[767] Unter den Mauern von Alexandrien.
Schlachtgeschrei. Antonius im Anmarsch; mit ihm Scarus und Fußvolk.
ANTONIUS.
Wir schlugen ihn ins Lager. Einer laufe,
Der Kön'gin meld' er unsre Gäste. Morgen,
Eh' Sonn' uns sieht, vergießen wir das Blut,
Das heut uns noch entkam. Ich dank' euch allen;
Denn tücht'ge Hände habt ihr, fochtet nicht,
Als dientet ihr der Sache, nein, als wär' sie
Wie meine, jedes eigne: Alle wart ihr Hektors.
Zieht in die Stadt, herzt eure Freund' und Weiber,
Rühmt eure Tat, laßt sie mit Freudentränen
Eu'r Blut abwaschen, eure Ehrenwunden
Gesund euch küssen!
Zum Scarus.
Gib mir deine Hand!
Cleopatra tritt auf mit Gefolge.
Der großen Fee laß mich dein Lob verkünden,
Ihr Dank soll dich besel'gen! Tag der Welt,
Umschließ' den erznen Hals, spring', Schmuck und alles,
Durch festen Harnisch an mein Herz, und dort
Siegprang' auf seinem Klopfen! –
CLEOPATRA.
Herr der Herrn! –
O unbegrenzter Mut! Kommst du so lächelnd
Und frei vom großen Netz der Welt?
ANTONIUS.
O Nachtigall,
Wir schlugen sie zu Bett! Ha, Kind! Ob Grau
Sich etwas mengt ins junge Braun, doch blieb uns
Ein Hirn, das unsre Nerven nährt, den Preis
Und Kampf der Jugend abgewinnt. Schau diesen,
Reich' seinen Lippen deine Götterhand:
Küss' sie, mein Krieger: der hat heut gefochten,
Als ob ein Gott, dem Menschenvolk verderblich,
In der Gestalt es würgte.
CLEOPATRA.
Du bekommst
'ne Rüstung ganz von Gold: ein König trug sie!
ANTONIUS.
Er hat's verdient: wär' sie auch voll Karfunkeln,[767]
Wie Phöbus' heil'ger Wagen. – Deine Hand!
Durch Alexandrien in freud'gem Marsch
Tragt den zerhackten Schild, wie's Helden ziemt:
Hätt' unser großer Burghof Raum genug
Für dieses Heer, wir zechten dort zu Nacht
Und tränken auf des nächsten Tages Glück
Und königliche Todsgefahr. Drommeten,
Betäubt mit erznem Schall das Ohr der Stadt,
Mischt euch mit unsrer Trommeln Wirbelschlag,
Daß Erd' und Himmelsschall zusammen dröhnen,
Und unsre Ankunft grüßen!
Gehn ab.
|
Ausgewählte Ausgaben von
Antonius und Cleopatra
|
Buchempfehlung
Diese Blätter, welche ich unter den geheimen Papieren meiner Frau, Jukunde Haller, gefunden habe, lege ich der Welt vor Augen; nichts davon als die Ueberschriften der Kapitel ist mein Werk, das übrige alles ist aus der Feder meiner Schwiegermutter, der Himmel tröste sie, geflossen. – Wozu doch den Weibern die Kunst zu schreiben nutzen mag? Ihre Thorheiten und die Fehler ihrer Männer zu verewigen? – Ich bedaure meinen seligen Schwiegervater, er mag in guten Händen gewesen seyn! – Mir möchte meine Jukunde mit solchen Dingen kommen. Ein jeder nehme sich das Beste aus diesem Geschreibsel, so wie auch ich gethan habe.
270 Seiten, 13.80 Euro
Buchempfehlung
Zwischen 1765 und 1785 geht ein Ruck durch die deutsche Literatur. Sehr junge Autoren lehnen sich auf gegen den belehrenden Charakter der - die damalige Geisteskultur beherrschenden - Aufklärung. Mit Fantasie und Gemütskraft stürmen und drängen sie gegen die Moralvorstellungen des Feudalsystems, setzen Gefühl vor Verstand und fordern die Selbstständigkeit des Originalgenies. Michael Holzinger hat sechs eindrucksvolle Erzählungen von wütenden, jungen Männern des 18. Jahrhunderts ausgewählt.
468 Seiten, 19.80 Euro