Rösten, Röstapparat, Röstofen, Rösttrommel

[450] Rösten, Röstapparat, Röstofen, Rösttrommel, Erhitzung von Materialien aller Art in den genannten Apparaten zu bestimmter Temperatur, um sie für Weiterverwendung durch diesen Zwischenprozeß geeignet zu machen.

1. Rösten der Erze, Zuschläge, Zwischenprodukte (bei der Darstellung einzelner Metalle).[450] Es bezweckt durch Erhitzen (auf Temperaturen unter dem Schmelzpunkt) eine chemische und (oder) physikalische Veränderung derselben. Ueber die verschiedenen Röstprozesse und die dabei angewendeten Oefen vgl. Blei, Gold, Kupfer, Nickel, Quecksilber, Roheisen, Schwefel, Silber, Zink. Hierbei kommen auch die unter Metallurgie erwähnten Kiesöfen (Kilns) und der Herreshoff-Ofen zur Besprechung.

2. Rösten von Kaffee, Getreide, Malz, Kakao, Zichorie, Feigen u.s.w. Es erfolgt in kugelförmigen oder zylindrischen Gefäßen mit Hilfe der Gase einer Koks- oder Gasfeuerung, die die Rösttrommel entweder nur von außen erhitzen oder die sie zunächst von außen umspülen und dann in die Rösttrommel eintreten oder die nur durch die Rösttrommel hindurchgeführt werden; in den beiden letzten Fällen wird die Röstung vorteilhaft beschleunigt (Schnellröstapparate). Das Anbrennen des Röstguts bei längerer Berührung mit den Trommelwandungen kann dadurch vermieden werden, daß durch Anwendung wärmeisolierender Schichten die Erhitzung der Trommelwandungen beschränkt wird, vgl. z.B.D.R.P. Nr. 106218. Bei dem Röstapparat von G.W. Barth in Ludwigsburg (s. die Figur) fällt das Röstgut aus dem Einfülltrichter A nach Ziehen des Schiebers E in die sich drehende Röstkugel. Die in dem Ofen D erzeugten Heizgase strömen durch die Röstkugel hindurch, wobei das Röstgut durch den Strom der Heizgase hindurchfällt, deren Temperatur das Pyrometer K anzeigt. Ein aus einer Art Wage bestehender Sicherheitsregulator J zeigt auf Grund des Gewichtsverlustes, der bei Kaffee etwa 18% beträgt, die Beendigung der Röstung an. G ist ein Probenehmer. Ist die Röstung beendigt, so wird das Röstgut in das Kühlsieb C entleert, in dem es durchgerührt und mittels eines von einem Exhaustor erzeugten Luftstroms gekühlt wird. – Bei anderen Apparaten derselben Firma wird die Röstkugel nach Beendigung der Röstung selbsttätig von der Feuerung entfernt. S.a. Kaffeesurrogate, Bd. 5, S. 280.

3. Rösten der Stärke zur Herstellung des Röstgummis, vgl. Dextrinfabrikation, Bd. 2, S. 728.

4. Rösten des Flachses, s. Flachsspinnerei, Bd. 4, S. 50.

A. Widmaier.

Rösten, Röstapparat, Röstofen, Rösttrommel
Quelle:
Lueger, Otto: Lexikon der gesamten Technik und ihrer Hilfswissenschaften, Bd. 7 Stuttgart, Leipzig 1909., S. 450-451.
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