3. Teufelsgeschöpfe, die Gott belebt.

[146] In dem Wesen des Teufels, wie es sich in den kosmogonischen Sagen kundgibt, ist der am meisten hervorstechende Zug die Eifersucht gegen Gott. Gleich ihm will er die Erde schaffen. Damit hängt auch des weiteren der Ungehorsam zusammen. Als er um Sand auf den Meeresboden hinabtaucht, umgeht er Gottes Befehl und macht den Versuch, ihn nicht »in Gottes Namen«, sondern in dem eigenen zu bringen. Ein dritter Zug ist seine Unfähigkeit: aus eigner Kraft vermag er die Erde nicht heraufzuholen. Ebenso versucht der Teufel in der Sage von der Erschaffung des Menschen vergebens, ein ihm zugehöriges Geschöpf ins Leben zu rufen: mag er den Körper, den Gott geformt hat, beleben wollen, oder mag er selbst einen lebendigen Menschen zu schaffen versuchen – er ist ohnmächtig, denn die Seele kommt allein von Gott.

Die Phantasie der Völker ist nicht bei diesen Sagen stehen geblieben. Die Vorstellung von dem unfähigen Nachahmer der Gottheit reizte zu immer neuen Erfindungen. Nun war schon im Avesta eine Anzahl Tiere als Ahrimans Geschöpfe bezeichnet worden. Kein Wunder, daß dasselbe Land, aus dem die Sage von der Welt- und Menschenschöpfung gekommen ist, auch die Anregung zu einer Menge von Tierschöpfungssagen geben konnte. Wie Ahrimans Geschöpf, der Wolf, dem Hunde des Ormuzd gegenübersteht, so ist auch in europäischen Volkssagen der Wolf eine Schöpfung des Teufels, dessen Belebung aber nur mit Gottes Hilfe ermöglicht wird. Und wie die Bremse, die fliegende Ameise, die Heuschrecke gleich allen übrigen schädlichen Insekten Ahrimans Werk sind, wie er selbst in Gestalt einer Fliege in Ormuzds Schöpfung eindringt, wie die Raupen, die Kröte, die Eidechse, die Maus und der Skorpion ihm angehören, wie überhaupt alles Schädliche und Giftige in Tier- und Pflanzenwelt, auch alle verderblichen Naturgewalten auf ihn zurückgeführt werden, so ist auch der Teufel der Volkssage der Schöpfer vielerlei schädlichen Getiers, der Urheber dorniger oder giftiger Pflanzen, der Erreger des Unwetters und[146] zeigt sich in alledem als Feind der schönen Gotteswelt, zugleich aber auch sehr oft als Gottes unfähigen Nachahmer.

Wir führen zunächst die Tierschöpfungssagen an und zwar in solcher Reihenfolge, daß an erster Stelle diejenigen stehen, welche den Sagen von der Welt- und Menschenschöpfung in den oben genannten drei Beziehungen am nächsten kommen. Hierauf folgen die, welche sich weiter davon entfernen, sodann einige Pflanzensagen. Dagegen ist alles, was über Naturerscheinungen, wie Hagel, Wirbelwind, Blitz und Donner handelt, für einen späteren Band dieses Werkes zurückgestellt.


A. Erschaffung des Wolfes.

I. Die Belebungsformel, die der Teufel umgehen will, erinnert an die Sagen von der Welt- und Menschenschöpfung (im Namen Gottes, mit Gottes Kraft, nicht ich nehme dich, sondern Gott u. dgl.).

1. Am ähnlichsten ist sie in einer polnischen Sage, die freilich am Anfang entstellt ist. Die Bitte des Teufels, den Wolf zu beleben, darf natürlich keinem göttlichen Geschöpf gelten, sondern dem eigenen. Diese Erzählung lautet, wie folgt:


Als Gott den Wolf erschuf, war dieser ohne Leben, was den Teufel sehr betrübte. Gott gestattete nun dem Teufel auf seine Bitte, den Wolf zu beleben, indem er sage, der Wolf solle auf Gottes Befehl aufstehen. Der Teufel befahl ihm wiederholt, auf seinen Befehl aufzustehen, aber es war vergeblich. Erst als der Teufel ihn im Namen Gottes aufforderte, aufzustehen, bekam der Wolf Leben und stürzte sich auf den Teufel. Der Teufel flüchtete sich auf eine Erle, aber dem Wolf gelang es noch, ihn in die Ferse zu beißen, so daß das Blut am Baume herunterfloß. Seit der Zeit fließt beim Hineinschneiden Blut aus dem Erlenbaum, und sein Holz ist rot.


  • Literatur: Zbiór wiad. d. antr. kraj. VI, 221–222, Nr. 17, ähnlich Federowsky I, Nr. 735, doch steht Jesus für Gott.

Der Schluß – die Flucht auf den Baum und dessen Rötung – gehört nicht zur Sage selbst,1 findet sich aber auch sonst in Varianten dieses Themas.

2. Eine reinere Fassung ist bei den Letten erhalten; zwar klingt dort der Wortlaut der Formel weniger deutlich an die zu vergleichenden Gruppen an, dem Sinne nach ist sie indes vollkommen dieselbe.


