Siebenundzwanzigstes Kapitel

[245] Es war später Abend geworden, für Albrecht nach dem fürchterlichsten der Tage.

Als er gestern nach Hause kam, ein in seinem stolzen Selbstgefühl für immer gebrochener Mann, war geschehen, was er erwartet: der Direktor hatte geschickt: er müsse unbedingt in der Konferenz erscheinen. Die ratlose Klara hatte bei allen Bekannten herumfragen lassen: niemand hatte ihr Auskunft geben können; es gab keine andre Erklärung, als die entsetzliche, daß ihm ein Unglück zugestoßen sei.

Es war ihm eines zugestoßen; sie sah es dann aus der tiefen Verstörung seiner bleichen Miene, nur daß er trotz ihres flehentlichen Bittens nicht sagen wollte, welches. Er werde ihr später alles erklären; für jetzt möge sie ihm nur die eine Liebe thun und ihn in Ruhe lassen. Gehorsam, wortlos, thränenlos war sie zu den Kindern gegangen, in der Thür noch einmal die schreckenstarren Augen mit stummer Frage und Klage auf ihn wendend.

Und heute morgen hatte er sie wieder auf später vertrösten müssen. Dann hatte sie nicht mehr gefragt, nicht mehr geklagt. Setzte sie doch ein unbedingtes Vertrauen[245] in seine Redlichkeit, seine Ehrenhaftigkeit! Auch nicht der leiseste Schatten des Verdachtes, daß hier eine Frau im Spiel sein müsse, stieg in ihrer reinen Seele auf. Zweifellos hatte Albrecht mit dem Direktor, der ihm auch sonst wenig gewogen war, einen bösen Streit gehabt; und seine Stellung an der Schule war in Gefahr, vielleicht verloren, wenn auch zweifellos das Recht auf seiner Seite stand. Er würde seine gute Sache mannhaft durchfechten, dessen war sie gewiß; und wenn für den Augenblick das Amtsgeheimnis ihm die Zunge band, so mußte sie sich in Geduld fassen, durfte ihm die Ruhe und Sammlung, die er sicher jetzt hochnötig brauchte, nicht nach Weiberart durch Ein- und Dreinreden stören und rauben.

Ihre Vermutung wurde zur Gewißheit, als im Laufe des Vormittags der Schuldiener »ein amtliches Schreiben von dem Herrn Direktor« brachte, und kurz darauf ein sehr eleganter Herr, wie Auguste sagte, seine Karte hereinschickte – ein Herr Rat, sagte Auguste, mit einem »von« vor dem Namen – jedenfalls ein Beamter aus dem Kultusministerium, der mit Albrecht die Sache besprechen sollte, in dem für Albrecht günstigsten Sinne natürlich. Der Herr Direktor mochte sich vorsehen! Albrecht hatte da oben hohe Gönner, die mit einem Herrn Gymnasialdirektor nicht viel Federlesens machten! Das waren gewiß keine leeren Worte gewesen, die der Herr Minister neulich abends zu Albrecht gesprochen hatte: er hoffe bald Gelegenheit zu haben, ihm seine Dankbarkeit für den gehabten Genuß durch die That zu beweisen! Hier war nun die Gelegenheit! Der Herr Direktor würde sich wundern![246]

Der Herr aus dem Kultusministerium war nur kurze Zeit geblieben; aber die Unterredung mußte von der größten Wichtigkeit gewesen sein: er und Albrecht hatten so leise gesprochen; kaum ein Laut, geschweige denn ein verständliches Wort war durch die Thür, die doch schlecht genug schloß, aus seinem Arbeitszimmer in das Berliner Zimmer gedrungen!

