Von Heiligen und Zauberern

[393] 28. Die Heiligenscheine. Quelle: mündliche Überlieferung.

Der Himmelsmeister, Tiän Schï auf dem Lung Hu Schan, ist der sogenannte Taoistenpapst.

29. Laotse.

Die Geburtsgeschichte zeigt Verwandtschaft mit der des Buddha.

Daß er bei der Geburt weiße Haare gehabt hat, ist eine Erklärung des Namens Laotse, der entweder heißen kann: »alter Meister« oder: »altes Kind«.

Von den Taoisten wird mit Vorliebe die Reise Laotses nach Westen vor die Geburt Buddhas verlegt, der nach manchen nur eine Reïnkarnation Laotses ist.

Der Paßwächter am Han-Gu-Paß ist unter dem Namen Guan Yin Hi auch in Liä Dsï und Dschuang Dsï genannt.

Über seine Beziehung zum Taoteking vgl. »Das Buch des Alten vom SINN und LEBEN«, Einleitung. Hier ist die Geschichte noch weiter ausgesponnen.

30. Der alte Mann. Quelle: vgl. Schen Siän Dschuan.

Zinnober ist bei der Herstellung des Lebenselexiers häufig verwendet. Vgl. Nr. 31.

Fu Hi, der »brütende Atem«, vgl. Nr. 23.

Schildkröten sind besonders langlebig, vgl. Liä Dsï V, I.

31. Die acht Unsterblichen I. Quelle: mündliche Überlieferung.

Die Legenden von den acht Unsterblichen (Ba Siän) als zusammengehöriger Gruppe gehen nicht über die Mongolendynastie zurück. Natürlich sind die einzelnen in anderem Zusammenhang schon früher bekannt. Einige von ihnen, wie Han Siang Dsï, sind historische Persönlichkeiten, andere rein mythisch. Heutzutage spielen sie eine große Rolle in der Kunst und dem Kunsthandwerk. Auch ihre Embleme kommen häufig vor.

Dschung Li Küan hat einen Fächer.

Dschang Go hat eine Bambustrommel mit zwei Stäben (und Esel). Lü Dung Bin hat ein Schwert auf dem Rücken (und Blumenkorb). Tsau Go Giu hat zwei Brettchen (Yin Yang Ban), die er in die Luft werfen kann.

[393] Li Tiä Guai hat die Kürbisflasche (aus der eine Fledermaus als Glückssymbol hervorkommt).

Lan Tsai Ho (der auch weiblich dargestellt wird), hat eine Flöte.

Han Siang Dsï hat einen Blumenkorb und Kräuterhacke.

Ho Siän Gu hat einen Schöpflöffel (meist lotosblumenartig gestaltet).

32. Die acht Unsterblichen II. Quelle: mündliche Überlieferung. Beigetragen von Lic. W. Schüler.

Feldgott-Tempelchen: Tu Di Miau, ganz kleine steinerne Kapellchen, stehen vor jedem Dorf. Über den Feldgott vgl. Nr. 63. Auch der Affe Sun Wu Kung verwandelt sich auf seiner magischen Flucht in eine solche Kapelle. Vgl. Nr. 100.

33. Die beiden Scholaren. Quelle: vgl. Tang Dai Tsung Schu. Die Geschichte wird in die Zeit des Kaisers Ming Di (58–75 n. Chr.) verlegt.

Das Motiv des Siebenschläfermärchens kehrt in China oft wieder. Vgl. auch die hübsche Allegorie von der »Pfirsichblütenquelle« in der Anmerkung zum 80. Kapitel des Taoteking (übersetzt von R. Wilhelm).

34. Der Priester vom Lauschan. Quelle: Liau Dschai Yän Yi.

Lauschan: Gebirge im deutschen Kiautschougebiet. Seit alters berühmt als Wohnort der Unsterblichen.

Die Mondfee ist Tschang O, vgl. Nr. 19. Siehe dort auch das Nähere über die »eisige Halle«.

35. Der geizige Bauer. Quelle: Liau Dschai Yän Yi.

»Bonze« in der Übersetzung für »Taoist« im Urtext.

Deichsel, im Chinesischen eigentlich die eine Handhabe. Die kleinen chinesischen Wagen sind einrädrige Schubkarren mit zwei Handhaben.

36. Strafe des Unglaubens. Quelle: vgl. Sehen Siän Dschuan. Dort statt der »Jünger« Brüder.

We Be Yang z.Z. der Handynastie. Einer der Begründer der alchimistischen Richtung des Taoismus.