[147] Gott hatte schon viele Tiere geschaffen, da wollte der Teufel gern auch eins machen. Er begann damit, daß er einen Wolf fabrizierte. Er arbeitete in einem fort und war schon fast fertig, und es fehlte nur noch das Leben. Aber der Teufel wollte nicht, daß der Wolf sagen könnte, Gott hätte ihn geschaffen, und versuchte daher, ihm die Seele durch die Nase einzublasen, wobei er immer die Worte sprach: »Der Teufel hat dich geschaffen!« Aber der Wolf wollte kein Lebenszeichen von sich geben. Zwar ging der Teufel fortwährend um ihn herum, blies ihm in Ohren und Nase und sprach: »Der Teufel hat dich geschaffen.« Doch der Wolf rührte sich nicht, der Teufel mußte sich entschließen, ihm ganz leise ins Ohr zu flüstern: »Gott hat dich geschaffen!« Und sofort wurde der Wolf lebendig und floh in den Wald. Und heute noch weiß der Wolf nicht, ob er für Gott oder für den Teufel Partei nehmen soll, und er läßt sich nicht außerhalb des Waldes blicken.


  • Literatur: Revue des trad. pop. II, 486.

II. Statt der einfachen Belebungsformel steht die belebende Hetzformel. Den Zusammenhang mit der Sage von der Menschenschöpfung zeigt der Anfang in folgenden russischen Sagen:


1. Als Gott die Welt schuf, rühmte sich der Teufel, daß er auch einen Menschen erschaffen könne. Gott sagte, er solle es tun, und der Teufel machte ein Geschöpf, aber statt eines Menschen wurde es ein Wolf; er hatte ihn zwar geschaffen, aber ohne Seele, denn er konnte ihm keine Seele geben. Er wußte nicht, wie er ihn beleben solle, und fragte Gott: »Wie soll ich ihm jetzt eine Seele geben?« Gott antwortete: »Das ist sehr leicht, du brauchst nur zu sagen: ›erhebe dich, friß mich!‹ und er wird sich beleben.« Da sagte der Teufel zu dem seelenlosen Wolf, wie Gott ihn gelehrt hatte: »Erhebe dich, friß mich!« worauf der Wolf eine Seele bekam, sich erhob und sich auf seinen Schöpfer, den Teufel, stürzte, um ihn zu fressen. Der Teufel rettete sich, und aus Furcht, gefressen zu werden, warf er sich in den nächsten Fluß. Aber während er nur erst einen Fuß im Wasser hatte, ergriff der Wolf den andern und verschlang ihn.2 Darum heißt auch heute noch der Teufel: der Einfüßige, und daher stammt der Ausdruck: Der Wolf hat ihn gefressen (nämlich den Teufel), der nun auch heißt: Der unter dem Wasser.


  • Literatur: Mélusine IV, 265.

2. Als Gott den Menschen schuf, wünschte der Teufel auch einen solchen zu machen. Er ging an die Arbeit, aber statt des Menschen kam ein Wolf heraus. Um ihn zu beleben, sagte der Böse: »Beiße Gott!« Doch der Wolf rührte sich nicht. Darauf sagte Gott zum Wolf: »Beiße den Teufel!« Da richtete sich der Wolf rasch auf und stürzte sich auf den Teufel. Dieser floh und wollte sich auf einen Baum retten, wobei ihn der Wolf einholte und ihn am Bein packte. Aus den Wunden floß Blut, und dies erstarrte am Baumstamm. Der Baum aber war eine Erle. Daher ist das Holz der Erle noch jetzt rot.


  • Literatur: Čubinskij, Trudy I, 145 Nr. 3. Vgl. Mélusine IV, 266. Federowski I, 727.

[148] 3. Variante aus Russisch-Littauen:


Als Gott die Tiere erschaffen hatte, wollte der Teufel sein Glück versuchen und bildete den Wolf aus Lehm, konnte ihm jedoch keine Seele einhauchen. Da ging er zu Gott, um sich Rat zu holen. Er bekam den Bescheid, daß er den Wolf auf sich selbst hetzen solle. Der Arglistige aber ging hin und versuchte es zweimal, den Wolf auf Gott den Herrn zu hetzen. Es blieb aber der Wolf ohne Leben und regungslos stehen. Endlich zum dritten Male gewann er es über sich, den Wolf auf sich selbst zu hetzen, nachdem er zuvor sich in weite Ferne von demselben gestellt hatte. Kaum vernahm der Wolf seinen leisen Ruf, so stürzte er auf ihn los, der Teufel aber hatte kaum Zeit, sich in einen Sumpf zu versenken. Der Wolf packte nur noch seine Haare, und seit der Zeit hat der Wolf des Teufels Haare auf seinen Zähnen.


  • Literatur: Schiefner, Vergleichende Tiersagenkunde im Inland, 1862, Nr. 3.

