Fünfte Szene

[82] Das griechische Lager.


Es treten auf Ajax, in voller Rüstung; Agamemnon, Achilles, Patroklus, Menelaus, Ulysses, Nestor und Gefolge.


AGAMEMNON.

Hier stehst du, Auserwählter, frisch und kühn,

Der Zeit voreilend mit frühregem Mut.

Laß die Drommete laut dich Troja künden,

Furchtbarer Ajax, daß die Luft entsetzt

Des großen Kämpen Ohr durchbohre scharf

Und stürm' ihn her!

AJAX.

Trompeter, nimm die Börse;

Nun spreng' die Lung' und brich dein erznes Rohr:

Blas', Kerl, bis deine aufgeschwellte Wange

Noch straffer sei als Pausback Aquilo;[82]

Dehn' aus die Brust, dem Aug' entspritze Blut,

Du schmetterst Hektorn mir heran!

ULYSSES.

Kein Erz gibt Antwort! –

ACHILLES.

's ist noch früh am Tag.

AGAMEMNON.

Kommt dort nicht Diomed mit Kalchas' Tochter?

ULYSSES.

Ja wohl, ich kenn' ihn an der Art des Gangs,

Er hebt sich auf den Zeh'n; hochatmend strebt

Sein Geist von dieser Erd' empor.


Diomedes und Cressida treten auf.


AGAMEMNON.

Ist dies das Fräulein Cressida?

DIOMEDES.

Sie ist's.

AGAMEMNON.

Seid hold gegrüßt den Griechen, schönes Fräulein!

NESTOR.

Mit einem Kuß begrüßt Euch der Feldhauptmann.

ULYSSES.

Wer möchte nicht solch reizend Feld behaupten?

Wir folgen Haupt für Haupt dem Mann ins Feld.

NESTOR.

Ein trefflich art'ger Vorschlag! Ich beginne: –


Soviel für Nestor.

ACHILLES.

Ich will das Eis von Euern Lippen küssen:

Achill heißt Euch willkommen, schönes Kind.

MENELAUS.

Zum Küssen hatt' ich hübschen Anlaß sonst –

PATROKLUS.

Doch ist das Anlaß nicht zum Küssen jetzt: –


Denn so wie ich drang Paris Euch ins Haus,

Und mit dem hübschen Anlaß war es aus.

ULYSSES.

O bittre Schmach! All unsrer Leiden Born!

Mit unserm Lebensblut färbt er sein Horn!

PATROKLUS.

Der Kuß für Menelaus, der für mich;

Patroklus küßt Euch.

MENELAUS.

Ei, so abzuziehn!

PATROKLUS.

Paris und ich, wir küssen stets für ihn.

MENELAUS.

Erlaubt mir, meinen Kuß will ich nicht missen.

CRESSIDA.

So sagt, empfangt Ihr oder nehmt im Küssen?

MENELAUS.

Ich nehm' und geb' im Kusse.

CRESSIDA.

Dann vergönnt:

Ihr nehmt Euch bessern, als Ihr geben könnt;

Drum keinen Kuß.[83]

MENELAUS.

Ich zahl' Euch Aufgeld, geb' Euch drei für einen;

CRESSIDA.

Von einem halben Manne nehm' ich keinen.

MENELAUS.

Ein halber? Und wo wär' die andre Hälfte?

CRESSIDA.

Die hat Prinz Paris längst sich eingefangen,

Als er mit Eurer Frau davon gegangen.

MENELAUS.

Ihr schnippt mir an die Stirn!

CRESSIDA.

O nein, fürwahr!

ULYSSES.

Wie brächt' Eu'r Händchen seinem Horn Gefahr?

Darf ich um einen Kuß Euch bitten, Schöne?

CRESSIDA.

Ihr dürft!

ULYSSES.

Gern hätt' ich einen!

CRESSIDA.

Nun, so bittet!

ULYSSES.

Um Venus werde mir ein Kuß von dir,

Wenn Helena als Jungfrau lebt, und hier!

CRESSIDA.

Sobald die Schuld verfallen, zahl' ich sie.

ULYSSES.

Dann hat es gute Zeit, Ihr küßt mich nie.

DIOMEDES.

Fräulein, ein Wort: ich bring' Euch Euerm Vater.


Geht mit Cressida ab.


NESTOR.

Sie hat behenden Witz.

ULYSSES.

Pfui über sie!

An ihr spricht alles, Auge, Wang' und Lippe,

Ja selbst ihr Fuß: der Geist der Lüsternheit

Blickt vor aus jedem Glied und Schritt und Tritt.

