B. Gram und Sehnsucht Liebender.

[387] 1. Aus Rumänien.


a) Es waren einmal ein Kaiser und eine Kaiserin, die von ihren Untertanen sehr geliebt wurden. Nur eins fehlte zu ihrem Glücke: sie hatten keine Kinder. Nach vielen Jahren, als sie schon ihre Hoffnung aufgegeben hatten, kam eine kleine Tochter zur Welt, die man »Klein Lichtchen« (rum. Luminioară, die Leuchtende) nannte. Klein Lichtchen wurde ein sehr hübsches Mädchen. Damit sie nun nicht verzaubert werde, ging sie niemals spazieren. Da fragte die Mutter sie eines Tages, warum sie niemals spazieren ginge; sie antwortete, sie würde es tun, wenn es ihrer Mutter Freude mache. Und als die Sonne untergehen wollte, ging sie hinaus in den Garten. Wie sie sich darin umsah, freute sie sich sehr, denn alles war neu für sie. Aber von allem, was ihr gefiel, bewunderte sie den Sonnenschein am meisten, und sein Bild blieb in ihrem Herzen. Alle Abende ging Klein Lichtchen hinaus, um den Sonnenschein anzusehen, und wurde zuletzt von ihm verzaubert, so daß sie gern zu ihm gewollt hätte. Von dieser Sehnsucht wurde das Mädchen schwer krank.

Die Eltern erschraken und fragten sie, was die Ursache ihrer Krankheit sei, aber sie antwortete nicht. Doch als Klein Lichtchen sie beide so traurig und besorgt sah, sagte sie zu ihnen, sie möchte gerne in die Welt gehen, um ihr Glück zu finden. Als die Eltern sie von diesem gefährlichen Plan nicht mehr zurückhalten konnten, ließen sie sie ziehen.

Klein Lichtchen zog nun in die Welt, um den Strahlen palast des Sonnenscheines zu finden. Nach langer Reise kam sie an ein Feld voll toter Menschen. Das war ein Schlachtfeld, und die Toten waren Soldaten. Sogleich zog Klein Lichtchen die Kleider eines Soldaten an, um nicht als Mädchen erkannt zu werden.1 Nicht weit davon fand sie ein Pferd, das bestieg sie und ritt vorwärts, bis sie zu einem Heere gelangte. Die Anführer des Heeres glaubten zuerst, daß dieser Soldat ein Spion sei, und hielten ihn an, aber als sie sahen, daß sie sich geirrt hatten, nahmen sie ihn in ihre Dienste, und bald kam es zu einer Schlacht gegen die Feinde.

Klein Lichtchens Heer wurde besiegt, und sie floh und gelangte zu einem Brunnen, an dem eine alte Frau saß und Spinnweben spann. Diese Frau hieß Dunkelheit, und sie freute sich sehr, wenn man sie beim Namen nannte.

Als Klein Lichtchen sie sah, rief sie:

»Gott, sie ist schwarz wie die Dunkelheit.«

Da freute sich die alte Frau, daß das Mädchen ihren Namen wußte, und fragte sie, woher sie käme und wohin sie ginge. Da erzählte Klein Lichtchen ihr alles.

»Wenn du mir folgst, so wird dir alles gelingen,« sagte die Dunkelheit, »gehe[387] immer nach Osten, bis du an einen Berg von Kristall kommst, und wenn du ihn erklettern kannst, wirst du am Ziel sein.«

Klein Lichtchen machte sich auf den Weg, und nach zwölf Tagen beschwerlicher Reise kam sie zum Kristallberg. Aber ihr Pferd war müde und matt, und sie wußte nicht, wie sie den unbesteigbaren Berg erklettern sollte. Da sah sie einen Schmied, den bat sie, ihr Pferd zu beschlagen, und mit großer Anstrengung erklomm sie den Berg. Oben dehnte sich eine weite Ebene vor ihr aus. Durch die ritt sie hindurch und gelangte bald an einen großen, schönen Palast. Darin wohnten drei Mädchen, die kamen ihr entgegen und sagten: »Du unglückliches Wesen, was bringt dich an diesen Ort? Seit wir hier sind, hat niemand außer dir zu uns kommen können.« Die Mädchen meinten aber, daß es ein Mann wäre, denn Klein Lichtchen war ja als Soldat angezogen, und sie nahmen ihn freundlich auf. Eines Tages sagten sie:

»Wir wollen gerne, daß du eine von uns heiratest, aber wir sind drei, und wenn du eine wähltest, könnten die andern neidisch werden. So sollst du lieber unser Bruder sein.«

»Nicht euer Bruder,« sagte Klein Lichtchen, »sondern eure Schwester, denn ich bin ein Mädchen wie ihr. Die Männerkleider, die ich trage, habe ich angelegt, um auf der langen Reise weniger belästigt zu werden.«

»Um so besser! Wenn du ein Mädchen bist, so werden wir vier Schwestern sein!«

Von da an waren die Mädchen fröhlich und zufrieden, nur Klein Lichtchen wurde immer trauriger. Als die anderen sie nach der Ursache ihrer Traurigkeit fragten, sagte sie, sie müsse nun bald von ihnen ziehen. Und kurz darauf nahm sie Abschied.

Da schenkten ihr die Schwestern ein Schwert und sagten: »Dieses Schwert hat die Eigenschaft, ein halbes Heer zu töten, sobald man es halb zieht, doch wenn man es ganz zieht, fällt das ganze Heer außer dem Anführer.«

Klein Lichtchen nahm das Geschenk, dankte ihren Schwestern, bestieg ihr Pferd und zog immer nach Osten. Bei einem Brunnen traf sie einen schönen und starken Jüngling. Auf ihre Fragen antwortete er ihr, er sei der An führer eines besiegten Heeres, sein Kaiser sei vom Feinde umzingelt, und er könne nichts tun, um ihm zu helfen.

»Ich werde euch allen helfen,« sagte sie, »bringe mich zu deinem Kaiser.«

Der Hauptmann und Klein Lichtchen kamen auch glücklich bis zum Kaiser, und sie versprach ihm, daß sie ihn und sein Heer vom Untergang erretten wolle. Dann bat sie um ein Pferd und Kleider, bestieg das Pferd und ritt mit ihrem Schwert dem Heer entgegen. Kaum aber hatte sie das Schwert gezogen, so sanken alle Feinde sofort um. Der Kaiser des feindlichen Heeres aber fiel ihr zu Füßen und bat um Gnade. Klein Lichtchen verzieh ihm, nachdem er versprochen hatte, daß er nie wieder mit seinem Nachbar Krieg führen würde. Der gerettete Kaiser aber heiratete seine Retterin.

Klein Lichtchen jedoch, die ihren Mann nicht liebte, fand ein Mittel, um aus ihrem Gefängnis zu entschlüpfen. Eines Tages, als der Kaiser nicht zu Hause war, entfloh sie und ging immer nach Osten, bis sie einen steinalten Mann traf. Der konnte kaum noch sprechen, und seine weißen Haare reichten bis zu den Knieen. Klein Lichtchen wusch ihn, schnitt ihm die Haare ab und gab ihm zu essen. Da fragte der Alte sie, woher sie käme und wohin sie ginge. Sie erzählte ihm ihr Unglück und daß sie den Sonnenschein suche, den sie liebe. Der Alte zeigte ihr den Weg und sagte: »Der Weg zu ihm ist weit, aber nicht mehr gefährlich.[388] Du wirst einem Hund begegnen, gib ihm dieses Stückchen Brot zu fressen, aber kein anderes, so wird er dir nichts antun. Dann wirst du an einen schönen und glänzenden Palast kommen, da wohnt der, den du suchst.«

Klein Lichtchen ging weiter mit dem Brot, das der Alte ihr gegeben hatte, und begegnete einem Hund, der hatte drei Köpfe und wollte sie zerreißen. Aber sie warf ihm das Stück Brot hin, und er verschwand. Dann kam sie zu dem Palast, der war so leuchtend, daß man ihn nicht ansehen konnte. Daneben war ein Brunnen, von dessen Wasser trank sie, und sogleich konnte sie ihn ansehen. Darauf ging sie in das Schloß und fand ihren Geliebten, den Sonnenschein, der hatte Klein Lichtchen auch sofort sehr lieb. Aber seine Mutter, eine böse alte Frau, verwünschte das Mädchen, denn sie fürchtete, es könne ihren Sohn verführen, der die Sünde nicht kannte.

