Regenmesser

[379] Regenmesser (Hyetometer, Meteorograph, Ombrometer, Pluviometer), Apparat zur Messung der atmosphärischen Niederschläge, meist ein zylindrisches Gefäß von genau bekannter Oeffnung, das durch eine eingelötete trichterförmige Metallfläche mit enger zentraler Oeffnung in zwei Teile, das obere Auffanggefäß und das untere, mit einem zum Ablassen der Niederschlagswasser dienenden Hahn versehene Sammelgefäß, zerfällt. Der Rand der Oeffnung des Regenmessers besteht meist aus einem zylindrisch oder konisch geformten, genau abgedrehten, eingelöteten Metallstreifen.

Große Verbreitung in Deutschland haben die Regenmesser von Hellmann, Modell 1886, gefunden, die aus mehreren Teilen bestehen, indem das Auffanggefäß mit dem unten abschließenden Trichter von dem Sammelgefäß abgehoben werden kann und dieses zur Aufnahme einer Sammelkanne dient; der Vorteil der Einrichtung besteht darin, daß das Sammelgefäß zugänglich und der Hahn vermieden ist, dessen Undichtigkeit häufig zu fehlerhaften Messungsreihen Anlaß gibt. Solche Regenmesser werden von R. Fueß (Steglitz bei Berlin) zum Preise von 17 ℳ. zum Zwecke der Regen- und Schneemessung geliefert, einfachere für die Zwecke des Landwirts von ebendort zum Preise von 5 ℳ. – Zur Messung der Niederschlagswasser dienen besondere Meßgläser mit graduierter Teilung, die die Höhe des Niederschlags in Millimetern und Zehntelmillimetern Höhe, entsprechend Litern pro Quadratmeter, ablesen lassen. – Vergleichungen [1] der Angaben verschiedener Regenmesser haben ergeben, daß die Größe der Messungsfläche von geringer Bedeutung ist, indem solche von 300–500 qcm Fläche wenig verschiedene Zahlen lieferten, daß aber das Verhältnis der im Auffanggefäß dargebotenen Benetzungsfläche zur Größe der Oeffnung und die Neigung des inneren Trichters von größerer Bedeutung, besonders[379] bei geringen Niederschlägen, sind; bei Schneeniederschlägen kommen weiter die Abmessungen des Auffanggefäßes wegen der Gefahr des Herauswehens von Schnee in Betracht. – Von großer Bedeutung für die Angaben ist die Aufteilung der Regenmesser, ihre nähere Umgebung und besonders die Höhe der Oeffnung über dem Erdboden – letztere dadurch, daß die Luftgeschwindigkeit mit der Erhebung über dem Erdboden rasch zunimmt und somit die sich am Regenmesser stauende Luft in rasch mit der Höhe zunehmendem Grade den Niederschlag über den Regenmesser hinwegführt. Aus diesem Grunde müssen die Oeffnungen der Regenmesser alle möglichst die gleiche Höhe über dem Erdboden haben. Solchen Stauwirkungen des Windes am Regenmesser entgegenzuwirken, dient der Niphersche Trichter [2], der den Regenmesser als ein trichterförmiges, mit dem breiten Ende nach oben gerichtetes Schutzrohr umgibt, das oben in einem horizontalen ringförmigen Drahtnetz aus Kupferdraht endigt. Wenngleich mit dieser Schutzvorrichtung sehr gute Erfolge zu erzielen sind, so macht man davon nur wenig. Gebrauch und begnügt sich damit, die Höhe der Oeffnung über dem Erdboden mäßig zu bemessen, um den Einfluß der Luftbewegung zu vermindern. – Zur fortlaufenden Aufzeichnung der Niederschläge dienen die registrierenden Regenmesser (Pluviographen), die teils rein mechanisch, teils elektrisch registrieren. Von ersteren sind besonders zu erwähnen der auf dem Prinzip der Federwage beruhende Hottingersche registrierende Regenmesser [4] (zum Preise von 218 ℳ.) und die Schwimmer und Heber benutzenden registrierenden Regenmesser von Sprung [5] und Hellmann [6], letztgenannter zumal als der billigste Pluviograph (R. Fueß, Steglitz, liefert ihn zu 176 ℳ.). Die elektrisch registrierenden Regenmesser benutzen die Hornersche Wippe, ein durch parallele Seitenwände begrenztes niedriges Gefäß aus Metallblech, dessen Grundfläche durch zwei gleiche, unter stumpfem Winkel zusammenstoßende Rechtecke gebildet wird, das längs dieser Kante der Grundfläche durch eine Scheidewand in zwei kongruente Teile zerlegt wird, während die Kante unten eine Schneide trägt, mittels der die Wippe auf einem Lager aufliegt; die Einrichtung ist so getroffen, daß die Hornersche Wippe sich je nach 0,1 mm Niederschlag umlegt und diese Bewegung durch Bewirkung eines Stromschlusses eine deutlich hervortretende Unterbrechung der vom Uhrwerk allein gelieferten geradlinig verlaufenden Registrierlinie ergibt.

Die gefrorenen Niederschläge bieten für die Registrierung große Schwierigkeiten, da die erforderliche Erwärmung der Auffanggefäße stets Verlust durch Verdunstung bedingt. Bei dem Ombrograph von Anderkó [8] fällt diese Schwierigkeit fort, da das Auffanggefäß an dem einen Arm einer zweiarmigen Wage befestigt ist und direkt das Gewicht des fallenden Niederschlags fortlaufend registriert wird. Bei dem neuen Registrierapparat für Niederschläge in flüssiger und fester Form von Steffens (Saß & Co., Berlin, Preis 250 ℳ.) wird die Schwierigkeit der Registrierung von Niederschlägen in fester Form durch eine zweckmäßige Wärmevorrichtung vermieden, bei der keine hohen Temperaturen entstehen. Die Registrierung geschieht nach dem Prinzip der Briefwage.


Literatur: [1] Hellmann, Bericht über vergleichende Beobachtungen an Regenmessern verschiedener Konstruktion zu Groß-Lichterfelde bei Berlin (Abhandl. des Kgl. Preuß. Meteorol. Instituts, Berlin 1890). – [2] Nipher, Ueber die Bestimmung der wahren Regenmenge mittels hoch aufgeteilter Regenmesser, Zeitschr. d. Oesterr. Gesellsch. f. Meteorol., XIV, 1879. – [3] Schreiber, Ueber registrierende Regenmesser und Pegel, Civilingenieur, XLI, 1895. – [4] Maurer, Selbstregistrierende Regenmesser der mechanischen Werkstätte von Hottinger & Co. in Zürich, Zeitschr. d. Oesterr. Gesellsch. f. Meteorol., XIX, S. 179. – [5] Aus dem Archiv der Seewarte 1884, Nr. 2,. S. 27; Sprung, Ueber die Messung der Niederschläge, Zeitschr. d. Oesterr. Gesellsch. f. Meteorol., XVII. – [6] Hellmann, Ein neuer registrierender Regenmesser, Meteorol. Zeitschr., XIV, 1897. – [7] Sprung, A., u. Fueß, R., Neue Registrierapparate für Regenfall und Wind mit elektrischer Uebertragung, ebend., VI, 1889. – [8] Anderkó, Ein neuer Ombrograph, ebend., XXI, 1904.

Großmann.

Quelle:
Lueger, Otto: Lexikon der gesamten Technik und ihrer Hilfswissenschaften, Bd. 7 Stuttgart, Leipzig 1909., S. 379-380.
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