Hindustani-Sprichwörter.[333] 190

1. Was du einer Dirne giebst, nützt dir weder hier noch im Jenseits.

2. Wo Mohammedaner sind, ist Zivilisation.

3. Segne den, dessen Nahrung du isst.

4. Wenn er keinen König hat, ist vergeben (Kartenspiel).

5. Eine Jungfrau und graue Haare (wenn man etwas Wunderbares oder Unmögliches hört).

6. Trenne dich nicht von deinem baren Gelde um künftigen Vorteils willen.

7. Ich säete Weizen und erntete Gerste (Böses für Gutes empfangen).

8. Gutes thun heilst in Wahrheit religiös sein.

9. Dein Eigen ist dein Eigen, Fremde sind Fremde.

10. Eine Tochter, ein Schwiegersohn und ein Neffe, diese drei gehören einem nie.

11. Der eigene Schmutz ist (so gut wie) Essen (die eigenen Fehler sind Tugenden).

12. Selbst gethan ist wohl gethan.

13. Er ist sein eigener Trompeter.

14. Ein Freund in der Not ist ein wahrer Freund.

15. Wer sich selbst geschändet hat, wird nicht zagen, andere mit Schande zu bedecken.

16. Eile ist Thorheit, Geduld ist Weisheit.

17. Das Beste ist der Ackerbau; in der Mitte steht der Handel; niedrig ist der Dienst; das Schlechteste ist Betteln.

18. Zweifeln heisst verloren sein.

19. Er mag nicht einmal seine Hände zum Munde erheben (äusserste Faulheit).

20. Markttag kommt einmal in der Woche (das Eisen schmieden, solange es warm ist).

21. Die Gesellschaft bildet die Menschen; wie die Saat, so der Baum.[334]

22. Hört ein Wunder! Ein Eunuch hat einen Sohn bekommen.

23. Der kleinste Dienst ist dankeswert.

24. Liebe erzeugt Liebe.

25. Das Hemd ist geliehen, aber sie bietet es 50 verschiedenen Leuten an.

26. Kein Geld, keine Achtung.

27. Ein kleiner Mund und ein grosser Bissen.

28. Neun bar sind besser als 13 schuldig.

29. (Hast du) ein Werkzeug in der Hand, (so hast du) Nahrung für den Magen.

30. Ein hohles Korn ist bald weggeblasen.

31. Sie hat nicht einmal ein ganzes Ohr und verlangt Ohrringe.

32. Was du giebst, wird dir zum Schild (auch: unsere guten Thaten sind unser Schild).

33. Lache mit denen, die lachen; kämpfe mit denen, die kämpfen.

34. Solange man lebt, darf man hoffen.

35. Ein Diener für einen Diener, ein Wetterdach für eine Hütte!

36. Ein lahmes Eichhörnchen, und das Nest ist im Himmel (geringe Kräfte und grosser Ehrgeiz).

37. Ein Wink genügt dem Klugen.

38. Besser unfruchtbar, als nur ein Kind haben (und dieses verlieren).

39. Er kann nicht a und b unterscheiden.

40. Fleisch und Blut (= Blutsverwandte) können nicht getrennt werden.

41. Den Staar in seinem eigenen Auge sieht er nicht, aber das Gerstenkorn am Auge eines anderen.

42. Eine junge Frau und ein neugeborenes Kind muss man vom ersten Tage an erziehen.

43. Ist der König blind, so ist die Stadt dunkel.

44. Einer brütet die Eier aus, und ein anderer trägt[335] die Küchlein davon (one beats the bush and another catcheth the bird).

45. Das Gewissen ist der Stachel der Seele.

46. Besser das Auge verloren, als immer Schmerz (daran).

47. Er hat alle fünf Finger in der Butter (= sitzt in der Wolle).

48. Ein Strohhalm vor dem Auge verbirgt einen Berg.

49. Ein Kümmelkorn im Maul eines Kamels (ein Tropfen auf einen heissen Stein).

50. Er sitzt auf dem Kamel, und doch beissen ihn die Hunde (= er ist ein Pechvogel).

51. Wenn deine Worte dem Munde entfahren sind, gehören sie einem andern.

52. Neue Herrscher, neue Gesetze.

53. Nur Könige können Könige verstehen.

54. 12 Wege und 18 Stege (embarras de richesse).

55. Er sitzt so gefühllos da, wie eine Statue auf dem Dunghaufen.

56. Iss was du willst, aber kleide dich für die Welt.191

57. Wer Geld borgt, verliert oft Freunde.

58. Strecke deine Füsse nach der Decke.

59. Wer anderen eine Grube gräbt, wird selbst hineinfallen.

60. Er macht einen Berg aus einem Senfkorn.

61. Gesundheit allein ist soviel wie tausend Segnungen.

62. Er säet Senf in seinen Handflächen (d.h. verspricht ausserordentliche Leistungen).

63. Für falsche Ideen giebt es keine Medizin.

64. Ein Teufel in der Wohnung der Heiligen (ein Wolf in Schafskleidern).

65. Der Bader wäscht jedermanns Füsse, hält es aber für unter seiner Würde, seine eigenen zu waschen.

66. Ein kluger Feind ist besser als ein thörichter Freund.[336]

67. Eine lebendige Katze ist besser als ein toter Tiger.

68. Arbeit ist des Menschen Los.

69. Wer ein Haus baut und ein Weib nimmt, häuft siebenzig Plagen auf sein Haupt.

70. Wenn er den Wagen sieht, bekommt er geschwollene Füsse (und möchte fahren).

Quelle:
Seidel, A. (Hg.): Anthologie aus der asiatischen Volkslitteratur. Weimar: Verlag von Emil Felber, 1898, S. 333-337.
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