Dann war Albrecht ausgegangen, um nach einer Stunde wiederzukommen. Abermals nach einer Stunde hatte sich sein Freund, Doktor Rodeck von der Universität, melden lassen zu einer Besprechung, die sehr lange währte, und bei der er ebenso geheimnisvoll zuging, wie bei der mit dem Herrn vom Kultus. Diesmal handelte es sich fraglos um die Berufung Albrechts zum Universitätslehrer. Es war nur noch nicht entschieden, ob außerordentlicher, oder ordentlicher. Wenn Albrecht sich nur nicht zu billig verkaufte! Er war in solchen Fällen so lächerlich bescheiden! hatte gar keine Ahnung davon, wie weit er die andern Leute überragte! Hätte sie doch nur bei den Verhandlungen zugegen sein dürfen! Galt es für Albrecht zu sprechen, hatte es ihr im Leben noch nicht an den rechten Worten gefehlt! Aber das ging doch nun nicht. Und Albrecht würde, wenn nicht an sich, doch an Frau und Kinder denken und seine Bedingungen nicht zu niedrig stellen. So ein kluger, klarer Kopf, sobald er sich einmal die Mühe gab, etwas ordentlich zu überlegen! Dann traf er ja immer das Richtige!

Das alles stimmte Klara so heiter, wie sie sich seit langer Zeit, sie meinte, nie gefühlt. Sie mußte beinahe lachen, wenn sie an ihre Angst gestern abend dachte und an die gewiß ganz verrückte Miene, mit[247] der sie ihren armen geplagten Albrecht empfangen hatte.

Natürlich kam Doktor Rodeck noch einmal: irgend ein wichtiger Punkt war vergessen worden. Ja, verehrter Herr Doktor, unter dem Ordentlichen thun wir es nicht! Und da beißt kein Mäuslein ein Fädlein ab!

Auguste traute ihren Ohren nicht, als sie Frau Professor in der Kinderstube lachen und tollen und zuletzt gar singen hörte. Sie war nun schon fünf Jahre bei Professors. Das war ihr noch nicht passiert.

Über all dem Kommen und Gehen war es drei Stunden später als sonst mit dem Mittagstisch geworden. Das hätte unter normalen Umständen Klaras Geduld auf eine harte Probe gestellt. Heute fand sie es ganz in der Ordnung. Helenchen, die jetzt wieder ganz munter auf den kleinen Füßen durch alle Zimmer lief, und Fritzchen hatten vorher essen müssen; aber der Papa verlangte nach ihnen, und so durften sie mit bei Tisch sitzen und bekamen jedes eine halbe Birne und einen Schluck aus Papas Glase. Der arme Papa hatte es sich gestern und heute so sauer werden lassen; da mußte eine von den sechs Flaschen, die sie für die nächste Gesellschaft in der Speiseklammer verwahrt hielt, »springen«. Und die Kinder waren glücklich, und sie war glückselig; und Albrecht, obgleich er von all den Anstrengungen und Aufregungen noch ein wenig bleich aussah, war so freundlich, so liebevoll zu ihr und den Kindern, erzählte nach Tisch den Kleinen so reizende Geschichtchen, die er sich immer selbst ausdachte; sprach mit ihr so herzlich – obgleich von der großen Angelegenheit natürlich nicht die Rede war. Und als es spät geworden und er sagte, er[248] sei zwar rechtschaffen müde, aber das helfe nun nicht: er müsse noch drei oder vier wichtige Briefe schreiben und morgen zu einer nochmaligen Besprechung mit Doktor Rodeck sehr früh ausgehen – da sagte sie nichts, als: dann gute Nacht, Du liebster, bester Mann! Und sie hatte ihn geküßt und er sie, wie sie sich seit den Tagen ihres Brautstandes nicht wieder geküßt.

