Meine Blumen

[85] Schöne Frühlingskinder, lächelt,

Jauchzet, Veilchen auf der Au!

Süßer Balsamatem fächelt

Aus des Kelches Himmelblau.

Schön das Kleid mit Licht gesticket,

Schön hat Flora euch geschmücket

Mit des Busens Perlentau!

Holde Frühlingskinder, weinet!

Seelen hat sie euch verneinet,

Trauert, Blümchen auf der Au!


Nachtigall und Lerche flöten

Minnelieder über euch,

Und in euren Balsambeeten

Gattet sich das Fliegenreich.

Schuf nicht für die süßen Triebe

Euren Kelch zum Thron der Liebe

So wollüstig die Natur?

Sanfte Frühlingskinder, weinet,

Liebe hat sie euch verneinet,

Trauert, Blümchen auf der Flur!


Aber wenn, vom Dom umzingelt,

Meine Laura euch zerknickt

Und, in einen Kranz geringelt,

Tränend ihrem Dichter schickt –

Leben, Sprache, Seelen, Herzen

[86] Flügelboten süßer Schmerzen!

Goß euch dies Berühren ein.

Von Dionen angefächelt,

Schöne Frühlingskinder, lächelt,

Jauchzet, Blumen in dem Hain!


Quelle:
Friedrich Schiller: Sämtliche Werke, Band 1, München 31962, S. 85-86.
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