II. Schlimme Folgen des Nachahmungsversuches:

a) Für die Zuschauenden.

[162] 1. Schwank von Hans Sachs (Stuttgarter Ausg. 17, 290; Fab. u. Schwänke ed. Goetze 2, Nr. 290 u. 3, Nr. 57 = Grimm, Märchen Nr. 147).

2. Schwank von Hans Folz: Von wannen die Affen kommen.


Als Jesus und St. Peter bei einem Schmiede Herberge erbeten haben, geht ein alter kranker Bettler vorüber. Petrus bittet den Herrn, ihm die Gesundheit wiederzugeben. Jesus verjüngt ihn, indem er ihn im lodernden Schmiedfeuer jung schmiedet; aus dem Löschtrog springt ein schöner Jüngling hervor. Der Schmied will es dem Herrn nachmachen und steckt seine alte Schwieger ins Feuer; als sie aber gar zu sehr schreit, nimmt er sie wieder heraus und steckt sie in den Löschtrog. Als die Frau des Schmiedes und ihre Schnur, die beide hochschwanger sind, die Mißgestalt der verbrannten Alten sehen, entsetzen sie sich so, daß die Kinder, die sie zur Welt bringen, Affen sind. Von ihnen kommen die Affen her. (Der Hochmut des Schmiedes fehlt zwar in der Erzählung, nicht aber in der Nutzanwendung:


Pey disem schmid sölt ir verstan

Ain yeden hochmüettigen man,

Der etwz von aim andren sicht

Vnd in darumb begriesset nicht

Vnd maintt von stunden, er künd es bass usw.)


  • Literatur: Zschr. f. deutsches Altert. 8, 537.

3. Wendeler, Zu Fischarts Bildergedichten (Schnorrs Archiv f. Litgesch. 7, 330 Anm.) weist einen Holzschnitt von Georg Glockendon (15. Jahrh.) nach (Gotha, Xylogr. 13, Nr. 176), auf dem ein junger Schmied vergebens ein altes häßliches Weib in der Schmiedesse jung machen will. Links daneben steht eine schwangere Frau, die sich entsetzt, rechts in der Ecke Christus und Petrus, in der linken Ecke spielen zwei junge Affen. Die beigegebenen Verse lauten abweichend von Hans Sachs und Hans Folz, wie folgt:


Durch die gschrift hab ich vernommen,

Von wann die affen sein komen.

Do got vff erde mit petro ging

Vnd manche arme herberg empfing,

Eins tags kam er zu einem smit,

Der tet yin schon do, liesz got nit:

Er prant dem schmid sein altes weip

In seiner esz, das gantz ir leip

Ward jung vnd starck on alles gefar,

Als ob sie were XV iar.

Darnach der smit sich des nam an,[162]

In daucht, er hett gelernet schon

Die ware kunst von vnserm herrn,

Vnd nam ein altes weip on gefern

Vnd hett sie vmb den kopf verprant;

So pald das weip der hytz empfant,

Do sprang sie auf vnd liesz sich schawen:

Do pey stunden schwanger frawen –

Sie sahen iren anplick wild,

Dauon verkert sich menschlich pild;

Ale ire kinder, die sie haben geporen,

Sein alle zu jungen affen worden.


