[12] Notiz der sieben orientalischen Werke, welche den Innhalt des ersten Theiles hergegeben.
I.

[12] Adschaib al-machlukat ve gharaibalmevdschudat li Zekeria Ben Mohammed Alkasvini.

Die Wunder der Geschöpfe, und die Seltenheiten der bestehenden Dinge, von Zacharias Ben Mohammed aus Caswin.


Das berühmteste Werk des Morgenlandes über die Naturgeschichte, aus dem jedoch außer einigen hier angewandten Sagen, und solchen Auszügen, wie sie Chezy in Silvestre de Sacy's vortrefflicher Ehrestomathie geliefert hat, wenig wahrer Nutzen für die Wissenschaft zur hoffen ist.

Siehe auch Herbelot unter Agiaib al-makhlukat und Desacy's Chrestomathie arabe, Tome III. pag. 414.[13]


II.

Elbedajet ven-nihajet fit-tarich li Ibn Kessir

Der Anfang und das Ende in der Geschichte, von Ibn Kessir. Arabisch.


Der ganze Name des Verfassers ist Imam Hafis Amadeddin Ebilfeda Ben Omer, mit dem Zunamen Ben Kessir aus Damask, gestorben im I. 774 d.H., 1372.

In zehen Foliobänden eine Weltgeschichte, von der Schöpfung angefangen, bis auf das Jahr 771 oder 1369. Die Geschichte vor Mohammed ist in Hauptstücke eingetheilet, mit dem Texte des Korans und der mündlichen Ueberlieferung belegt. Vom Propheten an ist dieselbe nach der Reihe der Jahre geordnet.

Hadschi Chalfa und nach ihm Herbelot unter Tarikh Ebn Kethir.


III.

Tarich et-tabari, d.i. Geschichte Tabari's unter dem vollständigen Titel: Tarich al umem vel muluk, d.i. Geschichte der Völker und Könige, von Mohammed Ebu Dschafer Mohammed Ben Oscherir, aus Tabaristan gebürtig.


Eine der berühmtesten arabischen Geschichten vom Anfange der Welt bis auf das Jahr d.H. 329., n. Ehrist. Geb. 921.

Das sehr bändereiche arabische Original ist längst verloren gegangen, und das heut unter diesem Titel im ganzen Morgenlande gerühmte persische Werk ist ein übersetztes Compendium. Der persische Ueberseßer war Ebu Ali Mohammed El-belai, einer der Wesire der Dynastie Saman. Aus dem Persischen ward es ins Türkische übersetzt, und aus dem Türkischen diese Auszüge ins Teutsche.[14]


IV.

Enisal-dschelis ve nedim er-rebis. Der traute Beysitzer, und der treffliche Gesellschafter.


Eine arabische Sammlung von Anekdoten, Sprüchen, Ueberlieferungen und Versen.


V.

Iskendername.


Die Geschichte Alexanders.

Mehrere persische Dichter haben die Thaten Alexanders zum Stoffe ihrer Werke gewählt, wie die Dichter des Mittelalters die Thaten Carls des Großen und seiner Paladine. Die berühmtesten sind Nisami, Mir Ali Schirwani, Achmed Kermani, und Emir Suleiman. In Nisami's Pendsch Kendsch oder Fünftelschatz (dies ist der Name der Sammlung seiner episch-romantischen Gedichte) ist das Iskendername das fünfte, auch unter dem Titel Ehiridname oder Weisheitsbuch bekannt. Von einem großen türkischen Iskendername in mehreren Bänden ist dem Ueberseßer blos der vierte zu Gesicht gekommen.


VI.

Suleimanname.


Salomon's Geschichte gab, wie die Thaten Alexanders, mehr als einem persischen und türkischen Geschichtschreiber, Stoff zur Behandlung. Schemseddin Achmed Ben Mohammed aus Siwas, und Mewlana Achmed Kermani werden von Hadschi Chalfa als türkische Bearbeiter dieser Geschichte genannt. Vermuthlich ist einer dieser Beyden derselbe mit dem türkischen Ferdußi, dem Verfasser des aus siebzig Foliobänden bestehenden Suleimanname, wovon nur sechs, nämlich der ein- zwey- drey- vier- fünf- und sechs und sechzigste zu diesen Auszügen benutzet werden konnten.