Nun war er in seinem Zimmer allein. Allein mit dem grauenhaften Bewußtsein seiner Schuld, die er morgen früh mit dem Leben bezahlen sollte. Nicht einen Moment hatte er daran gezweifelt, daß er auf dem Platze bleiben würde. Von Doktor Rodeck wußte er, daß seinem Gegner schon von der Universität der Ruf eines unfehlbar sichern Schützen gefolgt war; er hatte seinem Sekundanten nicht eingestehen mögen, daß er kaum je eine Pistole in der Hand gehabt und ganz gewiß keine abgeschossen hatte. War er doch sogar auf Grund eines Herzfehlers, den die Ärzte herausgefunden haben wollten, vom Militärdienst befreit gewesen! Und heute vormittag, als die Herausforderung kam, hatte er bei sich gesagt: Gott sei Dank! so kommst du doch auf eine honette Art aus einem Leben, in dem du nur in Scham und Schande so weiter vegetieren könntest; jetzt –

Aber jetzt hatte er erst seine Briefe zu schreiben. Die Augen brannten und der Kopf schmerzte und das Herz hing ihm in der Brust wie ein schwerer Stein – geschrieben mußten die Briefe werden.

Zuerst an den Direktor, den er um Verzeihung bat für das Ärgernis, das er ihm gestern gegeben, und dem er morgen ein noch viel schlimmeres folgen lassen müsse. An seine Thür klopfte nun der Tod, den er in seines[249] Sinnes Thorheit selbst heraufbeschworen; und hinter dem Tod würde sich die Schattengestalt der Not hereinschleichen, sein Weib und seine Kinder mit ihrem grauen Gespinst umstrickend. Ihm gewähre es in diesen seinen letzten trüben Stunden einen Trost, zu wissen, daß der Direktor, in welchem er stets den ausgezeichneten Philologen verehrt habe, ein eben solcher Christ sei, eingedenk der Christenpflicht gegen Witwen und Waisen. Sollte, wie er fürchten müsse, die Art seines Scheidens aus dem Leben die Pensionsberechtigung seiner Frau kompromittieren, der Freund der Verlassenen werde es an einer warmen Befürwortung bei den höheren Instanzen nicht fehlen lassen.

Nun ein Brief an den Kultusminister, ihn an sein neuliches Wort bescheiden erinnernd und auf die Gelegenheit, die ihm jetzt geboten werde, sein Wort einzulösen, mit schwermutvollen, tiefernsten Worten deutend.

Nun an den General-Intendanten: dem Lebenden sei das Schicksal seines Trauerspiels, das schon so lange in den Händen der Intendanz ruhe, vorenthalten geblieben. Möchte es ein freundliches sein für sie, denen er nach seinem Tode nichts hinterlasse als etwa den Anspruch auf den bescheidenen Nachruhm, den er sich durch nimmermüdes Mühen um die Gunst der dramatischen Muse erworben zu haben glaube.

An seinen Verleger jetzt, ihm nochmals dankend für das letzthin übersandte reichliche Honorar und unter Bedingungen, die jener selbst stellen möge, den Verlag übertragend der mehrere Bände füllenden Arbeiten in Versen und Prosa, die sich in seinem Nachlasse vorfinden würden.[250]

Auch an den Ministerial-Direktor mußte geschrieben werden, der sich heute brieflich über die nun ausgesprochene Relegation seines Otto bitter beklagt, aber daran den Wunsch geknüpft hatte, daß die leidige Sache, an deren Ausgang Albrecht sicher keine Schuld trage, in den für ihn und seine Familie so erfreulichen angenehmen Beziehungen zu dem geistreichen Hausdichter keinerlei Störung veranlassen werde.

Der gute Mann, von dem er stets nur Liebes erfahren, hatte das Recht, zu verlangen, daß er nicht aus dem Leben ging, ohne Abschied von ihm genommen zu haben.

Es war zwei Uhr, als Albrecht diese Briefe beendet hatte. Sie waren ihm nicht leicht geworden; aber vor dem, der ihm noch zu schreiben blieb, dem letzten, krampfte sich sein Herz in Jammer und Schmerz zusammen, und er betete, ob dieser bitterste Kelch nicht an ihm vorübergehen könne, wissend, daß er ihn werde leeren müssen bis auf die Neige.