4. Estnische Variante:


Der Teufel bildete sich aus blauem Ton einen Hund, verstand aber nicht, ihm auch Leben einzuflößen. Da wandte er sich an die Gottheit mit der Bitte, sein Geschöpf zu beleben, und diese sagte: »Wolf, erhebe dich, zerreiße den Teufel.« Nach anderen hat der Teufel selbst sprechen müssen: »Wolf, friß den Teufel auf.« Man droht dem Teufel mit dem Wolfe, um ihn einzuschüchtern und zu verscheuchen.


  • Literatur: Wiedemann, Aus dem inneren und äußeren Leben der Esthen S. 440.

5. Lettische Variante:


Gott hatte ein hübsches Hündchen. Da wollte sich der Teufel auch eins aus Ton bilden, aber er wußte ihm kein Leben einzublasen. Gott gibt ihm den Rat, er solle dem Hunde zurufen: »Hebe dich, Wolf, beiß den Teufel!« Der Teufel verändert anfangs den Spruch und ruft: »Beiß den Teufel nicht!« Da das nichts hilft, befolgt er Gottes Weisung genau. Da verwandelte sich der Hund in einen Wolf und stürzte sich auf den Teufel. Der floh vor ihm und flieht bis zum heutigen Tage.


  • Literatur: Lerchis-Puschkaitis VI, 66IV.

6. Rumänische Variante:


Der Teufel konnte den von ihm geschaffenen Wolf nicht beleben, weil er die Formel anwandte: »Spring auf und friß Gott!« Das Tier aber blieb liegen, da noch kein Leben in ihm war. Da bat sich Gott den Wolf aus, um ihn lebendig zu machen; er hobelte an ihm herum, und aus den Spänen wurden allerhand Schlangen, Frösche, Eidechsen usw. Dann befahl Gott dem Wolf, aufzuspringen und den Teufel zu fressen; der tat es und hätte ihn beinahe gefressen. Jeder Wolf hat drei Teufelshaare an der Stirn, deshalb ist er so grausam.


  • Literatur: Şezătoarea I, 180.

7. Weißrussische Variante:


Nach der Erschaffung der Welt machte der Teufel einen Wolf aus Holz, der war so groß wie ein Pferd. Er brachte ihn zu Gott und fragte: »Ist er so gut?« – »O nein! er ist zu groß!« – Da fing der Teufel an zu schnitzeln und zu schnitzeln und machte ihn so groß wie ein Füllen. Dann brachte er[149] ihn zu Gott, doch dieser sagte: »Immer noch zu groß!« Da fing er wieder an zu schnitzen und schnitzte ihn gerade recht und brachte ihn zu Gott. »Jetzt ist er gut!« sprach Gott. Da schrie der Teufel: »Wolf, beiße Gott!« Der Wolf sprang auf den Teufel los, der nicht wußte, wohin er sich flüchten sollte. Er kletterte auf eine Erle und verletzte sich dabei. Noch heute ist das Erlenholz von seinem Blute gerötet.


  • Literatur: Federovrski, Lud białorusski I, 726.

8. Ukrainische Variante:


Als Christus mit Petrus auf Erden ging, machte sich Christus einen Kater und einen Hund. Der Böse machte einen Wolf. Da liegt nun dieser da und kann nicht aufstehen. Es kommt Christus mit Petrus daher, und der Teufel hetzt: »Pack Christus an!« – Der Wolf aber steht nicht auf. – Christus sagt: »Pack den Satan an!« – Da erhebt er sich und geht auf den Teufel los, der aber springt vor Schrecken dem Wolf zwischen die Augen. Und noch heute befindet sich solch Teufel zwischen den Augen des Wolfes, und aus diesem Grunde will derjenige Jäger den Wolf nicht erlegen, der nichts weiß. Ich aber bin so klug, und wenn ich einen Wolf träfe, so würde ich sagen: »Bleib ruhig, Teufel, den Wolf schieße ich (sc. nicht dich)!«


  • Literatur: Aufgezeichnet 1899 in Mschansk, Kr. Starosambirsk. Etnogr. Zbirnyk XII, 25, Nr. 23.

9. Albanesische Variante:


Haj e, uk, e pljaß e, sche Mehil! – Friß ihn, Wolf, und mach' ihn bersten, heiliger Michael! Dieser Wunsch gilt dem Teufel, und damit verhält es sich so:

Als unser Herrgott das erste Menschenpaar schuf, war der Teufel zugegen und meinte, daß es mit diesem Kunststück nicht viel auf sich habe und er wohl auch zu schaffen verstehe. Unser Herrgott war grade guter Laune und gab ihm also die Erlaubnis, seine Kunst zu probieren. Da machte sich der Teufel einen Teig an, wie er es von unserem Herrgott gesehen, knetete daraus eine Wolfsgestalt und behauptete, daß so ein Geschöpf weit vollkommener sei, als unseres Herrgotts Machwerk. –

»Du mußt deinem Geschöpfe aber auch Leben geben,« sprach der Herr, »wie ich es bei den meinen getan.« Da machte sich der Teufel daran und blies in sein Geschöpf, bis ihm der Atem verging und sein schwarzer Kopf rot und blau wurde von der Anstrengung. Doch alles war umsonst.