[15] Unglaublich scheint es, daß ein Menschenleben lang und wohlfeil genug sey, um dasselbe auf die Zusammenschreibung von dreyhundert sechszig Bänden solcher Größe und solchen Innhaltes zu verwenden. Und doch war dies, wenn wir Latifi Glauben beymessen dürfen, mit unserm Verfasser, der unter Sultan Bajased II. lebte. Der Sultan wählte aus den dreyhundert sechszig, achtzig Bände, und ließ die übrigen verbrennen. Nach allen auf dem Büchermarkte und in den Bibliotheken zu Constantinopel angestellten Nachfragen existiren der Bände nicht mehr als siebzig, die sehr selten komplet in den Bücherauktionen um zwey bis dreytausend Piaster verkauft werden.

Siehe auch Latifi biographische Nachrichten von vorzüalichen türkischen Dichtern, S. 251.


VII.

Feraidal-fevaid fi bejan al akaid.

Zahlperlen, nützlich zur Erklärung der Glaubensartikel, von Casisade Istamboli Achmed Effendi. Quart, 293 S., gedruckt zu Skutari i.I.d. H 1220. (1805.)


Ein sehr geschätztes dogmatisches Werk, worin das Wesentlichste der islamitischen Glaubenslehre zusammengefaßt ist. Es befolgt die Ordnung der sechs vornehmsten Glaubensartikel nach der bekannten Formel: Ich glaube an Gott, und seine Engel, und seine Schrift, und seine Gesandten, an die letzten Dinge und an die Vorherbestimmung.[16]


Eh der Herr Himmel und Erden schuf, schuf er [Rand: Ibn Kessir.] sein Gezelt, und den Thron, und die Tafel des Schicksals.

Arsch, das Gezelt Gottes, aus funkelndem Rubine, umspannt die ganze Welt, hoch erhaben über dem letzten der Himmel, eine Strecke von funfzigtausend Jahren Weges. Acht Cherubim tragen dasselbe auf ihrem Rücken, unaufhörlich den Herrn preisend mit Wechselgesang; vier derselben singen:


Lob und Preis dir unser Gott!

Deiner Weisheit,

Deiner Sanftmuth.


und die vier andern antworten:


Lob und Preis dir unser Gott!

Deiner Allmacht,

Deiner Güte.


So singen sie unaufhörlich fort durch Aeonen. Unter dem Gezelte steht Cursi Gottes Thron. In Vergleich mit seiner Größe sind die sieben Himmel, und die sieben Erden ein Ringlein hingeworfen auf weites unübersehbares Feld.[1]

Aus einer einzigen Perle besteht Laub die Tafel des Schicksals, lang wie die Entfernung vom Himmel zur Erde, breit wie der Raum zwischen Osten und Westen. Ein Engel hält dieselbe auf seinem Schooße zur Rechten des Throns. Aus Licht ist die Feder gewoben, und Licht ist die Schrift des ewigen Rathschlusses, der Tod und Leben, Glück und Unglück, und das ganze Menschenloos vorherbestimmt. Jedem Menschen ist eine Abschrift des ihn betreffenden Dekretes mit unsichtbaren Buchstaben an die Stirne geschrieben.

In sechs Tagen, jeder zu tausend Sonnenjahren, schuf Gott die Himmel und Erden, und was darinnen ist. Sechstausend Jahre soll die Welt währen, die Dauer der Schöpfungszeit ward bestimmt zur Dauer der Schöpfung.

Zuerst schuf Gott das Gewässer. Sein Hauch wehte, da regten sich die Wasser, und stiegen auf in Dünsten, woraus er die Himmel, und sanken als Niederschlag, woraus er die Erden schuf. Aber haltungslos fluthete die Erde von den Wassern hin und her getrieben, da schuf Gott einen Engel ungeheurer [Rand: Adschaib.] Größe, dem Er die Erde festzuhalten befahl. Der Engel streckte eine Hand nach Osten und die andere nach Westen aus, und hielt die Erde, die dennoch schwankte.

Da schuf Gott unter den Füßen des Engels, daß er fest stehen möge, eine Felsenmasse aus grünem[2] Edelstein. Aber die Erde schwankte noch immer. Nun bürdete der Herr die Felsenmasse dem Rücken und den Hörnern eines ungeheuren Stieres auf, der vierzigtausend Augen hat, und eben so viele Ohren und Nasen, und Mäuler und Zungen und Füße, von deren einem zum andern fünfhundert Jahre Wegs sind. Ciwan ist der Name des Stieres; aber die Erde bewegte sich noch immer. Da unterlegte der Herr den Füßen des Stieres, den Rücken eines Fisches, dessen Größe alle Beschreibung übersteigt. Ein einziges seiner Nasenlöcher fasset alle Meere der Erde; sein Name ist Behemoth.

Behemoth ruht in dem Gewässer, das Gewässer auf der Luft, die Luft auf dem finstern noch unentworrenen Chaos.