4. Volksmärchen aus Böhmen.


Eines Tages kam Jesus, der Herr, mit St. Peter zu einem Schmiede, der eben vor dem Amboß stand und glühendes Eisen schmiedete. Vor der Schmiede aber saß ein sehr alter Mann und wärmte sich in der Sonne, und das war des Schmiedes Vater. Jesus der Herr bat den Schmied um eine milde Gabe; der hartherzige Schmied aber fuhr die heiligen Wanderer grob an und jagte sie davon. Das ärgerte den heiligen Peter, der nun zu dem Schmiede sagte: »Du wirst es schon einmal bitter bereuen, daß du den Heiland so hart behandelt hast!« Da lachte der Schmied und rief spottend aus: »Wenn einer von euch der Heiland ist, so möge er ein Wunder wirken und dort meinen uralten Vater in einen Jüngling verwandeln!« Christus erwiderte kein Wort, ging aber zu dem alten Väterchen hin, führte es zu dem Schmiedeherde und hielt es plötzlich ganz in die Flammen hinein. Der Schmied erschrak zu Tode über diese unerhörte Tat; aber wie sehr erstaunte er, als nach einer Weile der Herr Jesus die Hand vom Feuer zurückzog und statt des uralten Väterchens ein blühend schöner Jüngling zum Vorschein kam! Da zweifelte der Schmied nicht länger, daß der Fremde Jesus der Herr sei. Er schämte sich seiner groben Rede, fiel auf die Knie und wollte den Herrn anbeten; aber dieser war bereits samt dem heiligen Peter vor seinen Augen verschwunden. Nun fing erst alles recht über das verjüngte Väterchen zu staunen an. Auch die Frau des Schmiedes kam herbei, um sich über das Wunder zu ärgern, denn sie selber war alt und häßlich. »Hätte der Herr Christus lieber mich in das Schmiedefeuer hingestellt!« rief sie neidisch aus und begehrte dann von dem Schmiede, er möge sie in die wunder wirkende Flamme hineinhalten, damit auch sie jung und schön werde. Der Schmied weigerte sich lange, dies zu tun; endlich aber wagte er doch das Kunststück. Kaum hatte er die Frau in das Feuer gestellt, so begann sie fürchterlich zu schreien, so daß der Schmied sie schnell wieder herauszog und in den nebenan stehenden Zuber mit Kühlwasser warf. Aber wie sah die Alte aus! Schwarz wie eine Kohle und zusammengeschrumpft wie ein Schwamm! Auf ihr Geschrei stürzten von rechts und links zwei Nachbarinnen herbei, um zu sehen, was geschehen sei. Beide aber waren guter Hoffnung, und als sie nun plötzlich die verbrannte Schmiedefrau in dem Wasserzuber erblickten, erschraken sie heftig und versahen sich. Als nun ihre Stunde gekommen war, gebar jede von ihnen – einen Affen! Die beiden kleinen Affen wurden später ein Paar, und von diesem stammen alle Affen der Welt ab.


  • Literatur: Slavische Blätter 1, Wien 1865, S. 241.


b) Für den Umzuschmiedenden.

[163] 1. Aus Deutschland.


a) Aus der Oberpfalz.


Christus und Petrus kommen an einer Schmiede vorüber, auf der geschrieben steht »Meister über alle Meister«. Christus schmiedet die Mutter des Schmiedes, ein steinaltes, buckeliges Weiblein, wieder jung. Eine alte, reiche Nachbarin wollte viel Geld darum geben, wenn sie auch so hergestellt werden könnte. Der Schmied brachte sie in das Feuer und verbrannte sie gar arg. Er legte sie dann auf den Amboß und schlug darauf herum, daß die Stücke wegflogen. Aber er und seine Gesellen konnten die Stücke nicht mehr zusammenschweißen. Ein Knecht mußte Christus nachlaufen und ihn bitten, zurückzukehren. Auf die Fürbitte des Petrus eilte der Herr zurück, legte die Trümmer nochmal in das Feuer und fing an zu schmieden, konnte aber nichts anderes als einen Affen herausbringen.


  • Literatur: Panzer, Bayr. Sagen und Bräuche 2, 18.

b) Aus Pommern.


α) Ein Schmiedegeselle war auf der Wanderschaft. Da begegnete ihm Sankt Peter, grüßte das Handwerk, und sie beschlossen, zusammen zu ziehen. Als sie ein Stückchen gewandert waren, kamen sie vor eine Schmiede, die trug ein gar prächtiges Schild, darauf stand mit großen, goldenen Buchstaben geschrieben: »Der Schmied aller Künste!« – »Warum hast du das Schild ausgehängt?« fragte Sankt Peter den Meister. »Weil ich der kunstreichste Schmied auf der ganzen Welt bin,« erhielt er zur Antwort. »Nun, dann werde ich dir ein Kunststück zeigen,« gab Sankt Peter zurück, »das du nicht nachmachen kannst.«

Mittlerweile war des Schmieds alte Großmutter in die Werkstatt getreten, um sich die fremden Männer anzuschauen. Flugs ergriff Sankt Peter das Weib bei der Hand und warf sie in das Feuer; dann mußten die Gesellen die Blasebälge arbeiten lassen, daß die Lohe zum Himmel schlug. Sankt Peter kehrte das linke Bein mit der Zange um und dann das rechte, ebenso tat er mit dem Kopf, dem Leib und den Armen, auch warf er gut Sand darauf. Als alles ordentlich durchgeglüht war, wie sich's gehört, und die alte Frau ganz feurig aussah, zog er sie aus der Esse heraus und legte sie auf den Amboß. »Jetzt, ihr Gesellen, darauf losgeschlagen!« rief Sankt Peter, und nun hämmerten sie zu fünfen auf der alten Großmutter herum, bis alle Glieder gut durchgeschmiedet waren. Dann mußte das Mütterchen in den Trog hinein, und das Wasser zischte hoch auf, als die glührote Frau hineingeworfen wurde. Als sie nun kalt geworden war, wer sprang da hervor? Da war's kein altes Mütterchen mehr, das mit dem Kopfe wackelte und Runzeln hatte, sondern ein blutjunges Mädchen von kaum achtzehn Jahren. Das sang und sprang und war schöner und lieblicher anzuschauen, als ihres Enkelkindes Frau, die doch in den besten Jahren stand.

