|
[199] Doge und Flodoardo.
FLODOARDO.
Mein durchlauchter Herr, ich möchte ...
DOGE hält ihm den Untertheil des Briefes vor die Augen.
Weß ist diese Unterschrift?
FLODOARDO.
Meine eigne.
DOGE hält ihm den ganzen Brief vor.
Und die Handschrift?
FLODOARDO.
Irr' ich nicht, so schrieb ich's selber.
DOGE steckt den Brief zu sich.
Wann habt Ihr dem Obersten
Der dalmatischen Besatzung
Diesen Brief gesandt? – Besinnt Euch.
FLODOARDO.
Dem schrieb ich noch keine Zeile.
DOGE.
Oberst Kassowich?
FLODOARDO.
Noch niemals.[199]
DOGE.
Sagt mir denn, was haltet Ihr
Von der Treue des Marcasca,
Hauptmanns bei der Zeughauswache?
FLODOARDO.
Ich bedaure, Eure Durchlaucht
Nicht befriedigen zu können,
Denn er ist mir unbekannt.
DOGE.
Nun denn ... Mehr ein and'res Mal.
Er will sich entfernen.
FLODOARDO.
Eure Durchlaucht, eine Bitte
Wollet Ihr mir noch gewähren ...
Ein Geschäft von Wichtigkeit ...
Nur des Augenblicks bedarf es,
Um die Sache abzuthun.
DOGE schon an der Seitenthür.
Dringenderes ruft mich fort.
Zögert hier ein Viertelstündchen,
Und verlasset nicht den Saal.
Ab.
FLODOARDO allein, verdrießlich.
Nur ein Viertelstündchen! Wüßt er's,
Wie Minuten heute schwer sind! – –
Und was wollt' er mir mit seinen
Sonderbaren Fragen deuten? –
Jener Brief dazu! – Vermuthlich
Gar ein Liebesdienst Parozzi's!
Und wozu? O, ganz gewiß
Will mir dieser glatte Flachkopf[200]
Einen übeln Streich versetzen.
Nattern tragen flache Köpfe!
Buchempfehlung
Ein alternder Fürst besucht einen befreundeten Grafen und stellt ihm seinen bis dahin verheimlichten 17-jährigen Sohn vor. Die Mutter ist Komtesse Mizzi, die Tochter des Grafen. Ironisch distanziert beschreibt Schnitzlers Komödie die Geheimnisse, die in dieser Oberschichtengesellschaft jeder vor jedem hat.
34 Seiten, 3.80 Euro
Buchempfehlung
Zwischen 1765 und 1785 geht ein Ruck durch die deutsche Literatur. Sehr junge Autoren lehnen sich auf gegen den belehrenden Charakter der - die damalige Geisteskultur beherrschenden - Aufklärung. Mit Fantasie und Gemütskraft stürmen und drängen sie gegen die Moralvorstellungen des Feudalsystems, setzen Gefühl vor Verstand und fordern die Selbstständigkeit des Originalgenies. Michael Holzinger hat sechs eindrucksvolle Erzählungen von wütenden, jungen Männern des 18. Jahrhunderts ausgewählt.
468 Seiten, 19.80 Euro