6. Der Kampf des guten Prinzips gegen das böse.

[172] In den vorhergehenden Sagen ist der Gedanke, daß der unfähige Nachahmer Gottes zugleich dessen Gegner sei, bis zur Unkenntlichkeit verdunkelt. In den folgenden tritt er wieder stärker hervor. Auf der andern Seite ist Gott bestrebt, die Werke des Teufels unschädlich zu machen.


1. Parsische Überlieferung.

Nach dem Avesta sind Fliegen und Raupen unreine Schöpfungen Ahrimans. Hieraus entstehen für die späteren Mazdayaçnier Konflikte. Darf ein Parse Honig genießen, der dort von einer Fliegenart zusammengetragen wird? darf er Kleider tragen, die aus den Fäden der Seidenraupe gewoben sind? Die Rivâiets antworten darauf wie folgt: Als der verfluchte Ahriman den Seidenwurm und die Biene schuf, um den Geschöpfen Ormazd's Schaden zuzufügen und die Bäume zu verderben, hat der Schöpfer Ormazd in Weisheit zum großen Nutzen seiner Geschöpfe diesen Nutzen daraus gezogen, nämlich die Seide, welche sie reinigen und färben und die man des weltlichen Schmuckes wegen anziehen darf, die Bienenzellen, welche sie recht machen ... Als Heilmittel dürfen sie genossen werden.


  • Literatur: Spiegel, Trad. Litteratur der Parsen S. 157 f.

2. Zwei rumänische Sagen.

a) Als Gott sah, daß er in keiner Weise mit dem Teufel in Frieden leben konnte, sandte er seine Engel, an ihrer Spitze den hl. Georg, gegen den Satan aus. Aber das besonders schöne Pferd des Anführers begann plötzlich rückwärts zu gehen und dadurch Verwirrung anzustiften. Der hl. Georg stieg ab und[172] hörte Gottes Stimme, die ihm sagte, das Pferd sei vom Teufel verzaubert. Da sagte der Heilige: »So sollst du denn auch in Zukunft dem Teufel gehören,« und sogleich verwandelte sich das Pferd in das Insekt, das man noch heute »Pferd des Teufels« nennt.


  • Literatur: Marianu, Insectele, p. 561.

[Entstehung der Carpocapsa pomonella L.]

b) Der Teufel gewann immer mehr Anhang auf Erden, und die Menschen lernten teuflische Künste. Da beschloß Gott einzugreifen. Er stieg auf die Erde herab, versammelte die Menschen an einem Ort und befahl ihnen, ihm ihre teuflischen Künste zu zeigen. Diese begaben sich in eine Scheune, die inmitten von Apfelbäumen lag, und zeigten, was sie konnten. Schließlich hieß sie Gott einen Apfel fertigen. Sie aber brachten das nicht fertig, deshalb schleuderte Gott einen Blitz unter die bösen Menschen, die sich in die Äpfel der umstehenden Bäume aus Furcht verkrochen, und dort sind sie bis heute geblieben. Deshalb ist ein Teil der Äpfel wurmstichig.


  • Literatur: Marianu, Insectele, p. 297.

3. Hecht und Quappe. (Syrjänisch.)

Um Gottes Schöpfung zu verschlechtern, schuf der Teufel viele schädliche Tiere, darunter den Hecht und die Quappe. Als die Engel diese Fische gewahr wurden, fingen sie sie, trugen sie zu Gott und fragten, was mit ihnen zu tun sei. Gott betrachtete sie, und als er ein Kreuz in ihrem Kopfe bemerkte, segnete er sie, so daß sie jetzt gut und den Menschen nützlich sind.


  • Literatur: Castrén, Reisen im Norden, übers. v. Helms, 1853, S. 308 = Wolfs Zeitschr. f. deutsche Myth. III, 118. Über das Kreuz s. Band II: »Sagen von Christi Kreuzigung«.

