Klettergerüste

[429] Klettergerüste zum Besteigen von Schornsteinen und säulenförmigen Bauwerken sind mehrfach angewandt worden.

Sie bestehen im allgemeinen aus Rahmen, die sich um den Schornstein herumlegen und durch besondere Vorrichtungen gegen die Schornsteinwandung gepreßt, gehoben und gesenkt werden können ([1] und [6]). Werden zwei übereinander liegende, gegeneinander verschiebbare Rahmen benutzt, so kann, wenn der untere festgebremst ist, der obere ein Stück hinausgeschoben und dann festgeklemmt werden, worauf der untere gelöst und, an dem oberen hängend, aufgezogen wird. Dies wird so lange fortgesetzt, bis die auszubessernde Stelle oder der Schornsteinkopf erreicht ist ([2] und [6]). Eine Klettervorrichtung zur Besteigung von Fabrikschornsteinen hat W. Eckardt in Dortmund verwendet, die aus je zwei Paaren sich gegenüberstehender Winkelhebel besteht, von denen jedes Paar für sich um eine wagerechte Achse drehbar ist und ein durchlaufendes, vom Schornsteinkopf herabhängendes, unten festgeklemmtes oder sonst gehaltenes Seil mit den abwärts gerichteten, mit Zähnen versehenen Schenkeln backenartig umfaßt und festklemmt, wenn die wagerechten Schenkel belastet werden. Schnallt man die Füße des Arbeiters auf das untere Hebelpaar fest, während Brust und Schultern durch ein Riemzeug, an welchem außerdem ein Sitz angebracht ist, mit dem oberen Paar verbunden werden, so bewirkt das Gewicht des Arbeiters zunächst ein Festklemmen beider Backenpaare am Seil. Durch Hochziehen der Beine lösen sich die unteren Backen, können dann etwas oberhalb wieder angeklemmt werden, wobei sich, bei Erhebung in die aufrechte Stellung, die oberen Backen lösen und sich hinausschieben lassen. Auf diese Weise kann durch abwechselndes Beschweren und Entlasten der Backenpaare der Arbeiter die erforderliche Höhe erreichen und behält die Hände zur Ausführung der nötigen Arbeit frei ([3] und [6]). Auch den Schornstein umschließende Arbeitsböden oder frei hängende Körbe sind benutzt worden, die mit Hilfe von Flaschenzügen oder Rollen, die ihrerseits an Kettenansätzen einer ringförmig geschlossenen, über den Schornsteinkopf gelegten Kette oder an einer den Schornstein bekrönenden eisernen Haube befestigt wurden, durch Winden hinauf und hinab befördert werden [4]–[6].


Literatur: [1] Dinglers Polyt. Journal 1874, Bd. 214, S. 195. – [2] Prakt. Maschinenkonstrukteur 1884, S. 296; Deutsche Bauztg. 1888, S. 484: – [3] Deutsche Bauztg. 1885, S. 84; Zeitschr. d. Ver. deutsch. Ing. 1885, S. 120. – [4] Zeitschr. d. Oesterr. Ing.- u. Arch.-Ver. 1896,[429] S. 456. – [5] Nouv. ann. de la constr. 1905, S. 93. – [6] Handb. d. Ing.-Wiss., IV. Teil, 3. Bd., 2. Aufl., Leipzig 1908, Kap. XII, S. 618 ff.

L. v. Willmann.

Quelle:
Lueger, Otto: Lexikon der gesamten Technik und ihrer Hilfswissenschaften, Bd. 9 Stuttgart, Leipzig 1914., S. 429-430.
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