CLIII.

[283] [Rand: Dschami. 858.] Der berühmte Doktor Kaast Achbar erzählt: er sey auf einer Reise durch Syrien eines Tages zu einer Grotte gekommen, in der er wider die zunehmende Hitze des Tages Schutz und Kühlung suchte. Er fand darin einen unförmlichen belebten Fleischkloß, der allem andern eher, als einer menschlichen Figur gleich sah. Er hatte weder Augen noch Hände, noch Füße, und doch wiederholte er unaufhörlich: Gott sey Lob! Lob sey Gott! – Weswegen lobst du denn Gott, fragte ihn der Doktor; dem Anscheine nach hast du wahrlich nicht gar viele Ursache dazu, denn ich habe nie ein elenderes Geschöpf gesehen.

Geh von hinnen, Lästerer! sprach der beseelte Fleischkloß. Soll ich Gott nicht loben, daß er mir alle Werkzeuge des Lasters versagt, und alle Mittel, Böses zu thun, benommen. Die Hände hätten nach fremdem Gut greifen, die Füße mich nach verbotenen Orten tragen können. Durch die Augen hätte sich die Begierde in meine Seele gestohlen. Gott sey Lob! Alles dies hat Er mir versagt; dafür aber hat er mir ein Herz gegeben, seine Wohlthaten zu erkennen, und eine Zunge, dieselben würdig zu preisen. Lob sey Gott! was Er gemacht hat, ist Alles gut! Gott sey Lob!

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Hammer-Purgstall, Joseph Freiherr von: Rosenöl. Stuttgart/Tübingen: Cotta, 1813, S. 283-284.
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