22.
Aristipp an Kleonidas.

[154] Schon zwei bis drei Monate, lieber Kleonidas, suche ich eine Gelegenheit dich zu benachrichtigen, daß ich mich zum drittenmal wieder im Schutz der hehren Athene befinde, und durch Vorsorge unsers Freundes Eurybates eine bequeme Wohnung nicht weit vom Pompeion und dem Tempel der Demeter bezogen habe. Ich bin dadurch dem Hafen um so näher, wohin mein unbescholtener Aethiopier tagtäglich zweimal traben muß, um sich zu erkundigen, ob irgend ein Fahrzeug aus euern Gegenden angekommen oder dahin abzugehen begriffen sey. Aber auch jetzt danke ich es bloß dem verwöhnten Gaumen der Athener, denen unser stinkendes Silphi zu einem unentbehrlichen Küchenbedürfniß geworden ist, daß ich endlich[154] eine Gelegenheit aufgetrieben habe, diese Epistel an dich gelangen zu lassen.

Vor allen Dingen, Freund, laß dir sagen, daß die holden Kechenäer sich wieder auf der höchsten Spitze ihres stolzen Selbstgefühls wiegen: denn, um mit Einem Wort alles zu sagen, sie haben wieder Mauern! und zwar noch höhere und festere als die alten, die ihnen Lysander vor zwölf Jahren niederreißen ließ: sie haben wieder neue Mauern, und (worauf sie sich am meisten zu Gute thun) ohne daß es sie einen Heller kostet. Du wunderst dich wie das zuging? Wisse also, daß der schlaue Konon, ihr zweiter Themistokles82 (wie sie ihn zu böser Vorbedeutung nennen), Konon, ein eben so gewandter Staatsmann als braver Seeofficier, seinen berühmten Sieg über die Spartaner bei Knidos durch seinen Gönner den Satrapen Pharnabaz in einen so hohen Anschlag bei dem großen Könige zu bringen gewußt hat, daß dieser eine sehr staatskluge Partei zu nehmen glaubte, wenn er den Athenern wieder zu ihrem ehmaligen Uebergewicht über Sparta, seine zeitherige Feindin, und zum ersten Rang unter den Griechischen Republiken in Europa behülflich wäre. Die Wiederherstellung der Mauern von Athen (eine Kleinigkeit für die unerschöpflichen Schatzkammern des Königs der Könige) war zu dieser Absicht, und also (wie es freilich von Seiten der Perser gemeint war) zum Dienste des Königs unumgänglich. Konon betrieb das Werk mit unsäglichem Eifer; alles was Hände hatte wurde angestellt; von allen Enden Griechenlands strömten die Arbeiter schaarenweise herbei; der König bezahlte mit blanken Dariken, und der Satrap ließ sich den Auftrag[155] geben mit einer ansehnlichen Flotte, wozu die Griechischen Städte in Karien und Ionien Mannschaft und Schiffe lieferten, die Unternehmung zu beschützen.