37. Morgenhimmel. Quelle: vgl. Schen Siän Dschuan.

Die Mutter des Morgenhimmels (Dung Fang So) ist nach einer Tradition die dritte Tochter des Himmelsherrn. Vgl. Anm. zu Nr. 16. Dung Fang So ist eine Inkarnation des Holzsterns oder Sterns des großen Jahres (Jupiter).

Königvater des Ostens, einer der fünf Alten, Repräsentant des Holzes (vgl. Nr. 15). Die roten Kastanien sind, ebenso wie die Feuerdatteln, Götterfrüchte und verleihen Unsterblichkeit. Der dunkle Himmel ist der Nordhimmel.

Urnebel, Hung Mong, vgl. Dschuang Dsï XI, 4.

Morgenhimmel konnte sehr gut pfeifen. Das Pfeifen ist eine der bekannten Zauberbeschäftigungen der Taoisten.

Der Kaiser Wu vom Hause Han (Han Wu Di) ist einer der Fürsten, die sich besonders viel mit Zauberkünsten abgegeben. Er regierte von 140–86 v. Chr.

Die dreibeinige Krähe in der Sonne ist das Gegenstück zur dreibeinigen Regenkröte im Mond.

[394] Das rote Wasser erinnert an das »schwache« Wasser am Schloß der Königinmutter des Westens.

38. Der König Mu von Dschou. Quellen: Liä Dsï, Mu Tiän Dsï Dschuan, Schen Siän Dschuan usw.

Mu von Dschou regierte von 1001 bis 946 v. Chr. An seinen Namen knüpfen sich die Geschichten von den wunderbaren Reisen ins ferne Westland, besonders zu der Königinmutter (Si Wang Mu). Si Wang Mu ist ursprünglich wohl der Name eines Stammes. Die Lautzeichen wurden dann dem Sinn nach ausgedeutet als »Königinmutter des Westens« und so der Mythologie die Tür geöffnet, die sich an diese Göttin – die von manchen mit Juno identifiziert wird – knüpfte. Über die Pfirsiche der Unsterblichkeit, die sehr an die Äpfel der Hesperiden erinnern, vergleiche auch die Geschichte vom Affen Sun Wu Kung, Nr. 100.

39. Weibertreu. Quelle: vgl. Gin Gu Ki Guan.

Diese Geschichte von dem Philosophen Dschuang Dsï und seiner Frau ist eine ausschmückende Sage, die sich um die Stelle vom Tode der Frau Dschuang Dsïs (Dschuang Dsï Buch XVIII, 2) herumgerankt hat. Auch sonst sind Stellen aus Dschuang Dsï sagenhaft mit dem Text verwoben, so der bekannte Schmetterlingstraum (II, 12) u.a. Seine Frau war eine geborene Tiän. Das Haus Tiän regierte im Staate Tsi (Ostschantung) seit 379, nachdem es schon lange vorher die maßgebende Stellung im Staate usurpiert hatte. Prinz von Tschu. Tschu war ein Staat im Süden des damaligen China.

40. Der König von Huai Nan. Quellen: Schen Siän Dschuan, Huai Nan Dsï usw.

Der König von Huai Nan hieß Liu An. Er stammte aus der Familie der Handynastie. Viel beschäftigte er sich mit Magie und zog eine Menge Magier an seinen Hof, deren Arbeiten in dem unter seinem Namen gehenden philosophischen Werk vereinigt sind. Er lebte zur Zeit des Kaisers Wu (vgl. Nr. 37). Da dieser keine Nachkommen hatte, ließ sich Liu An in eine Verschwörung ein, die aber entdeckt wurde. Im Jahre 122 v. Chr. gab er sich infolge davon selbst den Tod. Unser Märchen zeigt die sagenhafte Umbildung dieser Ereignisse.

41. Der alte Dschang. Vgl. Schen Siän Dschuan.

»Ehevermittlerin«: Zur Eheschließung ist nach chinesischer Sitte – die sich mit der Sitte anderer orientalischer Völker deckt – eine Vermittlung zwischen den beiden Familien unbedingt nötig. Es gibt ältere Frauen, die sich gewerbsmäßig diesem Berufe widmen.

42. Der gütige Zauberer. Vgl. Tang Dai Tsung Schu, Schen Siän Dschuan u.a.

Kupferstücke: Gemeint sind die alten chinesischen Kupfermünzen, die in der Mitte durchbohrt sind und an Schnüren zu 500 bzw. 1000 angereiht zu werden pflegten. Ein solcher Strang repräsentiert etwa den Wert von einer Mark. Eine Million sind also je nach der Rechnungsweise 1000–2000 Mark. Der Geldwert im alten China war jedoch wesentlich höher als heutzutage.