4. Sage vom Peterstag. (Finnisch.)

a) Als Gott alle Tiere in die Welt setzte, verlangte der Teufel ein Stück Land, so groß wie ein Pfahlloch, und Gott versprach es ihm. Dann machte er mit dem Pfahl ein Loch in die Erde, und davon entstand alles schädliche Ungeziefer, Insekten, Bremsen und Fliegen. Wer weiß, was daraus entstanden wäre, man hätte ihre Zahl nicht ermessen können, die Welt wäre voll von diesem Ungeziefer geworden. Da sagte der hl. Petrus: »Sie werden die Menschen fressen, wenn ihrer nicht weniger werden,« und er tat eine glühende Kohle in das Loch, so daß sie nicht herauskommen konnten. Deshalb verschwinden sie am Peterstage, und daher fürchten sie jetzt den Rauch, sonst würden sie gar nichts fürchten.


  • Literatur: Krohn, Suomalaisia Kansansatuja I, Nr. 311, p. 286 (aus Karjála). Ähnlich S. 285, Nr. 310. Vgl. Kap. I, oben S. 71 f.

b) Einstmals erbat sich der Teufel von Gott ein Stück Land, so viel unter eine Tonne geht. Gott ging nicht darauf ein. Dann bat er um so viel, wie eine Kanne deckt, doch Gott gab auch das nicht. Zuletzt bat er um so viel, daß man eine Stange darin aufrichten könne. Gott gab ihm das Loch einer Stange und überließ ihm nach diesem Maße ein Stück Land. Wenn seit der Zeit die Hexen irgend eine Krankheit heilen, so suchen sie das Loch einer Stange auf und tun die Krankheit hinein.

Finnisch. Aus Paulaharju. Handschriftlich durch K. Krohn. In demselben Orte heißt es aber auch, daß Petrus eine glühende Kohle in des Teufels Stangenloch tat. Daher stammt der Brauch, auf der Kuhtrift Heiderauch zu bereiten, damit das Vieh nicht zerstochen wird.

[173] c) Lettisch: Der Teufel bittet Gott um ein Stück Land. Gott verweigert es, da er nichts Gutes davon erwartet. Da bittet der Teufel wenigstens um so viel Erde, daß er sich mit seinem Knüttel darauf stützen könne. Das gewährt ihm Gott. Nun stützt sich der Teufel so stark auf den Knüttel, daß ein tiefes Loch entsteht, aus dem Schlangen hervorkriechen. So hat der Teufel die Schlangen auf Gottes Erde gelassen.


  • Literatur: Lerchis-Puschkaitis VII, S. 1193, Nr. XI, 131.

5. Estnische Sage von der Schlange.

Wär-jumal (Abgott, falscher Gott) kommt in den Märchen der pleskauschen Esten neben dem eigentlichen »Jumal« vor. Er hat aus Sand die Schlange geschaffen. Jumal aber bestimmte, daß sie nie durch Leinen gehen solle, daher ein mit Leinen bekleidetes Bein vor ihrem Bisse sicher ist.


  • Literatur: Wiedemann, Aus d. inn. u. äuß. Leben d. Ehsten, S. 445.

6. Ziegen, Hunde und Wölfe. (Französisch.)

Der liebe Gott hatte Pfropfreiser gemacht, da schuf der Teufel die Ziegen, um die Reiser zu fressen. Der liebe Gott schuf die Hunde, um die Ziegen zu verjagen, aber der Teufel die Wölfe, um die Hunde zu fressen. So hatte der Teufel das letzte Wort.


  • Literatur: Revue des trad. pop. I, p. 212 (aus Berry).

7. Hase und Hund. (Neugriechisch.)

Christus und der Teufel waren einmal zusammen. Da sprach der Teufel zu Christus: »Ich habe etwas erschaffen, was kein Wesen erwischen kann.« – »Laß mal sehen,« sagte Christus zu ihm, »was du erschaffen hast.« Da ließ der Teufel aus seinem Mantel den Hasen heraushüpfen; der fing gleich schnell an zu laufen. Am nächsten Tage sagte Christus zum Teufel: »Laß mal das Ding laufen, das du gemacht hast.« Aber sowie der Teufel ihn losließ, da ließ Christus einen Jagdhund los, und der erwischte ihn.