Mehr brauchte es nicht, um den Attischen Autochthonen – die, so lange ihre von Lysandern erlittne Schmach durch die Offenheit ihrer Stadt und ihres Hafens noch augenscheinlich beurkundet wurde, die Flügel ziemlich demüthig sinken ließen – auf Einmal ihren ganzen Uebermuth wieder zu geben. Kaum erhoben sich ihre neuen Mauern, kaum hatte ihnen Konon mit der Persischen Flotte, deren Anführung ihm der Satrap überlassen hatte, wieder zu ihrer alten Tyrannie über die kleinern Inseln verholfen, so war auch alles Vergangene wieder rein vergessen; so betrachteten sie sich selbst wieder als die Herren der Welt, und den König, ihren Wohlthäter, als ihren bloßen Zahlmeister, der es sich noch zur höchsten Ehre rechnen müsse, der »weltberühmten, schönen, fetten, veilchenbekränzten Athenä« ihren uralten Glanz wiedergegeben zu haben, und dem sie nicht den geringsten Dank schuldig wären, wenn er ihre Mauern auch mit gediegenem Golde hätte überziehen lassen. Aus diesem Tone kann man sie wenigstens an allen öffentlichen Orten täglich blasen hören. Sie bauen nun wieder ein Nephelokokygia über das andere ins Blaue hinein, immer voraussetzend die Schätze des großen Königs würden ihnen ewig zu Gebote stehen, ob sie es schon der Mühe nicht werth halten, sich seines Wohlwollens durch eine dauerhafte Verbindung seines Interesse mit dem ihrigen zu versichern. Was die Folgen dieses demokratischen Stolzes und der falschen Maßregeln, wozu er sie verleiten wird, seyn müssen, läßt sich,[156] ohne daß man ein Tiresias zu seyn braucht, leicht voraussehen. Aber die kurzsinnige Attische Aufgeblasenheit sieht nichts voraus, wird durch keine Erfahrung klüger, und begeht alle ihre großen und kleinen Thorheiten immer als ob es das erstemal wäre. – Doch, kein Wort weiter von Athenischen Staatsverhältnissen und demokratischen Albernheiten! Weiß ich denn nicht, wie widerlich und langweilig dir, mit Recht, diese Dinge sind? Auch soll es das letztemal seyn, daß ich dich damit behellige! – Ein anderes wär' es, wenn ich dir von Zeit zu Zeit eine Aristophanische Komödie im Geschmack der Acharner, der Ritter und der Vögel mitzutheilen hätte, die dir ohne einen kleinen Commentar nicht immer verständlich wären. Aber solche Früchte bringt der Attische Boden nicht mehr hervor. Die Wiederherstellung der Demokratie hat zwar das Gesetz gegen den Mißbrauch der ungezügelten Freiheit der alten Komödie83 ziemlich unkräftig gemacht: aber Zeit und Umstände scheinen unvermerkt auch auf diesen Zweig der öffentlichen Unterhaltung zu wirken, und ich betrachte die Komödie, wie ich sie seit meiner Zurückkunft finde, als den Uebergang zu einer künftigen neuen Gattung, deren regelmäßigere und elegantere Form eine natürliche Folge der, in umgekehrtem Verhältniß mit der Abnahme der demokratischen Ungezogenheit, immer steigenden Verfeinerung des Geschmacks und der Sitten seyn wird. Indessen läßt gleichwohl die leichtfertige Muse des Dichters der Wolken weder ihrer unnachahmlichen Genialität noch ihrem gewohnten Muthwillen so enge Schranken setzen, daß sie sich nicht noch immer bald einzelne Hiebe mit derselben Geißel, die vor dreißig Jahren[157] einen Kleon bis auf die Knochen zerfleischte, bald Züge von eben demselben neckenden Spott, womit sie einst einen Lamachus, Euripides, Nicias, Alcibiades, ja den unsträflichen Sokrates selbst verfolgte, und bei jeder Gelegenheit die bittersten Sarkasmen über das Volk und die Regierung von Athen erlauben sollte. Sein neuestes Stück, der Weibersenat84 betitelt (welches ich für dich abschreiben lasse), enthält ziemlich starke Beweise hiervon, ist aber dabei so ekelhaft schmutzig, daß ich, wiewohl es von feinerem Witz und trefflichen Einfällen strotzt, mir doch kaum getraue es dir vor die Augen zu bringen.

Eine meiner ersten Angelegenheiten, nachdem ich von meiner neuen Wohnung Besitz genommen hatte, war, die alte Bekanntschaft (Freundschaft kann ich sie ehrlicher Weise nicht wohl nennen) mit den Attischen Sokratikern zu erneuern. Der gute Kriton war seinem geliebten Freunde schon vor einigen Jahren in das unbekannte Land nachgezogen, wovon Plato in seinem Phädon so viel Wunderbares zu berichten hat. Stilpon lebt zu Megara, Cebes und Simmias sind nach Theben zurückgekehrt, und streuen dort guten Sokratischen Samen aus. Unter den Anwesenden wurde ich von dem wackern Gerber Simon, von Kritobulus (der unserm Meister durch sein Leben als Hausvater und Bürger Ehre macht) und von Aeschines, des Lysanias Sohn, am freundlichsten empfangen; von Plato kalt und vornehm, von Antisthenes (der mit den Jahren nicht milder geworden ist) ein wenig – cynisch. Es war als ob er mich erst von allen Seiten beschnuppern müßte, bevor er mich erkannte und einige Freude über unser Widersehen[158] äußerte; welches letztere übrigens all bejahrten Leute zu thun pflegen, wenn ihnen ein jüngerer Bekannter nach langer Zeit wieder zu Gesichte kommt. Im Grund ist es nicht so wohl das Vergnügen über unser Daseyn, als die Freude darüber daß sie selbst noch da sind, was sie uns dadurch zu erkennen geben.


