Anmerkungen zum zweiten Band.
1. Brief.

1 Hauptstadt von Lydien in Kleinasien.


2 (Unbezwingbare) Ketten (II.) sind nicht diamantene, sondern stählerne Ketten. Der Diamant war zu Aristipps Zeiten den Griechen noch unbekannt, und erhielt erst viel später, seiner Härte wegen, den Namen adamas. W.


3 Das gemeine oder kleinere Attische Talent enthielt 60 Minen oder 6000 Drachmen, und ist also ungefähr 1000 Conventionsthalern unsers Geldes gleich. W.


4 S. Anm. z. Bd. 22, Br. 25.


3. Brief.

5 Persische Benennung einer Art von wohlthätigen Genien und Feen. W.


6 Die Griechen.


7 Abkömmlinge des Achämenes. So nennen die Griechischen Geschichtschreiber eine Dynastie der Könige von Persien, deren Stifter Achämenes (nach Phreret) ungefähr 800 Jahre vor unsrer gemeinen Zeitrechnung gelebt haben soll. Seine Abkömmlinge theilten sich in zwei Linien, wovon die ältere von Achämenes bis auf Kambyses, den Sohn des großen Cyrus, dauerte, und die jüngere, von Darius Hystaspes Sohn angefangene, mit Darius Kodoman ein Ende nahm. Arasambes wird also (als ein vorausgesetzter Sohn einer Schwester des Darius Nothus) von Lais scherzweise (II. 29.) ein Achämenide genennt. W.


[327] 8 S. Anm. z. Bd. 22. Br. 4.


9 Die Dinge über uns, die Luft- und Himmels-Erscheinungen. Das Komische dieser ganzen Stelle liegt in Anspielungen auf Aristophanische Komödien. Die zwei letzten erklären die Anmerkungen zum 69sten Briefe; bei dieser ersten mus man sich der Scene aus den Wolken erinnern, wo Strepsiades zu dem Hause des Sokrates kommt, und dieser in einem aufgehangenen Korbe erscheint. Von jenem angerufen, sagt er:


Was hast du mir zu rufen, Erdensohn?


Strepsiades.


Vor allem sage mir, ich bitte dich,

Was machst du denn da oben?


Sokrates.


Ich wandle in der Luft,

Und übersehe hier die Sonne.


Strepsiades.


Vermuthlich,

Weil du aus deinem Korbe über die Götter wegsiehst,

Und das hier unten nicht so angeht? Oder –


Sokrates.


Wahr ist's, ich kann die Dinge über uns

Nicht recht erfassen, wofern ich meinen Geist

Nicht exaltire, bis der Gedanke so verfeinert

Und verdünnet ist, daß er gleichartig mit

Der Luft sich mischt. Sobald ich von unten auf

Die Dinge über uns erspähen will,

Erkenn' ich nichts. Es ist nun einmal so;

Die Erde zieht den feinen Duft des Gedankens

Zu mächtig in sich ein.


5. Brief.


10 Eine den bösen Feen in den Mährchen der Dame d'Aulnoy ähnliche Göttin, die nicht leiden konnte, wenn es einem[328] Menschen gar zu wohl ging. Hesiodus macht sie zu einer Tochter der Nacht, Homer aber zu einer Tochter Jupiters, in der sonderbaren Stelle des 19ten Gesangs der Ilias, wo Agamemnon die Schuld seiner dem Sohne der Thetis zugefügten Beleidigung auf die Ate schiebt, und, bei dieser Gelegenheit ihre ganze Legende (wie er sie vermuthlich ehemals von seiner Amme erzählen gehört hatte) den versammelten Fürsten der Griechen vorträgt. W.


6. Brief.

11 Beschreibung des Feldzugs des jüngeren Kyros gegen seinen Bruder Artaxerxes Mnemon. Dieser Feldzug, dem Xenophon als Feldherr der Griechischen Hülfstruppen beiwohnte, und wobei er seinen berühmten Rückzug machte, wird ein Hinaufzug (Anabasis) genannt, weil der Zug nach Oberasien aufwärts ging. – Von dem, was Xenophon dabei that, wird er auch der Rückzug der Zehntausend (Griechischen Hülfstruppen nämlich) genannt. Ich erinnere hiebei an Halbkarts Uebersetzung. Mit dem von Wieland hier und im folgenden Briefe gefällten Urtheil darüber ist zu vergleichen Creuzers Abhandlung de Xenophonte Historico Leipz. 1799.


12 Bibliokapelen hießen um diese Zeit, da der Autoren und der Bücher immer mehr wurden, Leute, welche Profession davon machten, von alten und neuen Büchern immer eine Anzahl schön geschriebener Exemplarien zum Verkauf bereit zu halten, und vermuthlich auch die öffentlichen Märkte mit dieser Waare bezogen, nach welcher, so wie die Literatur bei den Griechen immer mehr Zuwachs und Ausbreitung bekam, auch die Nachfrage immer stärker wurde. W.


13 Einer der etwas, wozu gewöhnlich Kunst, Wissenschaft und große Uebung erfordert wird, ohne Vorbereitung, aus dem Stegreif (wie wir zu sagen pflegen) oder auch obne Unterricht, aus bloßem instinctmäßigen innern Antrieb, unternimmt. Sokrates beschuldigt dessen den größten Theil der damaligen Athenischen Feldherren in seiner Unterredung mit dem Sohne des Perikles. (Memorab. III. 5–20)


7. Brief.

14 Herabzug, Rückzug.


15 Jupiter der Sanftmüthige, der Versöhner, Anab. B. 7. K. 8.


[329] 16 Der Anführer. Anab. B. 6. K. 2.


17 Die Kunst und das Geschäft derjenigen Art von Wahrsagern, die nach sorgfältiger Beschauung der Eingeweide eines Opferthiers aus gewissen Beschaffenheiten derselben den glücklichen oder unglücklichen Erfolg eines Unternehmens vorhersagten. W.


18 Abergläubische Dämonenfurcht. W.


19 Ein Fluß in Lydien, welcher, wie der Ganges in Indien, Gold führt.


20 König von Lydien, berühmt seines Reichthums wegen.


21 Der Bettler in Homers Odyssee.


8. Brief.

22 Der Philosoph Leucipp (Leukippos) war der erste unter den Griechen, welcher Arome, untheilbare Körperchen, als Elemente der Welt annahm, und es ist wohl nicht zu bezweifeln, daß die Sonnenstäubchen ihn auf seine Atome gebracht hatten.


23 Eine Pflanze, von welcher die Alten sowohl für die Küche als für die Pharmacie starken Gebrauch machten. Vornehmlich wurde aus dem verdickten Safte des Stengels und der Wurzel eine Art von Gummiharz bereitet, welches unter die beliebtesten Gewürze gerechnet wurde. Die Anhöhen um Cyrene waren mit dieser Pflanze bedeckt, und die aus ihr gewonnene Specerei, von ihnen Sirfi, oder Silfi, von den Römern laser und laserpitium genannt, machte ein beträchtliches Handelsobject der Cyrener aus. Die gemeinste Meinung der Neuern ist, daß sie mit unsrer asa foetida einerlei gewesen sey. W.