[395] »Am persischen Bazar«: Zur Tangzeit war China in lebhaftem Verkehr mit dem Westen, dessen Spuren eben gegenwärtig in Zentralasien erforscht werden. Persische Bazars waren damals in der Hauptstadt, dem heutigen Si-An-Fu in Schensi, keine Seltenheit.

»Kräuterofen«: Ein Dreifußkessel zum Brauen des Lebenselixiers. Darauf haben auch die Feen, der Drache und Tiger – beides Sternbilder – Bezug. Der Meister bedarf zur Herstellung des Elixiers unbedingter Standhaftigkeit. Daher hat er sich den Du Dsï Tschun durch seine Wohltaten verpflichtet. Die gelbe Mütze, die der Meister trägt, hat Beziehung zu den Lehren des Gelben Alten, vgl. Nr. 15.

Der Höllenfürst Yän Wang oder Yän Lo Wang ist der indische Yama. Es gibt im ganzen zehn Höllenfürsten. Der fünfte ist der höchste und gefürchtetste. Über die Details der chinesischen Höllen vgl. auch das folgende Märchen.

»Verstocktheit«: Wörtlich: sein Verbrechen ist Verheimlichung. Diese gehört dem Yin- oder dunklen, weiblichen Prinzip an. Daher die Auswirkung dieser Geistesart zu seiner Wiedergeburt als Weib führt.

»Aus dem Ofen schlugen purpurne Flammen heraus« Während Du Dsï Tschun die übrigen Gefühlsregungen bemeistert hatte, so daß ihm Furcht und Schreck nichts anzuhaben vermochten, war als letzter Rest die Liebe, und zwar in ihrer höchsten Form als Mutterliebe, zurückgeblieben. Diese Liebe erzeugt die Flammen, die das Gebäude zu verzehren drohen. Das Höchste im Taoismus – ebenso wie im Buddhismus – ist aber die vollkommene Ertötung aller Gefühle.

43. Wie einer den Höllenfürsten beschimpfte. Quelle: Schauspiel.

Yüo Fe gehört noch heute zu den populärsten Helden der Geschichte. Um 1127 hatten die Gin-Tartaren die ganze kaiserliche Familie des Sunghauses gefangen genommen. In der Hauptstadt Kaifongfu entstand Aufruhr. Prinz Kang entfloh. Da sah er ein Pferd am Wegrand grasen. Er setzte sich darauf. Es schwamm mit ihm durch den Yangtse und rettete ihn so. Als er in Sicherheit war, fiel das Pferd um, und es zeigte sich, daß es aus Ton war. Der Prinz machte nun Hangdschou zu seiner Hauptstadt und begründete die südliche Sungdynastie.

Unter den Gefangenen am alten Kaiserhofe war auch der Minister Tsin Gui gewesen. Er ward von dem Herrscher der Gin in geheimem Einverständnis zurückgeschickt, und es gelang ihm und seiner Frau, den tapferen und edlen Yüo Fe zu Tode zu bringen, 1141. In Hangdschou, aber auch sonst allenthalben im Reich, finden sich bis auf den heutigen Tag Tempel des Yüo Fe. In deren Vorraum sind eiserne Statuen von Tsin Gui und der Langzunge (Me Ki Siä) angebracht in kniender Stellung, die von den Tempelbesuchern beschimpft und tätlich insultiert werden.

Die Höllenschilderungen entsprechen ganz den volkstümlichen Anschauungen, wie sie in den Höllendarstellungen in den Stadtgotttempeln der Kreisstädte Nahrung finden.

Fünfter Höllenpalast: Wie oben schon erwähnt, ist der Fürst der fünften Hölle (Yama) der höchste der Totengötter. Seine Kleidung[396] ist die eines Herrschers. Der Fransenhut (vgl. die Abbildung des Stadtgottes) entspricht der Krone.

44. Wie Mu Liän seine Mutter aus der Hölle holte. Quelle: mündliche Überlieferung.

Die Hungerhölle, aus der Mu Liän seine Mutter holte, ist im vorigen Stück schon erwähnt. Die Sage selbst ist ein Gegenstück zur Orpheussage.

Quelle:
Wilhelm, Richard: Chinesische Volksmärchen.Jena: Eugen Diederich, 1914, S. 393-397.
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