Den Teufel ärgerte es, daß Christus etwas Besseres erschaffen hatte, als er selbst, und er versammelte alle Hasen und läßt sie nun jede Nacht in seinen Äckern wühlen, und alle, die nicht gehen, die läßt er los, und es erwischen sie die Jagdhunde.


  • Literatur: Politis, Nr. 841.

8. Katzen und Mäuse.

a) Italienische Sage.


Der heilige Franziskus (di Paolo) tat Wunder über Wunder, so daß der Teufel vor Neid beinahe platzte. Da stelle man. sich vor, wie er den Heiligen versuchte! Einmal trat er in sein Zimmer ein, hatte sich wie ein großer Herr gekleidet und trug eine Kiste voll Geld: »Nimm davon, Franziskus,« sagte er, »bleibe nicht länger im Elend, sondern genieße das Leben. Der Lebensweg ist mit Rosen übersät, was willst du die Dornen aufsuchen?« Sankt Franziskus ließ sich nicht beirren, er hob die Hand und machte das Zeichen des Kreuzes, und der große Herr verschwand im Schwefelrauch. Später brachte der Teufel neue Versuchungen, die die Sinnenlust des Heiligen reizen sollten. Aber Sankt Franziskus blieb ungerührt wie ein Holzklotz, nahm seine Zuflucht zum gewohnten Kreuzeszeichen, und der ganze Spuk verschwand. Der Teufel wollte sich aber damit nicht zufrieden geben. »Ist es denn nicht möglich,[174] etwas zu erfinden, daß dieser unheimliche Mensch die Geduld verliert?« rief er, und nach langem Nachdenken glaubte er sich endlich im Besitz des Sieges. Er schuf die Mäuse, die sich zusehends vermehrten, und füllte damit das Zimmer des Heiligen. Sankt Franziskus verjagte sie mit Händen und Füßen. Aber kaum waren sie zur Tür hinaus, so kehrten sie durchs Fenster zurück; und schloß er Tür und Fenster, so schlüpften sie durch die Ritzen des Fußbodens und der Wände wieder herein. Und sie kletterten in den Rock des Heiligen, sie krochen in den Strohsack, nisteten sich im Korb ein, und es fehlte nicht viel, so hätten sie ihr Geschäft auf seinem geschorenen Kopfe besorgt. Sankt Franziskus aber – ei sieh mal an! plötzlich fing er an zu lachen. Was war denn vorgefallen? Nach einem inbrünstigen Gebet, währenddessen die Mäuse zu Haufen einen äußersten Angriff gewagt hatten, hatte Jesus Christus unter seiner Kutte einen schönen großen Kater geschaffen. Da rief Sankt Franziskus den Mäusen zu: »Halt da! Ich beschwöre euch! geht an eure Sachen, oder ihr laßt die Haut!« Aber die Mäuse spitzten ihre Schnäuzchen gegen ihn, als ob sie ihn durchbohren wollten. Da zog er den großen Kater unter seiner Kutte hervor, der warf sich auf die Mäuse, und mit dem wunderbaren Hunger, den er hatte, verschlang er sie, zwei auf einmal, wenn sie groß waren, und zu dreien oder vieren, wenn sie klein waren. Sankt Franziskus wollte sie alle vertilgen lassen und lief, um einen Eingang zum Boden zu verschließen, danach machte er Fenster und Türen zu, aber er war nicht schnell genug, von den Mäusen konnten gerade ein Männchen und ein Weibchen entfliehen. Von diesen beiden stammt die ganze lästige Mäusegesellschaft ab. Aber nach einem Gebet des Heiligen erhielt auch der Kater eine Gefährtin, und so hat sich auch das Katzengeschlecht vermehrt. Darum haben die frommen Hausbewohner des südlichen Italiens eine zärtliche Vorliebe für die Katze. Und das will ich meinen! Sie ist ja auch ein Geschöpf des Heiligen Franziskus.


  • Literatur: Mitgeteilt von Antonio de Nino in der Zeitschrift Giambattista Basile V, 93.

b) Bulgarische Sage.


