Zweiter Auftritt

[228] Ferdinand, die Vorigen.


FERDINAND. Was befehlen Sie mein Vater?[228]

BILAU ernst nach einer Pause. Ferdinand, die acht Tage sind verstrichen.

FERDINAND wendet sich weg. Ach –

BILAU. Hast Du mit der Räthin Elmen in Betreff meines Wunsches, Dir jetzt ihre Tochter zu geben, gesprochen?

FERDINAND. Ja –

BILAU. Und ihre Antwort?

FERDINAND. Blieb dieselbe.

BILAU. Keine Hoffnung?

FERDINAND. Ich habe keine.

BILAU. Und ich keine Geduld. Geht herum.

FERDINAND. Vater – Sie kennen mich – Sie wissen, wie heiß, wie zärtlich ich liebe.

BILAU. Du sollst nicht lieben, Du sollst heirathen. Die Liebe ist ein Schuldenmacher, der viel verspricht und wenig hält; die Ehe ist ein solider Mann, auf den man in Geschäften rechnen kann.

FERDINAND. Wie sich für Julien ein Mann findet –

BILAU. So bekömmst Du Rosalien.[229]

FERDINAND. Es ist nicht der Mutter Eigensinn –

BILAU. Weiß, weiß – es ist das Testament ihres Vaters; das Liedchen hast Du mir schon oft gesungen. Die Räthin mußte ihrem sterbenden Manne versprechen, die jüngste Tochter nicht vor der ältern zu vermählen, die sein Augapfel war – nun antworte – ist ein Freier da?

FERDINAND. Nein –

BILAU. Wird einer kommen?

FERDINAND. Das weiß –

BILAU. Das weißt Du nicht, ich nicht, und ich glaube das Mädchen weiß es selbst nicht – wie? Ich zähle mein Leben nur nach Tagen, und Du schiebst die Erfüllung meines liebsten Wunsches Jahre hinaus? Hat unser Erden-Paradi s nur eine Eva? Strahlen nicht aus jedem Busche schwarze Augen, blonde Locken, weisse Hände? – Suche aus! Reich oder arm, nah oder fern, habe ich sie erst in meinen Armen, wird sie in Herz und Haus bald heimisch sein.

FERDINAND entschlossen. Ich kann Rosalie nicht verlassen –

BILAU. Nicht? – Wohlan denn – ich will nicht länger ohne Hausfreuden leben; bekomm' ich keine Schwiegertochter, bekommst du eine Stiefmutter, jetzt wähle.[230]

FERDINAND erschrickt. Vater!

GRUNDMANN leise zu Bilau. Er ist betroffen.

FERDINAND. Habe ich recht gehört?

GRUNDMANN wie oben. Es wirkt, es wirkt –

FERDINAND. Sie könnten – sie wollten –

BILAU wendet sich zu ihm. Selbst eine Frau nehmen! Was hat sich da zu wundern? glaubst Du, mein Alter stünde mir im Wege? – Der Ehemanns- Artikel ist eine seltene Waare geworden, wurde seit zwanzig Jahren anderweitig verbraucht, und ist beinahe ganz vergriffen. Gieb Acht wie geschwinde ich zu einer Frau komme – kaum wird es in der Stadt laut, der alte Bilau will wieder heirathen, so geht es um mich zu, als ob ich frisch aus dem Ofen käme. Kein übler Mann, sagt die eine, wenn er den großen Sohn nicht hätte, sagt die andere, mir wär er lieber als der Sohn, sagt die dritte; ich heirathe ihn gleich sagt die vierte – die, die nehm ich beim Wort, und habe eine Frau.

FERDINAND. Vater!

BILAU. Herr Sohn!

FERDINAND. Es gilt mein Glück, mein Leben.[231]

BILAU. Und meines, wer giebt nach?

FERDINAND. Ich bitte, ich beschwöre Sie.

BILAU geht herum. Bin taub, taub auf beiden Ohren.

FERDINAND. Ich werde verzweifeln –

BILAU. Ich werde heirathen. –

FERDINAND. Nur Aufschub –

BILAU. Nichts da! –

FERDINAND. Vielleicht daß die Räthin –

BILAU. Ich baue auf keine Vielleicht, hier ist mein letztes Wort. Morgen ist mein Geburtstag, es sind Gäste geladen, die halbe Stadt – ich feiere an diesem Tage Deine Hochzeit, oder meine.

FERDINAND will reden.

BILAU läßt ihn nicht zu Worte kommen. Still, still, ich will keine Einwendung hören. Die leeren Zimmer sind mir zuwider, das große Haus ist mir zu öde, es muß mit einem weiblichen Wesen wieder Leben und Freude einziehen. Ich will mein vieles Geld und meine wenigen Jahre genießen, giebst Du mir keine Tochter, bekömmst Du eine Mutter, und damit Punktum. Kehrt ihm den Rücken, und sagt leise zu Grundmann. Ich denke- ich habe es so[232] recht gut gemacht, er glaubts, ja, ja, er glaubts. Jetzt ist's an Ihnen Freund, das Eisen glüht, frisch zu. Ab.


Quelle:
Johanna Franul von Weißenthurn: Neueste Schauspiele. Band 9, Berlin 1821, S. 228-233.
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