Natur- und Tiergeister

[397] 45. Die Blumenelfen (vgl. Tang Dai Tsung Schu).

Salix: Die Namen der Blumenelfen sind im Chinesischen als Geschlechtsnamen gegeben, die im Klang an die Blumennamen erinnern, ohne sie geradezu zu nennen. In der Übersetzung ist das Wortspiel durch die lateinischen Namen angedeutet.

Zephirtanten: Im Chinesischen ist der Name der Tanten »Fong«, das in anderer Schreibweise »Wind« heißt.

46. Der Bergelf. Vgl. Liau Dschai.

47. Der Geist vom Wu-Liän-Berg. Die Sage stammt aus Dschutschong, im Westen der Kiautschoubucht.

»Meerblickturm«: Bin berühmter Turm, von dem aus man das Meer sah. Der Name ist im Volksmund heute auf die Signalstation in Tsingtau übertragen.

Weto: Sanskrit Veda, ein fabelhafter Boddhisatva, der Heerführer der vier Himmelskönige. Sein Bild mit gezücktem Schwert findet sich am Eingang jedes buddhistischen Tempels. Statt des Schwerts hat er in China häufig eine an den Donnerkeil erinnernde Keule. Es liegt hier wohl eine Verwechslung mit Vaišramana vor.

48. Der Roßberggeist. Quelle: wie Nr. 47.

49. Der Ameisenkönig. Quelle: Tang Dai Tsung Schu.

Vgl. zu der Schilderung der Zwerge Goethes Hochzeitslied: »Wir singen und sagen vom Grafen so gern«.

50. Der kleine Jagdhund. Quelle: Liau Dschai. Das Stück ist wohl eine Parallele zum vorigen. Es ist wiedergegeben als Probe, wie derselbe Stoff in verschiedener Bearbeitung wiederkehrt.

51. Der Drache nach dem Winterschlaf. Quelle: Liau Dschai.

Der Drache, das Haupt der Schuppentiere und Insekten, macht nach chinesischer Vorstellung auch einen Winterschlaf durch. Dabei ist er ganz klein. Beim ersten Frühlingsgewitter erhebt er sich im Blitz wieder zu den Wolken. Es kommt hier die Natur des Drachens als atmosphärischer Erscheinung zum Ausdruck.

52. Die Geister des gelben Flusses. Quelle: mündliche Überlieferung.

An die Stelle des alten Flußgottes Ho Be (Flußgraf), der in Dschuang[397] Dsï XVII genannt ist (vgl. Nr. 85, 63), sind im Volksglauben heutzutage die Dai Wang getreten. Beim Bau der Eisenbahnbrücke über den gelben Fluß haben diese Geister die Arbeit sehr verzögert.

Stauer: Die Vorstellung vom Wert eines Menschenopfers bei Brückenbauten ist auch sonst verbreitet. Grade in Verbindung mit dem gelben Fluß scheinen sich Menschenopfer in China, die sonst sehr selten sind, verhältnismäßig zähe zu halten. Vgl. auch Nr. 85. Geistertäfelchen: Götterbilder sind erst durch den Buddhismus in China eingeführt worden. Die alte Sitte, die sich z.B. bei der Konfuziusverehrung und dem Ahnendienst noch bis heute erhalten hat, hat als Sitz der Geister ein kleines Holztäfelchen, auf dem der Name des Verehrten geschrieben ist. Schauspiele als Gottesdienst finden sich wie im alten Griechenland in China durchweg.

Dsiningdschou ist eine Kreisstadt am Kaiserkanal in der Nähe des gelben Flusses.

53. Die Drachenprinzessin. Zu Nr. 53 und 54 vgl. Schen Siän Dschuan über den Drachenkönig vom Ostmeer vgl. Nr. 18 und 100.

Die Perle unter dem Kinn des Drachen stammt aus Dschuang Dsï.

Hohlgrün, Kung tsing, ist eine Holzart.

Über So Pi-Lo und Lo Dsï-Tschun vgl. das Nähere in Nr. 54.

54. Hilfe in der Not.

»Dschou Bau nahm die Schuld auf sich«: Der Beamte ist für das Ergehen in seinem Bezirk verantwortlich, wie der Kaiser für das des ganzen Reichs. Da außerordentliche Naturereignisse eine Strafe des Himmels sind, liegt, wo sie vorkommen, eine Schuld der Menschen vor. Dieser Gedankengang vereinigt sich aber sehr wohl damit, daß, wie im vorliegenden Fall, Uneinigkeiten unter den Luftgeistern zu dem Unglück geführt; denn wo in der Menschenwelt starke Tugend herrscht, sind die Geister an solchem Gebahren gehindert.