So waren zwey Tagewerke der Schöpfung vollbracht, und der Herr dachte, daß es gut sey; allein da regte sich Behemoth in dem Gewässer, der Stier, und der Fels, und der Engel erzitterten, die Erde drohte zu zerbeben. Als Gott sah, daß sie noch keinen Bestand hatte, so schuf er am dritten Tage die Berge als Schließen und Pfeiler, welche dieselbe zusammenhalten und stützen, wenn sich Behemoth regt in den Tiefen des Gewässers. Nun sah Er, daß es gut war. Am vierten schuf er die Thiere und Pflanzen. Am fünften und sechsten schmückte er die Himmel mit Sonnen und Mond und Sternen und mit ihren Bewohnern, den Engeln und Dschinnen.[3] Der Sonne, dem Mond und den Planeten werden ihre Genien zugetheilt, welche dieselben aus ihren Bahnen leiten, und den Staat der Gestirne bilden.

[Rand: Nach den Gemälden des Adschaib.] Der volle Mond, ein Jüngling von vierzehn Jahren, voll blühender Schönheit, in sanfter Ruhe hingegossen auf den azurnen Polster des Himmels, versendet Glanz und stille Klarheit von seinen strahlenden Wangen.

Merkur, der Gelehrte, und Geheimschreiber voll scharfsinniger Kenntniß und listiger Anschläge, ein vortrefflicher Mathematiker, Staatsmann, Dichter und Redner, sitzt sinnend, den Kopf auf das Knie geneigt, bald mit dem Buch, bald mit der Rolle in der Hand, lesend oder schreibend.

Venus, die Lautenspielerin und Tänzerin, entlockt ihrer Laute die himmlischen Töne, welchen die Sphären entzücket horchen, und führt den Reigen der Sterne an.

Sol, der große König, thront, vom Strahlenkranz seiner Majestät umgeben, in höchster Herrlichkeit. Mit beyden Händen hält er Löwen oder Sphinre, das ist, die Ungeheuer der Finsterniß, die er siegend bezwungen. Genien umschweben ihn huldigend, und tauchen ihre weit ausgebreiteten vielfärbigen Flügel in den Glanz seines Angesichts. Lob, Ehr und Preis dem Herrscher der Sterne, dem Bezwinger der Finsterniß, dem gewaltigen Sieger!

[4] Mars, der Krieger, zeigt mit blinkendem Schwerdte aufs abgehauene Haupt hin, das er in seiner Linken halt.

Jupiter, der Richter, spricht, was Rechtens ist, aus aufgeschlagenem Gesetzbuch.

Saturn endlich, der alte böse unverbesserliche Gauner und Schelm, steht allein aufrecht mit weitauseinander stehenden Füßen, während die andern sitzen. In festem Schloß, und hinter unersteiglichen Mauern verwahrt er seine Schätze. Keiner ist ihm noch zu klug geworden, und auf tausenderley Weise weiß er Rath und Gold zu schaffen. Mit sieben Armen greift er um sich, rafft zusammen, was er vermag, und Nichts entflieht seiner Raub- und Goldgier.

Gott schuf die Engel als Bewohner des Himmels [Rand: Ibn Kessir.] und die Dschinnen (Genien) als Bewohner der Erde, diese aus Feuer, jene aus Licht.

Die Engel sind unfehlbare Geister, den Befehlen [Rand: Fereidal fewaid.] Gottes stets gehorsam, und frey von allen körperlichen Bedürfnissen. Nicht so die Dschinnen, die da essen, und trinken, und zeugen, und gebären.

Die ganze Erde hat Gott mit Geschöpfen bevölkert, [Rand: Adschaib.] auf Bergen und in Thälern, in den Höhen der Luft, und in den Tiefen des Meers regt sichs und lebt es von Geschöpfen, die seinen Namen preisen; so hat er auch die Himmel mit Engeln bevölkert; Keine Spanne derselben, wo nicht ein Engel preisend stände, oder anbetend auf dem Gesicht läge.[5]

Die vornehmsten der Engel heißen Mokarreb (Cherubim) die Nächsten dem Herrn. Darunter sind die Träger des Gezeltes Gottes, nach einigen acht, nach andern vier, wovon der erste ein Menschengesicht, der zweyte die Gestalt eines Löwen, der dritte eines Stieres, der vierte eines Adlers hat1.

1

Siehe da das Thier mit vier Angesichten Ezechiels, wo auch die Eherubim als Träger der Herrlichkeit Gottes erscheinen. S. Herders Geist der ebräischen Poesie, I. 172. II. 22.

Quelle:
Hammer-Purgstall, Joseph Freiherr von: Rosenöl. Stuttgart/Tübingen: Cotta, 1813, S. 1-6.
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