Hammer [1]

[765] Hammer, das bekannte Werkzeug, das dadurch wirkt, daß es, nachdem seine entsprechend große Masse in Bewegung versetzt ist, seine lebendige Kraft stoßweise auf einen andern Körper überträgt. Die Bewegung kann die stoßende Masse entweder durch die Arbeiterhand oder eine elementare Kraft erhalten. Im ersten Falle bedarf die Masse zum bequemen Halten mit der Hand einer Handhabe, die gewöhnlich aus einem Stiel, selten aus einem ringartigen Griffe besteht. Diese Verbindung bildet das Werkzeug, das kurzweg Hammer genannt wird.

Der Hammer ist gewöhnlich ein Eisen- oder Stahlstück (der Hammerkopf), das zwei stählerne, genügend harte Aufsatzflächen besitzt und mit einem, gehörig mit Keilen befestigten, durch den Schwerpunkt gehenden Stiel versehen ist. Die Aufsatzfläche nennt man die Bahn, wenn ihre Größe beträchtlich und ihre Gestalt daher ganz oder beinahe quadratisch oder kreisförmig ist; sie heißt dagegen Finne (Pinne), wenn sie im Verhältnis zur Länge schmal ist. Gewöhnlich besitzt der Hammer eine Bahn und eine Finne. Die Bahn ist meist etwas konvex, fetten ganz eben oder konkav; in einzelnen Fällen ist sie zylindrisch oder kugelförmig. Die Finne ist in der Regel ein Zylinderabschnitt, der senkrecht zum Stiele steht. Hämmer, bei denen die Finne parallel zum Stiele steht, unterscheidet man durch den Namen Kreuzschlag (Kreuzhammer). Die Größe der durch Menschenhand getriebenen Hämmer liegt dem Gewichte nach zwischen 0,1 und 10 kg. Beim Schmieden unterscheidet man der Größe nach Schmiedehämmer (Hand-, Bankhämmer), 1–2,5 kg schwer, die mit einer Hand regiert werden, und Zuschlag- oder Vorschlaghämmer (3–10 kg schwer), zur Führung mit beiden Händen.

