Radbettung

[517] Radbettung (Radbahn, Radunterlage), eine Plattform, auf welche die Geschütze gestellt werden, um ihnen einen festeren Stand zu geben, die Schwenkbarkeit der Lafette zu verbessern und bei Zielwechsel nach der Seite den Drehpunkt der Lafette fernzuhalten.[517]

Die Anwendung der Radbettung gestattet, das Geschütz mit großer Schnelligkeit um 360° zu schwenken. Das Feilhalten des Drehpunktes ist besonders beim Planschießen (wie bei jedem anderen indirekten Richtverfahren) von Wichtigkeit, weil nur dann die genaue Uebertragung von Schwenkungswinkeln möglich ist. Radbettungen wurden schon zu Beginn der Stellungskämpfe, Herbst 1914, oft behelfsmäßig mittels Karrenrädern oder selbstgefertigten hölzernen Scheiben von der Truppe hergestellt. Später stattete man neukonstruierte Geschütze, welche schnell feuerbereit sein sollten, mit besonderen Radbettungen aus. Sie bestehen aus einer Plattform (s. Fig. 1) oder aus einem Blechkranz, auf welchen die Räder laufen, und aus einer um ein Mittelpivot drehbaren Scheibe (Fig. 2), an welcher die Lafette mittels Stangen befestigt ist. Die Radbettung wird durch mehrere Sporne im Erdboden verankert und nimmt beim Schuß den Rückstoß des Geschützes auf, da der Lafettensporn hochgeklappt bleibt, um die Seitenrichtung schnell ändern zu können. Die Radbettungen sind zerlegbar und werden auf den Geschützprotzen, den Munitionswagen oder auf besonderen Fahrzeugen[518] (Fig. 3) mitgeführt. Das erhebliche Gewicht der Radbettung – die der Feldkanone 16 wiegt 145 kg – und die verhältnismäßig lange Zeit, welche das Strecken bezw. Abbauen der Radbettung erfordert, lassen sie für den Bewegungskrieg unzweckmäßig erscheinen.

F. Wille.

Fig. 1., Fig. 2.
Fig. 1., Fig. 2.
Fig. 3.
Fig. 3.
Quelle:
Lueger, Otto: Lexikon der gesamten Technik und ihrer Hilfswissenschaften, Bd. 1 Stuttgart, Leipzig 1920., S. 517-519.
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517 | 518 | 519
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