24 Diese romantische Insel ist den Lesern der Odyssee hinlänglich bekannt.


25 Der bei den Römern gebräuchliche Ausdruck für Hausfrauen, Hausmütter.


S. 31. Medeenkessel der Phantasie – Wie aus Medea's Zauberkessel das Alte in neuer Jugend hervorging, so zaubert die Phantasie aus der Vergangenheit eine neue reizendere Gegenwart in der – Erinnerung.


[330] 26 Eine ansehnliche Insel an der Südküste Kleinasiens. Die gleichnamige Hauptstadt wurde während des Peloponnesischen Krieges erbaut.


27 Der eilfte Monat im Attischen Kalender, welcher größtentheils unserm Mai entspricht. W.


9. Brief.

28 Früherhin Halbinsel von Akarnanien, nachmals, als man die Landenge durchstochen hatte, Insel, berühmt wegen ihres Vorgebirgs, von dem die Sage ging, daß ein Sprung von ihm das beste Mittel sey, alle Qualen der Liebe zu enden. Dieser berühmte Leukadische Sprung hieß daher auch der Sprung der Liebenden (ἁλμα των ἐρωντων) durch welchen auch Sappho endete.


10. Brief.

29 d.i. eine der größten Seltenheiten, denn ein fabelhafter, nur alle 500 Jahre erscheinender Vogel (Herodot. 2,73) und ein fabelhaftes, von Eubemeros erdichtetes Land (vergl. die Anm. zu der Reise des Priesters Abulfauaris Bd. 29) sind hier zusammengestellt.


11. Brief.

30 Der letzte Assyrische König Sardanapalos war seiner Schwelgerei wegen berüchtigt.


31 Korbträgerin – S. oben Kanephoren. 32 Hygron (το ὑγρον του βλεμματος) Ein gewissen feuchter Glanz des Auges, worin der Blick gleichsam zu schwimmen scheint; Petrons oculorum mobilis petulantia und die oculi udi et tremuli der Photis in Apulejus goldenem Esel bezeichnen ohne Zweifel dieses hygron, welches Anakreon (Od. 28) zu einem Charakter der Augen der Venus macht, und der Bildhauer Praxiteles an seiner Knidischen Venus sogar im Marmor anzudeuten wußte, wenn Lucian (Imagin. o. 6) nicht mehr zu sehen glaubte als er wirklich sah; wiewohl auch dieß schon dem Künstler Ehre machen würde. W.


13. Brief.

[331] 33 Anspielung auf die Aristophanische Erklärung über die Liebe in Platons Gastmahl, wovon oben ausführlicher die Rede war.


15. Brief.

34 Anubis, der Mercur der Aegyptischen Mythologie, mit einem Hundskopfe dargestellt; hier eine scherzhafte Anspielung auf Sokrates, der beim Anubis oder dem Hunde zu schwören pflegte.


35 S. Anm. z. Bd. 22. Br. 13.


36 Insel im Ionischen Meere, des Odysseus Heimath und Ziel seiner Irrfahrten.


37 Das schwarze Meer.


17. Brief.


38 S. Anm. z. Bd. 22. Br. 6.


39 (Venus vulgivaga) – Die gemeine Liebesgöttin, im Gegensatz von Platons himmlischer Aphrodite Urania.


40 Orgien, heißen alle religiösen Feste, besonders die bakchischen, die mit kriegerischem Tanz, lärmender Musik und einer dabei gesetzlichen Art von Raserei begangen wurden, und hievon – von ὀργη Zorn, Leidenschaft, Affect – haben sie den Namen. Oesters werden sie gleichbedeutend mit Mysterien gebraucht.


41 Speusippos, von Athen, war seines Oheims Nachfolger als Lehrer der Philosophie in der Akademie, von dem ersten Jahre der 108ten bis zum zweiten der 110ten Olympiade. Kränklichkeit halter gab er erst das Lehren, und dann auch das Leben freiwillig[332] auf. In der Hauptsache blieb er zwar seines Oheims Lehre treu, wich jedoch in einzelnen Punkten von ihm ab.


42 Dieser ist kein anderer als der des in seiner Art vollkommen Zweckmäßigen. Man hat hiebei besonders zu berücksichtigen Buch 3. Kap. 8. der Sokratischen Denkwürdigkeiten.


43 Der wilde Esel.


44 (die Schamlosigkeit) – Eine Göttin oder weiblicher Dämon, der die Athener, auf Anrathen des Epimenides einen Tempel erbauten. (Cicero de Legg. II. 11.) W.


45 Einführer in die Mysterien.


46 S. die Anm. zu Agathodämon 5. Buch, 4. Abschnitt. Bd. 18.


47 Uebermuth, übermächtige Gewaltthätigkeit.


48 Mitleid und Scham.


49 Aus Mantinea in Arkadien gebürtig, wird als Schülerin Platons aufgeführt, die nachher auch selbst Unterricht ertheilte, so wie Axiothea von Phlius. Sie wird auch eine Schülerin des Speusippos genannt, und Wieland hat unstreitig zu der Schilderung seines Verhältnisses mit ihr folgende Punkte zusammengenommen, 1) daß Speusippos als verliebt geschildert, 2) daß von Athenäus Lasthenia eine Hetäre genannt, und 3) daß Speusippos in einem Briefe des Tyrannen Dionysius mit seiner Liebe zu ihr aufgezogen wird.


50 Platons Lehre wird mit den Mysterien verglichen in denen den Geweihten gewisse Lehren unter der Verpflichtung zur heiligsten Verschwiegenheit mitgetheilt wurden, und worin auch gewisse Namen vorkamen, welche man durch das Aussprechen außerhalb des Heiligthums entweiht haben würde.


51 Theseiden, werden von den Dichtern (und in diesen Briefen scherzweise) die Athener nach ihrem zweiten Stifter, Theseus, genannt. W.


52 Der gemeinen Meinung nach eine Art von sehr kleinen Sardellen, die in großer Menge an der Attischen Küste gesangen wurden, und zu den gewöhnlichsten Nahrungsmitteln der ärmern Volksclasse in Athen gehörten. Weil sie sehr klein und zart waren, sagte man im Sprüchwort: die Aphyen brauchen das Feuer nur zu sehen, um gekocht zu seyn. W.


18. Brief.

[333] 53 Indem Aristipp hier zwei, aus der Geschichte der Griechischen Musik bekannte, Tonarten nennt, spielt er zugleich auf der Lais frühere und spätere Lebensweise an. Die dorische ist ihre frühere, der den Peloponnes bewohnten Dorier, die lydische die, woran sie sich zu Sardes in Lydien gewöhnt hatte.


