren klagn

DABIRA.

Die alten richter habens than

Nicht weis ich was sie gsaget han

Das geht der muter an yhr ehr

Drumb weinet sie ytzund so sehr

GORGIAS.

Die sach die wirt nicht recht zugehn

Wir habn ja nie nicht mocht verstehn

An worten noch an allm geper

Das unser fraw ein solche wer

Dann sie ja uns beyd knecht und meid[39]

Sehr offt hat gwarnt fur unkeüscheit

Und stets uns tugent / und frumbkeit glert

Wie soll sie ytzt sich habn verkert?

SAMRI.

Ich kan es auch nicht glauben wol

Und weys nicht / was ich dencken sol

Ich hör das man im sprichwort spricht

Das alter hülfft fur torheit nicht

Die alten leüt ytz gleich so wol

Als junge stecken boßheit vol

Drümb denck ich schir / die alten hern

Vileicht der frawen selber werdn

Ein untugnt angemuttet han

Und weil sie nicht yhrn willn hat than

So werdns auff sie erzurnet sein

Und wolln sie fürn in schandt und pein

GORGIAS.

Ist warlich müglich / das so sey

Yedoch es bleib ytzund da bey

Wir thüren sie darumb nicht fragn

Itzt wenn sies wird yhrn eltern klagn

So wolln wirs auch wol recht verstehn

Wies muß mit diser sach zugehn.


Quelle:
Paul Rebhun: Ein Geistlich Spiel von der Gotfürchtigen und keuschen Frauen Susannen. Stuttgart 1967, S. 36-40.
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