Einst, als die Menschen noch Heiden waren, lebten die Teufel mitten unter ihnen; aber als die Menschen getauft wurden, retteten sich die Teufel und flüchteten sich weit von ihnen weg. Indessen befand sich darunter ein sehr boshafter Teufel; er verwandelte sich in einen Menschen, begab sich zur Kirche, stellte sich vor den Altar und beobachtete alles, was vorging, hütete sich aber wohl, das Zeichen des Kreuzes zu machen. Und als der Pope im Begriffe war, zu sprechen: »Gesegnet sei dein Reich,« da entfloh er aus der Kirche. Als der Pope dieses Benehmen wiederholt bemerkt hatte, sah er ein, daß es ein Teufel war. Eines Tages während der Messe befahl er, alle Türen und Fenster zu schließen und zu verstopfen. Dann begann er die Messe zu lesen. Er las und las, und als der Moment kam, wo er sagen sollte: »Dein Reich sei gesegnet!« wollte sich der Teufel retten, fand aber die Tür verschlossen. Er verwandelte sich in eine Fliege und warf sich gegen die Fenster, fand aber ebenfalls keinen Ausweg. In diesem Augenblick sprach der Pope die Worte: »Dein Reich sei gesegnet.« Alsbald barst der Teufel, und es kamen Ratten heraus und begannen, durch die Kirche zu laufen. Da warf der Pope seine Handschuhe hin und segnete sie; sie verwandelten sich in Katzen, die sich daran machten, die Ratten zu erwischen. Seitdem gehen die Teufel nicht mehr in die Kirche.


  • Literatur: Schischmanoff, Nr. 14.

9. Der Hagebuttenstrauch. (Schleswig-holsteinisch.)

[175] Als Gott den Teufel vom Himmel auf die Erde hinabgestürzt hatte, gefiel es ihm hier unten schlecht. Um wieder hinaufzukommen, schuf er einen Strauch mit hohen, geraden Gerten, die voll Dornen waren. Daran wollte er wie auf den Sprossen einer Leiter emporklettern. Aber Gott erriet die Absicht des Bösen und bog die Gerten nieder. So wuchs der Strauch nicht in die Höhe, sondern wandte sich nach der Seite. Da ward der Teufel ärgerlich und bog auch die Dornen, so daß sie jetzt herabgekrümmt sind und alles festhalten, was sich ihnen naht. So entstand der Hagebuttenstrauch. Andere sagen, daß Judas sich an einem solchen Strauch erhängte und daß seit dieser Zeit die Dornen sich niederwärts gekehrt hätten. In Angeln und sonst nennt man die Hagebutten darum gewöhnlich Judasbeeren.


  • Literatur: Müllenhoff, Sagen, Märchen u. Lieder d. Herz. Schlesw.-Holst, u. Lauenburg, 1845, S. 358. Vgl. Perger, S. 236; Warncke, S. 118.

10. Die Teufelsdornen. (Französisch.)

Die Teufelsdornen finden sich nur an einigen Stellen der Dünen; sie sind gewachsen, als der Teufel ein junges eitles Mädchen mit sich nahm, dessen Geliebter sich aus Verzweiflung erhängt hatte. Überall, wo sie vorbeigekommen war, sah man stachlichte Stauden sprießen, deren Stich war so giftig, wie ein Schlangenbiß. Die Schuldige wurde verdammt, sich überall, wo sie gesündigt hatte, in den Dornen zu wälzen. Da es nun aber ungerecht gewesen wäre, wenn ihretwegen alle Menschen darunter gelitten hätten, so sind fast alle diese Pflanzen verschwunden, seit der Heilige Germain ins Land gekommen ist, die letzten wachsen noch auf den Dünen von Saint-Cast.


  • Literatur: Sébillot, Folklore de France III, 367 f.

11. Die Preißelbeere. (Tiroler Sage.)

a) Als Gott alle Kräuter und Bäume schuf, wollte der Teufel auch eine Pflanze erschaffen und bat dazu um Erlaubnis, die er denn auch erhielt. Da schuf er die lockenden Preißelbeeren, sprach aber in seiner Bosheit dabei den Fluch aus, daß ihm jeder verfallen sei, der davon esse. Das war aber Gott Vater nicht recht. Er setzte daher auf jede Beere ein Kreuzlein und hob dadurch den Fluch des Teufels auf, so daß die Beeren jetzt völlig unschädlich sind.