54 (Luftwandler) – Ein Uebername, welchen Aristophanes in seinen Wolken denjenigen anhängt, die sich ihrer spitzfindigen windigen Grübeleien wegen für weiser als andere dünken. Daß es nach einem Paar Jahrtausenden Aërobaten im eigentlichen Wortverstande geben würde, ließ sich damals niemand träumen. W.


55 Regel, Musterbild. Eine gewisse Bildsäule Polyklets wurde als Muster der richtigsten und in der schönsten Eurhythmie und Harmonie stehenden Verhältnisse aller Theile des menschlichen Körpers von den Bildhauern der Kanon genannt. W.


56 Mit dieser Stelle, worin wenigstens der Absicht Platons nicht Gerechtigkeit widerfährt, vergleiche man was in den Anm. zu den Briefen von Verstorbenen Br. 4. Bd. 2 6. als Vorbereitung zu späterem gesagt ist. Aristipp bat hier, so wie Platon – halb Recht. Platon wird man so lange Unrecht thun, bis man eingesehen bat, daß er nach dem ästhetischen Ideal hinstrebte, ohne den Weg dahin finden zu können, was ihm kein Billiger, der es weiß, was die Philosophie damals alles noch erst zu suchen hatte, und zum Theil noch jetzt nicht gefunden hat, zur Last legen wird.


19. Brief.

57 Eine Gegend nahe bei Athen, mit einem Tempel des Hercules, einem dazu gehörigen Hain, einem Gymnasion u.s.w. Antisthenes, der Stifter der sogenannten Eynischen Secte der Sokratiker, pflegte sich meistens hier aufzuhalten, und erhielt vermuthlich daher seinen Beinamen. W.


58 Pompeion, hieß zu Athen ein öffentliches Gebäude, aus welchem an den großen Festen die Processionen ausgingen, welche[334] einen wesentlichen Theil der Feierlichkeiten, womit sie begangen wurden, ausmachten. W.


59 Eine kleine Stadt in Böotien an der Gränze von Attika. Sie war vornehmlich wegen der Größe, Stärke und Streitbarkeit ihrer zum Kämpfen abgerichteten Hähne berühmt. W.


20. Brief.

60 S. darüber die Briefe über das Thal Tempe (in Thessalien, des eigentlichen Griechenlands nördlicher Gränze) im ersten Bande von Bartholdy's Bruchstücken zur nähern Kenntniß des heutigen Griechenlands, ein Buch, welches in den jetzigen Zeitumständen neues Interesse hat.


61 Ein unzüchtiger Tanz. Aristophanes in den Wolken rühmt sich, daß er seine Komödie nie diesen Tanz habe tanzen lassen, und Theophrast führt in seiner Charakterschilderung des Ehrlosen als einen der stärksten Züge an, daß er fähig sey den Kordax nüchtern und ohne Maske zu tanzen.


62 Wörtlich Weibertollheit, ist ein so unartiges Wort, und bezeichnet etwas so Widerliches, daß man es nur auf Griechisch sagen sollte. W.


63 Sardonisches Lachen, ist so viel als ein lautes übermäßiges Lachen, das man nicht zurückzuhalten vermag. Dieses Beiwort bezieht sich auf ein gewisses giftiges Kraut, Sardonion (auch apiastrum) genannt, welches bei dem, der es gegessen hat, heftige dem Lachen ähnliche Zuckungen erregen soll. W.


64 Ein in Holz arbeitender Bildner. W.


65 Wer den Unterschied dieser Juno von der Homerischen will kennen lernen, der findet genaue Belehrung darüber in Böttigers Kunst-Mythologie S. 85. fgg. Ihr Bild, heißt es, hat eine sehr alterthümliche Gestalt. Man möchte es den Kirchenstyl der Griechischen Vorwelt nennen. Alles geht indeß dabei von der Enthüllung und Verschleierung der Vermählten aus.


66 Der angeführte Preisgesang der Grazien von Pindar ist auf Asopichos gedichtet, der aus Orchomenos in Böotien gebürtig war, wo am Kephissos[335] der älteste Sitz und Dienst der Grazien war, auf die darum Pindar, als auf die heimathlichen Göttinnen des Asopichos, kommt.


67 Ueber die Widersprüche in den Sagen von diesem Philosophen, der erst eben so abergläubig als nachher nicht bloß ungläubig, sondern gotteslästerisch gewesen seyn soll, s. die Literarischen Miscellaneen.


68 Sichtbare Erscheinungen einer Gottheit; ein erst in viel spätern Zeiten in Gebrauch gekommenes Wort, welches, wenn diese Briefe eine Griechische Urschrift hätten, sich sicher nicht darin vorfinden würde; wiewohl eben nicht unmöglich wäre, daß Diagoras es entweder selbst gestempelt oder in den Mysterien gehört haben könnte. W.


69 Wem über alles Folgende an den gehörigen Erläuterungen liegt, die uns hier zu weit führen würden, der lese die Alterthumswissenschaft von Kanngießer und Mosers Auszug aus Ereuzers Symbolik und Mythologie der alten Völker. – Wie es scheint, hat Wieland in der Schilderung jener Zeit den wichtigen Punkt nicht übergehen wollen, wie bei immer tiefer eindringender Philosophie die Volksreligion mehr und mehr in Verfall gerieth, und dazu schien ihm Diagoras der brauchbarste Mann, denn kaum einem andern hätte er diese Lucianische Quintessenz mit größerer Schicklichkeit in den Mund legen können. Er gibt in diesem Briefe gewissermaßen das Vorspiel zu dem, was sich im Peregrinus Proteus und Agathodämon vollendet.


70 Glaube an gute und böse Dämone. W.


71 S. Anm. zu Bd. 22. Br. 9.


72 Ein Beiname Jupiters, insofern der Eidschwur unter seiner besondern Aufsicht und Rüge stand. W.


73 S. Anm. zu Bd. 22. Br. 25.


74 Als die ältesten und ehrwürdigsten dieses Namens in Griechenland.


75 Weil sein Heiligthum ein höchst wichtiges politisches Institut war.


76 Theils weil sich an ihn viele gesetzliche und die Cultur befördernde Einrichtungen knüpften, theils weil man Zeus immer mehr der Idee der reinen Gottheit annäherte.


[336] 77 S. Böttigers Abhandlung Aristophanes impunitus deorum gentilium irrisor. Leipz. 1790.


