Hähne [2]

[706] Hähne, als Maschinenteile zum Abschließen einer Rohrleitung oder zum Regeln der Durchflußmenge, haben gegenüber den Ventilen den Vorteil der einfacheren Bauart und billigeren Anlage, aber den Nachteil, daß sie öfter festsitzen oder undicht sind und lecken, auch daß bei dem formellen Abschließen der Hähne an längeren Wasserröhren infolge der Trägheit der strömenden Masse starke Druckstöße auftreten.

Das Küken, der Wirbel oder Konus, steckt drehbar und nachziehbar mit 14–22 mm Unterschied der Durchmesser auf 100 mm Kegellänge eingepaßt und eingeschliffen im Gehäuse. Er darf am weiteren Ende, das Gehäuse am engeren Ende nicht über den andern Teil hinaus kegelförmig fortgesetzt sein, weil sonst Ansätze entliehen, die das Einschleifen und Nachstellen verhindern. Zum Anziehen dient meist eine Schraubenmutter (Fig. 1) auf dem herausragenden Gewindezapfen, die auf einer mitgehenden, gewöhnlich auf einem Vierkant verschiebbaren Unterlagsscheibe ruht. Selbstdichtende Hähne (Fig. 2) sind andern weiteren Ende durch einen Deckel so abgeschlossen, daß der Flüssigkeitsdruck oder auch eine Feder den Dichtungsdruck erzeugt. Packhähne (Fig. 3) mit Stopfbüchse am weiteren Ende, zur Abdichtung von Gasen, können am Boden ganz geschlossen sein oder eine Abdrückschraube erhalten oder durch eine über die Stellmutter gestülpte Kapsel geschlossen werden. Der Winkelhahn (Fig. 4) erhält den Zufluß von unten. An Hähnen für gelegentliche Dampfanschlüsse empfiehlt sich Fettschmierung mit Nuten in den Dichtungsflächen[706] oder Asbesteinlagen. Für ätzende Flüssigkeiten benutzt man Hähne aus Steinzeug, z.B. den Unterlaufhahn (Fig. 5) mit konischem Gewinde zum Einschrauben in Bleileitungen, oder den Klotzbahn (Fig. 6) mit Federanpressung des Kükens und mit Anschlüssen von emailliertem Gußeisen.

Die Vierkantenden für Hahnschlüssel zeigen an einem vertieften Strich die Durchlaßrichtung an. Um selbsttätiges Schließen eines in Betriebsstellung offenen Hahnes zu verhüten, läßt man an Wasserstandshähnen den Griff nach unten hängen, an den Eisenbahnbremsen in wagerechter Lage auf einem festen Anschlag aufruhen. Festsitzende Hähne sind durch Schläge mit dem Hammerstiel zu lockern.

Die Gehäuse mit einer Baulänge von 2d + 100 mm oder weniger tragen an den Enden Flanschen, Muffen, Gewindezapfen, Gewindemuffen, Lötzapfen, Schlauchansätze oder Ausläufe (s.a. Auslauf-, Durchgangs-, Dreiweghähne). Vierweghähne verbinden in den verschiedenen Stellungen zwei gegenüber oder neben-, auch übereinander mündende Leitungen.

Die Preise der Hähne gewöhnlicher Bauart in gangbaren Größen von 1–10 cm lichter Weite betragen näherungsweise für d cm Durchgangsweite: Hähne ganz in Gußeisen 0,4d2 + 3 ℳ.; Eisengehäuse mit Rotgußküken, wegen der ungleichen Wärmeausdehnung für warme Flüssigkeiten nicht geeignet, 0,7d2 + 3 ℳ.; ganz in Messing, wegen Porosität für Ueberdruck nicht brauchbar, 1,1d2 + 3 ℳ.; ganz in Rotguß 1,3d2 + 3 ℳ.; in Steinzeug 0,2d2 + 2 ℳ. bis 0,3d2 + 3 ℳ.; desgleichen mit Eisenausrüstung 0,4d2 + 4 ℳ.; in Hartblei 1,1d2 + 5 ℳ.; in Hartgummi 1,2d2 + 10 ℳ.; Dreiweghähne sind 30% teurer.

Lindner.

Fig. 1., Fig. 2., Fig. 3., Fig. 4.
Fig. 1., Fig. 2., Fig. 3., Fig. 4.
Fig. 5., Fig. 6.
Fig. 5., Fig. 6.
Quelle:
Lueger, Otto: Lexikon der gesamten Technik und ihrer Hilfswissenschaften, Bd. 4 Stuttgart, Leipzig 1906., S. 706-707.
Lizenz:
Faksimiles:
706 | 707
Kategorien:
Ähnliche Einträge in anderen Lexika