Zweyter Auftritt

[4] Dessalines, die Vorigen.


DESSALINES noch unter der Thüre.

Laß' mich zufrieden Weib, – ich thu' es nicht.


Zu den Offizieren.


Ihr da, nur ihr allein? ihr zwey allein?

Wo sind die andern? wie? ihr redet nicht,

wo sind die Gäste, die ihr mir geladen?[4]

OPKU.

Sie harren Deines Winks im Vorgemach.

DESSALINES.

Wer hat den Dienst –

OPKU.

Ich!

GOFFIER schnell.

Ich mein General!

DESSALINES zu Opku.

Du bist verwirrt, Du senkst den scheuen Blick.

In's Auge schaue mir – Du sinnst auf Mord.

OPKU.

Wer ist es, der es redlich mit Dir meint,

wenn Deine Treusten Dir verdächtig scheinen?

Wir geben für Dich willig unser Blut.

GOFFIER mit Feuer.

Ja, unser Blut für Dich, mein General!

DESSALINES.

So mag es noch in euern Adern fließen,

bis mir es frommt, daß es vergossen wird.

Wovon habt ihr gesprochen als ich kam?

OPKU.

Von Deinem Ruhm, er schwebt auf jeder Zunge!

GOFFIER.

Bewund'rung fesselt jedes Herz an Dich.

DESSALINES.

Ja, ich bin groß – doch größer muß ich werden

nicht nur ein Heer – ein Volk gehorche mir.

Seht, das sind Frankreichs größte Generale!

Doch sprecht – was sind sie alle gegen mich?

Geschlagen mußten sie die Insel räumen,[5]

Ha – welch ein Einfall! – Lass' die Weißen fragen,

ob sich ein Mahler unter ihnen fände:

er soll den Helden St. Domingos mahlen

und dafür frey in alle Welten ziehn.

OPKU geht ab.

GOFFIER schmeichelnd.

Ein Weißer soll die edlen Züge schauen?

Daß ich nicht mahlen kann, mein General,

ich würde knieend diese Gunst erfleh'n!

DESSALINES.

Was soll dem Schwarzen diese Spielerey?

Er braucht den Arm die Freyheit zu erkämpfen.

GOFFIER.

O schon Dein bloßer Name kämpft für sie.

DESSALINES.

Ja – Du hast Recht, sie flohen eilig fort,

als sie nur meinen Namen nennen hörten.

Die Segel blähten sich, die Winde rissen

sie meiner heißen Rache aus dem Weg

und Cap Français war leer. Doch büssen sollen

die mit den Franken Umgang nur gepflogen,

an einer Tafel sich beym Mahl ergötzt

und auf der Schwarzen Untergang getrunken.

Soll nicht der Feind in ihnen auferstehen,

so müssen alle Weißen untergehen

OPKU kömmt zurück.

Ein einziger ist unter allen Weißen

der sagt, daß er die Mahlerkunst versteh'.

DESSALINES.

So lass' ihn kommen – schnell, ich will ihn sehen.

OPKU ab.[6]

DESSALINES.

Ha, ha, ha, ha! Nun wähnt der sichre Thor,

daß ich ihn gnädig dann mit Dank entlasse

und er noch andre Fratzen nach mir mahle!

Nein Freund! – die letzte Arbeit soll es seyn;

Der Dessalines gemahlt, mahlt keinen mehr;

Verewigt wird Dein Name schon durch mich.


Quelle:
Johanna Franul von Weißenthurn: Neueste Schauspiele. Band 9, Berlin 1821, S. 4-7.
Lizenz:
Kategorien:

Buchempfehlung

Ebner-Eschenbach, Marie von

Unsühnbar

Unsühnbar

Der 1890 erschienene Roman erzählt die Geschichte der Maria Wolfsberg, deren Vater sie nötigt, einen anderen Mann als den, den sie liebt, zu heiraten. Liebe, Schuld und Wahrheit in Wien gegen Ende des 19. Jahrhunderts.

140 Seiten, 7.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Geschichten aus dem Biedermeier III. Neun weitere Erzählungen

Geschichten aus dem Biedermeier III. Neun weitere Erzählungen

Biedermeier - das klingt in heutigen Ohren nach langweiligem Spießertum, nach geschmacklosen rosa Teetässchen in Wohnzimmern, die aussehen wie Puppenstuben und in denen es irgendwie nach »Omma« riecht. Zu Recht. Aber nicht nur. Biedermeier ist auch die Zeit einer zarten Literatur der Flucht ins Idyll, des Rückzuges ins private Glück und der Tugenden. Die Menschen im Europa nach Napoleon hatten die Nase voll von großen neuen Ideen, das aufstrebende Bürgertum forderte und entwickelte eine eigene Kunst und Kultur für sich, die unabhängig von feudaler Großmannssucht bestehen sollte. Für den dritten Band hat Michael Holzinger neun weitere Meistererzählungen aus dem Biedermeier zusammengefasst.

444 Seiten, 19.80 Euro

Ansehen bei Amazon