78 In seinen Anmerkungen zu den Wolken des Aristophanes sagt Wieland: die Melier waren eine alte Colonie der Spartaner, und hatten immer, besonders auch in dem Peloponnesischen Kriege, ihrer vorgeblichen Neutralität ungeachtet, eine warme Anhänglichkeit an Sparta bewiesen. Sie waren daher schon allein aus diesem Grunde zu Athen übel angeschrieben; mehrere fehlgeschlagene Versuche sie zu einer freiwilligen Unterwerfung unter das nicht allzusanfte Joch der Athener zu bewegen, unterhielten den gegen sie gefaßten Groll. – Nach Eroberung ihrer Hauptstadt und Insel ließ daher auch Athen den armen Meliern seine Uebermacht auf die grausamste Weise fühlen. – S. hierüber die Anmerkung zu dem vorigen Bande.


79 S. die Anm. zu Agathodämon 5. Buch, 4. Absch, Bd. 18.


80 Ein mit Reihen von spitzigen und scharfen Eisenstäben besetzter Abgrund, worein man zu Athen zum Tode verurtheilte Verbrecher stürzte.


81 Spitzfindigkeit oder übertriebene Subtilität in unnützen und außerhalb des menschlichen Gesichtskreises liegenden Speculationen. W.


22. Brief.

82 Themistokles, der Retter Athens als Besieger der Persischen Uebermacht, ward erst aus Athen verwiesen, dann abwesend des Hochverrates angeklagt, und fand nur bei dem Persischen König Artiaxerxes Langhand Schutz und Beistand. – Konon, der Wiederhersteller Athens, der den Persern gegen die Spartaner Beistand geleistet hatte, wurde zuletzt den Persern verdächtig und, wie es scheint, von ihnen heimlich hingerichtet.


83 Für die Attische Komödie unterscheidet man bald zwei, bald drei Perioden, die alte, mittlere und neue. Die erste, ein politisch-ksitisches Tribunal, voll Personal-Satyre, blühte und verfiel mit der Demokratie. Als die Staatsgewalt durch Hülfe der siegreichen Spartaner an die Aristokraten gekommen war, mußte der freimüthige politische Tadel verstummen; und weil[337] der durch den Peloponnesischen Krieg gesunkene Wohlstand auch den vorigen Aufwand nicht mehr gestattete, so verlor sich auch der Chor und alle mit ihm verbundene Pracht. Selbst als Konon die Mauern der Stadt und des Hafens hergestellt und die Macht des Staates wieder etwas gehoben hatte, blieb diese Veränderung; Aristophanes brachte einige seiner alteren Stücke ohne Chor auf die Bühne. Da auf diese Weise die ehemalige Hauptsache jetzt Nebensache, was sonst aber Nebensache gewesen, Hauptsache geworden war, so war allerdings eine gänzliche Umbildung nöthig, und es entwickelte sich die Gattung der Komödie, die unserm Lustspiele gleicht und deren Reihen des Aristophanes Plutos eröffnet. Daß über diese neue Gattung nicht alle so günstig urtheilen als hier Aristipp, ist auch aus der neuesten ästhetischen Kritik bekannt.


84 (Ekklesiazusai) – Von Voß im dritten Band seines Aristophanes übersetzt unter dem Titel die Weiberherrschaft. Im dritten Jahre der 96sten Olympiade (393 v. Chr.) siegte Konon bei Knidos und erbaute dann mit Persischem Golde die Mauern Athens wieder. Zu Ende dieser oder zu Anfange der folgenden Olympiade wurden des Aristophanes Ekklesiazusen aufgeführt, in denen auch die Platonische Republik, von welcher im folgenden Bande gehandelt wird, nach Morgensterns sehr wahrscheinlicher Vermuthung parodirt ist.


85 Eselskopf. Alle nachfolgenden Zusammensetzungen sind mit Onos, Esel, gemacht.


23. Brief.

86 Anspielung auf eine Stelle in Pindars dreizehntem Olympischen Siegesgesange.


87 Homerisches Beiwort für Poseidon, Neptun.


88 Mannweib; die letzte Bezeichnung als Anspielung auf die von Aristophanes in Platons Gastmahl vorgetragene Theorie der Liebe.


89 Wohllautendes Wort für eine garstige Sache, jedoch dem Sinne nach nicht verschieden.


[338] 25. Brief.


90 Diogenes von Laërta nennt unter denen, welche die Philosophie Aristipps aus der Quelle zu schöpfen vorzügliche Gelegenheit hatten, einen Antipater von Cyrene; der Name ist aber alles, was er von ihm zu wissen scheint. Ob es eben derselbe ist, den wir aus diesen Briefen kennen lernen, oder nicht, kann uns gleichgültig seyn, wenn der unsrige nur gekannt zu werden verdient. W.


91 Milon von Krotona, der berühmteste Athlet seiner Zeit (er wurde sechsmal zu Delphi und eben so oft zu Olympia gekrönt, und da er zum siebentenmal in die Schranken trat, sogar ohne Kampf, weil sich niemand fand, der es mit ihm aufnehmen wollte), soll auch ein Zuhörer und Freund des Philosophen Pythagoras gewesen seyn. W.


26. Brief.

92 Die bunte Halle in Athen, hatte diesen Namen von den vielen und merkwürdigen Gemälden erhalten, womit sie geschmückt war. Aristipp gibt seiner Gemälde-Galerie darum denselben Namen.


93 »Die Fahrt nach Korinth ist nicht jedermanns Sache.« Dieses Sprüchwort scheint schon lange vor der schönen Lais im Munde der Griechen gewesen zu seyn, wurde aber scherzweise auf diejenigen angewandt, die um ihrentwillen nach Korinth reiseten. W.


27. Brief.

94 Bathyll hieß der Liebling Anakreons, dessen einzelne Schönheiten der Dichter einem Maler schildert, damit er sie zum Ganzen eines Bildes zusammensetzte.


