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[272] Im Gondelkissen ruht der fremde Kranke,
Sich sonnend in der wundervollen Kläre,
Da stürmt ihn auf ein tödlicher Gedanke:
Und wenn ich wirklich nun gestorben wäre
Und meines Dichtens unglücksel'ger Schatte
Dahingeweht im Hauche dieser Meere,
Dann kämest Du, die ich verloren hatte,
Vielleicht hierher, Venedigs Glanz zu schauen,
Und mit Dir käme ein geliebter Gatte!
Ich sehe schon in Deinem Auge tauen
Der reinsten Seele keuschestes Entzücken,
So wie der Vollmond schwimmt im Dunkelblauen.
Ich seh' Dich gehn mit wundersel'gen Blicken
Durch diese duftgewobenen Arkaden,
Die feenhaft sich ineinander stricken!
Ich seh' Dich trunken dann im Glanze baden,
Wenn der Piazza Feiernächte blinken
Und ganz Venedig schwimmt in Serenaden.
O stolzes Glück, Dein selig Ach zu trinken,
Und Hand in Hand auf einem Meer zu schweben,
Drin Mond und Sterne jubelnd untersinken.
Doch mitten in dem farbenreichsten Leben
Soll sich vor Dir ein längst vergess'ner Name,
Des armen Träumers bleich Gespenst erheben!
Und sprechen soll es mit melod'schem Grame,
Wie ferner Wellen klagendes Getose:
»Laß mich Dein Führer sein, o schöne Dame!
Bis zu des Abgrunds muschelreichem Moose
Kenn' ich Venedig und ich will erschließen
Den tiefsten Kelch Dir dieser Meeresrose.
[273]
Als man mich damals riß von Deinen Füßen,
Da sucht' ich noch dies Ufer zu erreichen,
Um meinen Schmerz erhaben zu genießen!
Hier prangt der Tod mit tausend Siegeszeichen,
Doch ew'ge Schönheit strahlt von seiner Hippe,
Und wölbt sich glorreich über stolzen Leichen!
Es wirft die Kunst um bleichende Gerippe
Ihr Purpurkleid im reinsten Farbentone,
Bis daß sie lächeln, süß wie Deine Lippe! –
Sprich! bin ich nicht ein guter Cicerone?
Wie blüht Venedig! Doch der Hauch der Grüfte
Wogt fast berauschend aus der Blumenkrone.
Durch all' den Jubel goldgestirnter Lüfte.«
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