O der Kampflustigen, so zungenglatt

Die Willkomm' schielen, eh' man sie noch grüßt,

Und weit auftun die Blätter ihres Denkbuchs

Für jeden üpp'gen Leser! Merkt sie euch

Als niedre Beute der Gelegenheit

Und Töchter schnöder Lust.


Trompetenstoß.


ALLE.

Trojas Trompete!

AGAMEMNON.

Seht, es naht der Zug! –


Es treten auf Hektor, Äneas, Troilus und Gefolge.


ÄNEAS.

Heil, Griechenfürsten! Was wird dem zu Teil,

Der obsiegt? Oder habt ihr nicht den Vorsatz,

Daß einer Sieger sei? Sollen die Ritter[84]

Aus aller Kraft sich bis aufs äußerste

Bekämpfen? Oder wird der Streit geschieden

Durch irgend ein Gebot und Kampfgericht?

So fragt euch Hektor.

AGAMEMNON.

Was ist Hektors Wunsch?

ÄNEAS.

Ihm gilt es gleich, er fügt sich der Bestimmung.

ACHILLES.

Ganz Hektorn ähnlich, doch sehr zuversichtlich;

Ein wenig stolz, und überaus mißachtend

Den Gegner.

ÄNEAS.

Wenn Achilles nicht, mein Fürst,

Wer seid Ihr?

ACHILLES.

Wenn Achilles nicht, dann nichts.

ÄNEAS.

Achilles also. Demnach, Held, vernehmt: –


In beiden Äußersten von Groß und Klein,

Sind Stolz und Mut in Hektor unerreicht;

Der eine fast so endlos wie das All,

Der andre leer wie nichts. Erwägt ihn recht,

Und was Euch stolz scheint, ist nur Höflichkeit:

Held Ajax ist von Hektors Blute halb;

Zu Liebe dem bleibt Hektor halb zu Hause:

Halb Herz, halb Hand, halb Hektor naht er, wo er

Den Bastardhelden sucht, halb Griech', halb Troer.

ACHILLES.

Ein Scheingefecht also! Ha, ich versteh' Euch! –


Diomedes tritt auf.


AGAMEMNON.

Hier kommt Fürst Diomed. Auf, edler Ritter,

Stellt Euch zu unserm Ajax; so wie Ihr

Und Lord Äneas ordnen dies Gefecht,

So sei es: ob ein Anlauf, ob ein Gang

Auf Tod und Leben; weil die zwei verwandt,

Ist halb der Kampf erloschen, eh' entbrannt.

ULYSSES.

Sie stehn sich gegenüber.

AGAMEMNON.

Wer ist der Troer, der so finster schaut?

ULYSSES.

Des Priam jüngster Sohn: ein echter Ritter;

Kaum reif, schon unvergleichbar: fest von Wort,

Beredt in Tat und tatlos in der Rede;

Nicht bald gereizt, doch dann nicht bald besänftig

Sein Herz wie Hand gleich offen, beide frei:[85]

So gibt er, was er hat, spricht, was er denkt;

Doch gibt er nur, lenkt Urteil seine Güte.

Nie adelt er durch Wort unwürd'ges Denken;

Mannhaft wie Hektor, doch gefährlicher:

Denn Hektor, in des Zornes Glut, verschont

Gefallne; während dieser, kampfbegeistert,

Blutdürst'ger trifft als eifersücht'ge Liebe.

Man nennt ihn Troilus und baut auf ihn

Die zweite Hoffnung, stark, wie Hektor selbst;

So spricht Äneas, der den Jüngling kennt

Ganz durch und durch, und in Geheimgespräch

Im großen Ilion mir ihn so geschildert.


Trompeten. Hektor und Ajax kämpfen.


AGAMEMNON.

Der Kampf beginnt.

NESTOR.

Nun, Ajax, halt' dich brav!

TROILUS.

Hektor, du schläfst, erwache!

AGAMEMNON.

Er führt den Degen trefflich: recht so, Ajax!


Die Trompeten hören auf zu blasen.


DIOMEDES.

Ihr dürft nicht weiter! –

ÄNEAS.

Prinzen, 's ist genug!

AJAX.

Ich bin kaum warm, tun wir noch einen Gang.

DIOMEDES.

Wie's Hektor wünscht.

HEKTOR.

Nun gut, denn sei's geendet.

