Distanzmesser [3]

[153] Distanzmesser. Während die »Distanzmesser mit Distanzlatte« (Bd. 2, S. 782 ff., u. Erg.-Bd. I, S. 171) in den letzten Jahren erhebliche Verbesserungen nicht erfahren haben, ist den Distanzmessern mit »fester Balis« eine weitgehende Ausbildung ganz besonders wegen ihrer militärischen Verwendung zuteil geworden. Es sind weniger die nach dem Prinzip des stereoskopischen Sehens und Einschätzens der anvisierten Objekte konstruierten Apparate, da deren Anwendung eine gewisse Uebung und die Möglichkeit des ungezwungenen stereoskopischen Sehens des Beobachters voraussetzt, sondern die sogenannten Telemeter, bei denen der Konvergenzwinkel der beiden Strahlen am Objekt in irgendeiner Weise gemessen wird.

Unter Hinweis auf die in den früheren Artikeln beigebrachten theoretischen Erläuterungen mag hier bezüglich dieser Instrumente auf die eingehenden Beschreibungen neuerer Apparate, wie sie die Darlegungen von R. Stützer [1] und von H. Löschner [2] enthalten, hingewiesen werden. Ersterer bespricht in ausführlicher Weise das Verfahren der Berichtigung dieser Distanzmesser an der Hand vieler Abbildungen, und letzterer gibt ausführliche Untersuchungen über die zu erwartende Genauigkeit der Messungen. Es mögen hier noch die Resultate dieser »Fehlerbestimmungen« nach beiden Beobachtern, die bezw. mit einem Apparat von C. Zeiß, Jena, und mit einem ähnlichen von C.P. Goerz A.-G., Berlin, arbeiteten, angegeben werden:


Distanzmesser [3]

Ein Distanzmesser an sich ähnlicher Konstruktion wie die beschriebenen Telemeter ist der neuerdings von L. v. Pfaundler angegebene [3]. Die Basis wird aber hier als vertikal stehend verwendet. Das hohle Basisrohr enthält in der Entfernung von 1% m voneinander zwei rechtwinkelige, totalreflektierende Glasprismen, von denen das obere mit der reflektierenden Hypotenusenfläche dem Ziel zugewandt und die untere demselben abgewandt ist. Der Strahlengang ist dann der in der Figur skizzierte. Durch die Schraube S kann das obere Prisma, an dem vorbei die direkte Sicht nach dem Ziel geht, so weit geneigt werden, daß im Auge des Beobachters das Ziel durch beide Prismen je zur Hälfte erblickt und diese Hälften sich genau ergänzend gesehen werden. Der Konvergenzwinkel wird durch die Schraube gemessen, und deren Trommel ist so beziffert, daß an ihr sofort die Entfernungen abgelesen werden können. Das Instrument läßt sich in einem Stativ durch Hilfe einer gleichzeitig im oberen Prisma sichtbaren Libelle vertikal stellen oder seine Neigung gegen die Vertikale ablesen. Außerdem kann es um seine Längsachse gedreht und diese Drehung an einer mit ihm verbundenen Orientierungsbussole gegen den magnetischen Meridian bestimmt werden. Dadurch wird der Distanzmesser zu einem einfachen Tachymeterapparat für topographische Aufnahmen. – Ueber die Benutzung von Schallapparaten besonders zur Messung von Distanz und Richtung der zu messenden Objekte, die während des Krieges sowohl bei der Feldarmee als auch in ausgedehntem Maße bei der Marine Verwendung gefunden haben, s. Schallsender und Schallempfänger.


Literatur: [1] R. Stützer, Neue Entfernungsmesser mit absoluter Berichtigung, Zeitschr. f. Instrumentenkunde, 1914, S. 1 u. 33. – [2] H. Löschner, Ueber Doppelbildentfernungsmesser, ebend. 1917, S. 183, 199, 209. – [3] L. v. Pfaundler, Ueber einen neuen Distanzmesser, Sitzungsberichte der Wiener Akad. 1915, Bd. 124, Abt. II a, S. 3. – Referat darüber von E. v. Hammer in Zeitschr. f. Instrumentenkunde 1916, S. 211 (dem auch die Figur entnommen ist).

L. Ambronn.

Distanzmesser [3]
Quelle:
Lueger, Otto: Lexikon der gesamten Technik und ihrer Hilfswissenschaften, Bd. 1 Stuttgart, Leipzig 1920., S. 153-154.
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