Blech

[44] Blech, die in Form dünner Tafeln in den Handel kommende, durch Strecken aus schmiedbarem oder dehnbarem Metall hergestellte Metallware. Sehr dünne Bleche bis herab zu 0,01 mm und weniger heißen Blätter oder Folien, sehr starke nennt man Platten. Jeder Blechart kommen bestimmte Handelsgrößen zu.

Bleche sollen frei von Blasen, Beulen, Falten sein und gleichmäßige Stärke und Zähigkeit besitzen. Sie werden durch Beklopfen mit einem Hammer nach dem Klange auf Blasen und unganze Stellen geprüft. Die Fertigkeit der Bleche ist in der Walzrichtung größer als in der Querrichtung, die Stärke wird nach der Nummer der Blechlehre (s.d.) angegeben. Es wiegt für 1 qm Fläche und 1 mm Stärke Schweißeisenblech 7,8 kg, Flußeisenblech 7,85 kg, Flußstahlblech 7,86 kg, Kupferblech 8,9 kg, Messingblech 8,55 kg, Neusilber-, Argentan-, Packfongblech[44] 8,4–8,7 kg, Bronzeblech 8,6 kg, Zinkblech 7,2 kg, Bleiblech 11,37 kg, Zinnblech 7,3–7,5 kg, Silberblech 10,5–10,6 kg, Goldblech 19,3–19,35 kg, Platinblech 21,3–21,5 kg, Britanniametallblech 7,32–7,36 kg.

Eisenblech. Das Material ist zähes, reines und weiches Schweiß- oder Flußeisen. Das glatte Blech (Schwarzblech) bis zu 4,5 mm Stärke heißt Fein- oder Sturzblech, das stärkere Grob- oder Kesselblech. Die gangbarsten Bleche haben die Größen 2500–1250, 2000–1000 und 1600–800 qmm; ihre Stärke entspricht den Nummern 3–15, 16–24 und 25–27 der deutschen Lehre. Zentner- oder Bundbleche werden in Gebunden von 50 kg geliefert, ihre gewöhnlichen Größen sind 470 · 630, 470 · 790, 630 · 790 und 630 · 940 qmm. Die Fein- oder Sturzbleche führen verschiedene Namen: einfaches oder Schloßblech ist 0,8–3 mm stark und hat 470 · 340 qmm Fläche; doppeltes oder Doppelblech ist von doppelter Seitenlänge bei gleicher Stärke; Dünn- oder Kleineisen heißen die zum Verzinnen (Weißblech) bestimmten Bleche (s. Weißblechfabrikation), auch Faßblech wegen ihrer Verpackung in Fässern; Dachblech, 3 mm stark, hat 950–630 qmm; Rohrblech, unter 1 mm stark, hat 790 · 340 – 790 · 420 qmm und Rinnenblech 950 · 340 – 1260 · 370 qmm Fläche. Die rheinischen und westfälischen Blechfabriken liefern Sturzbleche in 25 Dickenabstufungen (deutsche Lehre). Als gelochte Bleche kommen Sturzbleche in verschiedenen Mustern zur Herstellung von Sieben in Größen bis zu 6000 · 2500 qmm in den Handel, als Zierbleche 0,75–2 mm stark mit mannigfaltig geformten Ausschnitten (Ofenvorsätze). Zu vielen Zwecken wird Feinblech (Schwarzblech) mit einem Ueberzug zum Schütze gegen Oxydation auf warmem oder galvanischem Wege versehen: Zinn-, Zink-, Blei-, Kupfer-, Nickelüberzug. Vom verzinnten Eisenblech, Weißblech, 0,4–2,5 mm stark, führt das stärkste den Namen Pontonblech, das mittelstarke den Namen Kreuz-, Vorder- oder Förderblech. Das schwächste heißt Senker- oder Senklerblech. Besondere Arten sind: Teller-, Schüssel-, Tassenblech, dessen Tafeln 350 · 240 – 420 · 330 qmm oder doppelt so groß sind. Die Zinnmenge ist gleich 3–5% des Blechgewichts. Weißblech kommt in Kisten in den Handel. Verzinkte oder verbleite Bleche haben die Größen der Schwarzbleche. Verkupferte Bleche, ein- oder zweiseitig überzogen, sind bis zu 1000 · 600 qmm groß; das Kupfergewicht beträgt 5–10% des Blechgewichts, ebensoviel das Nickelgewicht bei vernickelten Blechen. Das Grob- oder Kesselblech von 5–18 mm Stärke kommt vor als Salzpfannen-, Gurtungs- und Brückenblech (genietete Träger). Stärkeres Blech bis zu 40 mm (Zylinderkessel) nennt man Schiffsblech. Die Tafeln haben eine Länge bis zu 15000 mm und eine Breite bis zu 3000 mm. Panzerplatten aus Schweißeisen sind bis zu 550 mm Stärke hergestellt worden.

