10. Als er seine Lisilis auff einer Hochzeit bedienen wolte

[51] 1.

Komm du angenehmer Tag,

Und vergönne daß ich mag

Meiner Lisilis allein

Zu beliebten Diensten seyn.


2.

Ach wie sehnlich ach wie offt

Hab ich längst darauff gehofft,

Biß deß guten Glückes-Rath

Mich damit beseligt hat![51]


3.

Andre konten gar zu fein

Unterweilen lustig seyn,

Wann das Mädgen hier und dar,

Als ein Gast zugegen war.


4.

Aber mir war nichts vergünnt,

Dann ich war ein armes Kind,

Und sah kaum von fernen an,

Was von andern ward gethan.


5.

Nun es ist des Glückes Art,

Daß es manche Freude spart,

Nur damit die Lust darbey

Endlich desto grösser sey.


6.

Jetzo bin ich wohl vergnügt,

Weil mein Wunsch hat obgesiegt,

Und die Hand die mir gefällt,

Meinen Sinn zufrieden stellt.


7.

Alles lacht und lebt in mir,

Und ergetzt sich an der Zier,

Meiner werthen Gönnerin,

Der ich gantz ergeben bin.


8.

Aber wär ich auch gewiß,

Ob die lose Lisilis

Mir deßhalben auch noch mehr

Günstig und gewogen wär?


9.

Zwar ich zweiffle nicht daran,

Weil sies doch nicht lassen kan,

Und sie ist mein Creutz, mein Blut,

Noch der alten Hacke gut.


10.

Ich verlasse mich darauff,

Auff ihr Musicanten auff,

Streichet biß die Quinte reißt,

Und die Nacht uns wandern heist.

Quelle:
Christian Weise: Der grünenden Jugend überflüssige Gedanken, Halle a.d.S. 1914, S. 51-52.
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