95 Zwei Gebirge in Attika, berühmt wegen ihrer Marmorbrüche und ihres Honigs.


96 Zu Elea in Unter-Italien geboren, ein weiser Gesetzgeber für seine Lansleute, gleich ruhmwürdig durch seinen Charakter als seinen Tiefsinn, blühte um die 79ste Olympiade (464 v. Chr.), und so konnte Platon in dem Dialoge, dem er des[339] Parmenides Namen vorsetzte, diesen als Greis mit Sokrates als Jüngling redend einführen. Parmenides gehörte zu denen Philosophen, welche man, nach der Stadt Elea, Eleatische nennt, und deren Streben dahin ging, auf dem Wege des Pythagoras fortschreitend, im Philosophiren die Speculation oder Vernunfterkenntniß an die Stelle der bisherigen Beobachtung oder Sinnenerkenntniß zu setzen. Jene, ein Denken mittelst der Begriffe, gibt Erkenntniß des Allgemeinen (rationale), diese, ein Denken mittelst der Vorstellungen, gibt Erkenntniß des Besondern (empirische, Erfahrungs-Erkenntniß). Jenes Allgemeine nannte die philosophische Kunstsprache der Griechen das Eins, und dieses Besondere das Viele, so daß Erkenntniß des Eins gleichbedeutend ist mit rationaler, und Erkenntniß des Vielen mit empirischer Erkenntniß. Beide Arten von Erkenntniß sind sich gewissermaßen entgegengesetzt, und die Philosophen waren dadurch in zwei Parteien getheilt, in Anhänger des Einen (speculative Philosophen, Rationalisten), und in Anhänger des Vielen (empirische Philosophen). Diese suchten das Werden zu erklären (die in einem ewigen Wechsel zwischen Entstehen und Vergehen schwebenden Veränderungen der Gegenstände der Sinnenwelt), jene hergegen das Seyn (das bei allem Wechsel beharrliche Wesen), denn so war es dem Standpunkt eines jeden angemessen. Ehe man einsah, daß beide die Lösung desselben Problems, nur auf verschiedene Weise, versuchten, entstand zwischen beiden philosophischen Parteien Entzweiung, und bei dem Unbefangenen mußte die Frage entstehen, an welche von beiden Parteien man sich wohl zu halten habe, um die Wahrheit zu finden. Die Entscheidung war zu einer Zeit, wo man nach einer Psychologie, einer Logik, einer Wissenschaftslehre eben erst strebte, weder im Allgemeinen, noch in besonderer Hinsicht auf Parmenides zu erwarten. Gab es aber irgend einen Philosophen, der, von innerem Gefühl gedrängt und von einer dunklen Ahnung des Wahren geleitet, mit unablässigem Eifer nach jener Entscheidung strebte, so war es Platon, und wenn er, wie anderwärts, so auch in seinem Dialog Parmenides – einem, wie Schleiermacher sagt, für Viele von vielen Seiten abschreckenden Gespräch – sich durch alle Labyrinthe der Dialektik, wie sie damals zu Gebote stand, nach diesem Ziele hin arbeitet, so kann er nur unsern Dank, aber nicht unsre Vorwürfe verdienen. Man darf, um ihn richtig zu beurtheilen, nicht aus den Augen lassen, daß er von Parmenides und den Eleaten überhaupt ausgeht, und daß deren Hauptsätze, mit Hauptsätzen der Pythagoräer zusammenfließend, ihn auf die damit verbundenen Schwierigkeiten führen. Mag[340] nun der Weg, den er führt, noch so dornig seyn, mag er noch so oft geirrt haben, dem Ziele näher hat er doch geführt. Wer davon eine größere Ueberzeugung gewinnen will, der lese in Fülleborns Beiträgen zur Geschichte der Philosophie (Stück 6) dessen Erläuterungen zu den Fragmenten des Parmenides, und Schleiermachers Einleitung zu Platons Parmenides in der Uebersetzung von Platons Werken (Theil 1. Bd. 2). Antipater und Aristipp haben diesemnach hier kein Urtheil gefällt, das einen tieferen Blick verriethe; Wieland aber – gesetzt auch, daß sein Urtheil von dem ihrigen verschieden gewesen wäre – hätte ihnen doch kein anderes in den Mund legen können, denn sie beide gehörten zu der entgegengesetzten Partei, die gegen die eleatische Speculation das Zeugniß der Sinne und den gesunden Menschenverstand auf ihrer Seite hat. Wenn sie sich also auf beide beriefen, urtheilten sie im Geist ihrer Philosophie, in besonderer Beziehung auf Platon aber ihrer Individualität gemäß, d.i. über seine Untersuchungen dieser Art etwas zu voreilig absprechend, weil sie von Natur keine Neigung hatten, sich damit zu befassen. Wieland läßt sich den Aristipp hierüber auf die befriedigendeste Weise aussprechen.


28. Brief.

97 Göttin der Ueberredung.


98 Gott des Reichthums.


99 Plutarch führt in seinem Solon dieses Distichon von ihm an, welches aus den kleinen Gedichten genommen scheint, womit Solon sich in seinem hohen Alter die Zeit vertrieb, und die vermuthlich zu Plutarch Zeiten noch vorhanden waren:


Εργα δε Κυπρογενους νυν μοι φιλα και Διονυσου

Και Μουσεων, ἁ τιϑησ᾽ ἀνδρασιν ἐυφροσυνας


100 Luftwandler. Anspielung auf den Aristophanischen Sokrates.


101 Bekanntlich sind mehrere Platonische Dialogen mit Namen von Sophisten bezeichnet: Protagoras, Gorgias, Hippias. Den letzten Namen führen als Aufschrift zwei Dialogen, die man als den größeren (über das Schöne) und den kleineren zu unterscheiden pflegt.


102 Was Hippias hier in seiner Manier, und in dem Tone,[341] worin er von Plato zu reden gewohnt ist, erzählt, stimmt, der Hauptsache nach, völlig mit der Erzählung des Diogenes Laërtius überein, der sich deßhalb auf den Speusipp (in einer Schrift, Platons Begräbnißschmaus betitelt), auf den Klearch (in dessen Lobrede auf Plato) und auf den Anaxilides (im zweiten Buche seines, vermuthlich historischen, Werks von den Philosophen) beruft. W.


103 Entspricht meist unserm Monat Mai. – Der siebente Tag jedes Monats war dem Apollon geweiht, und dieser hieß Hebdomagetas, weil er an einem Siebenten geboren worden (Callim. H. in Del. 251), worüber der Platonischer Proklos sehr tiefsinnige Untersuchungen angestellt hat. – Der seine Spott in dieser Anführung des Hippias kann Keinem entgehen.


104 Amphitryon, galt für den Vater des Hercules, den aber Zeus mit der Gemahlin von jenem erzeugt hatte.


105 Antalcidas, ist bekannt durch den Frieden, den er im Namen von ganz Griechenland mit dem Perserkönig im J. 587 v. Chr. abschloß, der Friede des Antalcidas genannt. Für Sparta politisch nicht fehlerhaft, war er für ganz Griechenland verderblich, und brachte in der Folge Sparta und seinen Unterhändler ins Verderben. Dieser raubte sich im Verdruß sein Leben durch Hunger. Nichtsdestoweniger konnte Hippias hier nicht anders urtheilen als er geurtheilt hat.


29. Brief.

106 Irdische, sinnliche Liebe.


107 Ein Aristiphanisches Wort, um der Sophisten (Pseudo-Philosophen) zu spotten, welche von den Dingen über uns, die man damals Meteoren hieß, mehr schwatzten als sie wußten. W.


108 König von Sparta, über welchen wir noch eine dem Xenophon zugeschriebene eigne Schrift besitzen, hatte den Ioniern gegen Persien mit Glück beigestanden, und würde allerdings späterhin wieder dagegen aufgetreten seyn, wenn ihn der Friede des Antalcidas nicht gebunden hätte.