Ein langer, langer Brief. Während er ihn, jetzt zögernd, jetzt mit fliegender Feder schrieb, verdunkelten sich wiederholt seine Augen von den hervorbrechenden Thränen und mehr als eine fiel auf das Papier. Seit seinen frühesten Knabenjahren hatte kein körperlicher oder seelischer Schmerz ihm Thränen erpressen können. Dieser schämte er sich nicht. Er hätte sich totweinen mögen, mußte er sich den unendlichen Jammer, das furchtbare Herzeleid ausmalen, das er nun der Guten, Lieben, Braven bereiten sollte für die abgöttische Liebe, mit der sie ihn geliebt hatte. Zu seiner eigenen Verwunderung bedrückte ihn dabei, was andern wohl als das Schrecklichste[251] erschienen wäre: das Bekenntnis seiner Schuld am wenigsten. War er doch überzeugt, sie würde ihm aufs Wort glauben, wenn er ihr schrieb: es war eine von den Thorheiten meiner Phantasie, die Du ja kennst und für die Du immer ein Verständnis gehabt hast, wenn Du Dir auch oft den Anschein des Gegenteils gabst. Du Gute mochtest ahnen, welche Gefahr auf diesem Wege liegt, und es da einen Punkt giebt, über den hinaus die Thorheit zum Verbrechen wird. Aber bei dem, was uns das Teuerste auf Erden ist: bei dem Leben und den Häuptern unsrer Kinder schwöre ich Dir: verbrecherisch, wie das ist, dessen ich mich zeihe, es war doch nur ein Rausch der Phantasie, der meine Sinne kaum gestreift hat. Ich glaubte die Schönheit, nach der meine Seele lechzt, verkörpert zu sehen, bis der Wahn zerstob und ich inne wurde, daß alles, was das scheinbare Götterwerk über alles Irdische hinauszurücken schien, nichts war als der Glanz, mit dem ich selbst es ausgestattet hatte, und wieder einmal ein thörichter Pygmalion vor seiner Galathea kniete. Hunderte von Poeten vor mir sind in denselben Wahn verfallen; hunderte werden es nach mir thun. Die Buße blieb keinem aus, wird keinem ausbleiben. Daß die meine so schwer sein soll – ich habe noch stets die Folgen meiner Schwächen und Irrtümer willig auf mich genommen. Ich würde es mit diesen, so grausam sie sind, und in welchem schreienden Mißverhältnis sie mit meiner Verschuldung stehen, nicht anders halten, wäre es nicht um Dich, mein teures Weib. Ich spreche nicht von den Kindern. Sie werden mich leicht vergessen, unschwer entbehren; und Kinder, die eine Mutter haben, wie sie, können selbst in dieser[252] mitleidslosen Welt nicht untergehen. Aber Du! Du! die Du mich nie vergessen, nie mich entbehren lernen wirst! Und nun den Kampf mit der Welt so weiter kämpfen mußt ohne ihn, um dessen willen Du Dein Kreuz willig auf Dich nahmst; ohne Freude, als die, welche Dir – es ist mein letztes, innigstes Gebet – aus unsern Kindern erblühen möge! Lebe wohl, Du Einzige! Beste! Und zum letztenmal: lebe wohl!

Er hatte den Brief gesiegelt und zu den andern in den Umschlag gethan, der, ebenfalls versiegelt, den Vermerk trug: Nach meinem Tode zu eröffnen.