Ich fange an sehr lebhaft zu fühlen, daß uns beim Eintritt in die männlichen Jahre, eine bestimmtere Art von Beschäftigung immer unentbehrlicher wird. Ohne gerad' eine förmliche Schule zu eröffnen und ein Aristophanisches Phrontisterion aus meinem Hause zu machen, bin ich entschlossen, nach dem Beispiel des Sokrates und in seiner Manier (sofern ich sie ohne Anmaßung und Nachäfferei zur meinigen machen kann) einen Theil meiner Zeit einigen fähigen Jünglingen, die sich zu mir halten wollen, zu widmen. Zu diesem Ende ist ein gegen den Garten offener Säulengang meines Hauses täglich etliche Stunden einem jeden geöffnet, der sich darin ergehen und an der kleinen Gesellschaft, die sich da zusammen zu finden pflegt, als Mitsprecher oder als bloßer Zuhörer Antheil nehmen will. Diese Galerie ist mit auserlesenen Gemälden geziert, und unter einigen Stücken von Polygnotus, Zeuxis, Pausias, Parrhasius und Timanthes, glänzen die trefflichen Copeien von deinem Tod des Sokrates und dem Ende des unglücklichen Kleombrotus so sehr hervor, daß sie gewöhnlich die Augen der hierher Kommenden zuerst auf sich ziehen und am längsten festhalten. Mitunter fallen auch ziemlich komische Dialogen vor, wie z.B. der folgende,[159] den ich dir, weil er mir noch ganz frisch im Gedächtniß liegt, zur Kurzweil mittheilen will.

Ein edler junger Athener trat mit einem zierlich gekleideten fremden Jüngling Arm in Arm in die Galerie. Sie eilten mit flüchtigen Blicken von einem Bilde zum andern, und blieben endlich vor dem Tode des Sokrates stehen.

Kein unfeines Stück, sagte der Athener mit einer kalten Kennermiene.

Der Fremde. Was es wohl vorstellt?

Ich. Vermuthlich sich selbst.

Der Fremde. Wie meinst du das?

Ich. Um mich deutlicher zu erklären, es ist eine Art von Räthsel oder Hieroglyph.

Athener. Das nenn' ich sich deutlich erklären! Es gehört also ein Schlüssel dazu?

Ich. Er steckt im Gemälde.

Der Fremde. Wie kriegt man ihn aber heraus?

Ich. Jeder muß ihn selbst finden; darin liegt ja der Spaß bei allen Räthseln.

Der Athener. Wenn's der Mühe des Suchens werth ist.

Der Fremde. Ich wollte wetten, dieses hier stellt den Tod des Sokrates vor.

Ich. Ich auch; aber wenn du darauf wetten wolltest, warum fragtest du?

Der Fremde. Um meiner Sache gewiß zu seyn. Nun sehe ich wohl, je länger ich's betrachte, daß es nichts anders ist. Ich kenne die meisten dieser Männer von Person; sie sind zum Sprechen getroffen. Den alten Philosophen hab' ich freilich[160] nicht mehr besuchen können, weil er schon lange todt war; aber man erkennt ihn auf den ersten Blick an seiner Silenengestalt, an der aufgestülpten Nase und an dem Giftbecher, den er so eben aus der Hand des Nachrichters empfangen hat.

Ich. Gut für mich, daß der Maler dieses Bildes uns nicht zuhört.

Der Fremde. Wie so, wenn man fragen darf?

Ich. Weil er seine Arbeit in den nächsten Ziegelofen werfen würde, wenn er dich so reden hörte.

Der Fremde. Ich dächte doch nicht daß ich etwas so Unrechtes gesagt hätte. Es verdrießt dich doch nicht, daß ich den Schlüssel zu deinem Räthsel so leicht gefunden habe?

Ich. Als ob man dir so was nicht auf den ersten Blick zutraute?

Der Fremde. Gar zu schmeichelhaft! Ich gebe mich für keinen Oedipus; aber das darf ich sagen, mir ist noch kein Räthsel vorgekommen, das ich nicht errathen hätte.

Ich. Mit Erlaubniß, was bist du für ein Landsmann?

Der Fremde. Ein Abderit, zu dienen.

Ich. So denk' ich wir lassen das Gemälde wo es ist.

Der Fremde. Zum Verbrennen wär' es wirklich zu gut.