Du, Fürst, bist meines Vaters Schwestersohn,

Ein Freund und Vetter Priams großem Stamm,

Und der Verwandtschaft Heiligkeit verbietet,

Daß sich der Kampf des Ruhms mit Blut entscheide.

Wär' Gräcien dir und Troja so gemischt,

Daß du könnt'st sagen: Diese Hand ist griechisch,

Und troisch jene; dieses Schenkels Bau

Griechisch, der troisch; meiner Mutter Blut

Rinnt in der rechten Wange; das des Vaters

In jener linken: beim allmächt'gen Zeus!

Hinweg von mir trüg'st du kein griechisch Glied,

Dem nicht mein Schwert hätt' eingeprägt ein Mal

Des bösen Streits. Doch hindern das die Götter,

Daß nur ein Tropfen deines Mutterbluts,[86]

Geheiligt mir, von meinem Todesstahl

Vergossen sei. Laß dich umarmen, Ajax!

Bei dem, der donnert, du hast tücht'ge Arme!

Gern läßt sich Hektor so von ihnen fassen:

Dir, Vetter, aller Ruhm!

AJAX.

Ich dank' dir, Hektor!

Du bist ein Mann, zu frei und hoch gesinnt;

Dich töten wollt' ich, Vetter, und an Ehre

Durch deinen Fall mir reichen Zuwachs ernten.

HEKTOR.

Selbst Neoptolemus, der Wunderheld,

Von dessen Helm lauttönend Fama ruft:

Das ist Er selbst! Hegt nicht den Wahngedanken,

Daß Ruhm, Hektorn entrissen, seinen mehrte.

ÄNEAS.

Von beiden Seiten fragt Erwartung jetzt,

Was ferner ihr beginnt?

HEKTOR.

Dies unsre Antwort:

Der Ausgang ist Umarmung. – Ajax, leb wohl! –

AJAX.

Wenn ich Erfolg der Bitte könnt' erwarten,

Der selten mir zu Teil wird, – lüd' ich Euch,

Ruhmvoller Vetter, zu den griech'schen Zelten.

DIOMEDES.

's ist Agamemnons Wunsch; auch Held Achilles

Möcht' ohne Wehr den tapfern Hektor sehn.

HEKTOR.

Ruf' meinen Bruder Troilus, Äneas,

Und melde diesen friedlichen Besuch

Der Troer Schar, die meiner Rückkunft harrt; –


Sie soll'n heimkehren. – Gib die Hand mir, Vetter;

Ich speis' in deinem Zelt mit Euern Rittern.

AJAX.

Der Herrscher Agamemnon naht sich uns. –

HEKTOR.

Sag mir die Namen aller Würdigsten;

Nur den Achilles laß mein spähend Aug'

An seiner Hochgestalt und Wucht erkennen.

AGAMEMNON.

Streitbarer Held! Willkommen mir, wie einem,

Der solches Feindes gern entledigt wäre!

Doch das ist kein Willkomm; drum red' ich klarer:

Vergangnes und Zukünftiges verdeckt

Formloser Schutt und Trümmer des Vergessens:

Doch in der gegenwärt'gen Stund' entbeut

Dir Treu' und Glaub' in frommster Lauterkeit,[87]

Abwendig aller schiefen Nebendeutung,

O großer Mann, herzinnige Begrüßung.

HEKTOR.

Ich dank' dir, hocherhabner Agamemnon.

AGAMEMNON.

Erlauchter Troilus, nicht mindres Euch!

MENELAUS.

Ich grüß' Euch, wie mein königlicher Bruder:

Du krieg'risch Brüderpaar, sei uns willkommen!

HEKTOR.

Wer spricht zu uns?

MENELAUS.

Der edle Menelaus.

HEKTOR.

Oh, Feldherr, Dank, bei Mavors' Eisenhandschuh!

Verargt mir nicht den seltsamlichen Schwur:

Eu'r weiland Weib schwört stets bei Venus' Handschuh;

Wohl ist sie – doch sie schickt Euch keinen Gruß.

MENELAUS.

Nennt sie nicht jetzt; sie mahnt an tödlich Weh.

HEKTOR.

Verzeihung! Ich vergaß! –

NESTOR.

Ich sah dich oft, du weidlicher Trojaner,

Wenn du, in Arbeit für den Tod, dir Bahn

Durch unsre Jugend wütig brachst; ich sah dich,

Wie Perseus heiß dein phrygisch Schlachtroß spornend,

Viel Waffentat und Kampfespreis verschmähn.