Handhämmer von sehr verschiedener Gestalt werden namentlich zur Bearbeitung des Bleches (s. Blechbearbeitung) benutzt. Die Bearbeitung des Bleches geschieht hierbei meist im kalten Zustande, und nur, wenn durch fortgesetztes Hämmern das Metall hart und spröde wird, muß man es durch Ausglühen weich machen, insofern es Anwendung von Glühhitze gestattet (was z.B. bei Weißblech des Zinnüberzugs wegen nicht der Fall ist). Die gewöhnlichsten Hämmer zum Biegen, Treiben und Glätten sind hierbei folgende: Polier-, Glänzhammer, mit einer einzigen kreisrunden, ein wenig konvexen, sein polierten Bahn; Spann-, Gleichziehhammer, mit zwei nach Art von Zylinderabschnitten gerundeten langen und schmalen Bahnen, gleichsam breiten Finnen, die quer gegen den Stiel gestellt sind; Schweif-, Aufziehhammer, mit zwei nach Art von Zylinderabschnitten gerundeten langen und schmalen Bahnen, gleichsam breiten Finnen, die quer gegen den Stiel gestellt sind; Teller-, Fuß-, Krug-, Breithammer, vom vorigen durch größere Breite der Bahnen verschieden; Finn-, Aufziehhammer, mit einer kreisrunden, etwas konvexen Bahn und einer abgerundeten quergestellten Finne; Treib-, Tief-, Knopfhammer, mit zwei halbkugelig konvexen Bahnen oder einer solchen und einer größeren, viel weniger konvexen Bahn; Tiefhammer, mit einer kreisrunden, etwas konvexen und einer länglichen abgerundeten (der des Tellerhammers ähnlichen) Bahn; Flächenhammer, mit zwei ganz flachen kreisförmigen oder quadratischen Bahnen; Schärfenhammer, mit zwei geraden, quer gegen den Stiel stehenden Finnen (die eine flach, die andre fast schneidig); Schlicht-, Ausschlichthammer, dem Polierhammer ähnlich, aber kleiner und auf der Bahn stärker gewölbt; Abschlicht-, Planierhammer, mit zwei Bahnen, die beinahe völlig flach oder von denen die eine flach und die andre wenig konvex ist (Bahnen beide kreisrund oder eine kreisrund, die andre quadratisch oder länglich viereckig); Siekenhammer, mit zwei abgerundeten, quer gegen den Stiel stehenden Finnen; Abbind-, Abpinnhammer, ein kleiner Siekenhammer mit schärferen (schmäleren) Finnen; Büchsensiekenhammer, mit zwei flachen schmalen Bahnen, auf deren jeder eine (quer gegen die Richtung des Hammerstiels stehende) halbzylindrische Rinne sich befindet. Mitunter gebraucht auch der Metallarbeiter Hämmer aus weicherem Material, um bei deren Anwendung entweder bereits vorhandene Ausarbeitungen möglichst zu schonen (Montierhammer) oder um z.B. bei dünnen weichen Metallen (Blechen) die sonst durch das Schlagen entstehende Härte (Hartschlagen) zu vermeiden (Kalthämmern). Dann werden die Hämmer (Schlägel) aus hartem Holz (Buchsbaum, Pockholz, Weißbuchen, Kornelkirsche) oder Horn, gepreßten Lederstücken, Elfenbein oder endlich aus weichen Legierungen (weicher Bronze, Messing, Zinn und Blei u.s.w.) hergestellt. – Die mit den Händen zu bedienenden Hämmer wiegen selten bis 12 kg; schwerere Hämmer können nicht mehr mittels der Hand geschwungen werden. Zuweilen sucht man dem Arbeiter das Aufheben des Hammers zu sparen. Alsdann wird letzterer an eine Feder gehängt, die stark genug ist, um den Hammer zu heben. Der Arbeiter hat sodann den Hammer (meistens mittels des Fußes) niederzuwerfen und gleichzeitig die Spannung der Feder zu überwinden. Man nennt die Einrichtung Wipphammer [1]. Schwere Hämmer werden wohl durch windenartige Vorrichtungen mittels der Hand oder, was meist der Fall ist, durch Maschinenkraft gehoben.

Mechanische Hämmer [2]. Alter Gewohnheit gemäß hat man zunächst den Stiel- oder Helmhammer hierfür tauglich gemacht, indem man den Helm oder Stiel mit einer Hülfe (Hammerhütte) und zwei seitlich vorgehenden Zapfen versah und entweder auf das über die Zapfen hervorragende Stück des Helmes (Schwanzhammer) oder den zwischen den Zapfen und dem eigentlichen Hammer befindlichen Helmken (Aufwerf-, Brusthammer) oder endlich den über den Hammer vorspringenden Teil des Helmes (Stirnhammer) die Daumen einer Welle einwirken ließ; s.a. Aufwerfhämmer. Diese Hammerarten (Hebel-, Winkelhämmer) sind zurückgedrängt,[765] teils weil die lebendige Kraft des Helmes nicht geradewegs durch das Werkstück aufgenommen wird, wodurch erhebliche Erschütterungen des Helmes entstehen, teils weil die Zugänglichkeit der Arbeitsstelle bei diesem Hämmern eine unbequeme Beschränkung erleidet, teils, weil die Hammerbahn je nach der Dicke des Arbeitsstückes eine verschiedene Neigung zur Amboßbahn einnimmt. An ihrer Stelle sind die Gleishämmer (Prismen-, Rahmen-, Parallelhämmer) herrschend geworden, d.h. solche Hämmer, die längs gerader, meistens senkrechter Gleise geführt werden. Man hebt den Hammer (hier Bär genannt) an einem biegsamen Bande [3] oder einer steifen Stange [4] empor und läßt ihn aus einer gewissen Höhe auf das Werkstück niederfallen. Diese Maschinenhämmer haben eine ausgedehnte Anwendung namentlich durch die Erfindung Nasmyths erfahren, nach welcher der Bär unmittelbar an die Stange eines Dampfkolbens gehängt wird (s. Dampfhämmer). Statt des Dampfes kann auch Preßluft [5] oder die Explosionskraft des Pulvers oder des Leuchtgases (Gashämmer) [6] benutzt werden. Man hat auch den Wipphammer als Vorbild zur Anordnung andrer Maschinenhämmer benutzt, indem der Bär durch die Elastizität des Dampfes oder durch Federn, nachdem er rasch niedergeworfen, rasch wieder emporgehoben wird. Endlich finden sich zahlreiche Anordnungen von Maschinenhämmern, bei denen durch Metall- oder Luftfedern eine große Geschwindigkeit bezw. Schlagzahl ermöglicht wird [7]; s.a. Druckluftwerkzeuge.