»Wie gefällt dir das Kunststück, Meister?« fragte Sankt Peter. Und der Schmied schämte sich und tat das Schild »Der Schmied aller Künste!« fort und ward fortan ein bescheidener Mensch. Anders Sankt Peters Reisegefährte. Der hatte genau auf alle Handgriffe und Bewegungen achtgegeben und dachte bei sich: »Was der gemacht hat, kann ich jetzt auch.«

Als sie nun in das nächste Dorf gelangten und Sankt Peter sich auf eine kurze Weile entfernt hatte, sprach der Gesell bei dem Schmied vor und erbot sich, ihm seine alte Frau jung zu schmieden. Der Meister ging vergnügt darauf ein, denn[164] ein junges Weib hat man immer lieber als ein altes, und obendrein war seine Frau eine recht schmutzige, garstige Hexe.

Der Gesell ergriff nun die Alte, wie er bei Sankt Peter gesehen, und warf sie in das Feuer hinein. Da gerieten aber ihre Kleider ins Brennen, und das Fleisch begann zu braten und zu schmoren, und das alte Weib erhub ein Zetergeschrei, daß Sankt Peter es hörte und herbeilief. »Was hast du getan?« rief er zornig, »wie kannst du dich mit solchen Sachen abgeben?« – »Ach? ich will's auch nie wieder versuchen«, jammerte der Gesell, »rette mich nur diesmal aus der Not!« – »Es wird nicht mehr helfen«, sagte Sankt Peter, »du hast schon zu viel verdorben.« Und er schmiedete und schmiedete, aber es war nun einmal so; als die Frau in den Wassertrog geworfen war und sich abgekühlt hatte, sprang kein junges Weib daraus vor, sondern ein großer, garstiger Affe. Der lief in den Wald hinein. Und seit der Zeit heißt's bei den Leuten: »Von den alten Weibern stammen die Affen ab.«


  • Literatur: U. Jahn, Volksmärchen aus Pommern 1, 255.

ß) Ein gar geschickter und kluger Geselle machte dem Schmied aus seiner alten, häßlichen Frau ein junges, bildhübsches Weib. Einige Wochen später griff der gescheite Geselle zum Wanderstabe. Als er bis zum nächsten Dorf gekommen war, ergriff ihn eine solche Angst, daß er schnell umkehrte. Er fand den Schmied mit der Umschmiedung der Ehefrau des Ortsschneiders beschäftigt Der Geselle suchte die Pfuscherei des Schmiedes wieder gutzumachen; es ließ sich aber nur noch ein Affe aus dem Weibe machen.


  • Literatur: Knoop, Volkssagen aus dem östl. Hinterpommern S. 202.

2. Aus Luxemburg.


Unser Herrgott und St. Peter kamen zu einem Schmied, der sich rühmte, er sei ein Meister in seiner Art, und keiner komme über ihn. »Ich kann es besser als du,« sagte unser Herrgott und schmiedete aus einem alten Weibe eine schöne Jungfrau. Der Schmied, der eine häßliche Frau hatte, versuchte es auch mit ihr; aber es gelang ihm nicht, er schlug nur die Frau wund und rief unsern Herrgott zu Hilfe. Aber dieser konnte nur noch einen Affen aus der Frau machen.


  • Literatur: Gredt, Sagen aus Luxemburg Nr. 854, 1.

3. Aus dem Hennegau. (Die Bestrafung des Hochmutes fehlt.)


Der liebe Gott wollte einstmals sehen, wie die Men schen lebten. Er stieg vom Himmel auf die Erde und begab sich, von Petrus begleitet, auf die Wanderschaft.

Und als er so wanderte, verlor er die Zwinge seines Stockes.

»Gehen wir zu diesem Schmied,« sagte Petrus, »er wird eine andere Zwinge daran machen.«

So gingen sie hinein.