»Weil du gewagt hast, in dies Schloß einzudringen, um durch deine Schönheit und deine Rede meinen unschuldigen Sohn zu betören, so verwünsche ich dich: verwandle dich in einen Vogel und fliege immer in die Höhe, um vor Sehnsucht nach dem Sonnenschein zu weinen.«

Als sie dies sagte, wurde Klein Lichtchen in einen kleinen Vogel verwandelt, den die Menschen die Lerche nennen, und der fast jeden Tag hoch in die Lüfte fliegt und nach dem Sonnenschein weint und zu ihm hinaufsingt.


  • Literatur: Revue des trad. pop. 8, 598 = Marianu, Ornitologia 1, 356.

Variante:


Der Kaiser heißt Titus und die Kaiserin Gheorghina. Die Kaiserin bekommt die Tochter, nachdem sie von dem Wasser eines Baches getrunken hat, wie ihr eine Frau im Traum sagt.

Das Kind wächst an einem Tag so schnell wie andere in einem Jahr. Ihre Abenteuer auf dem Wege zur Sonne sind folgende:

Sie kam an einen Fluß, den sie nicht überschreiten konnte. Ein schönes, weißgekleidetes Mädchen stieg aus den Wellen und sprach:

»Du wirst an dein Ziel kommen, aber dein Glück wird von kurzer Dauer sein.«

Als das Mädchen dies gesagt, verschwand es, und eine Brücke war über den Fluß geschlagen, die die Tochter des Kaisers voll Freude überschritt. Nicht weit davon traf sie eine alte Frau, der sie ihr Geheimnis anvertraute. Die gab ihr in die rechte Hand einen kleinen Zweig, und in die linke einen kleinen Ring und befahl ihr, ein Kreuz mit dem Zweig zu machen und zu sehen, was geschähe.

Wie sie nun das Kreuz gemacht hatte, wurde sie in die Luft gehoben und kam bald am Sonnenpalast an.

Ein großer Fluß umgab ihn, und wer hinüberwollte, mußte ein Silberstück geben oder ein Jahr in der Welt irren. Sie gab den Ring. Ein zweiköpfiger Hund wollte sie zerreißen, als die Mutter der Sonne sie fragte, was sie wolle.

Sie konnte aber nicht lügen, und die Mutter verwünschte sie und verwandelte sie in eine Lerche.


  • Literatur: Revue des trad. pop. 8, 601.

b) Ein gewaltiger Kaiser hatte eine sehr schöne Tochter, um die sich viele Königssöhne bewarben. Sie aber wollte keinen von ihnen heiraten, sondern liebte heimlich einen jungen Mann, den sie jede Nacht im Garten traf. Schließlich wollte der Liebhaber sie entführen, wurde aber gefangen und enthauptet. Aus Schmerz über diesen Verlust bat die Tochter eine Zauberin, sie in einen Vogel zu verwandeln.[389] So wurde sie denn zur Nachtigall, Gott aber verwandelte ihren Geliebten ebenfalls zur Nachtigall. Sie singen nun in der Nacht zu derselben Zeit, wo sie im Schloßgarten immer zusammen waren.


  • Literatur: (Gekürzt.) Marianu, Ornitologia 1, 239. Vgl. Revue des trad. 8, 43.

c) Im Anfang war die Amsel eine sehr schöne Königstochter, die von den zahlreichen Freiern den zum Gatten wählte, den sie am meisten liebte. Aber nicht lange war sie glücklich; der Mann starb, und die arme Gattin konnte sich nie und nimmer über seinen Tod trösten. Schließlich bat sie Gott, sie in einen Vogel zu verwandeln. So wurde sie zur Amsel. Das schwarze Gewand zeigt noch heute die Trauer der Amsel, die durch ihre schönen Gesänge den toten Gatten aufzuwecken sucht. Deshalb lernt die Amsel auch leicht neue Lieder, in dem Bestreben, immer besser singen zu lernen. Sie baut ihr Nest gern in Sträuchern, um ihrem in der Erde schlummernden Gatten näher zu sein.