Endlich ward der Herr dieses vergeblichen Beginnens überdrüssig. Er schlug mit einer Gerte dem Wolfsbild in die Seite – und darum ist der Wolf in der Mitte wie eingeknickt – und sprach: »Geschöpf, friß deinen Schöpfer!« und der Wolf lebte, und der erste, den er verschlang, war derjenige, der ihn gebildet hatte.

So kommt es, daß der Albanese die Worte des Herrn wiederholt, wenn er dem Teufel oder einem andern, den er ebenso lieb hat, Böses wünscht. Was es aber mit dem Erzengel Michael dabei für eine Bewandtnis gehabt, das wußte uns niemand zu sagen.


  • Literatur: Aus Hahn, Griech. u. alban. Märchen II, S. 144.

III. Das künstlerische Bedürfnis nach Fülle und Leben der Sage schuf eine gefällige Erweiterung, wel che im einzelnen angibt, wie der Teufel den Wolf zustande brachte.


[150] 1. Als Gott der Herr die Tiere erschuf, wollte der Teufel, der ihm einige Kunstgriffe abgesehen hatte, ihm es nachmachen und bildete aus Lehm zwei wunderschöne Wölfe, deren Köpfe aus großen länglichen Feldsteinen bestanden, nur gelang es ihm nicht, ihnen Leben und Odem einzuhauchen. Voll Verzweiflung fragte er Gott um Rat, und dieser trug ihm auf, ihnen zuzurufen: »Wölfe, steht auf, freßt den Teufel auf!« Der Teufel aber sagte statt dessen: »Wölfe, steht auf und freßt Gott auf!« Die Wölfe rührten sich nicht; ein zweiter Versuch war ebenso vergeblich. Endlich sagte er aus einiger Entfernung und hinter einem Busche stehend ganz leise: »Wölfe, steht auf und freßt den Teufel auf!« Alsbald rauschten die Wölfe wütend hervor, und obgleich sie seiner selbst nicht habhaft werden konnten, so stellen sie doch noch immer den Nachbildern des Teufels, den Gespenstern und Wiedergängern nach.


  • Literatur: Schwedisch und estnisch. Rußwurm, Sagen aus Hapsal 163, Nr. 174. Vgl. Eibofolke, § 359, 6. Wolfs Ztschr. f. Mythol. I, 179.

2. Als der liebe Gott die Welt und alle Tiere erschaffen hatte, fragte er den Teufel: »Meinst du wohl auch, daß mein Werk lobenswert sei? Oder glaubst du, daß es noch an einer wichtigen Pflanze oder einem nützlichen Tiere fehlt, oder daß die Berge nicht hoch genug und die Gewässer nicht tief genug sind?«

Diese huldvolle Frage war dem Teufel ganz nach dem Sinn.

Er faßte sich ein Herz und antwortete: »Tadel verdient dein Werk wohl nicht, aber es will mich doch bedünken, als ob ein Tier noch mangelte.«

»Welches denn?« fragte der Schöpfer verwundert.

»Nun,« sprach der Teufel, »ein Tier, das den Wald schützen und hüten könnte, damit die übermütigen Hirtenknaben nicht die Bäume schälten und die Äste brächen und Hase und Ziege die jungen Triebe nicht benagten.«

»Hab' ich denn nicht Bär und Schlange in den Wald gesetzt?« sprach der Schöpfer.

»Das hast du freilich,« sprach der Böse, »aber wenn es Winter wird, so schlafen diese Wächter, und dann ist es mir immer leid, wenn ich den Wald wie eine Waise ohne Beschützer sehe.«

Dabei gedachte aber der Teufel, selbst ein böses Tier zu schaffen, das die wehrlosen Geschöpfe Gottes würgen und überall Arges anstiften sollte.

»Welch ein Tier fehlt denn deines Bedünkens?« fragte der Schöpfer.

»Jenes Tier, das ich selbst erschaffen möchte, wenn du es erlaubst,« sprach der Teufel bittend.

»Es sei,« sagte der Schöpfer, »und ich will nichts dawider haben.«

»Aber um etwas bitte ich dich noch!« sprach der Teufel weiter. »Sieh, ich habe nicht die Macht, meinem Geschöpf das Leben zu verleihen. Wenn du mir dazu einen Spruch gäbest, so würdest du leicht merken, daß mein Geschöpf nicht schlechter geraten wird, als die deinen.«

»Auch das will ich erfüllen! Wenn du dein Geschöpf fertig hast, und wenn ihm Mund und Augen auf dem rechten Fleck sitzen, so rufe: Steh auf und verschlinge den Teufel!«

»Oho, damit wird es noch gute Weile haben!« brummte der Teufel für sich und ging weg in einen tiefen Wald. Hier las er Steine und altes Schuhwerk, Ruten und Moos auf und trug auch noch von der Dorfschmiede zwei glühende Funken und einen Haufen eiserner Nägel herbei.