Der Schmied brachte den Stock des lieben Gottes wieder in Ordnung, wollte aber keinen Lohn dafür annehmen.

Nun saß sein Großvater gebeugt in einem großen Lehnstuhle neben dem Kamin.

»Wenn du willst,« sagte der liebe Gott, »so werde ich einen schönen, jungen Mann aus deinem Großvater machen.«

»Damit bin ich zufrieden,« antwortete der Schmied.

Der liebe Gott rief den Alten, legte ihn auf den Amboß und schlug ihn mit dem größten Hammer, den es in der Schmiede gab. Der Großvater, der am Sterben gewesen war, wurde zu einem tüchtigen, jungen Manne.

[165] Der liebe Gott und Petrus gingen fort. An der anderen Seite des Kamines aber saß noch eine alte Frau, die Mutter des Schmiedes.

»Das werde ich auch mit ihr machen,« sagte er zu sich. Er rief sie, legte sie auf den Amboß und schlug sie mit einem großen Hammer, wie er es vom lieben Gott gesehen hatte.

Aber die Großmutter blieb nur ein Haufen Fleisch.

Der erschreckte Schmied warf seinen Hammer fort und lief dem lieben Gott nach, der ganz langsam davon gegangen war.

Er holt ihn ein und fleht ihn auf den Knieen an mit gefalteten Händen:

»Kehre um, ich habe mit meiner Mutter so verfahren wie du mit meinem Vater, aber sie will sich nicht wieder beleben!«

Der liebe Gott kehrte wieder um und sah die Masse von Fleisch und Blut.

»Damit kann ich nichts mehr anfangen, man kann nur einen Affen daraus machen.«

Und es entstand ein Affe, der Gesichter schnitt. So ist dies Tier aus einer alten Frau entstanden.


  • Literatur: La Tradition 3, 250 = Gittée et Lemoine, Contes pop. du pays. Wallon S. 76.

4. Aus den Niederlanden.


a) Zu St. Eligius (Elooi), einem ebenso gutherzigen Menschen wie geschickten Schmiede, kommt ein altes Weib und beklagt sich über ihren leidigen Zustand. St. Eligius fragt sie, ob sie wieder jung werden wolle und als sie einwilligt, legt er sie ins Feuer, dann auf den Amboß und schlägt ihr mit dem Hammer alle Falten aus der Haut, so daß sie so schön wird wie ehedem. Ein fremder Schmied, der gerade zugegen ist, versucht das gleiche an seiner eigenen bejahrten Frau. Aber als sie mörderlich schreit und alle Mühe vergebens ist, ruft er St. Eligius zu Hilfe. Dieser erklärt, daß er jetzt, wo die Frau schwarz gebrannt und das ganze Werk verdorben sei, die Sache nicht mehr ins Reine bringen könne; doch wolle er das Mögliche tun. Nach einigen Hammerschlägen entsteht der erste Affe.


  • Literatur: Aus Gits. Mont en Cock, Vlaamsche Vertelsels S. 108. (In einer Variation aus Liedekerke schmiedet Eligius seine eigene Frau jung.)

b) Als Christus auf Erden wandelt, kommt er an eine Schmiede und hört drinnen jammern. Mitleidig geht er hinein, hört, daß die Mutter des Schmiedes gestorben ist, und schmiedet sie in der üblichen Weise wieder jung. – Als die Frau des Meisters nach Jahren hochbetagt stirbt, versucht dieser das Kunststück nachzumachen und schlägt sie auf dem Amboß in Stücke. Zufällig kommt der Herr wieder vorbei. Er bringt nichts weiter als einen Affen zustande.


  • Literatur: Aus Südostflandern. Teirlinck, Contes flamands 89.

5. Aus den Abruzzen.


Christus kommt zu Eligio, der sich Meister aller Meister nennt, und verjüngt einen Alten.

Eligio will es nachmachen und tötet seinen Vater beim Verjüngungsversuch; in einer Variante belebt Christus ihn wieder, nach einer anderen belebt er ihn als Affen.

Eligio geht in die Berge, wird ein Bär und hat viele Nachkommen. Nach sieben Jahren wird er wieder Mensch und stirbt, nachdem er so seinen Hochmut gesühnt hat.


  • Literatur: De Nino, Usi e Cost. Abruzz. 4, 79.