Außer den glatten Blechen sind Handelsware: Buckelplatten (Trogbleche) zum Belegen von Brücken und zur Herstellung gewölbeartiger Decken; ihre Form ist quadratisch, rechteckig oder trapezförmig; die Seiten, 500–2000 mm lang, haben einen ebenen Rand von 60–80 mm Breite, der Stich ist 1/10–1/15. Tonnenbleche (Hängebleche), flach gebogen, haben 1/8–1/12 Stich; ihre Längsseiten haben Ränder von 60–80 mm Breite, ihre Dicke ist 5–10 mm, ihre Größe 500 · 500 – 2000 · 3000 qmm. Riffelbleche (gerippte Bleche), 4–25 mm stark, haben Riffeln von 1,5–3 mm Höhe und 4–5 mm Breite, die sich rautenförmig kreuzen; sie dienen zum Belag von Treppenstufen und Brücken. Gleichen Zweck haben die Waffel- und Warzenbleche. Wellbleche dienen zu Bedachungen, zur Ueberwölbung von Hallen, zum Bau von Baracken; sie sind meist verzinkt, 1 qm des ungewellten Bleches hat 0,6 kg Zink. Nach der Breite der Wellen werden unterschieden: flaches Wellblech mit 60–300 mm breiten Wellen, Jalousieblech mit 25–60 mm und Trägerwellblech mit 60–180 mm breiten Wellen. Die Wellenhöhe ist etwa gleich der halben Wellenbreite. Die Wellblechstärken entsprechen den Nummern 17–24, 19–26 und 2–19 der Feinblechlehre. Das Trägerwellblech, zuweilen mit 1/12–1/10 Stich, hat 3–4, höchstens 6 m Länge und 0,45–0,9 m Breite. Gewelltes und geripptes Blech findet auch zu Flammrohren von Dampfkesseln Verwendung.

Stahlblech kommt in den Handel als Dampfkesselblech (Bessemer- oder Martinstahl) bis zu 40 mm Stärke, als Uhrfederblech (Tiegelgußstahl), 0,2–0,25 mm stark, in langen aufgerollten Tafeln von 100–150 mm Breite, als Spiralfederblech in kleinen Blättern, als Stahlfederblech in Tafeln von 150 · 67 – 150 · 100 qmm Fläche. Stahlplatten dienen zur Herstellung von Geldschränken und werden als Stahldruckplatten verwendet. Panzerplatten aus Flußstahl haben eine Stärke bis zu 300 mm.

Kupferblech. Die Tafeln haben eine Größe von 1500 · 760 – 1800 · 900 qmm. Die schwächsten Bleche von 0,6 mm abwärts kommen aufgerollt als Rollkupfer in den Handel: Zündhütchen-, Flickkupfer. Mittelstarke Bleche, bis 3 mm stark, heißen Dachblech (0,7–2 mm), Rinnenblech oder Schlauchblech. Zum Schiffsbeschlag dienen Platten von 1220–350 qmm Fläche und 0,6 bis 1,5 mm Stärke. Kupferplatten, 5–15 mm stark, finden zu Kesselböden und Lokomotivfeuerbüchsen Verwendung.