[151] Darauf ging er ans Werk. Den Rücken des Tieres schuf er aus einem derben Zaunpfahl und den Kopf aus einem Baumstumpf, flocht die Brust aus Ruten und Schuhleder zusammen und baute die Lenden aus Backsteinen auf. Aus einem Farnwedel machte er dem Tier einen Schweif und aus Erlenklötzen die Füße; in die Brust aber setzte er ihm einen Stein als Herz. Nun bezog er noch den Körper mit Moos und setzte die glühenden Funken als Augen, die Nägel aber als Krallen und Zähne ein. Als er so den Leib des Tieres erschaffen hatte, da freute sich der alte Teufel über alle Maßen und gab ihm den Namen Wolf. Aber eine Seele hatte der Wolf noch nicht. Da fiel dem Meister der Spruch ein, und er schrie: »Wolf, stehe auf und verschlinge ...« Da erhob der Wolf seinen, Kopf und schmatzte mit der Zunge. Darüber bekam der Teufel einen solchen Schreck, daß er kein Wort weiter herausbrachte. Aber bald besann er sich wieder auf sein böses Werk und rief hastig: »Wolf, stehe auf und verschlinge den Herrgott!« Aber der Wolf lag still und rührte nicht einmal seinen Schweif. Wohl sagte der Teufel seinen Spruch zehnmal her, aber der Wolf achtete dessen nicht.

Nun ging der Teufel zum Schöpfer zurück und rief: »Der Spruch, den du mir gabst, ist nicht der rechte, denn der Wolf will nicht aufstehen!«

»So?« sprach der Schöpfer, »hast du denn gerufen: Steh auf und verschlinge den Teufel?«

Diese Rede hatte der Teufel nicht erwartet, bestürzt konnte er kein Wort antworten und mußte in Schanden wieder abziehen.

Wohl versuchte er es noch ferner und rief: »Wolf, steh auf und verschling den Herrgott!« Aber es half alles nichts.

Darauf lief er eine weite Strecke von dem Wolf weg und schrie: »Wolf, steh auf!« – und fügte dann ganz leise hinzu: »Verschling den Teufel!«

Du meine Güte, wie der Wolf jetzt aufsprang! Wie der Wind war er hinter dem Teufel her und hätte ihn gewiß erwürgt, wenn der Teufel nicht unter einen großen Stein geschlüpft wäre.

Seitdem ist der Wolf des Teufels ärgster Feind und sucht absichtlich alle Gelegenheit, den Bösen zu ängstigen und zu kränken. Sein Rückgrat ist steif, wie ein gerader Zaunpfahl, Krallen und Zähne sind spitz wie Eisennägel, und sein Fell ist mit dichten Haaren bedeckt. Die Augen glühen ihm wie zwei Feuerfunken im Kopfe. Sein Herz ist wie aus Stein, wenn er die unschuldigen Lämmer raubt.


  • Literatur: Harry Jannsen, Märchen und Sagen des esthnischen Volkes. 2. Lieferung. Leipzig 1888. S. 57 ff. Entsprechende lettische, estnische, schwedische Märchen bei Chr. Ed. Pabst, bunte Bilder, das ist: Geschichten, Sagen und Gedichte nebst sonstigen Denkwürdigkeiten Esthlands, Livlands, Kurlands und der Nachbarlande. Rußwurm, Eibofolke II, 201. Ähnlich ein vergebliches Anhauchen bei Wlislocki, Volksgl. und religiöser Brauch der Magyaren 1893, S. 63.

IV. Wie frei die Volksphantasie mit gegebenen Stoffen schaltet, so daß nur die allgemeinen Umrisse gewahrt bleiben, zeigt folgende Sage der Rumänen in Siebenbürgen:


Der Teufel kam zu Gott und sprach: »Unser Herrgott, jetzt hast du Menschen aller Arten auf dieser Welt, Tiere, welche im Hof der Menschen leben, und auch wilde, nur Wölfe sind keine, mach doch auch solche.« Gut. Gott zeigte dem Teufel einen großen Stein neben dem Walde: »Hör, du Teufel,[152] gehe hin zu dem Stein und sage: ›Teufel, friß den Stein.‹« Der Teufel ging und sagte: »Stein, friß den Wolf.« Der Stein rührte sich nicht. Der Teufel ging wieder zu Gott und sprach: »Der Stein rührt sich nicht.« »Wie hast du gesagt?« »Stein, friß den Wolf.« »Aber du sollst ja nicht so sagen, du sollst ja sagen: ›Teufel, friß den Stein.‹« Der Teufel ging wieder zum Stein und sprach: »Stein, friß den Teufel.« Darauf bewegte sich der Stein und fraß den Teufel; gleich stand an seiner Stelle ein Wolf mit einem Gesicht wie der Teufel.

Seitdem leben keine Teufel mehr in der Welt, aber Wölfe sind noch zu viel.


  • Literatur: Archiv d. Vereins f. siebenb. Landeskunde 23, 428, mitget. von Pauline Schullerus.

V. In ukrainischen Varianten findet sich folgende Erweiterung:


a) Der Teufel schuf mit den Wölfen auch die Hunde, Füchse, Hasen, Eber und andere wilde Tiere.

b) Der Teufel hatte den Wolf zuerst zu groß gemacht, und als er ihn beschnitt, wurden die Schnitzel Hummeln, Bremsen, Fliegen und Mücken.


  • Literatur: Dragomanov in Mélusine IV, 266.