[166] 6. Aus Dänemark.


a) Der Schmied nennt sich Meister über alle Meister. St. Peter deutet auf den Heiland: »Der ist der Meister!« Ein altes vorübergehendes Weib wird vom Heiland jung geschmiedet; der Schmied nimmt seine alte Mutter und versucht es vergeblich mit ihr, bis St. Peter den Heiland bittet: »Laß doch etwas daraus werden!« – »Mag sie denn ein Hermelin werden!« Das Tier war ja früher Mensch, und so verhält es sich mit ihm.


  • Literatur: Kristensen, Folkeminder 6, 239, Nr. 329.

b) Der Heiland und St. Peter auf der Wanderung ruhen bei einem Schmiede aus, seine alte Mutter ist sehr gebrechlich; der Heiland schlägt ihr vor, ob sie nicht Lust habe, wieder jung zu werden. »Ja, gewiß!« St. Peter zieht den Blasebalg, der Heiland schmiedet, und nach einer langen, sehr ausführlich beschriebenen Behandlung wird sie die schönste Jungfrau. Der Schmiedegeselle, der auch eine alte Mutter hat, versucht dieselbe Arbeit; der Schmied hilft ihm, sie feuern und hämmern zwei Tage hindurch, am Ende fliegt sie wie eine Eule aus der Schmiede.


  • Literatur: Dänisch: Kristensen, Folkeminder 6, 239, Nr. 330.

7. Aus Estland.


a) Ein Schmiedegeselle geht betrübt im Walde spazieren. Er versteht nichts Rechtes zu arbeiten, und der Hunger droht ihm. Ein Greis begegnet ihm und gibt ihm einen wunderbaren Hammer, mit dem man alles machen kann. Der Geselle findet Arbeit bei einem Meister. Er soll eine alte Kutsche ausbessern. Sobald der Meister sich entfernt, lockt der Geselle die anderen Gesellen in den Krug, wo sie trinken, bis der Meister kommt und sie schilt. Der Geselle schlägt mit dem Hammer an die Kutsche – sie ist fertig und sehr hübsch. Ein altes Weib kommt und sagt: »Da fehlt ja die Deichsel!« »Was schwatzt du!« schreit der Geselle und erschlägt sie mit dem Hammer. Den Leichnam wirft er hinter die Schmiede. Nach drei Jahren erinnert er sich des Weibes hinter der Schmiede. »Halt,« sagt er, »ich mache ein schönes Mädchen aus ihr!« Er schlägt mit seinem Hammer dreimal dem Weibe an den Kopf, und ein bildschönes Mädchen entsteht. Der Meister hört es, erschlägt seine Großmutter und wirft sie hinter die Schmiede. Nach drei Jahren holt er sie heraus und schlägt ihr mit dem Hammer an den Kopf, aber ohne Erfolg. Er bittet den Gesellen, der schlägt wieder dreimal mit seinem Hammer. Es entsteht ein alter haariger Affe. Daß der Affe vom Menschen abstammt, bezeugen seine menschenähnlichen Hände und Füße, die Brust und die sonstigen Glieder.

b) Ein Schmied hatte eine so häßliche Frau, daß er sie nicht ansehen konnte. Als sie einmal in die Schmiede kam, wo er arbeitete, erfaßte den Schmied eine so heftige Wut über ihre Häßlichkeit, daß er sie ergriff und in einen Sack steckte und den Gesellen befahl, mit den Hammern zuzuhauen. Als das Geschrei verstummte, glaubte er sie tot und ließ sie hinter die Schmiede werfen. Aus Barm herzigkeit öffnete einer der Gesellen den Sack. Da kroch später eine häßliche Gestalt heraus und humpelte zum Walde. Da lebte sie und ihr nachfolgendes Geschlecht, und alle waren gleich häßlich. Das Volk aber nannte sie »Affen«, so wie sie die Mutter schon einen »Affen« genannt hatten.

In einer anderen Erzählung heißt es, daß der Teufel den Affen schuf, indem er Gott nacheiferte, der den Menschen erschaffen hatte. Und so wie der Mensch[167] zum Bilde Gottes geschaffen wurde, so schuf der Teufel den Affen sich zum Bilde (Vgl. Natursagen 1, 156.)


  • Literatur: Aus dem handschr. Nachlaß von Dr. J. Hurt.
Quelle:
Dähnhardt, Oskar: Natursagen. Eine Samlung naturdeutender Sagen, Märchen, Fabeln und Legenden, 4 Bände, Leipzig/Berlin, 1907-1912, S. 162-168.
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