Vordringend schwangst du hoch ums Haupt dein Schwert,

Und nicht auf den Gefallnen durft' es fallen;

So daß ich sprach zu meinen Schlachtgenossen:

Seht Jupiter, wie er dort Leben spendet!

Dann sah ich dich verschnaufend Atem schöpfen,

Wenn dich ein Kreis von Griechen rings umschloß,

Wie ein olymp'scher Ringer: solches sah ich;

Doch dies dein Antlitz, stets in Stahl verriegelt,

Schau' ich erst heut. Mit deinem Ältervater

Focht ich einmal: er war ein guter Streiter,

Allein, beim Kriegsgott, unser aller Haupt,

Dir nimmer gleich. Nimm eines Greisen Kuß,

Und unserm Zelt sei, tapfrer Fürst, willkommen!

ÄNEAS.

Er ist der alte Nestor.

HEKTOR.

Laß dich umarmen, gute, alte Chronik,

Die mit der Zeit so lang' schritt Hand in Hand:

Ehrwürd'ger Nestor, froh umschließ' ich dich.

NESTOR.

O daß mein Arm dir's gleich tun könnt' im Kampf,

Wie er nun kämpft mit dir in Freundlichkeit![88]

HEKTOR.

Ich wünscht' es gleichfalls.

NESTOR.

Ha,

Bei diesem weißen Bart, ich föchte mit dir morgen!

Willkommen dann, willkomm! Ich sah die Zeit –

ULYSSES.

Mich wundert nur, wie jene Stadt noch steht,

Da wir jetzt ihren Grund und Pfeiler haben!

HEKTOR.

Wohl kenn' ich Eure Züge, Fürst Ulyß! –


O Herr, schon mancher Griech' und Troer fiel,

Seit ich zuerst Euch sah mit Diomed

In Ilion, als Gesandte Griechenlands.

ULYSSES.

Da sagt' ich Euch vorher, was folgen würde;

Noch weilt auf halbem Weg die Prophezeiung,

Denn jene Mauern, keck die Stadt umschirmend,

Die Zinnen, die mit Wolken üppig buhlen,

Sie küssen noch den eignen Fuß.

HEKTOR.

Nicht glaub' ich's!

Da stehn sie noch; bescheiden mein' ich auch,

Uns zahlt für jedes phryg'schen Steines Fall

Ein Tropfen Griechenblut. Das Ende krönt's;

Und jener alte, ew'ge Richter, Zeit,

Wird einst es enden.

ULYSSES.

Lassen wir es ihm!

Höchst edler, tapfrer Hektor, sei willkommen!

Nach unserm Feldherrn bitt' ich dich zunächst,

Mein Gast zu sein und mich im Zelt zu sehn.

ACHILLES.

Dawider muß ich Einspruch tun, Ulysses!

Nun, Hektor, hast du meinen Blick gesättigt.

Mit scharfem Aug' durchforscht' ich dich, o Hektor,

Und prüfte Glied vor Glied.

HEKTOR.

Ist dies Achilles? –

ACHILLES.

Ich bin Achilles.

HEKTOR.

Ich bitte, stell' dich so, daß ich dich schaue!

ACHILLES.

Sieh dich nur satt!

HEKTOR.

Nun, ich bin fertig schon.

ACHILLES.

Du bist zu eilig. Ich durchmustre dich

Noch einmal Zug für Zug, als wär's zum Kauf.

HEKTOR.

So wie ein Scherzbuch blätterst du mich durch?[89]

Doch mehr wohl liegt in mir, als du verstehst!

Was will mich so dein Auge niederdrücken? –

ACHILLES.

Ihr Götter, sagt, an welchem Teil des Körpers

Vernicht' ich ihn? Ist's hier, dort oder da?

Daß ich genau den Sitz der Wunde nennen

Und scharf das Tor bezeichnen mag, wodurch

Sein großer Geist entflieht. Antwort, ihr Götter!

HEKTOR.

Mißziemen würd' es heil'gen Göttern, Stolzer.

Antwort zu geben solcher Frage. Sprich:

Glaubst du mein Leben so im Scherz zu fahn,

Daß du vorzeichnen willst im scharfen Umriß,

Wo treffen soll der Tod? –

ACHILLES.

Ja, sag' ich dir.

HEKTOR.

Und wär'st du, solches kündend, ein Orakel,

Nicht glaubt' ich dir. Hinfort sei auf der Hut!

Denn nicht hier töt' ich dich, noch dort, noch da,

Nein, bei dem Hammer, der Mars' Helm geformt,

Dich töt' ich, wo's auch sei; ja über und über.

