Nach Osterland will ich fahren.

[174] Nach Osterland will ich fahren,

Da wohnt mein süßes Lieb.

Ueber Berg und über Thale,

Hin über die Haide,

Da wohnt mein süßes Lieb.


Vor meines süß Liebchens Thüre,

Da stehn zwei Bäumchen fein,

Der eine trägt Nüß von Muskaten,

Hin über die Haide,

Der andre trägt Nägelein.


Die Nüsse sind so runde,

Die Nägelein riechen so süß.

Ich meint', daß mein Freier ein Ritter,

Hin über die Haide,

Nun ist er ein armes Blut.
[175]

Er nahm sie bei ihrem Händchen,

Bei ihrer schneeweißen Hand.

Er führte sie also weiter,

Hin über die Haide,

Wo er ein Bettchen fand.


Da lagen die zwei verborgen

Die liebe lange Nacht,

Vom Abend bis zum Morgen,

Hin über die Haide,

Bis schien der lichte Tag.


Die Sonne ist untergegangen,

Die Sterne scheinen so klar.

Ich wollte, daß ich und mein Liebchen,

Hin über die Haide,

In einem Baumgarten wär.


Der Baumgarten ist verschlossen,

Und da kann niemand hinein,

Als die trutzige Nachtigale,

Hin über die Haide,

Die stiegt von oben hinein.


Man soll die Nachtigal binden,

Ihren Schnabel an ihren Fuß,

Dann kann sie nicht weiter plaudern;

Hin über die Haide,

Was zwei Verliebte thun.
[176]

Habt ihr mich auch gebunden,

Meinen Schnabel an weinen Fuß,

Doch kann ich weiter plaudern,

Hin über die Haide,

Von zwei, die vor Liebe verwund't. –


Blaues Buch.

Quelle:
Ludolf Wienbarg: Holland in den Jahren 1831 und 1832. Erster und Zweiter Theil, Hamburg 1833, S. 174-177.
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