  • Literatur: Marianu, Ornitologia 2, 282. Vgl. Revue des trad. pop. 8, 45.

d) Die Ileana Consânzeana, ein schönes und zartes Mädchen, das mit dem Munde die entzückendsten Lieder sang, während es mit den Augen weinte, und der Voinic înflorit (beide Gestalten der rumänischen Sage) trafen einst den Erzengel Gabriel als Greis verkleidet. Die beiden Männer gingen eine Wette ein: Gabriel sagte, der junge Held werde übers Jahr noch viel gebückter und schwächer sein als er, der Greis.

Ileana fragte beim Weitergehen den Voinic înflorit, wer denn der alte Mann sei; sicher habe er sich verkleidet, denn durch seinen Handdruck sei sie innerlich tief ergriffen worden. Über diese Worte wurde der Voinic înflorit zornig, er ergriff das Mädchen und schleuderte es einen steilen Abhang hinab, so daß es tot liegen blieb.

Übers Jahr trafen sich die Männer wieder; der Voinic înflorit war ein Schwächling geworden, der Engel Gabriel aber kam in Gestalt eines Helden und fragte nach der Ileana. Der Voinic wollte seine Tat nicht eingestehen, da zeigte der Engel Gabriel eine Schar roter Käfer, die Ritterwanzen (Lygaeus equestris), und sagte: »Diese Käfer sind aus dem Blute der Ileana entstanden.« Vor Schreck verwandelte sich der Voinic înflorit ebenfalls in einen Käfer, die Feldgrille (Gryllus campestris L.), der noch heute seine Geliebte Ileana beklagt.


  • Literatur: Marianu, Insectele 426.

2. Kleinrussische Sage.


Einst überfielen die Tataren unser Dorf, versengten alles, was es nur gab, erschlugen die Christenleute, und was sie konnten, schleppten sie. mit sich fort. Sie töteten damals auch den Mann einer jungen Frau, seinen Kopf aber vergruben sie im Schilf am Dnjestr. Sie wußte nur nicht, wohin sie den Rumpf getan. Daher verwandelte sich die junge Frau in eine Möve und flog über Wiesen und Weiden über den Dnjestr hin, den Körper ihres Mannes zu suchen. Aber auch bis heute kann sie das Verlorene nicht finden; sie fliegt über dem Grabe, wo der Kopf vergraben, und stöhnt die schwere Klage.


  • Literatur: Etnogr. Zbirnyk 12, 191, Nr. 188.

3. Aus Litauen.


Der Litauer sagt: Dajnas, der Jüngling, verliebte sich in die Skajstoy, doch bat er sie vergebens um Gegenliebe, und er stürzte sich aus Verzweiflung in den Fluß.

[390] Aber die Götter erbarmten sich des armen Jünglings und verwandelten ihn in eine Nachtigall [männl. Geschl.]. Jetzt erst entbrannte Skajstoy in Liebe für den Jüngling, und die Götter verwandelten sie in eine hundertblättrige Rose.


  • Literatur: Die Natur, NF. 5, 1879, S. 212. Vgl. Schacherl, Geheimnisse der Böhmerwäldler S. 5.

4. Aus Südindien.


Irgendeiner Sünde wegen wurden ein paar Liebende plötzlich in Rostgänse (Braminengänse, anas casarca) verwandelt und verbringen jetzt ihre Nacht an den gegen überliegenden Ufern eines Flusses und rufen über das Wasser hinweg einander klagend zu: »Chakwi, darf ich kommen?« »Nein, Chakwa.«


  • Literatur: Calcutta Review 1901, July bis Oct., p. 71. Vgl. Crooke, Populär religion and folklore of North India 2, 247. Brehm, Tierleben 6, 622.