  • Literatur: Zingerle, Sagen aus Tirol, 2. Aufl., S. 371. Vgl. Vernaleken, Alpensagen, S. 294. Die Beere ist von vier Kelchlappen gekrönt.

b) Der Teufel erschuf einst die Preißelbeere (Vaccinium Vitis Idea), machte sie recht süß, aber auch recht giftig, so daß die, welche davon genossen, schnell in Sünden dahinfuhren. Aber da erbarmten sich Gott und die hl. Jungfrau der Menschheit. Und als im nächsten Jahr diese Beeren wieder blühten, trug jedes Blütchen ein weißes Kreuz, und selbiges Kreuz blieb auch auf der späteren roten Beerfrucht sichtbar, und die Beeren waren ohne Gift und heilsam. Darüber faßte der Teufel einen mächtigen Zorn, und er simulierte, ob er nicht dennoch diese seine Beeren zum Schaden der Menschheit anwenden könne, und siehe, da erfand er das Teufelskunststück, aus Preißelbeeren Branntwein zu brennen, und lehrte das die Bauern.


  • Literatur: Alpenburg, Mythen u. Sagen Tirols, S. 254.

[176] c) Vor langer Zeit begab sich der Teufel zu unserem Herrgott und bat ihn, daß er ihm etwas zu erschaffen erlaube, wodurch er sich berühmt machen und einen größeren Anhang erwerben könnte. Der Herrgott wußte zwar, daß der Satan nichts Gutes erschaffen kann, aber er dachte sich: »der Teufel kommt mir nicht obenauf« und gab ihm die Erlaubnis. Voller Freude ging der Satan fort, und während er so darüber nachsann, was er am passendsten erschaffen könne, führte ihn der Weg durch einen Wald, wo viele Moosbeeren von wunderschöner, dunkelblauer Farbe wuchsen. »Ei,« sagte der Böse bei sich, »schöner wären diese Beeren, wenn sie meine Farben trügen,« und erschuf solcher Beeren von roter Farbe genug. Dabei tat er den Schöpferspruch, daß jeder, der ein solches Beerlein äße, mit Leib und Seele ihm gehören solle. – Es währte nicht lange, da kamen schon zwei brave Kindlein in den Wald herein, Moosbeeren zu sammeln, und fanden im Suchen auch die roten. Weil ihnen diese viel seltsamer waren, da sie die blauen doch alle Tage haben konnten, wurden sie von den roten angelockt, daß sie nicht mehr widerstreben konnten und sich schon danach bückten. Indem tut sich der Himmel auf, und der liebe Herrgott, der es geschwind bemerkt hatte, macht ein Kreuz auf die Erde herab, und siehe, von Stund an war jede Preißelbeere mit einem Kreuzlein versehen, wie es der Herrgott gemacht. Der Teufel aber fuhr mit Ingrimm zur Hölle hinab und ballte noch vor dem Höllentor die Faust hinauf vor Zorn und Ärger, daß beim lieben Herrgott zwei Kindlein mehr gelten, als er.


  • Literatur: Heyl, Volkssagen aus Tirol, S. 86 f.

12. Die Kartoffel. (Französisch.)

Einst verursachte der Teufel viele Hungersnöte, wodurch eine Menge Menschen umkamen. Der heilige Guénolé, der damals in Landévennec war, betete zu Gott, der ihm ein Scheffel Kartoffeln gab, die er dafür geschaffen hatte. Der Heilige pflanzte zwanzig Furchen um sein Kloster herum, und das darauffolgende Jahr säete er seine ganze Ernte aus. Die Kartoffel verbreitete sich nun überall, und seitdem gibt es keine Hungersnot mehr auf der Erde.


  • Literatur: Sébillot, Folklore de France III, 445 = Carnoy, Litt. orale de la Picardie 133 = Le Carguet, Les légendes de la ville d'Is, 18–20.
Quelle:
Dähnhardt, Oskar: Natursagen. Eine Samlung naturdeutender Sagen, Märchen, Fabeln und Legenden, 4 Bände, Leipzig/Berlin, 1907-1912, S. 172-177.
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