[335] Judith von links.
JUDITH.
O Herzog, er ist krank, zum Tode krank.
BERNHARD.
Mut, teures Herz, ich weiß, daß er es ist,
Kön'ge sind Menschen, Tod ist Menschenlos.
JUDITH.
Doch jetzt in dieser Stunde der Gefahren,
Wenn jetzt er stirbt?
BERNHARD.
So bist du heute abend
Die Mutter eines Kaisers.
JUDITH.
Bernhard?
BERNHARD.
Hör':
Sag' deinem Sohne, alles ist bereit,
Das Heer ist unser, wenn sein Vater stirbt,
So ruf' ich ihn zum Kaiser aus der Franken.
JUDITH.
Wär's möglich, Bernhard?[335]
BERNHARD.
Mehr, es ist gewiß.
Gieß in das Herz ihm deine Flammenworte,
Damit er stark sei – Mut – die Wogen rollen,
Noch einen Ruderschlag – wir sind am Ziel.
JUDITH.
Doch Karl – er fehlt seit gestern – weißt du das?
BERNHARD.
Was sagst du mir?
JUDITH.
Er ließ das Roß sich zäumen
Und ritt hinaus zur Nacht.
BERNHARD.
Höchst sonderbar –
Und kam noch nicht zurück?
JUDITH.
Ich sah ihn nicht.
BERNHARD.
Er wird auf Kundschaft ausgeritten sein,
Ich gehe gleich und suche ihn im Lager;
Befürchte nichts.
JUDITH.
O wäre ich wie du –
Bernhard, ich fürchte mich.
BERNHARD.
Du fürchtest dich
Und weißt, ich lebe? Mut, geliebtes Herz,
Wer landen will, darf nicht die Brandung fürchten –
O Judith – bald ist nichts mehr, was uns trennt.
Er führt sie nach rechts, dort verläßt er sie, indem er nach rechts abgeht, währenddessen erscheint.
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