B. Erschaffung der Ziege.

1. Die Belebungsformel findet sich in folgender Sage der Polen:


Als der Herrgott die Ziege erschuf, war der Teufel zugegen, und da er sich brüsten wollte, daß auch er Macht habe, rief er dem regungslos daliegenden Tiere zu: »Steh auf!« Aber die Ziege zuckte nicht einmal. Da dachte der Teufel mit List weiter zu kommen, und indem er nochmals rief: »Steh auf!« fügte er leise hinzu: »Mit Gottes Kraft.« Sogleich richtete sich die Ziege auf. Da wurde der Teufel böse und riß ihr den Schwanz ab. Darum haben die Ziegen jetzt nur kurze Schwänze.


  • Literatur: Zbiór VII, 109, Nr. 6. Vgl. Knoop, Volkstümliches aus der Tierwelt Nr. 494: Der Teufel sucht die von ihm aus Lehm geformte Ziege zu beleben. »Steh auf! Es ist dies mein Wille!« Dann: »So stehe denn in Gottes Namen auf!« wobei er sie erzürnt am Schwanz packt. Dieser bleibt ihm in der Hand. (Aus Brudzyn.)

2. Eine weißrussische Parallele lautet:


Als Gott bereits alle Tiere erschaffen hatte, fügte der Teufel auch eins zusammen und machte ihm einen sehr langen Schwanz. Er nannte sein Geschöpf Ziege. Aber es war ganz ohne Leben und wollte nicht aufstehen. Da ging der Teufel zu Gott und fragte: »Was soll ich tun, daß es lebendig werde?« Gott sprach zu ihm: »Geh hin und rufe: Gott befiehlt dir ›Steh auf und fliehe!‹ Wenn du dann das Tier einholst, wird man es deine Arbeit heißen, andernfalls aber Gottes Arbeit.« Da ging der Teufel hin und rief: »Gott befiehlt dir ›Steh auf und fliehe!‹« Urplötzlich erhob sich die Ziege und rannte davon. Der Teufel setzte ihr nach, und endlich gelang es ihm, sie beim Schwanze zu packen. Aber der Schwanz riß, und die Ziege entkam. Daher ist sie bis heute ohne Schwanz, auch gilt sie als Gottes Geschöpf.


  • Literatur: Federowski, Lud białorusski II, 302.

3. In einer neugriechischen Sage ist der Teufel unfähig, die Ziege zum Sitzen zu bringen.


Die Ziege hat der Teufel geschaffen, aber da sich ihre Füße nicht bogen, stand sie immer aufrecht da, und es krepierten alle Ziegen. Eines Tages zeigte er sie Christus und sprach zu ihm: »Ich habe etwas gemacht, aber ich kann[153] nicht erreichen, daß es sich setzt, und daher krepiert es mir.« Da nahm Christus sein Siegel (Petschaft) heraus und siegelte es an den Knieen, und sogleich setzte sie sich. Darum haben alle Ziegen an den beiden Vorderfüßen zwei Stempel an den Knieen.


  • Literatur: Politis, Nr. 842.

4. Eine Sage ohne die Formel, aber mit ausführlicher Darstellung der dualistischen Tendenz, wird bei den siebenbürgischen Armeniern erzählt:


Als Gott mit der Schöpfung fertig war, da wollte er noch ein Tier erschaffen, das fromm und geduldig den Menschen von großem Nutzen werde. Sinnend saß er auf seinem Throne, da trat der Teufel heran und fragte ihn: »Was sinnst du?« »Ich will,« sprach Gott, »ein Tier erschaffen, das fromm und geduldig den Menschen von großem Nutzen werde.« Und er nahm Lehm und formte ein Tier, dem er Leben einhauchte. Der Teufel machte es nach, setzte aber dem Tiere – in der Meinung, daß es dadurch schöner werde – einen Bart unter das Kinn und spitze Hörner auf den Kopf. Dann bat er Gott, er möge auch seinem Tiere Leben einhauchen. Gott tat es, und auf diese Weise wurden die Menschen gleich mit zwei neuen Tieren beschenkt, dem Schaf, das Gott gemacht, und der Ziege, die der Teufel gemacht hatte.

Der liebe Gott nahm nun ein großes Gefäß hervor, in welchem er den Verstand bewahrte, und als er bemerkte, daß sich nur noch wenig Flüssigkeit am Boden des Gefä ßes befinde, sprach er zum Teufel: »Diesen Tieren will ich nur einige Tropfen Verstand verleihen, denn im Gefäß ist nur noch wenig vorhanden, und vielleicht brauche ich davon noch für künftig zu erschaffende Tiere.« Er nahm also das Gefäß und ließ daraus einige Tropfen Verstand auf den Kopf des Schafes fallen. Als er darauf auch auf den Kopf der Ziege Verstand tröpfelte, da stieß der Teufel absichtlich an das Gefäß, und so fielen bedeutend mehr Tropfen auf die Ziege als auf das Schaf. Da rief der Teufel lachend: »Mein Tier ist nun klüger als das deine!« Gott aber erwiderte: »Es soll aber auch solch närrische Possen treiben wie du, und als Strafe dafür mit kargem Futter sich begnügen müssen.«


  • Literatur: v. Wlislocki, Märchen u. Sagen der Bukowinaer u. siebenbürgischen Armenier, S. 12 – auch in Veckenstedts Ztschrift f. Volkskunde II, S. 28. Dazu Wiedemann, Aus d. inneren u. äußeren Leben der Ehsten, S. 450 (vgl. S. 457): Die Ziege ist des Teufels eigenstes Tier, daher fürchtet sie sich auch mehr als andere Tiere beim Gewitter, durch welches der Teufel verfolgt wird.

