6. Ein ander tröstlich Gespräch, zwischen Monsieur Florian und Monsieur Baldrian, wegen der Irene

[148] Florian.


Wann ich mein Leben soll beschreiben,

So sag ich nur, ich bin verliebt.


Baldrian.


Doch soll Irene mein verbleiben,

Die sich in meine Gunst ergibt.


Florian.


Es leugt sich viel, das kan wohl seyn.


Baldrian.


Allzeit trifft mir es besser ein.


2.


Florian.


Wer kan so schöne Minen machen,

Wer kan so appetitlich thun?


Baldrian.


So bald ich morgen werd erwachen

Wil ich in ihren Armen ruhn.


Florian.


Monsieur, er steche sich nicht drein.


Baldrian.


Er wolle doch nicht höhnisch seyn.


3.


Florian.


Ich werde zu den albern Chosen

In Warheit auch nicht sauer sehn.


Baldrian.


So laß ich mir bey meinen Rosen

Auch die Bravade nicht geschehn.


Florian.


Nun so behalt er seinen Preiß.


Baldrian.


Er sage mir, was ich nicht weiß.


4.


Florian.


Mein Scheel, es kommt ein bißgen dürre,

Wer in Gedancken wuchern sol.


Baldrian.


Monsieur, geht er gleich in der Irre,

So gehts doch einem andern wohl.


Florian.


Die jüngste Post hält nichts davon.


Baldrian.


Ach geht ihr armer Coridon.


5.


Florian.


Er fällt warhafftig von der Hütsche,[148]

Wo er das Mädgen mehr begehrt.


Baldrian.


Mein Freund, er koste nur die Tütsche,

Er ist des Fleisches doch nicht werth.


Florian.


Nein, grossen Danck, ich thu ihm nichts.


Baldrian.


Wann ers begehret, so geschichts.


6.


Florian.


Ist mancher nicht in seinem Sinne

So ein perfecter Courtisan,


Baldrian.


Ja wohl und mancher wird nicht inne

Daß er nicht courtoisiren kan.


Florian.


Du Abgott der Zufriedenheit!


Baldrian.


Du Wunderwerck der Höfflichkeit.


7.


Florian.


Es ist mir endlich unverboten,

Wo ich in Franckreich reisen will.


Baldrian.


Er zieh auffs Dorff und hüte Schoten,

Die Stadt-Lust ist vor ihn zu viel.


Florian.


Ey nicht doch, meynt er dann also.


Baldrian.


Er geh, und frag auch anderswo.


8.


Florian.


Monsieur, will er mir nicht verkauffen

Vor einen Dreyer Höfflichkeit?


Baldrian.


Nein er ist auß der Schul entlauffen;

Nun ists zu langsam an der Zeit.


Florian.


Jedennoch langsam nährt sich auch.


Baldrian.


Bey uns ist gar ein ander Brauch.


9.


Florian.


Ich hab es gleichwohl vorgenommen,

Mein Feuer scheut noch keinen Frost.


Baldrian.


Er sol sie gar gewiß bekommen,

Schiers künfftig auff den neuen Most.


Florian.


Mit ihm hats warlich keine Noth.


Baldrian.


Und seine Krebse sind nicht roth.


10.


Florian.


Mich deucht, ich sehe seinen Nahmen

Im Buche der Verschonung stehn.


Baldrian.


Und ich seh ihn mit Würmer-Samen

Fast allezeit zum Marckte gehn.


Florian.


Er tragt ein trefflich Schieferdach.


[149] Baldrian.


Das sagt mir wohl einander nach.


11.


Irene.


Holla, was soll der Sturm bedeuten,

Halt mit dergleichen Händeln ein,

Und lasst ihr euch den Hencker reiten,

So soll diß euer Losung seyn:

Wer bey der Liebsten Händel sucht,

Der jagt sich selbsten in die Flucht.

Quelle:
Christian Weise: Der grünenden Jugend überflüssige Gedanken, Halle a.d.S. 1914, S. 148-150.
Lizenz:
Kategorien:

Buchempfehlung

Anonym

Die Geheimlehre des Veda. Ausgewählte Texte der Upanishaden. Indische Philosophie Band 5

Die Geheimlehre des Veda. Ausgewählte Texte der Upanishaden. Indische Philosophie Band 5

Die ältesten Texte der indischen Literatur aus dem zweiten bis siebten vorchristlichen Jahrhundert erregten großes Aufsehen als sie 1879 von Paul Deussen ins Deutsche übersetzt erschienen.

158 Seiten, 7.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Geschichten aus dem Biedermeier II. Sieben Erzählungen

Geschichten aus dem Biedermeier II. Sieben Erzählungen

Biedermeier - das klingt in heutigen Ohren nach langweiligem Spießertum, nach geschmacklosen rosa Teetässchen in Wohnzimmern, die aussehen wie Puppenstuben und in denen es irgendwie nach »Omma« riecht. Zu Recht. Aber nicht nur. Biedermeier ist auch die Zeit einer zarten Literatur der Flucht ins Idyll, des Rückzuges ins private Glück und der Tugenden. Die Menschen im Europa nach Napoleon hatten die Nase voll von großen neuen Ideen, das aufstrebende Bürgertum forderte und entwickelte eine eigene Kunst und Kultur für sich, die unabhängig von feudaler Großmannssucht bestehen sollte. Michael Holzinger hat für den zweiten Band sieben weitere Meistererzählungen ausgewählt.

432 Seiten, 19.80 Euro

Ansehen bei Amazon