|
[271] O freundlicher, o süßer,
O theurer Jesu Christ,
Du Held, du Sündenbüßer,
Daß du so gütig bist,
Das ist im Leidensorden
Mir klärlich kund geworden;
Hoch hast du mich geliebt,
Als ich war hoch betrübt!
Wie herlich hat erquicket
Dein Trost mein mattes Herz,
Als solches hat ersticket
Ein mehr denn Todesschmerz!
Wie wol hat deine Güte
Befriedigt mein Gemüte,
Daß stündlich ich daran
Mit Lust gedenken kan![271]
Je mehr ichs nun betrachte,
Je freundlicher du bist,
Je höher ich dieß achte,
Je mehr zur jeden Frist
Empfind' ich deine Liebe;
Hilf, daß auch ich mich übe,
So fest zu lieben dich,
Wie du, Herr, liebest mich!
Wie herlich sind die Gaben,
Die du bereitest mir;
Wie gern wolt' ich dich laben,
O treuer Gott, bei dir!
Hab' Acht auf meine Thränen,
Sie zeugen, daß mein Sehnen,
Mein Wünschen, mein Geschrei
Zu dir gerichtet sei.
Immittelst daß ich wohnen
Muß in dem Leibe noch,
Den zwar noch selten schonen
Der Tod wil würgen; doch
So stillet all mein Leiden
Die Hoffnung solcher Freuden,
Worauf ich Tag und Nacht
Bin inniglich bedacht.
Wenn werd' ich zu dir kommen,
Mein Helfer, der du mir
Das Herz so gar genommen,
Daß ich verschmachte schier,
Eh' ich auf mein Vertrauen
Dein' Herlichkeit kan schauen;
Ach Herr, wenn wird's geschehn,
Daß ich für dir sol stehn?
Herr, laß mich allzeit munter
Zu deinem Lobe sein;
Send' eiligst doch herunter
Des Geistes Kraft allein,
Daß ich mit süßen Weisen
Dich mög' ohn Ende preisen,[272]
Denn du thust für und für
Sehr große Ding' an mir.
Laß mich mein Herz erheben
Von diesem Erdenkloß,
Auf daß ich müge leben
Bei dir, und hier nur bloß
Dasselbe vollenbringen,
Was du für allen Dingen
Zu thun mir auferlegt,
Das Fried' im Herzen hegt.
O freundlicher, o schöner,
O süßer Jesu Christ,
O Heiland, o Versöhner,
Der du so lieblich bist,
Daß es kein Mensch kan fassen,
Hilf, daß, wenn ich muß lassen
Dieß Haus voll Angst und Pein,
Ich schnell bei dir mag sein.
Buchempfehlung
Nachdem im Reich die Aufklärung eingeführt wurde ist die Poesie verboten und die Feen sind des Landes verwiesen. Darum versteckt sich die Fee Rosabelverde in einem Damenstift. Als sie dem häßlichen, mißgestalteten Bauernkind Zaches über das Haar streicht verleiht sie ihm damit die Eigenschaft, stets für einen hübschen und klugen Menschen gehalten zu werden, dem die Taten, die seine Zeitgenossen in seiner Gegenwart vollbringen, als seine eigenen angerechnet werden.
88 Seiten, 4.20 Euro
Buchempfehlung
Romantik! Das ist auch – aber eben nicht nur – eine Epoche. Wenn wir heute etwas romantisch finden oder nennen, schwingt darin die Sehnsucht und die Leidenschaft der jungen Autoren, die seit dem Ausklang des 18. Jahrhundert ihre Gefühlswelt gegen die von der Aufklärung geforderte Vernunft verteidigt haben. So sind vor 200 Jahren wundervolle Erzählungen entstanden. Sie handeln von der Suche nach einer verlorengegangenen Welt des Wunderbaren, sind melancholisch oder mythisch oder märchenhaft, jedenfalls aber romantisch - damals wie heute. Nach den erfolgreichen beiden ersten Bänden hat Michael Holzinger sieben weitere Meistererzählungen der Romantik zu einen dritten Band zusammengefasst.
456 Seiten, 16.80 Euro