109 Eine Residenz der Persischen Könige in der Provinz Susiana.


110 Führung des Oberbefehls, verbunden mit dem Vorrange über die übrigen Griechischen Staaten, Vorsteherschaft,[342] ein Hauptgrund der Eifersucht zwischen Athen und Sparta, und endlich des Untergangs der Griechischen Freiheit.


30. Brief.

111 Die Insel Kos an der Küste von Karien war berühmt wegen ihrer medicinischen Schule, aus welcher selbst Hippokrates hervorging. Diese Schule zeichnete sich besonders dadurch aus, daß sie auf die bisherigen einzelnen Erfahrungen eine Theorie gründete.


112 Der achte Monat des Attischen Jahres, wovon ein Drittel mit unserm Februar, und zwei Drittel mit unserm März zusammentreffen. W.


113 Melampus, berühmt durch seine Heilung der wahnsinnigen Töchter des Prötos. – Machaon und Podelirius, als Aerzte aus der Ilias bekannt, so wie Päeon (der Heilende), den man späterhin mit Apollon verschmolz. – Auch der Centaur Chiron war Wundarzt, und ein Heilkraut wurde sogar nach ihm benannt.


114 Porus, der Gott der Betriebsamkeit, des Erwerbs und des daher entspringenden Reichthums, erzeugte mit Penia, der Göttin der Dürftigkeit, zufolge einer der Dichtungen in Platons Gastmahl, den Gott der Liebe. Bastard wird dieser hier genannt mit einer losen Anspielung auf die dort erzählte Art seiner Entstehung. S. Brief 10 und 12.


115 Δευτεραι φροντιδες (σοφωτεραι) – Die zweiten Gedanken (d.i. diejenigen, die aus Ueberlegung entspringen) sind die weiseren. Ein nicht immer wahres Sprüchwort.


116 Pygmalions, der sich in eine von ihm verfertigte Bildsäule verliebt hatte, welche von der Venus belebt wurde.


117 Ein Korinthischer Eupatride, welcher, nach der wahrscheinlichen Berechnung des de la Nauze, in der einundvierzigsten Olympiade sich der Alleinherrschaft über Korinth bemächtigte, und sie nach einer dreißigjährigen Regierung seinem Sohne Periander hinterließ. Dieser Kypselus war es, der den sieben weisesten Männern unter seinen Griechischen Zeitgenossen das Gastmahl gab, welches Plutarch irrig seinem Sohne zuschreibt, wenn anders der von Diogenes Laërtius angezogene alte Geschichtschreiber Archetimus von Syrakus[343] Glauben verdient, welcher bei diesem Gastmahle selbst zugegen gewesen zu seyn versicherte. Noch bekannter ist dieser Name in der Geschichte der Griechischen Kunst durch einen Kasten geworden, der im Tempel der Juno zu Olympia zu sehen war; ein von den Kypseliden zu Korinth zum Andenken ihres Ahnherrn dahin gestiftetes Weihgeschenk, dessen Kenntniß wir einer sehr genauen, aber ohne allen Kunstsinn und daher auch ohne Rücksicht auf die Kunst abgefaßten Beschreibung des Pausanias zu danken haben, die von einem der gelehrtesten und scharfsinnigsten Alterthumsforscher unsrer Zeit in einer eigenen Abhandlung über den Kasten des Kypselus u.s.w. (Göttingen, 1770) mit dem Fleiß, den ein so altes Kunstwerk verdiente, erläutert worden ist. W.


118 Korinth hatte zwei Häfen, wovon der eine Lechäum, der andere Kenchreä hieß. In diesen am Saronischen Meerbusen liefen die Schiffe aus Asien und Nordafrika ein.


119 Der neunte Monat der Athener, dessen erstes Drittel in unsern März, und der Rest in unsern April fällt. W.


31. Brief.


120 Göttin des Glücks.


121 Milet, vielleicht die üppigste Stadt Kleinasiens, war reich an Liebesgeschichten, und den Anfang aller Romane machen die Millesiaka, d.i. Milesische Geschichten oder Mährchen eines gewissen Aristides aus Milet. Unter Milesischen Mährchen verstand man daher das, was man späterhin Romane nannte. Da Aristides um vieles später lebte als Aristipp, so kann dieser freilich den Namen nicht von jenem entlehnt haben.


32. Brief.

122 Der zehnte Monat der Athener, der dem letzten Drittel des Aprils, und den zwei ersten des Mai's entspricht. W.


123 Vermuthlich dachte Wieland hier mehr an Geßner als an Theokrit; aber auch an diesen, später als er Lebenden, hätte Aristipp nicht denken können. Zu seiner Zeit gab es noch keine Idyllen in unsern Sinne, und als es welche gab, würde sich doch wohl Lais durch die Vergleichung mit einer Arkadischen Schäferin wenig geschmeichelt gefühlt haben.


[344] 124 S. Plinii Hist. Natur. L. 35. c. 11. Euphranor – fecit et Colossos, et marmora, ac scyphos scalpsit; docilis et laboriosus ante omnes et in quocunque genere excellens atque sibi aequalis. Hic primus videtur expressisse dignitates Heroum et usurpasse symmetriam; sed fuit universitate corporum exilior, capitibus articulisque grandior. Volumina quoque composuit de Symmetria et coloribus. Alles dieß hängt nicht sonderlich zusammen, scheint aber durch das, was Aristipp in diesem Briefe von Euphranorn sagt, und diesen selbst sagen läßt, wenigstens was den ihm gemachten Vorwurf betrifft, ein ziemlich befriedigendes Licht zu erhalten. W.


125 Einer der streitbarsten Helden der Griechischen Heroenzeit, bekannt durch seine Theilnahme an der Argonautenfahrt und der Jagd gegen den furchtbaren Kalydonischen Eber.


126 Als wackere Schmauser und Freunde von Lustbarkeiten aus der Odyssee bekannt.


127 Thesmotheten, hießen zu Athen unter den neun jährlichen Archonten die sechs letztern, denen die Oberaufsicht über die Vollziehung der Gesetze anvertraut war. W.


33. Brief.


128 Von diesem Horne wissen die Alten vielerlei zu erzählen. Es hatte einer Ziege gehört, und Zeus schenkte es den Nymphen, die ihn auferzogen hatten, und gab ihm die Kraft ihnen alles, wessen sie bedurften, zu spenden. Dadurch wurde es zu dem berühmten Horn des Ueberflusses.


129 Platons berühmtes Gastmahl, denn dieses veranstaltete der tragische Dichter Agathon nach einem Siege, den er über seine Mitbewerber um den poetischen Kranz errungen hatte.


130 Anagnosten, hießen die Sklaven, deren Geschäft war, während der Tafel vorzulesen, wozu sie theils mit der schönen Literatur bekannt, theils im Declamiren geübt seyn mußten.


131 Wer diese näher kennen zu lernen wünscht, der wird in Wolfs Einleitung[345] zu seiner Ausgabe dieses Platonischen Dialogs volle Befriedigung finden.


