Dampfnässe [2]

[141] Dampfnässe. Bei Versuchen zur Bestimmung der Dampfnässe im Laboratorium für technische Physik der Technischen Hochschule München [1] wurde ein verbessertes Drosselkalorimeter angewandt, welches auf der von Hein entdeckten Ueberhitzung von gedrosseltem gesättigten Dampf beruht und gestattet, nur durch Druck- und Temperaturmessungen die Dampfnässe festzustellen.

Dieses Kalorimeter ist in Fig. 1 abgebildet. Bei demselben ist hinter der Drosselstelle, die durch ein kleines Ventil V gebildet wird, in einem Porzellanzylinder P, der zur Verhütung von Wärmeverlusten mit einem Mantel J aus loser Schafwolle umgeben ist, ein schraubenförmiges Kupferblech S eingebaut, welches den Dampfstrom zu vielmaligem Richtungswechsel und Aufprallen auf das Blech zwingt. Das hierbei daraus abgeschiedene Wasser verdampft dann infolge des verhältnismäßig guten Wärmeübergangs. Zwanzig dahintergeschaltete Drahtsiebe bewirken eine gute Mischung des Dampfes vor Eintritt in die Meßkammer. In dieser befinden sich zur Messung der Temperatur zwei Thermoelemente, welche, in einem drehbaren Deckel axial verschiebbar, in der aus Fig. 1 erkenntlichen Art eingeführt sind und die Messung der Temperaturen an verschiedenen Stellen der Meßkammer gestatten.

Für einfachere Messungen in der Praxis dient das Drosselkalorimeter von Schäffer & Budenberg, welches in Fig. 2 abgebildet ist. Es hat eine flaschenähnliche Gestalt und ist mit einer hülsenförmigen Vertiefung des Oberteils zur Aufnahme eines Thermometers und mit einem seitlichen düsenförmigen Dampfeinlaß versehen, welchem gegenüber sich ein Hahn zur Herstellung der Verbindung mit dem zur Messung des Kalorimeterdrucks dienenden Manometer befindet. Der Dampf tritt unten aus. Dieses Kalorimeter beruht auf demselben Prinzip wie das oben beschriebene Drosselkalorimeter.

Auf dem Prinzip der Wasserabscheidung beruht das in Fig. 3 abgebildete Kalorimeter von Schäffer & Budenberg. Es besteht aus einem zylindrischen doppelwandigen Gefäß, das mit einem Manometer q, einem Dampfentnahmenippel B nebst Absperrventil C versehen ist, durch welches der Dampf aus dem Heißdampfrohr A entnommen wird. Beim Durchgang durch das Instrument wird der Dampf von aller Feuchtigkeit getrennt, welche in der inneren Kammer 3 niederschlagen wird, an welche ein Wasserstandsglas 10 angeschlossen ist. Neben diesem ist eine Skala 12 angebracht, an der die abgeschiedene Wassermenge mittels des verstellbaren Schiebers 13 abgelesen werden kann. Von Zeit zu Zeit wird das angesammelte Wasser durch den Hahn 11 abgelassen. Der trockene Dampf strömt in die äußere Kammer 4, welche die erstere umschließt und so für diese einen Dampfmantel gegen Wärmeverlust bildet. Aus 4 strömt der Dampf durch eine enge Düse und das kleine Röhrchen 8 ins Freie oder in ein Abzugsrohr. Das Gewicht des trockenen Dampfes (in 4) kann an der äußeren Manometerskala abgelesen werden. Der Feuchtigkeitsgehalt berechnet sich dann aus der Gleichung


Dampfnässe [2]

[141] worin w1 das Wassergewicht in Kilogramm ist, das sich in bestimmter Zeit, z.B. 10 Minuten« im Kalorimeter gesammelt hat, w das auf der äußeren Kalorimeterskala abgelesene Gewicht des trockenen Dampfes.


Literatur: [1] Zeitschr. d. Ver. deutsch. Ing. 1911, S. 1421. – [2] Forschungsarbeiten, Heft 98 und 99.

v. Ihering.

Fig. 1.
Fig. 1.
Fig. 2., Fig. 3.
Fig. 2., Fig. 3.
Quelle:
Lueger, Otto: Lexikon der gesamten Technik und ihrer Hilfswissenschaften, Bd. 9 Stuttgart, Leipzig 1914., S. 141-142.
Lizenz:
Faksimiles:
141 | 142
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