Der Athener. Das sollt' ich auch meinen. Wenn es dir über lang oder kurz feil werden sollte, lieber Aristipp, so bitt' ich mir den Vorkauf aus. Es hat ein warmes Colorit, und sollte sich nicht übel in der Galerie ausnehmen, die ich nächstens von meinem alten Oheim, dem General, zu erben[161] hoffe. Und hier mit schlenderten die jungen Gecken wieder fort. Das Lustigste ist, daß der Fremde (der sich Onokradias85 nennt und ein Sohn des Archon von Abdera seyn soll) von dieser Stunde an eine sonderbare Anmuthung zu meiner Person äußert, und mich allenthalben wo es nur immer angehen will, wie mein Schatten begleitet. Du wirst lachen, Kleonidas, aber ich habe wirklich große Lust einen Versuch zu machen, ob ich aus diesem Stück Feigenholz, wo nicht einen Mercur, wenigstens – einen leidlichen Abderiten schnitzeln könne. Der junge Mensch zeichnet sich durch eine ganz eigene Mischung von treuherziger Albernheit und plattem instinctartigen Hausverstand, mit einer Portion gutlauniger Schalkheit und angeborner Arglosigkeit versetzt, so sonderbar zu seinem Vortheil aus, daß ich mich leicht an seine Gesellschaft gewöhnen könnte. Vermuthlich um sich in desto größere Achtung bei mir zu setzen, machte er mich ungefragt mit seiner ganzen Familie bekannt. Sein Vater, zur Zeit erster lebenslänglicher Vorsteher der Republik Abdera, nenne sich (sagte er) Onolaus der Zweite. Mein Großvater, fuhr er fort, der als Nomophylax starb, führte meinen Namen, oder vielmehr ich den seinigen; denn ihm zu Ehren nannten sie mich Onokradias. Mein Aeltervater Onages folgte seinem Vater Onolaus dem Ersten in der Würde eines Stadthauptmanns, und so ging's immer in aufsteigender Linie fort, so daß ich mich im Nothfall rühmen könnte, von einem der ältesten und verdientesten Häuser unsrer Republik abzustammen. – Aber, fragte ich ihn, was kann wohl, wenn diese Frage nicht unbescheiden ist, die Ursache seyn, warum deine[162] Voreltern eine so sonderbare Vorliebe zu dem Wort onos gefaßt haben, daß von dem Aeltervater des Aeltervaters her alle eure Namen mit onos zusammengesetzt sind? Nicht, als ob es euch in meinen Augen nicht zur Ehre gereichen sollte, daß ihr das Vorurtheil verachtet, welches gewissen Namen einen gewissen Einfluß – Ich verstehe, fiel er mir lachend in die Rede: wir könnten wohl mit gutem Fug stolz darauf seyn, daß wir vielleicht die Einzigen sind, die einem ungerechter Weise zurückgesetzten wackern Hausthiere die ihm gebührende Ehre nicht versagen. Wenigstens sehe ich nicht, warum Löwe und Wolf, oder Pferd und Ochs, die sich in so vielen Griechischen Namen hören lassen, hierin ein Vorrecht vor dem Esel haben sollten. Aber das ist denn doch die wahre Ursache dieser sonderbaren Familiensitte unsers Hauses nicht: dieser liegt eine eben so sonderbare Begebenheit zum Grunde. Einer meiner Ahnherren lag an einem Brustgeschwür so krank darnieder, daß die Aerzte versicherten, der Augenblick, da es aufbräche, würde der letzte seines Lebens seyn. In banger Erwartung standen alle seine Kinder und Hausgenossen um ihn her, als der Kranke durch die offne Thür seines Gemachs einen Esel erblickte, der von ungefähr über einen großen Korb voll Feigen gerathen war, und während er mit der gierigsten Freßlust in dieses ihm so ungewohnte Ambrosia hineinarbeitete, sein eselhaftes Wohlbehagen durch die seltsamsten Maulverzerrungen zu erkennen gab. Dieser Anblick kam dem Kranken so possierlich vor, daß er in ein heftiges Gelächter ausbrach, wovon das besagte Geschwür so glücklich zerplatzte, daß seine Brust in wenig[163] Augenblicken wieder frei ward, und es dem Arzte nun ein Leichtes war, den Kranken in kurzer Zeit gänzlich wieder herzustellen. Sofort beschloß mein Anherr im ersten Feuer seiner Dankbarkeit, das Andenken einer so wunderbaren Rettung auch auf eine außerordentliche Art in seiner Familie zu verewigen. Er nahm nicht nur selbst auf der Stelle den Namen Onogelastes an, sondern legte zugleich seinem Sohn und seinem Enkel die Namen Onobulus und Onomemnon bei, und verordnete als ein unverbrüchliches Familiengesetz, daß von nun an zu ewigen Zeiten alle seine Abkömmlinge männlichen Geschlechts keine andern als mit onos zusammengesetzte Namen führen sollten. Ueberdieß machte er auch eine Stiftung, aus welcher, bereits über dreihundert Jahre lang, jährlich an dem Tage des besagten Wunders allen Eseln in ganz Abdera zehn trockne Feigen auf den Kopf gereicht werden; daß also das Gedächtniß dieser Begebenheit sogar die gänzliche Erlöschung unsrer Familie (welche die Götter verhüten wollen!) überleben, und wenigstens so lange dauern wird, als die Stadt Abdera auf ihren Fundamenten stehen bleibt.