»Pauken und Trommeln ertönten zugleich«, wörtlich: Pauken und Becken .... Pauken gaben das Zeichen zum Vorrücken, Becken zum Rückzug. Das gleichzeitige Ertönen beider Signale sollte das feindliche Heer verwirren.

55. Die verstoßene Prinzessin. Quelle: Tang Dai Tsung Schu.

»hütete Schafe.« Schafe als Bild der Wolken kommen auch sonst vor. (Schafe und Ziegen werden in China mit demselben Wort bezeichnet.) Tsiän Tang, Name des Orts als Name des dort herrschenden Gottes.

»Die Sintflut.« Gemeint ist die Überschwemmung, die der große Yü als Yaus Minister reguliert hat. Hier in übertreibendem Sinn als Sintflut dargestellt.

56. Das Fuchsloch. Quelle: Volkserzählung.

Der Fuchs als Dämon, der von den Menschen Besitz ergreifen kann, ist im chinesischen Volksglauben allgemein verbreitet. Eine Menge hysterischer Erscheinungen werden auf ihn und das Wiesel zurückgeführt. Oft handelt es sich um rasch vorübergehende Zustände. Über die Art der Vorgänge geben die hier vorliegenden Märchen Auskunft.

[398] 57. Fuchsfeuer. Eine ähnliche Geschichte steht in Liau Dschai.

Der Fuchs bereitet aus seinem Atem, den er zum Monde aufsteigen läßt, das Lebenselixier. Kann man ihm das rauben, so erhält man übernatürliche Kräfte.

58. Der Fuchs und der Bonner. Quelle: mündliche Überlieferung.

Der Drache als Verkörperung des Donners und Blitzes haßt alle Unreinheit. Darum sucht ihn der Fuchs durch den unreinen Weiberrock zu bannen. Damit nimmt er ihm aber zugleich die Möglichkeit, zum Himmel, seinem Elemente, aufzusteigen.

59. Der freundliche und der schlimme Fuchs. Quelle: mündliche Überlieferung.

Eine göttliche Verehrung des Fuchses ist erst neueren Datums. Sie kam wohl aus der Mandschurei nach China (vgl. Nr. 60). Es ist wahrscheinlich, daß dabei außerchinesische Einflüsse – eventuell mandschurische oder auch japanische – vorliegen. Hühner und Wein schätzt der Fuchsgeist besonders, vgl. dazu Nr. 56. Über die Art des Spuks, den die Füchse anrichten, sowie den Schwindel, der bei ihrer Bannung oft getrieben wird, gibt dieses Märchen gute Auskunft.

60. Der große Vater Hu.

Der Name des Gottes ist: Hu Tai San Yä, »großer, dritter Vater Hu«. Er ist der dritte unter seinen Brüdern. Das Zeichen Hu ist als Familienname geschrieben. Doch wird es genau wie Hu = Fuchs gesprochen. Es widerspräche der Achtung, den Gott als Fuchs zu bezeichnen, da ein Fuchs trotz seiner Zauberkünste ein verächtliches Tier ist. Der mandschurische Einfluß der Sage ist deutlich. Die Tempel dieser Fuchsgottheit haben sich in den letzten Jahren der Mandschudynastie, namentlich in Schantung, einer großen Beliebtheit erfreut.

Kaiser Hiän Fong, der Gatte der Kaiserin Tsï Hi, regierte von 1851 bis 1862.

61. Die sprechenden Silberfüchse. Quelle: mündliche Überlieferung.

Das Wort, das hier mit »Silberfuchs« wiedergegeben ist, heißt Pi. In dem Märchen Nr. 9 ist dasselbe Wort mit Panther übersetzt. Das Wesen dieses Fabeltiers schwankt nämlich zwischen Fuchs und Panther.

»Die alte Mutter« ist eigentlich die Muttergöttin des Taischan. Sie wird aber auch an andern Orten hauptsächlich als söhnespendende Gottheit verehrt.

Bild des Taoistenpapstes: Vom Taoistenpapst, dem sogenannten Himmelsmeister (Tiän Schï), gemalte Talismane sind besonders wirksam gegen allerhand Zauber. Auch der Kriegsgott Guan Di wird als Retter und Heiland in allerlei Not angerufen.

Quelle:
Wilhelm, Richard: Chinesische Volksmärchen.Jena: Eugen Diederich, 1914, S. 397-399.
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