C. Erschaffung des Schafes.

Auch das Schaf ist des Teufels Geschöpf. Gott belebt es und beschämt den Teufel. Das Motiv der Kurzschwänzigkeit der Tiere bildet den Hauptwitz.


Als Gott die Welt erschaffen, alles eingerichtet und jedem Dinge seine Bestimmung gegeben hatte, kam der Teufel und meinte, auch er vermöge solche Dinge und Geschöpfe zu erschaffen. Nun bildete er ein Schaf aus Lehm, konnte es aber um keinen Preis beleben. Zwei Tage lang ging er um das Schaf herum, zwickte es und sprach: »He, he!« doch alles umsonst.

Inzwischen stieg Gott auf die Erde hinab, um zu sehen, wie es dort stehe. Er suchte zu diesem Zwecke die ersten Menschen auf und erkundigte sich bei ihnen, ob es ihnen gut gehe, und ob ihnen die Tiere der Erde gehorchten.[154] Sie antworteten ihm, es sei alles recht und schön, und alle Tiere seien gehorsam. Nun sei aber der Teufel gekommen und habe sich gerühmt, daß er alles schöner erschaffen könne als Gott. Adam erzählte sodann, wie der Teufel vorgestern aus Lehm ein Schaf gebildet habe, aber nicht imstande sei, ihm Leben zu verleihen. Schon zwei Tage gehe er um das Schaf herum, zwicke es und rufe ihm fortwährend he, he! zu. Doch das Schaf rühre sich nicht von der Stelle. Darüber mußte Gott herzlich lachen, und er forderte Adam auf, ihn zu dem Schafe hin zu geleiten. Als sie dorthin kamen, erschrak der Teufel nicht wenig, und Gott sprach zu ihm: »Wohlan! belebe dieses Schaf!« – Antwortete der Teufel: »Schon zwei Tage gehe ich um das Tier herum, doch es will mir durchaus nicht gelingen, es zu beleben!« – Gott sprach: »Was gibst du mir, wenn ich es belebe?« – Antwortete der Teufel: »Dann soll es dir gehören.« – Der Teufel stellte sich zum Hinterteil des Schafes und nahm dessen Schweif in die Hand. Gott dagegen stellte sich zum Kopf, berührte das Schaf mit dem Finger und sprach: »He, he!« und das Schaf fing sogleich an zu laufen, während der Schweif dem Teufel in der Hand blieb.

Seit dieser Zeit ist das Schaf stummelschwänzig.

Nun schämte sich der Teufel vor den Menschen, weil er sich früher gerühmt, er werde etwas Großes schaffen und jetzt doch nichts fertig gebracht hatte. Also sann er auf Rache. Doch Gott drohte ihm, falls er sich aufzulehnen wage, so wolle er ihn in die tiefsten Höllenschlünde schleudern, woher es nimmer ein Entrinnen gibt. Damit sich aber die Menschheit zu allen Zeiten erinnere, wie sich der Teufel vermessen, Gott nachzueifern, sagte er, er werde zum Andenken daran ein Zeichen am Himmel aufstellen, wie sich der Teufel vergebens abgemüht, das Schaf zu beleben, das er gebildet. Er sprach: »Es sollen zwei neue Sterne am Himmelszelte entstehen!« Und sogleich entstanden zwei neue Sterne, die er den Menschen zeigte, damit diese sie wiederum ihren Nachkommen zeigen sollten.

Und so kann man noch heutigen Tages diese Sterne sehen, die von den Menschen Schaf (Widder) und Teufel oder Satan genannt werden.


  • Literatur: Krauß, Sagen und Märchen der Südslaven I, S. 109 ff.

D. Erschaffung des Pferdes (finnisch).

Der Teufel bat Gott, ein Geschöpf bilden zu dürfen. Er erhielt die Erlaubnis und schuf das Pferd, aber es konnte nicht atmen. Da schwang er es hin und her und sprach: »Es wäre ein gutes Geschöpf, wenn der Herr ihm Atem gäbe.« Da gab der Herr ihm Atem.


  • Literatur: Krohn, Suom. Kans. I, 272, Nr. 282.
    Vgl. dazu Höchström, Beschr. d. schwed. Lappland (übers. v. Templin). (1748) S. 154: Von Pferden (die es in Lappland kaum gibt) heißt es in Lule-Lappmarck, daß sie niemals von selber sterben, sondern von den Schweden totgeschlagen werden, wenn sie alt werden. Es soll dies sein, weil nicht Gott, sondern Perkel (der böse Feind) es erschaffen hat.