Messingblech (30% Zink und 70% Kupfer) und Tombakblech (15% Zink und 85% Kupfer). Die stärksten Arten kommen schwarz, d.h. mit der dunkeln Oxydschicht, die bei der Herstellung entsteht, in den Handel, im Gegensatz zu lichtem oder blankem Messingblech. Rausch-, Knitter-, unechtes Blattgold nennt man die 1/90–1/65 mm starke Folie. Rollmessing, Rolltombak, 0,1–0,4 mm stark, ist 120–460 mm breit und bis 6500 mm lang. Bugmessing von 0,3–2 mm Stärke und 180 · 1000 – 360 · 6000 qmm Fläche wird umgebogen und flach zusammengelegt auf den Markt gebracht. Tafelmessing, Tafeltombak, 1–17 mm stark, 300–600 mm breit, dient zum Beschlagen von Schiffen und zum Dachdecken.

Neusilber-, Argentan-, Packfongblech. Legierung aus Kupfer, Zink und Nickel, dient zur Herstellung der Alfénide- und Alpakawaren. Rausch-, Knitter-, unechtes Blattsilber, Silberschaum ist 1/66–1/40 mm stark.

Bronzeblech. Nur Legierungen von mindestens 95% Kupfer und höchstens 5% Zinn sind hinreichend dehnbar, um zu Blech verarbeitet werden zu können. Bronzeblech wurde in Frankreich zum Beschlagen von Schiffen gebraucht.[45]

Bleiblech, Walzblei. Die 6–30 mm starken Platten kommen zusammengerollt (Rollblei) in den Handel. Dünne Bleche bis 0,05 mm herab werden zum Einwickeln von Gegenständen statt der teuren Zinnfolie gebraucht: Tabakblei, Bleifolie.

Zinnblech findet in dünnen Blättern Verwendung als Zinnfolie, Stanniol, zu Flaschenkapseln und zum Einwickeln von Nahrungsmitteln. Spiegelfolie, etwa 0,01 mm stark, dient zum Belegen der Spiegel. Unechtes Blattsilber ist etwa 1/1500 mm stark.

Zinkblech, 0,3–5 mm stark, wird zu Eimern, Gießkannen, Badewannen und zum Dachdecken verwendet.

Silber-, Gold-, Platinblech. Silber- und Goldblech wird zu Münzen und Medaillen verarbeitet. Der Gold- und Silberarbeiter braucht Bleche unter 1 mm Stärke. Zum Vergolden und Versilbern dient sehr dünnes Blech, Blattgold (geschlagenes Gold) bis herab zu 18000 mm Stärke und Blattsilber (geschlagenes Silber) bis herab zu 1/4500 mm Stärke. Platinblech findet Verwendung zu Tiegeln und Schalen im chemischen Laboratorium und zu physikalischen Instrumenten.

Britanniametallblech. Legierung von Zinn, Antimon, Zink, Kupfer findet in Stärke von etwa 1 mm für Hausgegenstände Verwendung: Salzfässer, Leuchter.

Plattierte Bleche. Am häufigsten sind Plattierungen von Kupfer mit Gold und Silber, von Neusilber mit Silber, von Blei mit Zinn auf einer oder beiden Seiten, von Kupfer mit Platin (chemische Apparate), von Eisen und Stahl mit Nickel. Die Plattierungen haben den Zweck, den Gegenständen Gebrauchsfähigkeit oder Aussehen des wertvolleren Metalls zu verleihen.


Literatur: s. Blechfabrikation.

Dalchow.

Quelle:
Lueger, Otto: Lexikon der gesamten Technik und ihrer Hilfswissenschaften, Bd. 2 Stuttgart, Leipzig 1905., S. 44-46.
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