132 Eine Art von weiblichem Staatsgewand. Besonders wurde die große prächtig gestickte Tapezerei so genannt, welche alle 5 Jahre an den großen Panathenäen (einem Feste der Schutzgöttin von Athen) in einem feierlichen Aufzuge aus dem Pompeion nach dem Tempel der Minerva geführt und daselbst aufgehangen wurde. S. Voyage du jeune Anacharsis Vol. 2. pag. 491. W.


133 Der ungerechte Vortrag, der in den Wolken des Aristophanes als Streithahn auftritt.


134 Ευρυπροκτως ist ein schmähliches Beiwort, womit Aristophanes in seinen Wolken die sämmtlichen Athener beschmitzt, und welches ich unter die unübersetzlichen gezählt hätte, wenn die Lexikographen in diesem Stücke die Maxime der Cyniker, naturalia non sunt turpia, nicht so weit ausdehnten, daß sogar der berühmte Professor Schneider in Frankfurt kein Bedenken getragen hat, es in seinem trefflichen Griechisch-deutschen Wörterbuch mit der möglichsten Treue und Energie durch das neugestempelte Wort Weitarsch in unsre (ihrer Züchtigkeit wegen mit Recht gepriesene) Sprache einzuführen. W.

Voß hat, wie billig, da er einmal den Aristophanes übersetzte, keine Ansprüche darauf gemacht, züchtiger zu seyn als der Lexikograph und – der Dichter. Wieland selbst bei Uebersetzung dieser Stelle sagt: »Billige Leser werden, ohne mein Erinnern, von selbst einsehen, daß hier keine Möglichkeit war, das, was nun doch einmal gesagt werden mußte, auf eine anständigere Art zu sagen. Die gute Dame Dacier befand sich bei dieser Stelle, wie man denken kann, in einer schrecklichen Verlegenheit, und ihre beinahe schwärmerische Liebhaberei für dieses Stück läßt mich nicht zweifeln, daß sie sich nicht ohne einen harten Kampf endlich entschlossen habe, sich so schwer an den Aristophanischen Grazien zu versündigen, und den Vers 1079 fg. so zu dolmetschen – daß sie sich nun genöthigt sah, den Dikäologos auf alle die folgenden Fragen seines Gegners eine Antwort geben zu lassen, die den Witz ihres Lieblings bei ihren des Griechischen unkundigen Lesern um allen Eredit bringen mußte.« – Da nun aber einmal hier auf eine so kitzliche Stelle Bezug genommen ist (S. die Anm. zum Peregrinus Proteus 1. Thl. Bd. 16), so muß doch noch hinzugefügt werden, daß unter den Euryprokten zu verstehen sind Ehebrecher, wegen des Rettigs, und Mannspersonen, die[346] man in dem Sinne Weiber nennen kann, in welchem Julius Cäsar Königin gescholten wurde. (Suet. c. 49)


135 Mystagog wurde bei den Eleusintschen und andern Mysterien derjenige Priester genannt, der die Aspiranten in das Heiligthum zum Anschauen Geheimnisse einführte, und ihnen das, was sie hörten und sahen, erklärte. Man begreift hieraus, in welchem Sinne Platons Diotima in Aristipps Symposion scherzweise die Mystagogin der Liebe genennt wird. W.


136 Die Wissenschaft der Liebe (bis jetzt noch nicht aufs reine gebracht). W.


137 Thorheit, Unsinn. – Aselgeia – Ueppigkeit, Wollust, Geilheit.


138 Lais sagt selbst, daß sie das Mährchen von Amor und Psyche kaum zur Hälfte erzählte, und allerdings würde das Weitere zu den Folgerungen, die hier daraus gezogen werden sollen, nicht gepaßt haben. Desto besser aber dürfte es zu der Platonischen Theorie gepaßt, und würde vielleicht über diese noch andere, als die hier mitgetheilten, Ansichten verschafft haben. Auf jeden Fall wird man wohl thun, vor dem Endurtheil, auch hier Schleiermachers Einleitung zu dem Platonischen Gastmahl zu vergleichen.


37. Brief.

139 Κρης προς Ἀιγινητην, wurde von solchen gesagt, die gegenseitig um den Vorrang in Schalkheit und Betrug mit einander wettelferten, denn Kreter und Aegineten standen in dem gleich schlimmen Rufe sehr betrügerisch zu seyn. Erasmi Adagia p. 72. Bei uns: es ist ein Fuchs an den andern gerathen.


38. Brief.


140 Die Argonauten sollen zuerst von der Mündung des Kolchischen Flusses Phasis jene bis dahin in Europa noch unbekannte Art von Hühnern gebracht haben, welche nachmals von jenem Flusse den Namen der Fasanen erhielten. Sie waren ihrer Schmackhaftigkeit wegen so beliebt[347] wie die Aale aus dem See Kopais in Böotien, welche Aristophanes die leckersten Fische der Lecker nennt.


39. Brief.

141 Dieser unterscheidet gleich im Eingange seines Lehrgedichts eine tadelhafte und eine löbliche Eifersucht, und sagt von dieser letzten:


Sey unthätig ein Mann, sie erweckt ihn dennoch zur Arbeit,

Denn so den andern etwa ein Arbeitloser im Wohlstand

Schauete, flugs dann strebt er, den Acker zu baun, und zu pflanzen,

Wohl auch zu ordnen sein Haus; mit dem Nachbar eifert der Nachbar

Um den Ertrag: gut ist den Sterblichen solche Beeifrung.


43. Brief.

142 Die Anekdote, auf welche Diogenes hier, mit so vieler Bescheidenheit als man von einem Cyniker nur immer verlangen kann, deutet, hat ihre Richtigkeit, wenn Athenäus, wenigstens was den Hauptpunkt betrifft, Glauben verdient. Wie sich dieß mit dem Charakter unsrer Lais zusammenreimen lasse, macht uns der folgende Brief begreiflich. W.


48. Brief.

143 Für Athen hatten anfangs die mit ihm verbündeten Inseln ihre Land- und Seemacht selbst gestellt, Kimon aber schlug vor, daß sie fortan nur Geldbeiträge liefern sollten, wodurch Athen nicht nur seine Staats-Einkünfte erhöhte, sondern es auch in seine Gewalt bekam, Verbündete in Abhängige zu verwandeln, denn die Inseln verloren ihre Seemacht. Was nun erst Kriegssteuer gewesen war, wurde fortwährend eingetreiben, und stieg immer höher, von 460 Talenten unter Aristides, auf 600 unter Perikles, auf 800 unter Kleon, und in der Mitte des Peloponnesischen Krieges auf 12–1300. Auf dieses eiserne Capital wird hier ziemlich beißend angespielt.