Verzeiht, ihr weisen Griechen, meinem Prahlen:

Sein Hochmut zwingt mich, Törichtes zu reden.

Doch streb' ich, so zu tun, wie ich gesprochen,

Sonst mög' ich nie –

AJAX.

Kommt nicht in Eifer, Vetter!

Und Ihr, Achilles, unterlaßt dies Drohen,

Bis Zufall oder Vorsatz wahr es macht.

Genug könnt Ihr von Hektor täglich haben,

Wenn es Euch hungert; doch ganz Griechenland

Bringt Euch wohl kaum mit ihm in Hader, denk' ich.

HEKTOR.

Ich bitt' Euch, laßt im Feld uns Euch begegnen;

Es gab nur kleinen Krieg, seit Ihr verließt

Die griech'schen Fahnen.

ACHILLES.

Du verlangst nach mir?

Dir nah' ich morgen, furchtbar wie der Tod: –


Heut abend sei'n wir Freunde!

HEKTOR.

Wohl, schlag' ein!

AGAMEMNON.

Vorerst, ihr griech'schen Herrn, kommt in mein Zelt,

Dort woll'n wir Tafel halten; und hernach,

Wie Hektors Muß' und eure Gastlichkeit[90]

Zusammentrifft, bewirtet ihn dann einzeln.

Nun laßt die Pauken, laßt Trompeten schallen:

Willkommen sei der Troerfürst uns allen!


Sie gehn ab. Es bleiben Troilus und Ulysses.


TROILUS.

Ich bitt' Euch, Fürst Ulysses, gebt mir Kunde,

In welchem Teil des Lagers Kalchas weilt.

ULYSSES.

In Menelaus' Zelt, mein edler Prinz:

Dort speiset Diomed mit ihm zu Nacht,

Der nicht an Erde mehr noch Himmel denkt

Und, ganz von Lieb' entflammt, nur Augen hat

Für Fräulein Cressida.

TROILUS.

Erzeigt Ihr mir die Huld, mein werter Fürst,

Wann wir verlassen Agamemnons Zelt,

Mich hinzuführen?

ULYSSES.

Schaltet über mich!

Gleich freundlich sagt, mein Prinz, in welchem Ruf

Hielt Troja diese Schöne? Weint ihr dort

Kein Liebster nach? –

TROILUS.

O Fürst, wer rühmend prahlt mit seinen Wunden,

Verdienet Spott. Gehn wir zusammen, Herr?

Sie liebt' und ward geliebt, und wird's noch heute,

Doch neid'schem Glück ward Liebe stets zur Beute.


Sie gehn ab.[91]


Quelle:
William Shakespeare: Sämtliche Werke in vier Bänden. Band 2, Berlin: Aufbau, 1975, S. 82-92.
Lizenz:
Kategorien:
Ausgewählte Ausgaben von
Troilus und Cressida
Troilus and Cressida
Troilus und Cressida: Zweisprachige Ausgabe
Troilus and Cressida. Troilus und Cressida
Troilus und Cressida

Buchempfehlung

Schnitzler, Arthur

Frau Beate und ihr Sohn

Frau Beate und ihr Sohn

Beate Heinold lebt seit dem Tode ihres Mannes allein mit ihrem Sohn Hugo in einer Villa am See und versucht, ihn vor möglichen erotischen Abenteuern abzuschirmen. Indes gibt sie selbst dem Werben des jungen Fritz, einem Schulfreund von Hugo, nach und verliert sich zwischen erotischen Wunschvorstellungen, Schuld- und Schamgefühlen.

64 Seiten, 5.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Romantische Geschichten II. Zehn Erzählungen

Romantische Geschichten II. Zehn Erzählungen

Romantik! Das ist auch – aber eben nicht nur – eine Epoche. Wenn wir heute etwas romantisch finden oder nennen, schwingt darin die Sehnsucht und die Leidenschaft der jungen Autoren, die seit dem Ausklang des 18. Jahrhundert ihre Gefühlswelt gegen die von der Aufklärung geforderte Vernunft verteidigt haben. So sind vor 200 Jahren wundervolle Erzählungen entstanden. Sie handeln von der Suche nach einer verlorengegangenen Welt des Wunderbaren, sind melancholisch oder mythisch oder märchenhaft, jedenfalls aber romantisch - damals wie heute. Michael Holzinger hat für den zweiten Band eine weitere Sammlung von zehn romantischen Meistererzählungen zusammengestellt.

428 Seiten, 16.80 Euro

Ansehen bei Amazon