5. Aus Korea.


Eine der Hofdamen hatte eine Liebschaft mit dem Palastbeamten Kim. Dies wurde entdeckt, und das arme Ding verlor sein Leben. Ihr Geist aber konnte nicht getötet werden und ging in den Pirol über, flog zum Palast und sang: »Kim-pul-lah-go, Kim-pul-lah-go,« und als sie keine Antwort erhielt, bat sie traurig: »Kim-poh-go-sip-so, Kim-poh-go-sip-so«. Das erste heißt: »Ruft Kim,« das zweite: »Ich möchte Kim sehen.«


  • Literatur: Allen, Korean Tales S. 30.

6. Sage der Tonkinesen.


Es lebte einmal in alten Zeiten eine Jungfrau mit Namen Mondschein. Die war reich, schön und tugendhaft und blieb stets daheim, um einen Gatten zu wählen. Drei Jahre lang sah sich jeder Freier zurückgewiesen. So erreichte sie ihren sechsundzwanzigsten Frühling.

In derselben Zeit lebte auch ein junger Gelehrter namens Chiêm-khôi. Ganz dem Studium ergeben, dachte er nicht an die Ehe. Er wartete, bis er eine glänzende Stellung hätte, um sich dann eine Frau zu suchen, die seiner würdig wäre. Als auch er sein sechsundzwanzigstes Jahr erreicht hatte, hörte er die Schönheit und Tugend der jungen Mondschein preisen. Er bewarb sich um sie, und Mondschein gab dem Jüngling, der so edel aussah und sich so fein benahm, ihr Jawort.

Mehr als zwei Jahre lebten die Neuvermählten zusammen. Im achten Monat des dritten Jahres aber starb Chiêm-Khôi. Die arme Mondschein war so trostlos, daß man sie drei Jahre weder lachen noch mit einer Menschenseele sprechen sah. Sie war entschlossen, ihrem Gatten treu zu bleiben. In ihrem Schmerze weinte sie Tag und Nacht.

Als sie nun die drei Trauerjahre treulich eingehalten hatte, wurde sie in eine Grille verwandelt.

In der tiefsten Nacht und im Schweigen des Tages fuhr sie fort, ihre Klagen erschallen zu lassen, als ob sie immerfort den Tod ihres Gatten beweinte. Aber wenn der Herbst naht, die Zeit, wo Chiêm-Khôi ihr entrissen wurde, da verdoppelt sie ihre traurigen Klagen, und ihr Gesang erweckt trübe Gedanken.


  • Literatur: A. Seidel, Anthologie der Volksliteratur der Asiaten S. 250.

7. Sage der Algonquin.


(Gekürzt.) Ka-ka-kè, der Fischreiher, raubt mit einem Freunde zwei Mädchen, um sie zu heiraten. Die Eule sieht sie durch die Luft fliegen und beneidet Ka-ka-kè. Eule und Rabe halten sich beiseite und begrüßen Ka-ka- kè nicht bei seiner[391] Ankunft. Darauf wird eine Jagd veranstaltet und der Rabe nicht dazu eingeladen. Der Rabe taugt nichts, nicht zur Nahrung und nicht zu anderem, er war aber neidisch, folgte Ka-ka-kè immer und schrie »Ka, ka, ka«, und so schreit und klagt er noch immer, wo er auch hingeht. Die Eule liebte aber Ka-ka-kès Braut und ruft noch nach ihr. Sie ist solch Schwätzer, daß sie fortwährend erzählt, wie Ka-ka-kè die Braut von der Insel raubte. Sie sitzt für sich allein und ruft die ganze Nacht: »O huuh huuh huuh ho huuh!«


  • Literatur: Journal of Am. Folklore 7, 202 ff. (Stark gekürzt bis auf den Schluß.)

Fußnoten

1 Vgl. hierzu Wollner, Anm. zu Brugmann-Leskien S. 662, Hauffen, Gottschee S. 305, Nr. 77, S. 433.


Quelle:
Dähnhardt, Oskar: Natursagen. Eine Samlung naturdeutender Sagen, Märchen, Fabeln und Legenden, 4 Bände, Leipzig/Berlin, 1907-1912, S. 392.
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