Nun stand er am Fenster, gegen dessen kalte Scheiben er die fiebernde Stirn drückte. Vier Uhr war schon vorüber; um sieben pünktlich wollte Doktor Rodeck ihn abholen. Der Freund hatte ihn dringend gebeten, sich während der Nacht Ruhe zu gönnen: es komme alles darauf an, daß er sich morgen frisch fühle, ein klares Auge und eine sichere Hand habe. Und er war müde, so müde! Er wollte sich auf das Sofa legen und stand doch immerfort am Fenster, in die Finsternis hineinstarrend, während allerhand Bilder, die er nicht rief und nicht bannen konnte, durch seine Seele zogen. Keine aus den letzten Tagen, die ausgelöscht schienen, als wären sie nie gewesen; alle aus der ferneren, aus der fernsten Vergangenheit. Er war wieder der kleine Knabe, der mit einer langen Weidenrute seine Gänse vor sich her durch die magern Stoppeln trieb, nach Hause, nach dem Dorf da unten, aus dessen Schornsteinen die abendlichen Rauchwolken kerzengrade in die bläuliche Nebelluft stiegen. Oder er saß auf einem Felsblock, der aber ein Thron war, von dem aus er, der Prinz, seine Getreuen musterte,[253] die wie Schafe aussahen, aber tapfere Ritter waren, mit denen er in den Krieg gegen Heiden und Mohren ziehen wollte, welche die schöne Prinzessin in dem stählernen Turm gefangen hielten. – Dann sagte ein Stimmchen: das ist ja alles dummes Zeug. Ich bin keine Prinzessin, und gefangen bin ich auch nicht. Komm herunter! Du wolltest mir schon gestern das Finkennest aus der Buche holen. Die kleinen Vögel sind alle ausgeflogen, und ich habe das Nest so nötig für meine Puppe, die kein Kopfkissen hat. – Wozu braucht sie das? sagte er; sie hat ja keinen Kopf. – Den siehst Du nur nicht, weil Du ein Junge bist, sagte sie; wenn Du ein Mädchen wärst, könntest Du ihn ganz gut sehen. Nun mach', das Du herab kommst, oder ich gehe nach Haus und dann kannst Du lange suchen, ehe Du eine findest, die Deine dummen Geschichten mit anhören will. – Dann lag er im dürren Laube auf dem Rücken und sein Kopf auf ihrem Schoß. Der Kopf that ihm weh, und sie hatte ein blasses, verheultes Gesichtchen und sagte: er sei, als er schon dicht an dem Nest war, auf einen morschen Ast getreten und so hoch heruntergestürzt, und sie habe gemeint, er sei tot. Sie habe eine so gräßliche Angst gehabt; das Blut aus dem großen Loch in der Stirn habe gar nicht stehen wollen, trotzdem sie ihre Schürze in zwei Stücke gerissen und ihm immer eines auf die Wunde gedrückt habe, während das andre da im Bach liege und auskühle.

Er fuhr jäh aus seinen halbwachen Träumen auf. Ganz deutlich hatte er diesmal nicht einen Knaben, sondern einen Mann gesehen, der war er gewesen; und sein Kopf, aus dessen Stirn das Blut in schwarzen Tropfen[254] rann, hatte auf dem Schoße einer Frau gelegen – ihrem Schoße. Und plötzlich hatte sie die Hände über ihm zusammengekrampft und vor sich hinstierend ganz leise und doch mit fürchterliches Deutlichkeit gesagt: er ist tot!

In wilder Verstörung blickte er um sich. Sie war nicht da. Er selbst mußte es gesagt haben. Stand er auf dem Punkte, verrückt zu werden?

Um Gottes Barmherzigkeit nur das nicht! nicht das! Sie würden sagen: er ist es aus Furcht geworden! Die Schmach sollen sie mir nicht anthun dürfen, die hochmütigen Junker. Ich habe mich aus dem Heer der Armen und Elenden in ihre Reihen gedrängt, Gott sei's geklagt! und trage die Strafe für meine Felonie. Damit sei es genug!

Ein wilder Trotz war über ihn gekommen. Er hatte sich auf das Sofa geworfen, die Arme über die Brust verschränkt, eine schwere Falte zwischen den zusammengezogenen Brauen über den geschlossenen Augen.

Abgerissene, wirre Worte kamen gemurmelt über seine Lippen:

Er konnte nicht schlafen – und hatte kein Frau, keine Kinder – das ist ja nichts – Frau und Kinder, da liegt's – und wußte, daß er für die Menschheit starb, für eine große, heilige Idee – wofür sterbe ich? – einen Wahn, eine Seifenblase – und hatte das Paradies vor sich – ich das Nichts – das öde, leere Nichts –

Und kann doch schlafen – schlafen –[255]

Quelle:
Friedrich Spielhagen: Zum Zeitvertreib. Leipzig 1897, S. 245-256.
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