47. An Jünglinge

[95] 1776.


Ihr fröhlichen Jünglinge, höret

Den fröhlichen Jüngling, er lehret

Euch glücklich und weise zu sein.

Heut ist mir im Herzen so helle!

Ich schöpfe die Freud' aus der Quelle,

In altem hungarischen Wein!


Auf! wackre Gesellen, und tränket

Mit Freude die Seelen! Es kränket

Den höllischen Drachen das Glück!

Doch hütet euch, Brüder; er lauschet!

Und wo sich ein Jüngling berauschet,

Da grinzt er mit schielendem Blick!


Oft führt er, bei nächtlichen Fackeln,

Die Reigen der Thoren; sie wackeln

Frohlockend, und träumen nicht Harm.

Er führt sie im Taumel des Tanzes;

Noch duften die Blumen des Kranzes,

Schon hält sie die Ninon im Arm.


Ich warne dich, flatternde Jugend:

Oft grenzet die Freude der Tugend

An giftiger Laster Genuß.

So schleichet im freundlichen Schatten

Der Pappel, auf blühenden Matten,

Die Natter, und sticht dich im Fuß.


Drum merke dir, was ich dich lehre:

Auf daß dich der Feind nicht bethöre,

So suche dir heut noch ein Weib!

Statt länger zu flattern, erwähle

Ein Mädchen mit lieblicher Seele,

Und eben so lieblichem Leib!
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Es halte sich jeder zur Schande,

Zu fliehn die holdseligen Bande,

Womit uns ein Weibchen umschlingt!

Sie führt uns am rosichten Bändchen,

Mit samtnen und kosenden Händchen,

Bis sie in den Himmel uns bringt!


O Wonne, sein Weibchen zu wiegen

In Armen der Liebe, zu liegen

Beim Weibchen in süßem Genuß!

Ich achte, mit neidenden Blicken,

Und schmachtendem Geisterentzücken,

Umschweben die Engel den Kuß.


Ich hätt' euch noch vieles gelehret;

Das Mädchen hier hat mich gestöret,

Sie weckte den Trunknen dort auf.

Wart, Braune! Gleich wirst du ihm büßen!

Er straft dich mit duftenden Küssen,

Und hascht dich im wankenden Lauf.


Quelle:
Deutsche Nationalliteratur, Band 50,2, Stuttgart [o.J.], S. 95-97.
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