Ich weiß nicht, Kleonidas, ob ich dich um Vergebung bitten muß, daß ich dich mit solchen Albernheiten unterhalte; mir ist ein Mensch wie dieser Onokradias in seiner Art eben so merkwürdig, als irgend ein anderer ausgezeichneter Mann in der seinigen. Der Fehler ist nur, daß ich dir den Ton und die Miene des ehrlichen Abderiten nicht unmittelbar darstellen kann. Gewiß, du würdest finden, daß ich nicht so Unrecht habe, diesen würdigen Abkömmling des edeln Onogelastes in mein Herz zu schließen.[164]

Eurybates erinnert sich euer oft und mit vielem Wohlwollen. Die schöne Droso besitzt nicht nur die Gabe glänzende Eroberungen zu machen; sie weiß sich auch in ruhigem Besitz derselben zu erhalten, und unser Freund scheint die leichten goldnen Kettchen, womit sie ihn an sich gefesselt hat, mit sehr guter Art zu tragen. Sie hat ihn mit einem Sohne beschenkt, der ihm an Gestalt und Sinnesart so ähnlich ist, daß er sich (was nicht bei allen Athenern der Fall seyn soll) ohne sich selbst oder andern lächerlich deßwegen vorzukommen, ganz laut zu ihm bekennen darf.

Ich brauche dir nicht zu sagen, wie groß mein Verlangen nach guten Nachrichten von meinen Geliebten in Cyrene ist, und wie sehr ich dir's danken werde, wenn du einen Weg ausfindig machst, wie wir uns oft und sicher schreiben können. Melde mir auch mit zwei Worten, wie das neue Räderwerk eurer Republik geht, und sage meinem guten Bruder viel Freundliches in meinem Namen.

Quelle:
Christoph Martin Wieland: Sämmtliche Werke. Band 23, Leipzig 1839, S. 154-165.
Lizenz:
Kategorien:
Ausgewählte Ausgaben von
Aristipp und einige seiner Zeitgenossen
Aristipp Und Einige Seiner Zeitgenossen (3)
Sammtliche Werke (34 ); Aristipp Und Einige Seiner Zeitgenossen Bd. 2
Aristipp und einige seiner Zeitgenossen
Werke in zwölf Bänden: Band 4: Aristipp und einige seiner Zeitgenossen
Werke in zwölf Bänden: Band 4: Aristipp und einige seiner Zeitgenossen

Buchempfehlung

Gryphius, Andreas

Leo Armenius

Leo Armenius

Am Heiligen Abend des Jahres 820 führt eine Verschwörung am Hofe zu Konstantinopel zur Ermordung Kaiser Leos des Armeniers. Gryphius schildert in seinem dramatischen Erstling wie Michael Balbus, einst Vertrauter Leos, sich auf den Kaiserthron erhebt.

98 Seiten, 5.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Große Erzählungen der Frühromantik

Große Erzählungen der Frühromantik

1799 schreibt Novalis seinen Heinrich von Ofterdingen und schafft mit der blauen Blume, nach der der Jüngling sich sehnt, das Symbol einer der wirkungsmächtigsten Epochen unseres Kulturkreises. Ricarda Huch wird dazu viel später bemerken: »Die blaue Blume ist aber das, was jeder sucht, ohne es selbst zu wissen, nenne man es nun Gott, Ewigkeit oder Liebe.« Diese und fünf weitere große Erzählungen der Frühromantik hat Michael Holzinger für diese Leseausgabe ausgewählt.

396 Seiten, 19.80 Euro

Ansehen bei Amazon