Literatur: Karmarsch-Fischer, Mech. Techn., Leipzig 1888, Bd. 1, S. 552; Bd. 2, S. 271; Hoyer, E. v., Mech. Techn., Wiesbaden 1888, Bd. 1, S. 139. – [1] Prakt. Maschinenkonstr. 1887, S. 222. – [2] Hauer, E.V., Hüttenwesenmaschinen, Wien 1867, S. 153; Weisbach, Lehrb. der Ingenieur- und Maschinenmechanik, Braunschweig 1889, Teil 3, S. 1227; Fischer, Herrn., Die Werkzeugmaschinen, 2. Aufl. 1905, Bd. 1, S. 592. – [3] Dinglers Polyt. Journ. 1843, Bd. 90, S. 8; 1858, Bd. 147, S. 255; 1861, Bd. 160, S. 5; 1878, Bd. 227, S. 526; 1881, Bd. 239, S. 83, Bd. 240, S. 8; 1882, Bd. 244, S. 190, Bd. 245, S. 493; 1883, Bd. 248, S. 489; 1884, Bd. 251, S. 468, Bd. 252, S. 272; 1885, Bd. 256, S. 110; 1893, Bd. 290, S. 276; Zeitschr. des Ver. deutsch. Ing. 1895, S. 22. – [4] Dinglers Polyt. Journ. 1874, Bd. 213, S. 458; 1879, Bd. 234, S. 364; 1882, Bd. 245, S. 493; 1883, Bd. 247, S. 15; 1885, Bd. 253, S. 16; 1893, Bd. 290, S. 277. – [5] Ebend. 1866, Bd. 179, S. 7; 1879, Bd. 231, S. 306; 1880, Bd. 236, S. 198; 1883, Bd. 249, S. 106; 1895, Bd. 297, S. 299. – [6] Ebend. 1887, Bd. 264, S. 591; 1888, Bd. 267, S. 12; 1895, Bd. 297, S. 299. – [7] Ebend. 1891, Bd. 281, S. 277; 1893, Bd. 289, S. 294; 1895, Bd. 297, S. 249; 1897, Bd. 303, S. 11, 33, 135; Zeitschr. für Werkz. 1901, S. 105, 357, 566; 1902, S. 145; 1903, S. 19; 1905, S. 303; Zeitschr. des Ver. deutsch. Ing. 1887, S. 490; 1898, S. 183; 1900, S. 281, 1787; 1902, S. 925; Karmarsch-Fischer, Handb. der mech. Technologie, Leipzig 1888, Bd. 1, S. 554; Hoyer, E. v., Mech. Technologie, Wiesbaden 1906, Bd. 1, S. 152.

E. Müller-Dresden.

Quelle:
Lueger, Otto: Lexikon der gesamten Technik und ihrer Hilfswissenschaften, Bd. 4 Stuttgart, Leipzig 1906., S. 765-766.
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