E. Erschaffung der Fledermaus (firmisch).

1. Als Gott die Schwalbe geschaffen hatte, welche einen schwarzen Rücken, einen roten Fleck unter dem Hals und einen gegabelten Schwanz hat, ließ er sie fliegen, und sie sang schmelzend. Der Teufel sagte: »Ich[155] kann auch eine solche machen.« Er fing an, eine Schwalbe zu machen, und daraus wurde eine solche, die Ohren wie eine Katze, einen Schwanz wie eine Wasserratte und lederne Flügel hatte. Sie hatte keine Füße, sondern nur Krallen unter den Flügeln, vorne und hinten, damit sie sich vor- und rückwärts bewegen könne. Er wollte sie dann fliegen lassen, als sie fertig war, konnte ihr aber keinen Atem geben und bat Gott, es zu tun. Als sie den Atem bekam, begann sie zu flattern. Da beschwor sie der Teufel: »Zeige dich niemals am Tage, sondern nur in der Nacht.« Und seitdem ist sie nie am Tage ausgeflogen.


  • Literatur: Krohn, Suomalaisia Kansansatuja I, S. 275, Nr. 289.

2. Der Teufel und Gottes Sohn schufen einst Vögel. Als Gott die seinigen gemacht hatte, fingen sie gleich an zu fliegen. Der Teufel schuf auch einen Vogel, nähte ihm Flügel von Leder und machte Krallen dazu. Aber des Teufels Vogel konnte nicht auffliegen, und der Teufel bat: »Laß meinen Vogel auch fliegen!« Der Herr aber sagte: »Dein Vogel mag dann fliegen, wenn meine Vögel ruhen.« So entstand die Fledermaus (die nur nachts ausfliegt).


  • Literatur: Krohn, Suom. Kans. I, S. 275, Nr. 288.

F. Erschaffung der Makrele.

Ein keltisches Fischermärchen erzählt:

Gott schuf alle Fische außer der Makrele. Der Teufel wünschte sich auch einmal in der Fischerschaffung zu versuchen, und so bildete er die Makrele. Aber er mußte schließlich doch Gott bitten, sie zu beleben.


  • Literatur: Celtic Magazine XIII, 107.

Fußnoten

1 Vgl. z.B. auch S. 166 und Band II: neutestamentliche Sagen. Asmus und Knoop, Sagen und Erzählungen aus dem Kreise Kolberg-Körlin S. 25, geben eine andere Erklärung für das rote Erlenholz:

Einmal schlug der Teufel seine Großmutter mit einem Erlenknüppel, so daß sie blutete und das ganze Erlenbruch – ein solches wird auch sonst als Wohnsitz des Teufels gedacht – im Blute schwamm. Davon sind noch heute die jungen Erlen blutig. Bei Gustawicz im Zbiór wiad. do antrop. kraj. VI, p. 222 heißt es: Der heilige Michael verletzte den Teufel, so daß dieser auf der Flucht zur Hölle vor Schmerz stehen bleiben mußte, und als er sich dabei an eine Erle lehnte, besudelte er sie mit Blut.


2 Parallele: Als Gott den Menschen geschaffen hatte, schuf der Teufel den Wolf, aber er konnte ihn nicht beleben, und um ihn für seine Auflehnung zu bestrafen, befahl Gott dem Wolf, seinen Schöpfer zu fressen. Dem Wolf gelang es aber nur einen Fuß zu fressen. Mélusine IV, 266 = Politis II, 472.


Quelle:
Dähnhardt, Oskar: Natursagen. Eine Samlung naturdeutender Sagen, Märchen, Fabeln und Legenden, 4 Bände, Leipzig/Berlin, 1907-1912, S. 156.
Lizenz:
Kategorien:

Buchempfehlung

Gryphius, Andreas

Horribilicribrifax

Horribilicribrifax

Das 1663 erschienene Scherzspiel schildert verwickelte Liebeshändel und Verwechselungen voller Prahlerei und Feigheit um den Helden Don Horribilicribrifax von Donnerkeil auf Wüsthausen. Schließlich finden sich die Paare doch und Diener Florian freut sich: »Hochzeiten über Hochzeiten! Was werde ich Marcepan bekommen!«

74 Seiten, 4.80 Euro

Im Buch blättern
Ansehen bei Amazon

Buchempfehlung

Romantische Geschichten. Elf Erzählungen

Romantische Geschichten. Elf Erzählungen

Romantik! Das ist auch – aber eben nicht nur – eine Epoche. Wenn wir heute etwas romantisch finden oder nennen, schwingt darin die Sehnsucht und die Leidenschaft der jungen Autoren, die seit dem Ausklang des 18. Jahrhundert ihre Gefühlswelt gegen die von der Aufklärung geforderte Vernunft verteidigt haben. So sind vor 200 Jahren wundervolle Erzählungen entstanden. Sie handeln von der Suche nach einer verlorengegangenen Welt des Wunderbaren, sind melancholisch oder mythisch oder märchenhaft, jedenfalls aber romantisch - damals wie heute. Michael Holzinger hat für diese preiswerte Leseausgabe elf der schönsten romantischen Erzählungen ausgewählt.

442 Seiten, 16.80 Euro

Ansehen bei Amazon