144 Zur Unterhaltung des Krieges gegen die Perser trugen die Griechischen Städte jährlich eine Geldsumme[348] bei, die in dem Tempel Apollons auf der diesem Gotte geweihten Insel in Delos niedergelegt wurde. Diesen Schatz brachte man, um größerer Sicherheit willen, nach Athen, und Perikles bediente sich seiner, die Kosten der Baue zu bestreiten, wodurch er Athen verschönerte. Seine Vertheidigung, als man über solche Verwendung Rechenschaft von ihm forderte, kann man bei Plutarch nachlesen.


145 Eine alte Sage leitete den Namen der Stadt Cyrene von einer Nymphe dieses Namens, des Hypseus Tochter, ab. Daß diese späterhin zu Cyrene als Göttin verehrt ward, ist nicht zu bezweifeln, und auf Münzen dieses Staates finden wir noch ihr Bildniß. Eben so wenig läßt sich eine hohe literarische und künstlerische Bildung der Cyrener bezweifeln, und vielleicht behauptete nur Athen in dieser Hinsicht den Vorrang. Es ist wohl nicht überflüssig, hiebei aufmerksam zu machen auf Joh. Pet. Thrige's Historia Cyrenes inde a tempore, quo condita urbs est, usque ad aetatem, qua in provinciae formam a Romanis est redacta. Kopenhagen 1819.


146 Daß in Athen die Frauen das Schauspiel nicht besucht haben, ist in neuerer Zeit von den Meisten als ausgemacht angenommen. Eine scharfsinnige Untersuchung darüber findet man im Teutschen Merkur vom J. 1796 St. 1. Waren die Frauen in Athen Zuschauerinnen bei den dramatischen Vorstellungen? Indeß scheint die Untersuchung doch noch nicht als geschlossen betrachtet werden zu dürfen.


49. Brief.

147 Das Wort Paradeisos haben wenigstens die Griechen von den Persern, bei denen es Firdevss lautet, und einen Park im eigentlichen Sinne bedeutet, d.i. einen Thiergarten. Die Perser haben es wahrscheinlich aus Indien.


148 S. Bd. 10


149 Smyrna, bei andern Myrrha genannt – Ihre Mutter hatte sich gerühmt, schöner als Venus zu seyn, und die Göttin rächte das Verbrechen der Mutter an der Tochter dadurch, daß sie dieser eine leidenschaftliche Liebe zu ihrem eigenen Vater einflößte. Vergebens sucht sie die unnatürliche Leidenschaft zu unterdrücken, täglich mehr wächst ihre Sehnsucht, welken ihre Relze, und sie ist schon im[349] Begriff ihr Leben zu enden, als die mitleidige Amme ihr das schreckliche Geheimniß abpreßt. Nächtliche Zusammenkünfte werden veranstaltet, und der Vater kennt nicht die, die ihn beglückt. Als er endlich in ihr seine Tochter entdeckt, ergreift ihn Wuth, und mit dem Schwert in der Hand verfolgt er die Unglückliche. In Ermüdung und Angst ruft sie endlich der Götter Mitleid an, und sie wird in eine Stande ihres Namens verwandelt (Myrrhe), aus deren Rinde ein wunderschöner Knabe, Adonis, hervorgeht.


150 Vermuthlich dachte Lais hiebei an die Helena des Euripides in den Troerinnen, die zu ihrem beleidigten Gemahl sagt: die Göttin strafe, die auch die Götter beherrscht; mir gebührt Verzeihung.


151 S. Bd. 27.


51. Brief.

152 Athenäus hat uns ein ziemlich großes Bruchstück aus der Anti-Lais dieses sonst unbekannten Dichters im dreizehnten Buch seines beinahe aus lauter Fragmenten zusammengesetzten Gelehrtenschmauses aufbehalten, welches zum Belege alles dessen, was hier von ihm gesagt wird, dienen kann, und wovon eine meisterhafte Uebersetzung in der Abhandlung meines gelehrten Freundes J. über die Griechischen Hetären, im zweiten Hefte des dritten Bandes des Attischen Museums zu finden ist. W.


52. Brief.

153 Wie diese prophetische Vermuthung Aristipps vornehmlich in dem goldnen Zeitalter der nie genug zu preisenden Kaiser Hadrian und beider Antonine in Erfüllung gegangen, davon finden sich, unter andern, in Lucians Nigrinus, wo er das damalige Athen mit dem damaligen Rom so treffend contrastiren läßt, sehr schöne Beweisstellen. W.


53. Brief.

154 Anspielung auf eine Anekdote, welche Diogenes der Laërter[350] und Athenäus von Aristipp erzählen, und worüber Cicero in einem Briefe an Pätus (in Wielands Uebersetzung Bd. 5 S. 205) so schreibt: »erröthete doch auch der berühmte Sokratiker Aristippus nicht, als ihm vorgeworfen wurde, er habe die Lais. Wahr ist's, sagte er, ich habe sie, aber sie hat mich nicht. Auf Griechisch läßt sich das artiger sagen: versuche du einmal es besser zu übersetzen, wenn du Lust hast.« Man hält schon darum diese Replik für unübersetzbar, weil sie im Griechischen nur aus drei Worten besteht: ἐχω, ὀυκ ἐχομαι (habeo, non habeor bei Cicero). Außer dieser Kürze aber liegt ein noch weniger übersetzbarer Doppelsinn in dem Worte ἐχομαι (s. die Anm. von Schütz zu dieser Stelle Cicero's Epp. 4, 435). Dieser Doppelsinn wäre nun hier glücklicher als irgendwo erreicht, aber nicht die Kürze.


155 D.i. gleichgültig gegen ihre Liebe zu bleiben. Hippolytus ist bekannt aus des Euripides Tragödie dieses Namens und aus Racine's, von Schiller übersetzter, Phädra.


156 Von diesem Haupthelden der Ilias wird erzählt, daß wegen einer Weissagung, er werde vor Troja seinen Tod finden, seine besorgte Mutter ihn dem Lykomedes übergeben habe, der ihn, um ihn desto sicherer zu verbergen, in Frauentracht unter seine Töchter mischte. Im Griechischen Lager hatte man indeß die Weissagung, daß ohne Achilles Troja nicht erobert werden könnte. Man kundschaftete daher, erfuhr, und sendete Odysseus nach Skyros. Der Listige brachte unter weiblichen Geschenken für die Töchter auch Waffen mit, und bei deren Anblick verrieth sich der junge Held.


157 Pausanias wird er im folgenden Briefe nach Athenäus, bei Plutarch Hippolochus, bei andern Eurylochus, Aristonikus und Hippostratus genannt.


55. Brief.

158 Gastgeschenk. Nach Griechischer Sitte wurde jedem Gaste, wenn er sich wieder entfernte, noch irgend ein kleines Geschenk gegeben.
[351]

Quelle:
Christoph Martin Wieland: Sämmtliche Werke. Band 24, Leipzig 1839.
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