Petroleummaschinen [2]

[594] Petroleummaschinen. Die neuere Entwicklung der Oelmaschinen beruht auf der Ausbildung der Dieselmotoren (s. Dieselmotoren, Bd. 2, S. 753, und Ergänzung dazu).

Da zum Anlassen der Dieselmotoren, wegen der hohen Kompression der Luft im Arbeitszylinder, Luft von etwa 12 Atm. und zum Einspritzen und Zerstäuben des Brennstoffes solche von 45 bis 60 Atm. Spannung angewendet werden muß, sind zur Erzeugung derselben Kompressoren nötig, die kleine Maschinen zu sehr verteuern. Man suchte daher im Kleinmotorenbau, besonders für kleine Schiffsmaschinen, die Kompressoren zu vermeiden. Zu diesem Zwecke verdichtet man die Ladeluft nur so weit, daß sich die Maschine noch mit der Hand andrehen läßt und leitet die Zündung, wie bei den früheren Petroleummaschinen, durch einen Glühtopf ein. – Bei dem Motor der Maschinenbau-A.-G. vorm. Swidersky in Plagwitz (Fig. 1) saugt der Arbeitskolben beim Aufwärtsgehen Luft durch das Ventil a in das luftdicht geschlossene Kurbelgehäuse b und verdichtet sie beim Niedergehen etwas. Wenn der Schlitz c im Zylinder frei geworden ist, strömt sie in diesen und verdrängt die Rückstände der vorigen Verbrennung, die bei d austreten. Hat der Kolben beim Aufwärtsgange die Oeffnungen c und d verschlossen, so verdichtet er diese Luft, und wenn er seinem oberen Totpunkte nahe ist, spritzt die Brennstoffpumpe den Brennstoff durch das Röhrchen e gegen die durch die Verdichtung der Ladeluft glühend erhaltene Wandung; des Glühtopfes f. Die Maschine arbeitet also ohne gesteuerte Ventile und kann durch Aenderung des Zeitpunktes der Brennstoffeinspritzung leicht umgesteuert werden.

Bei der von dem Holländer Bons konstruierten, jetzt von der Gasmotorenfabrik Deutz vielfach gebauten Maschine dient eine in den Verbrennungsraum ragende, am Rande mit Löchern versehene Kapsel a (Fig. 2) als Glühtopf, in den der Brennstoff während des Saughubes des Arbeitskolbens eingeführt und teilweise verdampft wird, so daß sich darin ein zündfähiges Gemisch bildet. Dieses wird durch die gesteigerte Temperatur am Ende des Verdichtungshubes entzündet, und die dadurch in der Kapsel erfolgende kleine Explosion treibt die noch darin befindliche flüssige Hauptmenge des, Brennstoffes durch die seinen Löcher im Rande der Kapsel in den Verbrennungsraum des Zylinders, wo die Hauptverbrennung stattfindet.


Literatur: [1] H. Haeder, Kleinmotoren und Verbrennungsmotoren bis 100 PS. Wiesbaden 1908. – [2] H. Klaiber, Verbrennungs- und Wärmekraftmaschinen, Stuttgart 1908. – [3] R. Vater, Einführung in die Theorie und den Bau der neuen Wärmekraftmaschinen, Leipzig 1909. – [4] H. Haeder, Hilfsbuch für Maschinenbau, Oelmotoren in Viertakt- und Zweitaktbauart, Wiesbaden 1912. – [5] H. Bergner, Die Wirkungsweise und Konstruktion ortsfester Verbrennungskraftmaschinen, Leipzig 1912. – [6] Zeitschr. d. Ver. deutsch. Ing., Jahrg. 1911, S. 573, 1961;. Jahrg. 1912, S. 662; D.R.P. für Maschinen Kl. 46, Nr. 202463, 202527, 202780, 203827, 209085, 209295, 212535, 213135, 218170, 219919, 219970, 221356, 225765, 228319, 228566, 228997, 230954, 239716, 240567, 240655, 241448; für Steuerungen u. dergl. Kl. 46, Nr. 209246, 210793, 212144, 213666, 214089, 216426, 216690, 216931, 217665, 220787, 220873, 221677, 221773, 226649, 229233, 230227, 231069, 238794; für Kühlung: Kl. 46, Nr. 238910; für Explosionsturbinen: Kl. 46, Nr. 233162, 233483, 240769.

Th. Beck.

Fig. 1.
Fig. 1.
Fig. 2.
Fig. 2.
Quelle:
Lueger, Otto: Lexikon der gesamten Technik und ihrer Hilfswissenschaften, Bd. 9 Stuttgart, Leipzig 1914., S. 594.
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